Ifri
© Jennifer Kirchner
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Zwei stahlblaue Augen blitzen sie vom Tisch gegenüber an Es war bereits dunkel draußen, in dem Café hatte man kleine Teelichter aufgestellt was dem ganzen Ambiente einen gemütlichen Eindruck verschaffte, dennoch kam das kräftige Blau der Augen des Mannes stark zur Geltung. Sie funkelten regelrecht. Ifri blieb ein Kloß im Hals stecken als der junge Mann sich mit ein paar anderen Männern setzte und sie anlächelte. Verwirrt lächelte sie zurück und versuchte sich wieder auf ihre Freundin Joona zu konzentrieren, die ihr gerade voller Elan erzählte, wie ihr gestriges Date verlaufen war. Der Mann unterhielt sich jetzt mit seinen Begleitern und Ifri überlegte krampfhaft, woher sie ihn kannte. Er sah während er sprach noch einmal zu ihr auf und fing sofort an zu lächeln, als er sah, dass sie ihn immer noch anstarrte. Verlegen sah sie hastig wieder zu Joona die gerade dabei war, in die Details zu gehen. Ifri musste unwillkürlich lächeln und Joona stockte."Was los?" "Da sitzt ein Typ hinter dir, der ist vielleicht süß. Und jetzt muss ich lachen weil ich wie ne Irre hingeschaut habe und er das natürlich bemerkt hat.""Wie toll ist er?", wollte Joona spitz wissen."Na, mindestens so toll wie Jack Spiro. Wobei er ihm echt voll ähnlich sieht!" "Ok, dann darfst du auch lächeln.", Joona grinste sie breit an."Fällt es auf, wenn ich mich jetzt umdrehe?" "Oh ja, und wie." "Ok, dann muss ich jetzt halt auf Toilette!" Joona stand auf, drehte sich um, inspizierte den Mann am Nebentisch genauestes und ging dann auf die Toilette. Ifri konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und sah ihrer Freundin hinterher, die ihr noch einmal mit einem Zwinkern zunickte.
Sie wollten in der Bar, in der sie sich alle zwei Tage trafen etwas essen und danach feiern gehen. Es war Samstagabend, es sollte ins Bouche gehen, einem Club in der Innenstadt von Sydney. Ein Kellner kam zu ihr und setzte sich auf Joonas freien Platz."Wo ist sie hin?" "Auf Klo." "Fahrt ihr ins Bouche?" "Klar, wohin sonst, hast du Pause?" Er nickte und steckte sich eine Zigarette an."Was ist mit Joona und Mike geworden?" Ifri holte seufzend Luft: "Gero, du hast mit ihr schluss gemacht, es geht dich nichts mehr an was aus ihren Dates wird!" "Ich werde wohl noch mal fragen können, was meine Ex-Freundin so treibt." "Und warum fragst du mich und nicht sie? So was nennt man ausspionieren. Das läuft nicht." Joona kam zurück, zwinkerte Gero zu und nahm sich einen Stuhl."Hallo Gero, alles klar?" "Jip, und bei dir?" "Jip!" Jetzt saßen beide schweigend nebeneinander. Ifri ärgerte sich, Joona würde sich wieder den ganzen Abend über Gero aufregen und sie zum Schluss, wie fast jeden Abend unter Tränen fragen was denn nur so falsch an ihr wäre. Gero hatte damals mit ihr Schluss gemacht. Schnell versuchte sie abzulenken."Und? Was sagst du zu meiner neusten Entdeckung?" Joona machte eine anerkennende Geste: "Nicht schlecht, viel vor heute abend. Frag ihn ob er mit kommt." "Ach Quatsch, der ist bestimmt schwul oder vergeben, schau ihn dir doch mal richtig an. Der trägt Gucci und La Coste, der ist steinreich und gutaussehend. So was rennt nicht auf dem freien Markt rum." "Er muß ja nicht frei sein. Wenn er mitkommt kannst du ja alles über ihn herausfinden. Also?", Joona sah sie ungeduldig an. Ifri musste grinsen und sagte dann zu Gero: "Tu mir ein Gefallen. Wenn sie zahlen wollen pack seine Getränke auf meine Rechnung." Gero nickte grinsend und verdrehte die Augen."Warum immer auf die Tour. Geh doch einfach hin?!" "Erstens, sitzt er nicht alleine da, ich könnte mich furchtbar blamieren und zweitens, geht eine Frau nicht zu einem Mann der sie anlächelt. Das muss er dann schon selber in die Hand nehmen." Versuchte sie sich zu wehren."Aber eine Frau lädt einen Mann auch nicht so einfach ein. . . ." Ifri sah schmollend zu Gero auf und er gab sich mit einem Schulterzucken geschlagen. Sie bekamen ihr Essen und Ifri konnte sich nicht verkneifen, ab und zu, zu dem hübschen Mann einen Blick zu werfen. Er schien jetzt völlig vertieft in eine Diskussion mit seinen Begleitern zu sein und so konnte sie sich ihn etwas genauer ansehen. Er trug einen drei Tage Bart, seine Haare waren mittelblond und recht lang, immer wieder fielen sie ihm in die Stirn und er strich sie wieder hinter seine Ohren. Wenn er lächelte bildeten sich viele kleine Fältchen um seine Augen und tiefe Grübchen zierten seine Wangen. Wenn er lachte dann schien das von Herzen zu kommen und dabei entblößte er seine tadellosen Zähne. Eine Gruppe junger Mädchen, höchstens 17 kam herein. Sie blieben im Eingang stehen und tuschelten einen Moment. Dann gingen drei von ihnen auf Ifris Prinzen zu. Sie puffte Joona an das Bein und neigte ihren Kopf in die Richtung des Geschehens. Joona drehte sich um und betrachtete interessiert das Schauspiel. Eines der Mädchen sagte etwas und lächelte dabei schüchtern. Dann hielt sie dem netten Mann ein Stück Papier hin. Dieser nickte höflich, zückte einen Stift aus der Hosentasche und unterschrieb das Papier. Schlagartig wurde Ifri klar das er Autogramme gab. Die anderen Mädchen stellten sich in einer Reihe hintereinander. Bereitwillig unterschrieb Jack Spiro einen Zettel nach dem anderen."Oh-mein-Gott", sagte Joona und sah Ifri mit großen Augen an. Ifri ergriff ein Gefühl der Peinlichkeit, wie sie es seid dem sie mit einer gerissenen Hose durch die Schule laufen mußte, nicht mehr hatte."Gero!", hauchte sie und sprang auf. Joona blieb aufgeregt sitzen und sah ihr hinterher. Ifri eilte zur Theke um Gero zu sagen, das er das mit der Rechnung vergessen sollte. Wie würde es denn aussehen, wenn sie einen Filmstar wie Jack Spiro zu einer Cola einladen würde und ihn dann auch noch fragte ob er mit in einen Club gehen würde? Gero war gerade mit zwei anderen Gästen beschäftigt und so musste Ifri ungeduldig auf ihn warten. Er wandte sich gerade ihr zu als von hinten eine angenehme Stimme sagte: "Ich möchte gerne bezahlen, sofort wenns geht." Gero nickte, blinzelte Ifri zu und drehte sich zum Computer, um die Rechnung hinaus zu ziehen. Ifri wurde eiskalt, sie drehte sich langsam um und sah Jack wie er in seiner Geldbörse umher kramte. Ifri dachte krampfhaft nach was sie jetzt tun sollte. Sie konnte Gero nicht mehr davon abhalten die Getränke von Jack auf ihre Rechnung zu machen. Er würde ihm die Rechnung in die Hand drücken und ihm dabei fröhlich ins Ohr trällern das Ifri seine Getränke schon bezahlt hatte. Das war zu peinlich. Also wandte sie sich ab und ging zu den Toiletten. Dort angekommen fing sie leise an zu lachen. Das war mit Abstand der peinlichste Anbahnungsversuch den sie je gestartet hatte. Prüfend betrachtete sie sich im Spiegel. Sie hatte sich aufgestylt für den Club. Ihre braunen langen Haare hatte sie zu einem wilden Dötsch am Hinterkopf verdreht. Blonde Strähnchen