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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Hoffnungslos

© André Linke


An meinem Tische sitze ich ganz verkrampft, wippe nervös vor mich hin, den Kopf auf die geballte Faust gestützt, mein verstörter Blick versinkt im Unfixierten. Mein ganzer Körper vibriert sanft vor sich hin. Nichts ich höre oder vernehme. Ich bin in Gedanken versunken, denke an dich, und daran, dass du mich nicht liebst. Nie habe ich dich danach gefragt, nie sah ich eine andere Frau an deiner Seite, und dennoch weiß ich es wohl genau: Du, du Elender, liebst mich nicht. Liebst mich nicht! Was... ähh... soll das bloß?
Bin ich dir nicht gut genug? Nicht dein Typ? Warum nicht? Was wäre, wenn?
Ich... ich verstehe es nicht. Ich akzeptiere es. Ich weiß, dass du mich nicht liebst. Hoffnungslos! Mein Gott, ich bin... bin verletzt! Ich weiß, du magst mich. Magst mich sehr. Aber... warum nur, warum liebst du mich nicht?
Bitte... ich... Ich springe auf und schreite zügig hin und her in meinem kleinen Zimmer hier. Was müsste anders sein? Oder kam mir einfach nur jemand zuvor? Was wäre, wenn? Hoffnungslos! Bitte... Ich darf mir nicht wünschen, dass du mich lieben lernst, denn dann wäre dein Fühlen nicht echt.
Hoffnungslos! Sag' mir doch bitte einer, was ich tun soll! Jeder, nur nicht du! Du weißt ja gar nichts davon. Ach... hätte ich es dir sagen sollen?
Sagen, dass ich dich liebe? Schon damals? Hätte ich? Ob ich dann nun in deinen Armen liegen würde? Ob es unsere Freundschaft zerrüttet hätte? Was wäre, wenn? Nein, das Risiko war mir zu hoch, verstehst du, wo ich doch vermute, dass du mich nicht liebst. Ich sehe es dir an. Du liebst mich nicht. Hoffnungslos! Vielleicht liebst du eine andere. Vielleicht liebst du niemanden. Irgendwen musst du doch lieben. Wie ist diese Person? Könnte ich wie sie sein? Und doch will ich es nicht! Ich will, ach, ich wünschte, meine Gefühle gingen über Bord! Doch das geht nicht. Hastig stampfe ich hin und her. Der Schmerz sitzt tief. Das tut weh. Tut es. Meine Liebe zu dir sitzt noch tiefer. Nie wäre ich in der Lage, sie abzulegen. Auch in zehn Jahren nicht. Verstehst du? Ich... ich würde dich so gerne umarmen. Aber anders als du es meinst. Ich... ach! Wehe mir! Was ist das? Was soll das nur? Ich bin verwirrt, bin schwach und unterlegen. Ich wünschte , es wäre anders. Ich wünschte mir, dass du mich lieben würdest. Noch mehr wünschte ich mir, du wärst nie in mein Leben getaucht. Oh, verfluchter Elender! Was du hier mit mir treibst, ist schwerstes Verbrechen! Ein Verbrechen, von dem du nichts weißt. Wüsstest du es, so wäre es dein Gift und mein Tod. Mein endgültiger Tod. Bin ich denn nicht schon tot? Wahrlich! Denn du liebst mich nicht. Was soll ich machen? Hoffnungslos! Soll ich es dir nicht vielleicht doch sagen?
Nein, es geht nicht! Ich kann nicht! Verdammt! Alles um mich herum scheint sich zu drehen, ist für mich jedoch nicht mehr da. Ich sitze da und denke nur an dich. Denke daran, dass du mich nicht liebst. Ich weiß, dass es so ist. Ich weiß, dass ich dich über alles liebe! Ich weiß es einfach! Du bist etwas Besonderes, etwas Hohes und Bestes! Für mich. Vielleicht auch für viele andere. Das ist egal. Nein, eigentlich nicht! Also... was wäre denn nun, wenn? Müsste ich anders sein? Müsstest du anders sein? Aber das ginge ja gar nicht. Keines von beiden. Sonst wäre es keine bedingungslose Liebe mehr. Also, sag' mir bitte, was ich tun soll, verdammt! Ja, verdammt seist du, Elender, der mich verzaubert hat beim dritten Mal! Und verflucht und verurteilt sei ich, diejenige, die all das mit sich machen lässt und dich damit im Stillen nervt. Und was war ich doch dumm! Dachte anfangs, du liebst mich! Dachte dann, ich könnte dich vergessen! Dachte dann irgendwas! Ich sollte aufhören zu denken, wenn ich schon nicht aufhören zu fühlen kann, und lieber weilen. Weilen - zehntausend Jahrhunderte lang - bis meine Liebe zu dir endlich ein geringes Maß verlieren kann. Ein kleingeringes Maß. Und dann? Dann komme ich übers Feuer in den Himmel, um mir dort vorgaukeln zu dürfen, glücklich zu sein. Nie wieder werde ich wahrhaftig glücklich sein.
Du Elender! Hoffnungslos. Unerreichbar wie der Weltfrieden, der erst kommt, wenn alles Leben verwelkt und dann nicht mehr Frieden genannt werden kann, so steht es mit meiner unendlich großen Liebe zu dir, wenn ich einmal nicht mehr bin.
Wie gut, dass es so ist, wie es ist. Wäre es anders, wäre es nicht mehr dasselbe. Und was wäre dann? Was wäre, wenn? Ich Elende! Du bist mir zur Last. Jetzt hör' doch gefälligst weg, wenn ich verkünde: Ich liebe dich. Oh, bitte, sag' du es auch zur mir! Jetzt! Ich liebe dich. So sag' es doch!
Nein? Nein? Nahezu hoffnungslos. Vollkommen hoffnungslos. Absolut hoffnunglos! Mein Leben ist zum Leid für dich bestimmt.
Gut, gut, es ist, wie es ist. Also lass mich aus meinem erfahrenen Bilde lernen, wenn es darum geht, stumm und einsam damit zu weilen. Dich vergessen kann ich nicht. Dich in Ruhe lassen werde ich nicht. So habe ich also weiter vor mich hinzuschweigen. Dann sei es eben so. Oh, wie es schmerzt! Ich will dich umarmen! Ich werde es. Zum Schein für dich aus lauter Freundschaftsfreue. Was bin ich doch elend! Was bin ich doch verletzt, weil du so bist, dass ich dich liebe, und weil du so bist, dass du mich nicht liebst! Ich weiß es einfach. Verstehst du? Ich sage dir nichts und ich frage dich nichts.
Nur eins muss ich mir noch ganz fest merken, nachdem ich es endlich verstanden habe: Nicht nur du bist besonders, sondern auch ich. Auch ich!
Hörst du, du schönes Selbst?
Wie gut, dass es so ist, wie es ist. Wäre es anders, wäre es nicht mehr dasselbe.



Eingereicht am 06. April 2006.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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