www.online-roman.de


  Gedichte Lyrik     Lyrix Poesie  



Meinem Sohn, den ich nie haben werde.

Peter Nathschläger


will ich sagen:

Geh an klaren oder diesigen Tagen
an die Küste eines jedweden

Meeres

und bleib dort still, bis es für dich

singt.

Verharre im Gesang glühender Fische
und gischtiger Wellen am

Felsen und schau

dorthin, wo Wasser und Himmel nur

eine matte Linie ist.

Will ich sagen:

Geh an klaren oder nebeligen Tagen
hoch in die Berge eines jedweden

Landes
und schrei so barbarisch du kannst.
Setz dich und hör auf Echo und Hall -

hörst du dich singen?

Will ich sagen:

Meide die Städte, doch besuche sie einmal, eine
jedwede Stadt
überall auf der Welt.
Geh hin und verliere dich nur kurz

in ihrem Schimmer.

Denn sie sind voller Gift, ohne das man bald

nicht mehr leben kann.

Will ich sagen:

Liebe! Liebe Männer und Frauen
je nachdem, wie dein Kompass dir
die Richtung zeigt, aber
tu es aufrecht und ehrlich, tu es

ohne Falschheit und Scham.
Liebe ehrenwert und gerecht und
im takt der Brandung deiner Lust und Seele.

Will ich sagen:

Geh über toskanische Felder
und such Schatten im Olivenhain, trink
aus klaren Bächen und speise Bücher


von überall her.
Wenn du all das und noch vielmehr
in dir vereinen könntest, dann wärst du
wohl mein bestes und stolzestes Gedicht.

Will ich sagen:

Du wärst das Meer

an dem ich nie war
Du wärst der Berg

von dem ich nie rief
Du wärst die Stadt

die mich nie vergiftete
und Mann und Frau

die ich nie liebte
Du wärst das Feld und der Hain

wo ich niemals war


und Schatten oder Sonne fand

Du wärst der nie gekostete Bach, das ungelesene Buch.

Will ich sagen:

Komm, schau durch meine Augen
und atme durch meinen Mund, mit
dem ich Meere

und Berge

Felder und

Täler, Liebe

und Leben

anschreie, damit sie alle wissen
das ich lebe und atme und bin.

Will ich sagen:

Sei du das Leben das ich nicht

leben konnte
weil ich mein Leben zu leben hatte
Leb deine eigenen Verse und Lieder,
entdecke deine Berge und Seen,
Felder und Haine, entdecke den
Trost stürmischer Nächte und klarer Tage.


Freu dich
im Regen, das er ist

und endet,
Freu dich am klaren Tag und das er

sinkt

Freu dich über den hall deiner Stimme

solange er dauert
und über die Weisheit des

Echos.

Will ich sagen:

Sei das Leben, dass ich nie
lebte und sei der Fortgang

meiner Tage.
Sei mein Leben, wenn meine
Verse enden und sei das Lied,
das ich nie sang.

Du wärst mein unvollendetes Gedicht und damit
das Beste meines Lebens.




»»» Weitere Gedichte «««

»»» HOME PAGE Kurzgeschichten«««



Eingereicht am 8. Juli 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.