zogen sich durch ihre Frisur und eine dicke Strähne hatte sie sich seitlich in die Stirn gekämmt. Ihre grünen Augen hatte sie mit einem geschickten Make-up noch mehr zur Geltung gebracht. Sie hatte sich für ihr Lieblingsoutfit entschieden. Eine Jeans die gut saß, darunter Poems von denen nur der Pfennigabsatz hervorragte, ein enges weißes Top mit einem gewagten Ausschnitt und einer Kette, deren Ende unter ihrem Dekoilté verschwand. Sie hatte über den Winter 4 Kilo abgenommen und war regelmäßig unter das Solarium, zwei Straßen von ihrer Wohnung entfernt gegangen. Sie sah gut aus. Ihr Gesicht spiegelte ihre Kessheit wieder wobei ihre edlen Züge ihr ein freundliches Gesicht verschafften. Sie grinste sich selber noch mal im Spiegel an, holte tief Luft und ging wieder hinaus, den Flur entlang, um die Ecke und blieb wie angewurzelt stehen als Jack ihr, an die Wand gelehnt, entgegen grinste. Ifri war überrumpelt, sie wusste nicht was sie sagen sollte und sah ihn abwartend und erstaunt an. Hatte er auf sie gewartet? "Hi. Vielen Dank!", grinste Jack. Ifri verstand nicht gleich, fand jedoch ihre Stimme wieder und sagte: "Kein Ding, wofür?" "Für die Cola die du mir bezahlt hast." Sie lachte und schaute verlegen auf den Boden."Ich wollte nicht aufdringlich erscheinen. Ich hab dich nicht gleich erkannt, ignoriere es einfach." "Nein, ich finde das sehr nett, wie komm ich zu der Ehre?" Ifri überlegte krampfhaft was sie sagen sollte, erklärte ihm dann aber direkt: "Also, ich hab dich gesehen und fand dich sehr nett, ich hab gedacht wenn ich deine Cola bezahle würden wir ins Gespräch kommen und du hättest vielleicht Lust gehabt mit uns ins Bouche zu gehen. Aber da hab ich noch nicht gewusst das du Jack Spiro bist, also, war ein Missverständnis. Sorry." Jack runzelte die Stirn."Ja und jetzt da du weißt wer ich bin willst du mich auf einmal nicht mehr kennenlernen?" Ifri sah verdutzt auf. Seine Stimme war ungewöhnlich tief für sein Erscheinungsbild und er grinste sie auf eine Art an, das es ihr den Hals zusammenschnürte."Also ich weiß ja jetzt wer du bist, also muss ich dich nicht mehr kennen lernen.", sagte sie verwirrt. Sie versuchte Herr der Lage zu werden und gleichzeitig zu demonstrieren das sie nicht auf den Mund gefallen war, aber irgendwie gelang ihr das nur schleppend. Jack fing wieder an zu grinsen."Was ist denn dieses Bouche? Ist das gut?" "Du willst mit mir dahin?", sofort ärgerte sie sich über diese prompte Frage, die sich wie aus einem Teeniemund anhörte."Warum nicht? Ich habe nichts besseres vor. Wir wollten eigentlich ins Theatro, aber wenn du sagst das Bouche ist gut, dann gehen wir dahin." Jetzt runzelte Ifri die Stirn. Das Theatro war ein Inclub. Man brauchte eine Einladung um hinein zu kommen, wenn man reinkam war man ein Held in der Szene."Also gegen das Theatro ist das Bouche nur ein langweiliger Schuppen denke ich. Aber wir gehen gerne hin. Obwohl ich schon immer mal das Theatro von innen sehen wollte. . ." "Ja dann kommt doch mit uns?" Ifri traute ihren Ohren nicht."Sicher?" "Deinen Namen mußt du mir schon verraten, ich nehme nämlich keine Wildfremden Frauen zum feiern mit!" Ifri lachte."Mein Name ist Ifri." "Fein Ifri. Also wir wollten jetzt los." Er machte mit seiner Hand eine Geste um ihr den Vortritt zu gewähren. Immer noch fassungslos aber grinsend ging sie an ihm vorbei, die Treppe hoch und wieder zu Joona. Jack ging zu seinen Freunden um ihnen zu berichten das sie nun zwei mehr waren. Ifri stellte sich grinsend vor Joona, die sie prüfend ansah."Lust ins Theatro zu gehen?" "Klar immer, sag Bescheid wenn du den offenen Hintereingang gefunden hast. Man da kommen wir eh nicht rein." "Wetten doch?!" "Und wie?" Joona schien genervt."Mit Jack Spiro. Er nimmt uns mit." Joonas Augen wurden groß."Ne, wirklich?" Ifri nickte grinsend."Reiß dich zusammen und schrei jetzt nicht wie eine Verrückte los. Das mit der Cola war schon peinlich genug!" Joona sah sich fassungslos zum Nachbartisch um, wo Jack gerade auf die beiden Mädchen zeigte, die er für heute abend eingeladen hatte. Joona lächelte höflich, drehte sich dann wieder zu Ifri und fragte langsam: "Meinst du wir können uns vorher noch mal umziehen? Ich meine wenn wir ins Theatro gehen sehen wir zwei aus wie Mauerblümchen!" Ifri sah prüfend erst an sich, dann an Joona runter."Blödsinn, was willst du tun, nackt hingehen? Weniger als du kann man gar nicht tragen!" Joona fing an zu lachen: "Ok, gewonnen. Ich gehe schnell bezahlen." Sie stand auf und wollte zur Theke, aber Jack fing sie ab: "Hallo, verrätst du uns deinen Namen auch?" Joona blieb stehen uns sah Jack mit großen Augen an: "Klar, ich bin Joona. Und ihr seid?" "Das ist Bob, Chris und Daniel, ich bin. . ." "Jack, ich weiß. Ich gehe schnell bezahlen, dann komm ich zurück." "Mußt du nicht, hab ich schon. Ich wollte mich bei Ifri revanchieren." Joona zog eine Augenbraue hoch und sagte: "Ok. Dann können wir los." Die Männer standen auf und gingen hinaus, Ifri und Joona folgten ihnen. Jack wartete auf Ifri, bot ihr seinen Arm zum einhaken an und blinzelte ihr zu. Sofort fuhr ein Stich in Ifris Magen, er war mit Abstand der hübscheste Mann den sie je live gesehen hatte. So gut sie konnte lächelte sie ihn an. Ihr Lächeln war immer schon ihre stärkste Waffe gewesen und auch Jack schien davon entzückt zu sein. Sofort strahlte er zurück. Daniel, einer von Jacks Begleitern nahm sich Joona an und unterhielt sich im Gehen mit ihr, so liefen sie eine Straße weiter wo eine Limousine auf sie wartete. Joona jubelte als sie sah wie der Chauffeur für sie die Türen öffnete. Gut gelaunt stieg die kleine Gesellschaft ein und ließ sich vor das Theatro fahren. Dort angekommen trafen sie viele neidische Blicke von denen, die hinter der Absperrung warten mussten oder gar nicht reinkamen. Jack wurde von den Türstehern begrüßt und man lies sie alle sofort durch. Es war voll, die Party tobte bereits und man konnte schnell erkennen das hier ein Frauenüberschuss herrschte. Ifri und Joona sahen sich alles genau an. Nun waren sie also da, wovon man sonst nur hörte das es ganz toll sein musste. Das Ambiente war atemberaubend. Überall standen alte Statuen, große Bilder hingen an den Wänden und die Theken sahen aus als ob sie 300 Jahre alt gewesen wäre. Dazu kam das überall spektakuläre Lichtbilder an die Wand geworfen wurden, die Musik in einer angenehmen Lautstärke aber in sehr guter Qualität spielte und die Kellner und Barkeeper allesamt mit Frack arbeiteten. Jack und seine Freunde steuerten direkt auf die Theke zu, Ifri und Joona folgten. Die Gäste hier waren eine Mischung aus aufgetakelten Frauen in kurzen Kleidern und langer blonder Mähne, älteren Männern die diesen Frauen hinterher gafften und Leuten in ihrem Alter die sich einfach nur gut amüsierten. Sie hatten nicht ganz die Männer erreicht als Jack sich schon umdrehte und jeder ein Glas Champagner in die Hand drückte.
