Eine Freundin aus der Schulzeit hatte es mir erzählt oder besser: enthüllt, zwischen dem Selbstmordversuch ihres Schwiegervaters im Altersheim im Juni und dem Roggenanteil ihres Käsebrotes, ich hätte es sonst nicht gewusst, und wahrscheinlich wäre ich nie wieder in das, was sich gemeinhin sein Leben nannte, gegangen. Das war noch nie ein guter Ort gewesen, an gute Orte zog es mich nicht hin, und der Weg in gute Orte war viel zu gut beleuchtet. Robert, der autarke Stadtstaat oder ein schlecht beleuchtetes Ortsschild
in einem beschlagenen Rückspiegel, bei ihm hatte ich den Genitiv nach "wegen" gelernt und wie man sich das Leben künstlich schwer machen kann. Am deutlichsten erinnerte ich mich daran, dass er bei schlechtem Wetter keine Kontoauszüge holte, manchmal wochenlang nicht, weil er steif und fest behauptete, bei Regen sei "immer weniger auf dem Konto, als man denkt" und auf mein Kopfschütteln mit seinem Standardsatz reagierte, ich solle aus meinem Denken endlich die Gedankenstriche streichen. Ich
nahm mir dann gnadenlos meine Interpunktion vor und strich alles, bis auf einen Punkt. Den Schlusspunkt.
"Warum?" fragte die Frau am Kiosk, als die ersten Narzissen blühten. "Er sah so sympathisch aus."
Diese Geschichte hat im Kurzgeschichtenwettbewerb "Schlüsselerlebnis", zu dem
889 Geschichten eingereicht wurden, den 4. Platz belegt.
Ganz herzlichen Glückwunsch an die Autorin
|
Sie wollen wissen, wie es weiter geht?
|
|
Die vollständige Geschichte findet sich in dem Buch
Plötzlich sah die Welt ganz anders aus Schlüsselerlebnisse
Edition www.online-roman.de
Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken
ISBN 3-9809336-6-0
119 Seiten
8,90 Euro (D) 9,20 Euro (A)
»»» Direkt beim Verlag bestellen
|