Alle Jahre wieder. Kurzgeschichten zum Weihnachtsfest. Dr. Ronald Henss Verlag. 2005. 18 Weihnachtsgeschichten aus Deutschland, Österreich und Namibia

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Der kleine Stern

©Claudia Olivetti


Eines nachts, als der kleine Stern, wie so oft in kalten Winternächten ganz fürchterlich alleine war - wünschte er sich nichts sehnlicher als ein paar Geschwister, mit denen er am Himmel herumtollen konnte. Doch, Geschwister zu bekommen - das war unmöglich. Er konnte keine Geschwister bekommen.
Es war jedoch die Zeit kurz vor dem Weihnachtsfest - und er hatte einmal gehört: Menschenkinder könnten sich zu dieser Zeit etwas wünschen - und oftmals gingen diese Wünsche auch in Erfüllung. Wieso sollte er sich nicht auch etwas wünschen dürfen - er wünschte sich nichts mehr als: Viele kleine Sterne in den Farben Rot, Grün, Silber und Gold.
Onkel Mond, der den kleinen Stern schon einige Zeit beobachtet hatte, bemerkte schon sehr lange die Einsamkeit des kleinen Sterns und ihm fiel auch auf, dass ihm einige Spielgefährten fehlten. So kam ihm eine Idee: Er schickte eine Sternschnuppe zum Nordpol, um dem kleinen Stern seine Wünsche zu erfüllen.
Denn, wie ihr wisst, wohnt am Nordpol der Weihnachtsmann. Der Weihnachtsmann hatte in dieser vorweihnachtlichen Zeit alle Hände voll zu tun, um die ganzen Wünsche, die bei ihm ankamen, zu erfüllen.
Zufällig sah er genau in dem Moment nach seinen Rentieren, als die Sternschnuppe vor seinem Haus niederging.
Mit der Sternschnuppe in der Hand betrat der Weihnachtsmann sein Haus und ging schnurstracks zu dem einzigen Wichtel, der diese Botschaft entschlüsseln konnte. Es war der Sternenmeister-Wichtel. Dieser überlegte nicht lange, als ihm der Weihnachtsmann die Botschaft gezeigt hatte. Er wusste sofort, was zu tun war.
Mit den Worten: "Schwierige Aufgabe, schwierige Aufgabe", stapfte er davon und machte sich an die Arbeit. Um 4 neue Sterne zu erschaffen wurde die Zeit langsam knapp. Er kramte aus einer Ecke ein altes eingestaubtes Buch hervor - nur in diesem Buch stand das Rezept zum Erstellen von neuen Sternen. Er arbeitete die ganze Nacht, und als die Sonne sich im glitzernden Schnee zum Morgengruß ankündigte, hatte er es geschafft. Die Sterne waren fertig.
Jetzt musste der Weihnachtsmann seine Aufgabe erfüllen. Er musste am Weihnachtsabend 5 Minuten vor Mitternacht die Sterne hinter dem Knittergebirge in die Luft werfen. Nur an dieser ganz besonderen Stelle, hinter dem Knittergebirge konnten die neu erstellten Sterne zu neuem Licht erstrahlen. Gelänge es ihm nicht, wäre all die Arbeit umsonst gewesen.
Dies war eine sehr gefährliche Aufgabe für den Weihnachtsmann, denn das Knittergebirge war ein sehr gefährliches Gebirge.
Jedem, der sich ihm näherte, versuchte das Gebirge in seine Felsen zu ziehen und zu zerknittern.
So packte der Weihnachtsmann alle anderen Geschenke, die er an diesem Abend noch zu verteilen hatte auf seinen Schlitten und mit einem "ho, ho, ho" erhob sich sein Schlitten mit den Rentieren in die Luft.
Es war kalt an diesem Abend - und ein Schneesturm schien das Überqueren des Knittergebirges fast unmöglich zu machen. "Wir müssen es schaffen - hört ihr". Mit diesen Worten trieb er seine getreuen Freunde, die Rentiere, an. Diese gaben ihr Bestes. Kurz vor dem Knittergebirge kam ein starker Wind auf. Es schien, als hätte sich an diesem Abend die ganze Natur gegen den Weihnachtsmann verschworen.
Jetzt lag alles an ihm - er machte auf einem Felsvorsprung kurze Rast, bevor er seine gefährliche Reise fortsetzte. Sprach mit seinen Rentieren - gab ihnen einige Tropfen Flugpulver, damit sie noch besser fliegen konnten. Gab ihnen auch noch Tipps, wie sie den gefährlichen Felsen ausweichen mussten und los ging die Fahrt. Seine Rentiere leisteten Unglaubliches. Nicht, dass sie den gefährlichen Felsen auswichen, nein, die Rentiere waren schneller als der Blitz. Es war kurz vor Mitternacht. Ob sie es wohl noch schaffen konnten? -
Uff. Mit letzter Kraft ließen sie das Knittergebirge hinter sich.
Der Weihnachtsmann holte die 4 Sterne aus seinem Sack - und warf sie mit aller Kraft hoch in die Luft. Und was geschah? - Sternenstaub rieselte vom Himmel herab. Einige Zeit geschah gar nichts, und der Weihnachtsmann wurde schon ganz traurig, denn er glaubte, seine Aufgabe nicht erfüllt zu haben. Doch dann plötzlich - was war das? -
Am Nachthimmel leuchteten die Sterne in ihrer ganzen Pracht in den Farben Rot, Grün, Silber und Gold.
Der kleine Stern, der am Himmel bisher alleine stand, hatte seine neuen Spielgefährten erhalten - und machte vor Freude einen Luftsprung. Sein Wunsch hatte sich erfüllt. Von nun an war er niemals mehr alleine. Und in kalten, klaren Winternächten, wenn die Sterne besonders hell am Himmel leuchten - dann vielleicht, manchmal, wenn Ihr ganz genau hinschaut, könnt ihr den kleinen Stern mit seinen neuen Freunden herumtoben sehn.
Doch das - ist eine andere Geschichte.



Eingereicht am 21. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an den Autor.
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