Überrascht nahmen sie die Gläser entgegen und stießen gut gelaunt an. Dann kamen ein Paar Frauen die Jack und seine Freunde mit Wangenküssen und aufgeregtem Gesichtern begrüßten. Jack war beschäftigt und Joona und Ifri standen herum und sahen sich das Theatro immer und immer wieder an."So schnell kann das gehen, jetzt sind wa drin. . ." sagte Joona wobei sie leicht mit dem Kopf schüttelte."Lerne einfach einen Schauspieler kennen und dir stehen alle Türen offen. . ." grinste Ifri."Ist er nett?" "Ohja." "So nett das du ihn mit nach Hause nimmst?" "Joona!" Ifri tat völlig empört, "Aber doch nicht am ersten Abend!" Joona lachte auf: "Was meinst du wie oft du ihn noch sehen wirst?!" sie überschlug sich vor Ironie."Na er wird mich morgen zum essen ausführen und wir werden heiraten, ein Haus kaufen und viele kleine Kinder bekommen. . . ." Ifri machte mit ihrer Stimme ein kleines Schulmädchen nach und blinzelte dabei verträumt mit den Augen. Beide fielen in schallendes Gelächter. Dann kam Daniel und schliff Joona mit zur Tanzfläche. Vergnügt sah Ifri ihnen zu. Joona tanzte sehr gut und sexy. Sie hatte eine Netzstrumpfhose mit einem Minirock an, Stiefel und ein fast durchsichtiges Oberteil. Aber Joona konnte es tragen. Sie war sehr schlank und das Outfit ließ sie keinesfalls billig aussehen. Ihre roten langen Haare trug sie zu einer Hochsteckfrisur wobei lange glatte Strähnen heraus auf ihre Schulter vielen. Joona war von den beiden Freundinnen die jenige, die die Männer mehr aufmerksam machte. Sie hatte eine große Ausstrahlung, das perfekte Aussehen und eine sehr große Klappe. Ifri war auch nicht auf den Mund gefallen aber hinter der strahlenden Joona wirkte sie oft unscheinbar, dennoch sehr hübsch. Joona lernte Männer meistens in Clubs und Discotheken kennen wobei Ifri ihre Bekanntschaften öfter im Supermarkt oder einfach so auf der Straße machte. Joona und Ifri wuchsen gemeinsam als Nachbarskinder in Sydney auf, sie gingen zusammen zur Schule, studierten gemeinsam Grafikdesign und hatten nun jede eine Wohnung zwei Straßen von einander entfernt. Sie arbeiteten in der gleichen Firma, einem Internetportal in der Innenstadt, wo Joona bereits Sachbereichsleiterin war. Beide verdienten nicht schlecht und ihre Arbeit machte ihnen großen Spaß. Jack war immer noch damit beschäftigt alle möglichen Leute zu begrüßen, schließlich machte er sich aber los und kam zu Ifri."Und? Besser als das Bouche?" "Hm, gleich gut. Im Bouche schmeckt der Champagner besser!", sie grinste ihn an. Jack nahm ihr das Glas aus der Hand, stellte es auf die Theke und zog sie ebenfalls auf die Tanzfläche. 8 Lieder tanzten sie durch und Ifri war überrascht wie gut er sich bewegen konnte. Völlig außer Atem vielen sie auf eine Couch im Foiee um ein wenig Luft zu schnappen. Joona und Daniel tanzten immer noch unermüdlich weiter."Ich bemühe mich seid 24 Jahren meine Kondition Joona anzupassen, aber immer wenn ich denke das ich sie schlagen könnte, schaut sie mich an und ist noch nicht mal mehr außer Atem!", keuchte Ifri."Ihr kennt euch schon lange, oder?" "Seit dem Kindergarten waren wir eigentlich ständig zusammen. Unsere Mütter kennen sich recht gut." Jack nickte. Ein Kellner kam an ihnen vorbei und Jack bestellte zwei Caipirigna, die auch nach zwei Minuten kamen. Ifri wusste nicht was sie sagen sollte und Jack erzählte auch nichts mehr, also saßen sie schweigend nebeneinander und schlürften ihre Cocktails. Schließlich stellte er sein Glas ab und sah sie überlegend an."Ok, was ist dein Problem?", fragte er ernst. Ifri verschluckte sich fast und sah ihn verwirrt an."Was?" "Na, alle Frauen die ich kennen lerne und die ich nett finde haben irgendein Problem. Entweder sie sind drogensüchtig, arbeitslos, schwere Kindheit, Ex-Freund Komplex oder gar vergeben." Ifri lachte laut los."Also ich glaube da kann ich nicht mithalten. Ich nehme keine Drogen, ich habe einen guten Job, meine Kindheit war ganz fabelhaft und mein Ex-Freund habe ich seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen. Ich denke ich bin eine ganz normale Australierin die ihr Leben recht gut im Griff hat." Jack tat so als ob ihm eine großer Stein vom Herzen gefallen wäre und atmete erleichtert auf was Ifri abermals zum lachen brachte."Aber ist das nicht zu früh um so was wissen zu müssen?", fragte sie."Oh nein, das hab ich früher auch gesagt. Aber die Erfahrung sagt mir das es besser ist wenn man vorher Bescheid weiß, worauf man sich einlässt." "Du lässt dich gerade auf etwas ein?", fragte sie gespielt erstaunt. Jack grinste verlegen."Naja, ich bin kurz davor." Ifri lächelte nachdenklich zurück. Da saß Jack Spiro vor ihr und erklärte ihr auf Umwegen das er sie seh nett fand. Aber so schön das auch sein mochte, er war ein Schauspieler. Er hatte wahrscheinlich überall seine Bettgeschichten umherlaufen und versuchte gerade lediglich sie rumzubekommen. Aber was sprach denn auch dagegen? Ifri war frei und konnte tun was sie wollte. Und auszutesten, wie Jack Spiro im Bett war konnte ihr niemand verübeln."Bevor du damit weitermachst sollten wir noch etwas trinken gehen!", trällerte sie und stand auf. Jack lachte leise und folgte ihr zur Theke. Der Abend verging rasend schnell, die Stimmung war sehr gut und sie feierten bis 4 Uhr morgens. Jack bestand darauf Ifri nach Hause zu fahren als diese erklärte, dass sie nun müde sei und heim wollte. Er war ihr den ganzen Abend kaum von der Seite gewichen und Ifri hatte bald beschlossen das sie ihn mitnehmen würde, wenn er darauf anspielte. Sie stiegen in seine Limousine und Ifri erklärte dem Fahrer den Weg. Aber dort angekommen stieg Jack zwar mit aus, machte aber nach einer kurzen Verabschiedung wieder Anstalten ins Auto zu steigen."Willst du nicht mit rauf?" Jack stockte einen Augenblick und sah sie dann erstaunt an."Ich habe nicht gedacht das du der Typ bist der mich morgens um vier mit in seine Wohnung bittet."
"Dann hast du dich vielleicht geirrt?" Jack begann zu grinsen."Vielleicht sollten wir einfach nur unsere Nummern austauschen und uns irgendwann mal in Ruhe treffen." Ifri verdrehte die Augen und sagte: "Ja ja, und der Osterhase sammelt schon fleißig Eier für Ostern." Damit packte sie ihn am Arm und zog ihn mit sich. Widerstrebend folgte er ihr. In ihrer Wohnung sah er sich zunächst neugierig um und erklärte ihr das er ihre Wohnung sehr hübsch fand. Aber Ifri hörte gar nicht darauf sondern zog ihn auf die Couch, setzte sich rittlings auf ihn und zog ihr Oberteil aus. Wie gebannt sah er sie an und schluckte kräftig."Meinst du das ist so eine tolle Idee?", hauchte er. Ifri lächelte kess, nahm seine Hand und führte sie an ihre nun nackte Brust. Als er sie berührte fing er sofort an sie zu küssen, sie riss ihm die Kleider vom Leib und er machte sich stürmisch über sie her. Es war großartig, Ifri genoss die frühen Morgenstunden wie schon lange nicht mehr.
