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Weihnachtstraum

Eine Weihnachtsgeschichte von Doris Ramler


Sabrina kicherte vor sich hin, drehte sich im Bett herum und dachte, dass sie morgen sehr viel geschenkt bekommen würde. Sie ist ja heute ganz freiwillig schlafen gegangen. Und das schon um 20 Uhr. Noch früher als Mutti ihr als Limit gesetzt hatte. Ja, sie reckte sich und dachte an ihre Streiche. Ohjemine! Ob das Christkind das vergessen hatte? Na ja, aber heute ging sie ohne zu murren schlafen. Das zählte sicher sehr viel. Lächelnd schlief sie ein.
"Sabrina", sprach sie plötzlich jemand an, "Komm! Komm mit!"
"Wohin?", sagte sie verschlafen, "Ich darf ja nicht. Und außerdem, die Tür ist zu. Geht gar nicht."
"Doch!", hörte sie die Stimme, "Doch! Komm!"
So kam sie doch und fand sich auf einer Sommerwiese. Toll! Wie war das bloß möglich? Na ja, war ihr egal. Keck sah sie der Fee entgegen, die sie mit auf diese Reise genommen hatte.
"He, was ist los? Unser Weg ist noch weit. Träum nicht", sagte die Fee liebevoll zu dem Kind.
"Oh, wo, wohin?"
"Zu noch schöneren Wiesen."
Aber dann erschrak Sabrina. Sie fand sich unter ganz armen Menschen. Kinder, die sich frierend an Fetzen hängten, die sie wie Puppen behandelten und mit denen sie spielten. Und eine ganze Menge sah sie noch.
Etwas später trafen sie auf einen einsamen Mann, schon älter, der leise vor sich hin murmelte weil sonst keiner mehr mit ihm redete. Als die kleine Sabrina ihn ansprach, war er ganz glücklich und erzählte ihr sehr viel und schenkte ihr ein paar schöne Spielsachen. Sie bedankte sich und ging weiter.
Dann aber blieb sie stehn und fragte die Fee, ob sie nicht zu den armen Kindern zurück könnte. Und so geschah es. Da ging sie hin und schenkte ihnen die Spielsachen, die sie von dem einsamen Mann bekommen hatte, denn sie hatte selbst ja einiges zu Hause. Die armen Kinder waren sehr glücklich und freuten sich sehr.
Sabrina ging neben der Fee her und fragte sie vieles aus. Und die Fee lehrte die Kleine in vielem, was es im Leben so gibt, zeigte ihr viel und sah, dass das Kind von allem eifrig dazu lernte.
Irgendwann hörte Sabrina dann ihre Mutter. Sie öffnete die Augen und lächelte ihre Mutter an. Sie schwieg aber und sagte nichts von ihren Traum.
Munter sprang sie aus den Bett, umarmte alle, machte sich fertig und war den ganzen Tag brav wie nie.
Am Abend war es endlich soweit. Stille im Raum. Dann der Klang der Glocke und gewohnte weihnachtliche Klänge, die Geschwister, die Eltern und die Bescherung. Und sooo viele Geschenke.
Die kleine Sabrina sah zu ihren Eltern hoch und sagte: "Gibt es bei uns auch arme Kinder?"
Die Mutter war ganz gerührt. So was hatte Sabrina noch nie gefragt. Und der Vater meinte: "Ja, die Weisenkinder in der Großstadt in der Nähe von uns."
Sabrina sah ihre Eltern an und sagte: "Können wir mal hin fahren? Bald. Ich will ihnen gerne etwas von meinen Spielsachen schenken."
Die Eltern hatten Tränen in den Augen. Nie hätten sie gedacht, dass ihre kleine Tochter so einen Wunsch äußern könnte, und sie sagten: "Ja, natürlich. Übermorgen, wenn du willst, fahren wir."
Da lächelte die Kleine glücklich; und sie erzählte, dass sie sich auch schon auf den Besuch im Altersheim freuen würde, den sie im Kindergarten geplant hatten. In Gedanken sah sie den alten einsamen Mann und sie wusste, dass sie ihn dort finden würde. Dann wollte sie ihn immer besuchen, damit er nie mehr einsam zu sein braucht......




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Eingereicht am 01. November 2003.
Herzlichen Dank an die Autorin.
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