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Das Drachenei

Von Anatufila

"Uiih!" staunte der kleine Osterhase. Vor ihm stand das größte weiße Ei, das er je gesehen hatte. Rief es nicht: "Mal mich an! Mal mich an!" Ein solches Ei konnte man nicht allein in der Werkstatt lassen. Papa war gerade hinausgegangen. Der kleine Hase holte seine Schubkarre, legte etwas Stroh hinein und setzte das Ei darauf. Vorsichtig schob er es in seinen Schuppen. Dann borgte er sich noch etwas Farbe und einen Pinsel aus. "Jetzt wird's lustig!", und schon tupfelte er das erste frische Rasengrün auf das Ei. Der Himmel wurde lichtblau und die Sonne strahlte hellgelb. In die Wiese malte er rollerfahrende Osterhasen. Und dann hatte er d i e Idee. Ein Drachen musste her. Er malte drei kleine Osterhasen die gemeinsam eine lange Drachenschnur hielten. Oben im Himmel turnte ein feuerroter Drachen. Er wurde von einem Wind mit dick aufgeblasenen Backen angetrieben. "Das ist perfekt!", juchzte der Hase. Er legte den Pinsel fort und ging Mittag essen.
Papa hatte das Ei vermisst, danach gesucht und es schließlich im Schuppen seines Jüngsten entdeckt. Aber sollte er schimpfen? Nein, das tat Vater Hase nicht. Nur über den Herbstdrachen wunderte er sich ein bisschen.
Am Ostermorgen blickte der kleine Hase sein Ei wehmütig an. Aber so war es nun mal, Ostereier müssen ausgetragen werden. Auf dem Weg schaut er immer wieder seinen herrlich roten Drachen an. "Ratsch", machte es da und: "knack". Oh, weh! Hatte er nicht aufgepasst? Der Hase untersuchte das Ei. Und wirklich. An der schönsten Stelle ging ein tiefer Riss durch die Schale. Wieder machte es "Ratsch" Dann pochte etwas, dann wurde geknabbert. Vor Schreck fiel der Hase hintenüber ins Gras. Sein Herz raste wild. Er rieb sich die Augen. Was war das? - "He, du! Hilf mir raus!", kommandierte eine freche Stimme. Furchtsam taste sich der Osterhase an das sprechende Ei heran. Da flog die Kappe weg. Etwas leuchtete durch den Riss. Dann schoss eine kleine Stichflamme heraus. Eine Krallenfaust boxte sich durch die Schale, eine zweite drückte einen Teil heraus. Da sah er ihn. Mit flinken Pfoten rupfte der Hase die Reste der bemalten Schale fort. Vorsichtig hob er das zappelnde, rote Flugdrachenbaby aus der Schubkarre. Er drückte es an sich. Ob Mama ihm erlauben würde, es bei sich zu behalten?



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Eingereicht am 21. März 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.