Sie wurde wach und bemerkte sofort das sie tierische Kopfschmerzen hatte. Langsam kamen die Erinnerungen des gestrigen Abends zurück und sie fing an zu lächeln als sie merkte wie neben ihr Jack lag. Sie drehte ihren Kopf zu ihm und sah überrascht das er bereits wach war uns sie anlächelte."Morgen.", sagte er sanft. Sie lächelte ihn an, drückte ihm einen Kuß auf die Stirn und stand auf um zu duschen. Er blieb liegen. Eine Gänsehaut überlief sie als sie an ihren Sex dachte. Es war unbeschreiblich, so was hatte sie noch nie erlebt. Er war sehr stürmisch und leidenschaftlich, dennoch zärtlich und rücksichtsvoll. Nun war für ihn die beste Zeit zu verschwinden. Sie ging davon aus das er weg war, wenn sie unter der Dusche wieder kam. Sie schäumte gerade ihre Haare ein als sie hörte wie er ins Badezimmer kam."Darf ich deine Zahnbürste benutzen?", trällerte er. Ifri musste wieder grinsen."Klar, bediene dich, wie spät ist es eigentlich?" "Kurz vor 12.", nuschelte er mit der Zahnbürste im Mund. Kurz danach ging er wieder hinaus. Als sie fertig war ging sie ins die Küche. Jack war nicht mehr da. Ein Gefühl von Enttäuschung schlich in ihr auf, andersherum war sie davon ausgegangen das er weg gewesen war und mit Sicherheit war es auch besser so. Sie hatte sich stark zusammenreißen müssen sich nicht in ihn zu verlieben, aber was hätte es ihr auch schon gebracht. Was sollte sie denn auch mit einem Filmstar? Er wäre nie zu Hause, ständig hätte sie sich fragen müssen ob er ihr treu gewesen wäre und nach gestern Nacht wusste sie auch, das es nicht schwer war ihn zu verführen. Gut gelaunt kochte sie Kaffe und freute sich schon darauf später Joona anzurufen um ihr alles zu berichten. Sie hatte sich gerade mit einer Tasse Kaffee an die Küchenbar gesetzt als es schellte. Verwundert dachte sie das Joona normalerweise nicht vor 2 Uhr aufstand wenn sie feiern war. Sie öffnete die Tür und wartete darauf, wer die Treppen hoch kam. Verwundert sah sie das Jack das Treppenhaus erklomm, mit Brötchen in der Hand. Er grinste sie an und ging in die Küche, Ifri war nun völlig verwirrt und fragte vorsichtig : "Ich dachte du wärst weg. Wie. . . komm ich zu der Ehre." "Ich hatte Hunger, ich dachte du vielleicht auch da bin ich eben los und hab Frühstück geholt.", grinste er. Ifri nickte und versuchte zu lächeln, aber ganz woh fühlte sie sich nun nicht mehr. Sie deckten gemeinsam den Tisch und fingen gleich darauf auch wieder an herum zu albern. Als sie dann frühstückten sagte Jack plötzlich ernst: "Hast du das in letzter Zeit auch gelesen das sich alle darüber Gedanken machen, wegen dem Wasser und so?" "Du meinst das die Ressourcen zu ende gehen? Ja, hin und wieder, aber das ist nichts neues für mich, war klar das es irgendwann so weit kommt. Aber da werde ich hoffentlich schon lange unter der Erde sein!" "Dafür berichten sie im Moment aber sehr viel darüber.", sagte er nachdenklich. Dann fuhr er fröhlich fort: "Übrigens, der Abend gestern war sehr schön, hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß." Ifri sah ihn nachdenklich an und sagte dann : "Ja, es war sehr schön wobei der Morgen nicht zu schlagen ist." Jack grinste sie an, dann sah er wieder ernst aus: "Ich wollte das eigentlich gar nicht. Hättest du mich gelassen wäre ich nach Hause gefahren." Ifri legte den Kopf schief und sagte gespielt schnippisch: "Also wenn du mir jetzt eine Vergewaltigung vor wirfst, dann muss ich sagen das ich nicht das Gefühl hatte das du dich wehren wolltest." Jack lachte: "Nein, das will ich damit auch gar nicht sagen. Aber irgendwie ging alles recht schnell, ich hatte mir diese Nacht erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgemalt, so wenn wir uns ein wenig kennen. Ich wusste bis gerade nicht wie du mit Nachnamen heißt. Aber dein Türschild hat es mir dann doch verraten, Miss Petchor!" "Zu einem späteren Zeitpunkt? Heißt das du wolltest mich wieder sehen?" "Naja, eigentlich will ich dich immer noch wieder sehen." "Wie lange bist du denn noch in Sydney?" "Ich wohne hier. Drüben im Counter." "Ja aber musst du nicht zu irgendwelchen Filmdrehs weg?" "Erst mal nicht. Für das nächste Jahr habe ich keine interessanten Rollen angeboten bekommen. Aber ich wollte eh erst mal eine Auszeit nehmen. Aber dann. . . . .", er stockte kurz, "du willst mich gar nicht wiedersehen, nicht wahr?" Ifri antwortete nach langen überlegen und recht leise: "Ich dachte es wäre klar das wir nur eine Nacht zusammen verbringen. Über etwas anderes habe ich noch gar nicht nachgedacht, du bist ein Star und damit war die Sache für mich eigentlich schon erledigt. Ich dachte ich sei nur eine weitere Bettgeschichte für dich." Jack grinste sie breit an: "So eine bist du also!" Ifri sah empört auf: "Was heißt denn hier so eine?" "Na egal. Ich muss gleich los, habe noch ein paar Termine. Ich werde dir einfach meine Nummer geben und wenn du darüber nachgedacht hast ob du mich wiedersehen willst kannst du mich das Resultat ja wissen lassen. Ich finde dich sehr nett und würde mich freuen wenn du anrufst. . . hier." Er drückte ihr eine Visitenkarte in die Hand, trank seinen Kaffee aus und stand auf. Verwirrt brachte sie ihn zur Tür, sie war nicht fähig irgendetwas zu sagen, machte nur die Tür auf, ließ sich von ihm auf die Wange küssen und sah ihm hinterher wie er die Treppen hinunter sprang. Sie schloss die Tür und starrte ungläubig auf die Visitenkarte. Dann rannte sie zum Telefon, rief Joona an und sagte ihr sie müsse ganz schnell zu ihr kommen. Eine halbe Stunde später stand Joona dann, noch sehr verschlafen, vor ihrer Tür."Was denn los?", fragte sie mürrisch."Du glaubst nicht was gestern noch passiert ist." "Jack hat dich gevögelt. Wow, das hab ich vorher schon gewusst!" Ifri grinste breit."Jip und es war gigantisch. Aber heute morgen dann hat er Brötchen geholt und mir gesagt das er mich wiedersehen will." Joona wurde mit einem Schlag wach: "Was? Und jetzt?" "Na er hat mir seine Telefonnummer gegeben und ist vorhin dann gefahren." "Ne, das glaub ich ja nicht! Und wann wirst du ihn anrufen?" "Na gar nicht!", sagte Ifri verwirrt."Wieso nicht?" "Na weil er Jack Spiro ist! Aber ist das nicht toll das er mir seine Telefonnummer gegeben hat?" Joona sah ihre Freundin prüfend an."Du hast dich verliebt, oder?" Ifri stockte einen Moment."Was heißt verliebt? Wer verliebt sich nicht in Jack Spiro? Laß uns mal auf den Boden der Tatsachen bleiben." "Und die wären?" "Halloo! Er ist Schauspieler, ein Millionenschwerer Schauspieler! Der ist nie da und außerdem hat er bestimmt in jeder Stadt ne Tuse am Start. Glaub mir, es war nicht schwer ihn davon zu überzeugen mit hoch zu kommen!" Joona überlegte einen Moment: "Da ist was dran. Aber er hat dir seine Telefonnummer gegeben." Ifri verdrehte die Augen. : "Vielleicht war ich besonders gut und er denkt das wir das ganze ein paar mal wiederholen könnten." "Ja und was spricht dagegen?" "Mein Anstand!", sagte Ifri gespielt empört. Joona bekam einen Lachkrampf: "So so, dein Anstand. Aber das ist dein Ding. Du musst wissen was du machst. Ich würde ihn bestimmt nicht von der Bettkante stoßen!" "Ach man, ich werde ihn nicht anrufen, ich kann dir jetzt schon genau sagen wie das endet. Ich gehe jedes mal kaputt wenn er weg muss und eifersüchtig wäre ich ohne Ende. Das geht doch nur in die Hose. Das kann ich mir gleich von vorne rein ersparen!" "Na gut, hast ja recht. Komm, wir gehen ins Mix einen Kaffee trinken, den brauche ich jetzt." Joona erzählte noch das sie und Daniel bis um 6 Uhr im Theatro waren und das sie sich bestimmt wieder sehen würden. Der Sonntag verging, am Abend stand Ifri in der Küche und betrachtete noch mals die Visitenkarte von Jack. Bestimmt zeriss sie die Karte und schmiss sie in den Abfalleimer. Mit dem Gefühl das Richtige getan zu haben ging sie ins Bett.
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"Miss Petchor. So leid es mir tut, wir müssen Kürzungen an unseren Personalkosten durchführen. Sie haben immer gute Arbeit geleistet, aber wir können sie nicht länger halten." Ms. Koul, ihr Chef sah sie bedrückt an. Ifri starrte an die Decke und versuchte sich zusammen zu reissen. Ihr war nach heulen zu Mute. Seid einem halben Jahr wurde angekündigt das es Entlassungen geben würde, aber das sie davon betroffen sein würde hätte sie nicht für möglich gehalten. Ihr sonst so fast perfektes Leben brach zusammen."Wie lange noch?", hauchte sie um das Zittern ihrer Stimme zu verbergen."Ich kann ihnen zwei Möglichkeiten anbieten. Entweder sie bleiben bis zum Ende nächsten Monats, also bis zum 31. August, oder sie gehen sofort und ich zahle ihnen eine Abfindung von 5000 Dollar." "Dann gehe ich sofort." Ifri stand auf und würdigte ihrem ehemaligen Chef keines Blickes."Ich danke ihnen für ihre Kooperation. Sie werden von uns hören. Leben sie wohl!" Er reichte ihr kühl die Hand und verabschiedete sich von ihr. Wie in Trance ging sie durch das Bürogebäude in Joonas Büro."Hey! Und? Gehaltserhöhung? Was wollte er von dir. ?", babbelte Joona los. Ich bin gefeuert worden." Ifri sank auf einen Stuhl und fing nun an zu weinen. Joona sah sie fassungslos an: "Aber das kann doch nicht sein?! Wieso?" "Weil ich entbehrlich bin!", schluchzte Ifri."Und jetzt?" "Bin ich arbeitslos. Ich werde jetzt nach Hause gehen." "Was willst du denn da?" "Mir Gedanken machen wie es jetzt weiter geht, Zeitung nach Stellen durchsuchen und mit Schokolade vor dem Fernseher vergammeln!" "Ich kann versuchen frei zu bekommen, dann komm ich mit!" Joona fühlte sich elend. Sie konnte nicht glauben das ihre beste Freundin gefeuert wurde."Nein das ist nicht nötig, kannst du kommen wenn du Feierabend hast?" "Natürlich. Ich werde mich beeilen damit ich hier früh rauskomme." Sie kam zu Ifri herüber und nahm sie tröstend in den Arm.
