Der Feen-Agent
Von Christof Ropertz
Das Telefon klingelt.
"Glaubst du an Feen?", fragt mich eine weibliche Stimme.
"Wie bitte?"
"Glaubst du an Feen?", fragt sie erneut.
"Wie meinen Sie das?"
"Nun, die Frage ist doch wirklich nicht kompliziert. Glaubst du an Feen?"
"Nein", antwortete ich.
"Dann schau' doch bitte einmal unter deine Fußmatte."
Bevor ich noch etwas erwidern kann, ist die Verbindung unterbrochen.
Nachdenklich durchquere ich die Diele und öffne die Haustür. Die zu oft getretene Sonne meines Fußabstreifers strahlt mich müde an. Als ich die Matte hebe lacht mich ein nagelneuer 500-Euroschein an.
Verwirrt schließe ich die Haustür. Ich zucke zusammen, als das Telefon erneut klingelt. Wahrscheinlich bekomme ich jetzt den merkwürdigen Scherz von einem meiner Freunde erklärt.
"Glaubst du an Feen?"
"Ja, ich glaube an Feen!" antworte ich verunsichert.
"Das ist gut, Mensch. Ich melde mich morgen wieder bei dir."
Klick.
Das Telefon klingelt um zehn Uhr. Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht und über meinen geldscheinlegenden Fußabstreifer und Feen nachgedacht.
"Der Rat der Feen hat dich auserkoren, uns beim Kampf gegen die Kobolde zu unterstützen", säuselte die bekannte Stimme. "Das Feenland ist in Gefahr. Die Kobolde versuchen seit Jahrtausenden, das friedliebende Feenland zu erobern. Doch unser Verteidigungszauber hat bisher alle Angriffe abwehren können. Keinem Kobold oder Troll war es bis heute möglich, die Grenze zwischen dem dunklen Wald der Kobolde und den saftigen Wiesen des Feenlands zu überschreiten. Doch Krocknick, der Anführer der Kobolde, hat zu einer List gegriffen. Er versucht nicht länger, die Grenze unserer beiden Länder zu überschreiten, sondern benutzt den Umweg über das Reich der Menschen. Daher hat der Rat der Feen Boten ausgesandt, um Helfer unter den Menschen zu finden, die an Feen glauben und bereit sind, für die gute Sache zu kämpfen."
Wieviel hatte ich gestern Abend getrunken? Mein erstes Delirium habe ich mir anders vorgestellt. Ohne hilfesuchende Feen. Und ohne Aufforderung zum Kampf. Das war die krasseste Geschichte, die ich seit langem gehört habe.
"Na, da haben Sie sich echt den Richtigen ausgesucht", entgegnete ich. "Der einziger Kampf, den ich seit Jahren führe, ist der gegen die achtzig Kilomarke auf meiner Waage und sie liegt mittlerweile uneinholbar in Front."
"Der Rat der Feen hält dich für den Richtigen."
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Eingereicht am 11. November 2003.
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