Alle Jahre wieder. Kurzgeschichten zum Weihnachtsfest. Dr. Ronald Henss Verlag. 2005. 18 Weihnachtsgeschichten aus Deutschland, Österreich und Namibia

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Ein eher ungewöhnlicher Gewinn

© Astrid Pfister


Als Chris nach Hause kam, erlebte er seine Frau aufgeregt wie schon lange nicht mehr.
"Schau mal, was wir heute im Briefkasten hatten" sagte sie mit leuchtenden Augen und hielt ihm einen Zettel hin.
Es handelt sich um eine dieser unseriösen Gewinnbenachrichtigungen.
Chris wollte den Zettel schon zurückgeben als er sah, wohin die Reise ging.
Eine Reise zum Weihnachtsmann lautete die Überschrift.
Der Gewinner würde abgeholt werden und dann ging es direkt zum Nordpol zum Haus des Weihnachtsmannes. Inklusive eines Dinners.
Chris schüttelte den Kopf, das war natürlich genau das richtige für seine Frau.
Sie liebte diesen ganzen Weihnachtskram von Herzen.
Seine Eltern waren genauso gewesen als er klein war. Jedes Jahr musste er einen Brief an den Weihnachtsmann schreiben und in der Nacht vor Heiligabend Plätzchen rausstellen.
Er selbst hatte schon relativ früh nicht mehr an diese Sache geglaubt.
Aber seine Frau war natürlich ganz aus dem Häuschen und redete den ganzen Abend über nichts anderes.
Nach tagelangen Betteln rief er die auf den Zettel angegebene Nummer an und fand heraus, dass es sich tatsächlich um einen Gewinn handelte. Die Reise war komplett umsonst.
Bestimmt hatte seine Frau Charlotte heimlich mitgespielt und ihm nicht davon gesagt.
Um ihr eine Freude zu machen, nahm er die Reise an und am Ende der Woche fuhren sie los.
Nach ein paar Tagen hatte sie ihr Ziel erreicht und Chris war mittlerweile auch begeistert. Immerhin konnte man eine Reise zum Nordpol nicht mal eben im Reisebüro buchen und die Landschaft war einfach unglaublich.
Die Designer hatten sich wirklich Mühe gegeben, denn das Haus des "Weihnachtsmannes" sah wirklich so aus, wie man es sich vorstellte.
Seine Frau war natürlich hingerissen und schaute sich überall um.
Als es schließlich Abend wurde und das Essen mit dem "Weihnachtsmann" näher rückte, wurde Charlotte immer aufgeregter.
"Warum bist du denn so nervös? Du willst mir doch nicht ernsthaft sagen, weil du den Weihnachtsmann trifft?" fragte Chris.
Seine Frau lief rot an und murmelte "Wer sagt dir denn, dass es ihn nicht gibt, vielleicht ist es wirklich der echte?"
Er starrte seine Frau fassungslos an "Wie kann man denn nur so unrealistisch sein?"
Er wollte ihr gerade die Meinung sagen als es klopfte.
Es war der Mann der sie zum Essen bringen sollte.
Mit eher missmutigem Gesicht folgte er seiner Frau und betrat einen festlich geschmückten Raum.
Am Tisch saß wie versprochen der "Weihnachtsmann".
Charlotte nahm rechts von ihm Platz und wurde herzlichst begrüßt.
Er selbst suchte sich einen möglichst weit entfernten Platz aus und konzentrierte sich auf sein Essen.
Er fragte sich wie viel Geld dieser Schauspieler für so etwas wohl bekam. Wahrschein mehr als genug.
Mit solch lächerlichen Sachen verdiente man sich dumm und dämlich.
Während er immer ruhiger wurde, unterhielt sich seine Frau die ganze Zeit völlig angeregt. Natürlich ging es um Weihnachten. In den schillerndsten Farben schilderte Charlotte frühere Weihnachten und ihre Wangen glühten dabei wie die eines Kindes.
Chris ärgerte sich derweil immer mehr sich auf so etwas eingelassen zu haben. Welcher vernünftige Mensch glaubte denn heutzutage noch an Weihnachten?
Er hatte nicht übel Lust aufzustehen und diesem Kerl den falschen Bart runterzureißen.
Dann aber sah er das glückliche Gesicht seiner Frau und nahm sich vor ruhig zu bleiben und ihr diese Freude zu lassen.
Für ihn war dieses ganze Weihnachtsgetue eh nur lächerlich und er freute sich darauf, die Feiertage endlich hinter sich zu lassen.
Nach vier Stunden verabschiedeten sie sich schließlich und gingen wieder zurück auf ihr Zimmer.
Den ganzen Abend schwärmte ihm seine Frau von dem schönen Gespräch vor und nahm sich vor, Weihnachten ab jetzt noch intensiver zu feiern.
Am nächsten Tag mussten sie in aller Frühe aufstehen, denn heute war der Tag der Rückreise.
Beide wurden herzlichst vom "Weihnachtsmann" verabschiedet und Chris dachte, dass es zwar alles gespielt aber trotzdem eine schöne Reise gewesen war und zumindest seiner Frau war dem Zauber erlegen.
Pünktlich am Heiligabend kamen Chris und Charlotte wieder zu Hause an.
Während er die Koffer auspackte, stürzte sich seine Frau in die Essensvorbereitungen.
Gerade als Chris den letzten Pulli aus dem Koffer nahm, fiel etwas auf den Boden.
Es handelte sich um einen Briefumschlag der an ihn adressiert war.
Als er den Brief öffnete sah er, dass er vom "Weihnachtsmann" stammte.
Lieber Chris
Ich weiß, dass du nie an mich geglaubt hast und das finde ich sehr schade. Ich mochte dich immer sehr gerne.
Ich habe dir diese Reise geschenkt, weil ich gehofft habe, dass du nun endlich an mich glauben würdest. Leider war das nicht der Fall.
Ich bedanke mich trotzdem herzlich für all die Kekse die du mir als Kind hingestellt hast.
Anbei gelegt habe ich ein kleines Geschenk.
Neugierig legte Chris den Brief an die Seite.
Verwundert sah er einen dicken Packen Blätter.
Als er sie auseinanderfaltete, sah er fassungslos alle Briefe, die er jemals für den Weihnachtsmann geschrieben hatte.
Lange Zeit blieb er sitzen wo er war und dachte nach.
In diesem und in den nächsten Jahren feierte Chris Weihnachten aus vollster Überzeugung und seine Frau erfuhr niemals was es mit seiner Veränderung auf sich hatte.



Eingereicht am 05. März 2005.
Herzlichen Dank an den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.



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