Ifri suchte zwei Wochen nach einem neuen Job, aber sie fand keinen. Sie versuchte als Verkäuferin in Boutiquen zu arbeiten oder eine Kellnerstelle zu finden. Hauptsache irgendetwas um nicht den ganzen Tag zu Hause zu sitzen. Am Montagmorgen las sie eine Anzeige in der Zeitung, in der stand: Suchen Tierpfleger/in für den Australien Zoo, Melbourne. Jung und motiviert, mit und ohne Erfahrung / keine Angst vor großen Tieren. 400 Dollar die Woche, 6 Tage Woche 8-24 Stunden täglich, /Schichtdienst. Sie bewarb sich auf die Stelle und hoffte jeden Tag auf eine Antwort. Nach einer Woche hatte sich der Zoo immer noch nicht gemeldet und Ifri fiel zu Hause die Decke auf den Kopf. Sie hielt sich viel im Café Mix auf, ging joggen, besuchte ihre Eltern und verbrachte viel Zeit mit Joona, die sie immer wieder versuchte aufzubauen. Jeden Tag las sie in den Zeitungen von Ressourcenknappheit, Sparmaßnahmen wurden auf der ganzen Welt getroffen. In Amerika wurde jeden Sonntag ein komplettes Fahrverbot angeordnet da man ein riesiges Ozonloch entdeckt hatte, aber Ifri interessierte sich kaum dafür. An einem Freitag Abend ging sie gelangweilt die Treppe zu ihrer Wohnung hinauf als ihr Nachbar, Steve Benson ihr entgegen kam. Er wohnte eine Etage über ihr aber sie sahen sich so gut wie nie."Hallo Ifri! Wie schauts aus? Alles im grünen Bereich?" "Nein gar nicht. Ich bin arbeitslos und finde einfach nichts neues." "Ohje, das tut mir leid. Was für einen Job suchst du denn?" "Ach egal, irgendetwas. Hauptsache ich habe wieder was zu tun." Steve überlegte kurz: "Was hast du denn gelernt?" "Ich habe Grafikdesign studiert und drüben bei Megacom gearbeitet. Aber die haben ihr Stellen gekürzt und ich war wohl entbehrlich." "Grafikdesign? Hm, dann kannst du ja mit einem PC umgehen, oder?" Ifri horchte auf: "Ja klar? Kennst du jemanden?" "Ja, meine Sekretärin geht ab nächste Woche in Schwangerschaftsurlaub. Ich brauche also noch jemanden. Hast du später einmal Zeit? Ich muss nur schnell das Paket hier wegbringen, kann ich dann vorbeikommen?" "Klar! Gerne! Bis gleich!" Aufgeregt schloss sie ihre Tür auf und bekam gleich einen Schock. Ihre Wohnung war nicht aufgeräumt, überall lagen Klamotten herum, in der Küche lag noch Geschirr und ihr Wäschetrockner stand mit ihrer gewaschenen Unterwäsche im Flur. In Windeseile räumte sie die Sachen weg, packte den Wäscheständer zusammen und fegte einmal über die Fliesen. Dann schaffte sie es gerade noch sich die Haare ordentlich hochzustecken als Steve schellte. Sie ließ ihn herein und bat ihn ins Wohnzimmer. Wie immer betrachtete Ifri missmutig die Schuhe ihrer Gäste wenn sie ihren weißen Flausch-Teppich betraten, aber Steves Schuhe schienen sauber zu sein. Er setzte sich auf ihre weiße Ledercouch und betrachtete zunächst interessiert das große Bild von einer grünen Wiesenlandschaft das über ihrer TV-Anlage hing."Welches Land ist das?", fragte er neugierig."Ich weiß es nicht genau, ich habe es von einem Trödelmarkt. Sieht ein wenig asiatisch aus wegen der Blumen meine ich. Es ist ein Bild zum träumen, wenn es so etwas noch auf der Erde gibt, dann kann sie gar nicht so schlecht sein, oder?" Steve runzelte die Stirn: "Das kann aber auch einfach ein Park sein, wer weiß?" "Keine Ahnung, auf jeden Fall ist es schön und beruhigend wenn man darauf sieht. Wenn es so ein Stück Land gibt dann möchte ich gerne einmal da sein. . ." Ifri stockte als sie merkte das Steve ihre Leidenschaft für Landschaften nicht teilte. Erwartungsvoll sah sie ihn an."Also", begann er fröhlich, "ich brauche jemanden der meine Gäste empfängt, das Telefon macht, meine Rechnungen und den ganzen Papierkram verwaltet. Kannst du das?" "Soll das ein Witz sein? Natürlich kann ich das!", trällerte sie. Dann überlegte sie kurz und fragte: "Was machst du eigentlich? Ich meine für wen arbeite ich denn?" "Ich bin Manager und Agent für ein paar Leute hier in Sydney. Aber nur schriftlich, mein Geld verdiene ich damit auf Talentsuche zu gehen und die Leute von denen ich meine das aus ihnen was werden kann vermittle ich weiter." "Das ist ja interessant. Und wie machst du das? Läßt du sie zu dir kommen?" "Teils teils. Ein paar kommen zu mir mit ihren Tapes oder Demos. Ich bin abends oft in Bars, Pub´s und Theatern. Dort findet man schnell ein noch unverbrauchtes Talent. Also was sagst du?" Ifri grinste: "Wenn du mir jetzt noch sagst wie die Arbeitszeiten sind und was ich verdiene könnte ich glatt zustimmen!" Steve lachte auf: "Na wenigstens scheine ich mir hier kein Dummerchen anzulachen! Du arbeitest Montags bis Freitags von 9-18 Uhr. Freitags kann es sein das wir eher Feierabend machen, je nachdem was so los ist. Können wir uns auf 350 Dollar die Woche einigen?" "400 und ich will gar nicht wissen wieviel Urlaub ich habe!" Steve sah sie verdutzt aber amüsiert an."Ich glaube wir kommen ins Geschäft. Wenn du willst kannst du Montag direkt kommen!" "Fein! Dann sehen wir uns Montag! Bis dann!"
Sofort rief sie Joona an um ihr zu erzählen das sie nun wieder unter den Arbeitenden lebte. Am Abend wollten sie das im Bouche feiern gehen und kamen am Theatro vorbei."Was hälst du davon wenn wir unser Champagner im Theatro trinken?", grinste Joona."Da kommen wir doch nicht rein ohne Jack." "Wer sagt denn das wir ohne ihn gehen, sieh mal was da für ein Auto kommt!" Joona zeigte die Straße runter wo Jack´s Limousine angefahren kam. Bevor Ifri reagieren konnte ging Joona vor und stellte sich neben das Auto. Jack stieg aus gefolgt von seinen Freunden, Joona rief Daniels Namen, er sah sie und ging sofort zu ihr. Joona redete kurz mit ihm, dann tippte Daniel Jack an, zeigte auf Ifri und sagte etwas. Ifri war das sehr peinlich alle starrten sie nun an und Jack kam tatsächlich zu ihr herüber."Hy!", sagte er fröhlich."Hallo Jack! Wie geht's?" Ifri versuchte völlig locker und normal zu wirken, dabei war sie aus unerklärlichen Gründen stark angespannt."Gut danke. Joona hat gesagt sie würde gerne mit reinkommen, nur du nicht und ich soll dich überreden!", er grinste sie erbarmungslos an. Ifri warf Joona einen vernichtenden Blick zu."Hat sie das gesagt? Na dann wird es wohl stimmen!" Ifri war ein wenig wütend."Also was ist? Kommst du mit rein?" Sie überlegte kurz, eigentlich war es schon Grund genug wieder zu gehen das Joona sie in so eine peinliche Situation brachte. Des Weiteren hatte sie nicht damit gerechnet Jack noch einmal wieder zu sehen und nun ärgerte sie sich über sich selbst das sie wie ein kleines Kind vor ihm stand und nicht recht wusste, was sie sagen sollte."Ich weiß nicht. . . . . . ja, warum eigentlich nicht!", gab sie sich einen Ruck und folgte Jack der nun gut gelaunt wieder zum Theatro ging. Im Foiee nahm Ifri Joona zu Seite und fauchte sie an: "Was sollte das denn? Ich war nicht scharf darauf ihn wieder zu sehen!" "Ist doch egal, er ist Mittel zum Zweck! Außerdem wird der Abend lustig mit den Jungs, bestimmt besser als im Bouche!" Ifri musste sich geschlagen geben. Joona war bestens gelaunt und machte sich sofort wieder an Daniel heran um mit ihm zu feiern. Jack beachtete sie kaum und unterhielt sich anderweitig, Ifri setzte sich an die Bar und bestellte sich einen Cocktail mit viel Alkohol."Na so allein hier schöne Frau?" Eine tiefe Männerstimme erklang hinter ihr. Genervt drehte sie sich um und blickte in ein schmieriges Männergesicht im gehobenen Alter."Ja, alleine und zufrieden!", versuchte sie den Kerl abzuwehren."Aber, warum denn gleich unfreundlich werden? Darf ich Sie zu einem Drink einladen?" Ifri verdrehte die Augen: "Nein danke. Ich habe noch." Sie wandte sich ab."Na dann trink schnell aus und du bekommst einen neuen!" Der Mann kam nun herum und stellte sich genau vor sie hin. Ein unangenehmer Geruch, eine Mischung aus scharfen After Shave, Bier und Schweiss drang ihr in die Nase."Hören sie Mister. Ich bin nicht interessiert ihre Drinks zu trinken oder mich mit ihnen zu unterhalten." Ifri wurde direkt. Der Mann stockte einen Augenblick und fing dann auf eine komische Art und Weise an zu grinsen."Kleine sture Ziege also. Jetzt streub dich doch nicht so!" Ifri wandte sich nun angewidert an den Baarkeeper: "Hallo? Können sie mir helfen? Dieser Herr hier. . . . können sie ihm sagen das er woanders hingehen soll?" Der Keeper wollte sofort reagieren, stockte aber als er den Mann sah und wandte sich beschäftigt ab. Ifri sah ihn fassungslos an. Der Mann griff sie am Arm und zog sie grob vom Stuhl."Komm wir gehen tanzen!", befahl er. Ifri schlug seine Hand erschrocken von ihrem Arm und versuchte an ihm vorbei zu kommen, aber diesmal griff er sie an den Haaren und fauchte ihr ins Ohr: "Hör auf so rumzuzicken! Du kommst jetzt. . . . ." Ifri hörte wie ein dumpfer Schlag den Mann traf und er ihre Haare losließ. Hastig sah sie sich um und entdeckte Jack, der nun groß aufgebaut vor dem Mann stand. Sie hörte ihn leise reden, konnte aber nicht verstehen was er sagte, die Musik war zu laut. Schließlich zeigte der Alte auf den Ausgang, Jack grinste ihn breit an und ging langsam hinaus. Ifri folgte ihm, sie erwischte ihn noch gerade bevor er in eine Seitenstraße abbog, wo sein Auto stand."Warte doch mal!", rief sie. Jack drehte sich um und lächelte als er sie sah: "Geht's dir gut? Hat er dir wehgetan?" "Nein, nicht wirklich. Warum musstest du gehen? Wer war der Kerl?" "Das war Jack Devine. Mit ihm sollte man sich nicht anlegen. Er ist der Besitzer des Theatro. Muss mir jetzt wohl einen neuen Schuppen suchen wo ich meine Nächte verbringen kann!" "So einem Schmierlappen gehört der Laden? Dann werde ich da auch nicht mehr hingehen. Was hast du jetzt vor?" Jack musterte sie genau und sagte dann langsam: "Ich werde nach Hause fahren, was sonst? Ich bin eh müde, mein Tag war lang." Ifri nickte. Sie überlegte ob sie ihn fragen sollte, ob sie mitkommen dürfe. Auf irgendeine Art und Weise wollte sie bei ihm sein. . ."Willst du mit?", fragte er plötzlich und direkt. Verwirrt fragte sie sich ob er Gedanken lesen könnte und sah ihn verwundert an."War nur so eine Idee, ich dachte nur weil du immer noch hier stehst das du mitwillst?" Ifri runzelte einen Augenblick die Stirn, erst jetzt bemerkte sie das sie stumm vor ihm stand und ihn wie gebannt ansah. Dann musste sie unwillkürlich lächeln und stimmte zu. Sie fuhren aus der Stadt raus, in einen Vorort, wo die Limousine vor einer kleinen Villa hielt. Jack bat sie ins Wohnzimmer und bot ihr einen Drink an. Das Haus war reich eingerichtet, dunkle alte Möbel standen im Kontrast zu weißen Wänden und Fliesen. An das Wohnzimmer grenzte ein kleiner Wintergarten mit einem Wirlpool. Ifri versuchte nicht darauf zu achten, sie wollte nicht das Jack den Eindruck hatte, als würde er sie mit seinem Geld beeindrucken. Er drückte ihr ein Glas in die Hand und setzte sich ihr gegenüber."Warum hast du nicht angerufen?", begann er. Ifri öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder und grinste. Dann zog sie sich die Schuhe aus und machte es sich auf der Couch bequem."Ich hatte Angst der Zauber dieser Nacht würde verfliegen wenn wir uns treffen würden und nach einiger Zeit merken würden das aus uns nichts wird." Jack nickte nachdenklich."Und warum bist du dann hierher gekommen?", diesmal grinste er."Weil ich sonst nichts zu tun hatte. Und weil du mich gefragt hast." "So so. Und was sollen wir jetzt machen?" "Hm, wir könnten Fernsehen, magst du Cartoons? Oder hast du gute Videospiele?", kess sah sie ihn an. Sie ging davon aus das er was anderes erwartet hatte und wartete nun vergnügt auf seine Antwort. Aber hingegen aller Erwartungen sprang er auf und wühlte in seinem Schrank herum. Er holte ein Spiel heraus und erklärte: " Das ist das ultimative Spiel gegen Langeweile. Es ist so was ähnliches wie Wahl Wahrheit oder Pflicht, kennst du doch, oder? Jeder bekommt zwanzig Karten, darauf stehen Fragen die man den anderen stellt. Anhand der Antworten schreibt jeder eine Zusammenfassung auf und zum Schluss weiß man mehr über den anderen als man denkt!" Ifri sah neugierig zu wie er das Spiel auspackte."Wo ist dein Bad und deine Küche? Hast du was Bequemes zum anziehen? In dem Shirt und der Hose kann ich mich kaum bewegen, dauert ja wohl etwas länger heute, da können wir es uns auch bequem machen!", schlug sie vor. Er ging nach oben und brachte ihr ein T-Shirt von ihm und eine Boxershorts. Kurze Zeit später saßen sie in Decken gehüllt mit Chips und Bier vor dem Kamin und begannen zu spielen. Jack begann: "Erste Frage, Worin zeichnet sich ein Mensch den du kennengelernt hast aus? Wie beeindruckt er dich so das du ihn wiedersehen willst?" Ifri überlegte kurz und sagte dann: "Er muss mich zum lachen bringen und gegen meine große Klappe ankommen. Desweiteren darf er nicht erwarten das sich mein ganzes Leben sofort um ihn dreht, er muss selbständig sein und mir nicht sein Leben aufdrängen." Jack schrieb ein paar Sachen auf ein Blatt. Dann war Ifri an der Reihe."Welcher Satz oder welche Situation hat dich bis jetzt am meisten zum nachdenken gebracht?" Jack grübelte: "Ich schätze diese Frage!", lachte er, fing aber sofort wieder an zu überlegen. Schließlich sagte er: "Als ich in China war, da sagte mal ein alter Mann zu mir: Wenn du glaubst du hast alles erreicht was du dir vorgenommen hast, dann gehe in dich und frage dich warum du gerade tust was du tust, wenn es doch eh keinen Sinn mehr hat. Leben heißt nach Erfüllungen von Wünschen, Plänen oder Träumen zu trachten. Wenn du das nicht mehr hast, ist dein Leben sinnlos. Ich habe mich damals lange gefragt ob das der Sinn des Lebens ist. Ich glaube länger habe ich mich nie mit irgendetwas beschäftigt." "Und zu welchem Entschluss bist du damals gekommen?" Ifri war neugierig geworden."Das steht nicht auf der Karte und außerdem bin ich jetzt dran!", grinste Jack und laß seine nächste Karte: " Wie sieht das Leben aus, das du in ein paar Jahren führen möchtest?" Ifri´s Antwort kam direkt: "So wie es vor ein paar Wochen war, es ist egal wie oder mit wem ich lebe. Ich muß morgens aufwachen und das Gefühl der Zufriedenheit haben." Jack sah sie überlegend an und lächelte leicht."Wie ist der perfekte Partner für dich?" Ifri sah ihn belustigt an. Jack nahm einen großen Schluck Bier und erklärte dann: "Also. Sie muß witzig und intelligent sein. Toll aussehen muss sie auch und einfühlsam sein. Ich brauche oft jemanden der für mich da ist wenn es mir schlecht geht. . . und sie muss mich auf Dauer ertragen können!" Ifri schrieb Stichworte auf ihren Zettel und wartete dann auf Jacks nächste Frage: "Wie oft bist du schon fremd gegangen?" "Ich bekomme einfache Fragen. Die Antwort ist keinmal!", grinste sie und laß die nächste Karte vor, "wie alt bist du?" "26." "Was ist das dümmste was du je gemacht hast?" Ifri musste jetzt doch überlegen."Ich habe mich von meinem ersten Freund getrennt weil er aus beruflichen Gründen nach Japan musste. Ich wollte damals nicht weg von hier und dachte ich würde auch ohne ihn klar kommen. Dann begannen die drei schlimmsten Monate die ich je hatte, ich habe ihn vermisst und ich war drauf und dran ihm zu folgen. Dann rief mich seine Mutter an und sagte mir das er bei einem Busunfall ums Leben gekommen ist. Ich habe mir nie verziehen das ich ihn alleine gelassen habe." Ifri endete nachdenklich und Jack kritzelte bedrückt auf sein Blatt. Um die Situation schnell zu verbessern las sie ihre nächste Frage vor und musste gleich belustigt zu Boden sehen: "Bist du im Moment verliebt?" Jack sog laut die Luft durch seine Zähne und lachte leise."Aua! Ähm. . . also. Nein. Im Moment bin ich nicht verliebt.", sagte er zögernd und sah Ifri dabei direkt in die Augen. Ifri´s Magen krampfte sich zusammen. Sie hatte auf eine andere Antwort gehofft, aber diese war wohl die bessere gewesen. Sie versuchte seinem Blick stand zu halten musste aber trotzdem die Lippen aufeinander pressen."Definiere Verliebt sein!", sagte sie."Das steht nicht auf der Karte!", lachte er und zog ihr die Karte aus der Hand. Verdutzt gab er sie zurück, dort stand wirklich die Frage die Ifri gerade vorgelesen hatte."Trotzdem bin ich erst dran. Also An wen denkst du wenn du morgens aufstehst?" Ifri wusste keine Antwort und dachte angestrengt nach. Dann sagte sie: "Oft an meine Eltern und an Joona. Morgen früh denke ich bestimmt an dich und ab und zu denke ich an meinen Ex-Freund." Jack grinste und machte sich gleich wieder daran Notizen auf seinen Zettel zu kritzeln."Los, definiere verliebt sein!", lachte Ifri."Verliebt sein ist es wenn man Gänsehaut bekommt wenn man diejenige sieht. Wenn man sich Gedanken macht wo sie gerade ist und was sie tut. Wenn man es kaum erwarten kann bis man sie wieder sieht.", schloss Jack verträumt."Bist du glücklich?" Ifri sah nachdenklich zu Boden."Es gibt Tage an denen ich mir versuche einzureden das ich glücklich sein müsste, ich bin gesund, habe tolle Freunde. . . . aber in Wirklichkeit warte ich darauf das irgendetwas passiert. Ich denke immer, das kann es noch nicht gewesen sein, irgendetwas muß es doch noch geben was mich voll erfüllt. Vielleicht liegt das auch an meinem Alter." So ging es die ganze Zeit weiter. Teils lachten sie und teils hörten sie sich nur nachdenklich zu. Am Ende, es wurde draußen schon wieder hell, schrieb jeder seine Zusammenfassung über den anderen. Ifri konnte kaum noch die Augen offen halten und Jack stand auf um auf die Toilette zu gehen. Als er zurück kam schlief Ifri, er lächelte und zog ihr den Zettel mit der Zusammenfassung aus ihren Händen. Darauf stand: "Jack ist ein ganz wundervoller Mensch." mehr nicht.
Am nächsten Tag, es war kurz vor elf, wachte Ifri auf. Frischer Kaffeegeruch stieg ihr in die Nase und der Kamin war neu geschürt. Müde rieb sie sich die Augen und richtete sich auf. Neben ihr lag der Zettel von Jack, sie nahm ihn hoch und las: "Ifri ist ein einfacher Mensch der viel Spaß in seinem Leben hat. Sie nimmt Dinge ernst die ernst zu nehmen sind, alles andere ist ok solange es spaß macht. Wenn jemand das Glück besitzt und ihr Herz gewinnt, hat er eine Frau an seiner Seite, für die manch ein Mann sterben würde. . ." Verschlafen lächelte sie und stand auf. Jack war nicht zu sehen und so ging sie erst in sein Bad um sich zu waschen. Dann kam sie wieder in die Küche, wo Jack nun Zeitung las."Morgen du Schlafmütze!" "Musst du nicht auch so 6-7 Stunden schlafen? Ich dachte ein normaler Mensch müsse das!", lächelte sie müde."Kaffee?" "Ja bitte, in Mengen!" Er goss ihr Kaffe ein und reichte ihr Brötchen und Croissants. Sie aßen schweigend. Als sie fertig waren brach Jack die Stille: "Und? Was machst du heute noch so?" "Keine Ahnung. Vielleicht schlafen?", grinste sie. Jack verdrehte die Augen: "Wie kann man nur sein ganzes Leben verschlafen?" "Schlag mir was spannendes vor und ich verzichte auf mein Bett." Jack nahm die Zeitung wieder hoch."Ich fliege heute Abend nach China, für ein paar Wochen. Komm doch mit!" Er sagte das ganz beiläufig, so als würde er sie fragen ob sie mit ins Kino kommen würde. Ifri verschluckte sich am Kaffe als sie sah wie er sie ernst und ohne Belustigung ansah."Ja ne ist klar. Ich fange Montag wieder an zu arbeiten. Und mal eben ein paar tausend Mäuse für einen mehrwöchigen Chinaurlaub habe ich auch nicht!" "Ich zahle für dich." Ifri sah ihn fassungslos an: "Spinnst du jetzt? Was machst du überhaupt da? Und warum soll ich mit?" "Ich habe ein Haus dort, im Außenbereich von Peking. Ich habe gedacht es könnte dich interessieren, das Land, die Kultur. Arbeiten kannst du dein ganzes Leben noch!" "Und du lädst mich jetzt ein auf deine Kosten mitzukommen. Irgendwie kommt mir das chinesisch vor. . ." Jack lachte."Komm mit oder lass es sein. Überlege es dir, ich glaube wir hätten eine tolle Zeit da." "Wieso glaubst du das ich mit dir kommen würde?" "Weil ich dir ein gutes Angebot mache. Wie oft denkst du kommst du nach China mit einem durchschnittlichen Gehalt?" "Oh, willst du mich jetzt schlecht machen weil ich weniger Geld habe wie du?" Jack verdrehte die Augen und sah sie ernst an."Denk drüber nach. Wenn du mitwillst sei um spätestens halb sechs wieder hier."
Sie fuhr verwirrt und wütend nach Hause. Was bildete dieser Jack Spiro sich nur ein? So toll war er auch nicht das sie alles stehen und liegen lassen würde, nur mit ihm in den Urlaub zu fahren. Immer noch nachdenklich stapfte sie die Treppen zu ihrer Wohnung hinauf als ihr Steve entgegen lief."Ifri! Gut das ich dich sehe. Ich muss mit dir reden!" "Was gibt es?" "Meine Sekretärin, sie hatte eine Fehlgeburt!" "Oh, das tut mir leid." "Mir auch, vor allem das ich dir jetzt wieder absagen muss. Sie will sofort wieder arbeiten. Es tut mir leid." Ifri´s Enttäuschung war endlos. Sie hatte sich darauf gefreut bei Steve zu arbeiten und war dankbar endlich wieder eine Aufgabe zu haben. Aber sie riss sich zusammen: "Das kann ich verstehen. Du hast es gut gemeint Steve, danke!" Sie machte auf dem Absatz kehrt und fuhr zu Joona.
3
"Er will das du mit nach China gehst, du hast dich voll in ihn verliebt, du hast keinen Job und du willst nicht?!" Joona war außer sich."Ich habe mich nicht verliebt. Es war sehr nett gestern abend, ja aber das war irgendwie anders. Da ist nix mit Schmetterlingen oder so. Und ich finde es ein wenig naiv einfach so mit einem Mann den ich gerade zwei mal gesehen habe in den Urlaub zu fahren." "Ja wenn es dir nicht gefällt fährst du halt wieder nach Hause! Ich kann dich nicht verstehen." "Warum will er wohl das ich mit ihm fahre. Verliebt ist er auch nicht!" "Vielleicht ist er einsam? Vielleicht findet er dich einfach nur nett? Ist doch auch egal du kannst umsonst nach China! Ihr müsst ja dort nicht den ganzen Tag aufeinander hocken." Ifri dachte nach, unrecht hatte ihre Freundin gewiss nicht."Und du denkst also das es richtig ist mit ihm zu fahren?" "Was um alles in der Welt soll daran falsch sein? Er hat soviel Kohle das er es nicht mal merken wird wenn du jeden Tag im teuersten Restaurant essen gehen würdest!" "Ich fühle mich aber nicht wohl bei der Sache." Joona sah sie nun sehr ernst und wütend an: "Fühlst du dich wohler wenn du den ganzen Tag zu Hause sitzt und dir die Decke auf den Kopf fällt?" Ifri sah traurig und patzig zu Boden: "Nein." "Also dann los! Wir gehen jetzt deine Sachen packen! Hop!" Joona drückte sie in Richtung Tür und Ifri gab sich geschlagen. Es war schon halb fünf. In Windeseile packten sie Ifri´s Sachen zusammen und Joona fuhr Ifri mit ihrem Auto zu Jack. Joona half ihr noch die Koffer aus dem Auto zu packen, verabschiedete sich von ihr und verschwand. Mit klopfenden Herzen ging Ifri zur Haustür, holte tief Luft und klingelte. Eine dicke Frau öffnete die Tür und sah Ifri vergnügt an: "Was kann ich für sie tun Miss?" "Ich wollte zu Jack, ist er noch da?" "Ja, und wer sind sie?" Ifri war verwirrt, wer war diese Frau und warum ließ sie Ifri nicht einfach rein."Mein Name ist Ifri Petchor, Jack und ich wollten in den Urlaub, nach China!" Die Frau drehte sich rum und rief Jack zur Tür. Als er Ifri erblickte fing er breit an zu grinsen."Ich dachte du würdest nicht kommen!" "Das zeugt davon das du Joona nur flüchtig kennst. Sie meinte es wäre dumm nicht mit dir zu kommen und sie vom Gegenteil zu überzeugen ist unmöglich!" Jack lachte."Frieda, würdest du Ifri´s Koffer bitte in den Wagen bringen? Wir müssen gleich los!" Frieda nickte genervt, als sie weg war fragte Ifri: "Ist das deine Haushälterin?" "Ja, so was in der Art. Sie ist so ziemlich mein größter Fan und sie bettelte jahrelang um einmal mein Haus sehen zu dürfen. Seit zwei Jahren ungefähr kommt sie einmal in der Woche und putzt alles das, was meine Haushälterin sonst nicht schafft. Wenn ich vereise darf sie hier wohnen. Damit kann ich mir eine Firma sparen die hier sind wenn ich weg bin." "Ja und du lässt sie einfach so hier alleine? Hast du nicht Angst das sie dir etwas klaut?" "Sie ist viel zu fanatisch das alles an seinem Platz ist. Die wertvollen Sachen liegen sowieso in meinem Safe im Keller und manchmal zahlt es sich auch aus jemanden zu vertrauen den man nicht kennt!", sagte er und sah Ifri dabei höhnisch an. Sie zuckte aber nur mit den Schultern und setzte sich ins Wohnzimmer. Jack telefonierte noch zehn Minuten und dann brachen sie auf. Ifri hatte immer noch ein ungutes Gefühl bei der Sache, aber Jack verbreitete so eine gute Laune und erzählte ihr voller Begeisterung von China, das auch sie bald das Reisefieber packte.
Am nächsten Mittag fuhren sie mit einem Jeep aus Peking heraus. Ifri´s Augen hafteten an den Autofenstern, hier gab es so viel, was sie noch nicht gesehen hatte. Auf den Straßen prallten Altertum und die neue Welt aufeinander, wie man es nur selten sah. Händler in kargen Kleidungen ließen ihre Wagen von Ochsen ziehen, daneben herrschte das übliche Verkehrschaos einer Großstadt. Hier und da sah man Mönche oder Männer in festlichen Gewändern durch die Straßen laufen. Sie waren kaum aus Peking raus, da wurden die Häuser kleiner und ärmlicher. Hier und da konnte man eine Villa sehen, die Bauarten schienen Ifri fremd, dennoch schön und passend aber die luxuriösen Villen die sie aus Australien kannte sah man hier nicht. Die Straßen wurden schlechter und nach zwei Stunden befanden sie sich in der Wildnis. Weite grüne Meere öffneten sich vor Ifri´s Augen. Bäume, die sie nicht kannte bildeten kleine Wälder und vor ihr taten sich grüne und bewaldete Berge auf, deren Spitzen in den Wolken verschwanden. Ifri war hingerissen. Sie sprachen kaum miteinander während der Fahrt aber Ifri war das nicht unangenehm, sie konnte neben Jack sitzen und schweigen, einfach nur so. Sie fuhren auf eine Bergkette und bogen in ein Waldstück ein. Nach wenigen Metern konnte Ifri ein Haus sehen das einsam auf einer kleinen Lichtung stand. Jack fuhr das Auto unter ein Carport und sie stiegen aus. Es war kalt hier aber die Luft roch sauber und fremd. Jack öffnete die Tür des mittelgrossen, auf chinesische Art gebauten Haus auf und bat sie hinein. Hier war es eisig, alles schien aus Holz zu sein und die Räume waren mit verschiebbaren Wänden getrennt. Bilder von Landschaften hingen an der Wand, überall waren kleine Nischen mit Statuen und Teppichwände ließen alles gemütlich aussehen. Jack eilte ins Wohnzimmer um den Kamin und die Heizung anzumachen. Im Wohnzimmer war eine viereckige Vertiefung im Boden die mit Teppich und Kissen aufgepolstert war. Ein großer, schön verschnörkelter Kamin und ein großes Fenster, das in einen blühenden, gut gepflegten Garten zeigte vielen ihr direkt in den Blick. Weder Fernseher noch Radio war zu sehen. Im ganzen Haus nicht. Weder Telefon noch Internet hatten sie hier zur Verfügung.
"Hier ist dein Schlafzimmer!" Jack brachte sie in einen kleinen Raum. Ein Bett, ein Schrank und ein Spiegel standen dort, mehr nicht. Ifri richtete sich ein und als sie fertig war ging sie in den Garten. Hier roch es nach allen möglichen Blumen und Vögel in fremder Art zwitscherten den letzten Sonnenstrahlen entgegen. Es würde bald Herbst werden. Abends wurde es schon frostig, es war hier viel kälter und rauher als in Australien und Ifri zog ihre Strickjacke zu. Ein kleiner Bach floss durch den Garten, eine kleine Brücke führte hinüber und dahinter erstreckte sich eine Wiese auf der Blumen in allen Farben blühten. Ifri blieb auf der Brücke stehen und sog die Luft ein. Seit langen fühlte sie sich entspannt und völlig ruhig."Und? Was sagst du? Bereust du es her gekommen zu sein?" Jack kam aus dem Haus und sah sie vergnügt an."Bis jetzt nicht. . . es ist wirklich schön hier. Wie oft kommst du her?" Jack kam nun zu ihr und setzte sich auf das Geländer der kleinen Brücke."So oft wie es geht. Meistens den Winter über weil dann wenige Drehs sind. Manchmal komm ich auch nur für ein Wochenende hier her. Komm mit, ich zeige dir was!" Jack sprang auf und lief durch den Garten. Am Ende stand eine Rosenhecke mit einem kleinen Torbogen durch den er ging. Plötzlich standen sie mitten im Wald und Ifri folgte Jack der nun zielstrebig auf einen Abgrund zusteuerte. Dann blieb er stehen und schaute geradeaus. Als Ifri ihn erreicht hatte war sie sprachlos von dem Ausblick den sie jetzt hatte. Langsam setzte sie sich ins Gras und sah auf ein Tal das dicht bewaldet war. In den Kronen der Bäume lag Nebel, der langsam aber stetig aufstieg und nach einiger Zeit hohe Bergketten, die steil in das Tal stürzten streifte. Die Gipfel der Berge waren weiß und felsig. So etwas schönes hatte Ifri bis jetzt nur im Fernseher gesehen. Sie musste mit den Tränen kämpfen als sie auf das Tal hinabblickte. Sie fühlte sich beinahe so als ob sie in ihrem Apartment bei schöner Musik ihr Bild im Wohnzimmer betrachtete nur war das Gefühl hier viel intensiver. Sie roch den starken Duft von Bäumen und Blumen, spürte den Wind auf ihrem Gesicht und schmeckte ein fernes Land mit all seinen Geheimnissen und seiner Natur. Alles um sie herum schwand, sie hatte das Gefühl mit diesem Tal zu verschmelzen, sie entdeckte immer wieder winzige, jedoch wunderschöne Details auf der Kulisse, wie z. B. eine gelbe Blüte die auf einer Baumkrone lag und sich der Sonne entgegen streckte.
Jack stand bewegungslos neben ihr und genoss ebenfalls den Ausblick "Das ist das Nebeltal. Unten gibt es zwei Flüsse die sich vereinen. Einer von beiden hat warmes Wasser aus der Erde und somit liegt den ganzen Winter über Nebel auf dem Tal. Wenn man hinunter geht ist man in einem Paradies der Vögel. Dieses Tal gilt als Nistplatz und Lebensraum unzähliger Arten. Im Sommer wimmelt es von ihnen und man hat den ganzen Tag ein Orchester aus den verschiedensten Vogelstimmen." Ifri dachte das Jack so sprach als ob er ewig hier gewesen wäre und deswegen fragte sie ihn: "Seit wann kommst du her?" "Seit dem ich denken kann. Dieses Haus hat mein Opa gebaut. Er hat hier gelebt. Meine Eltern und ich sind jedes Jahr hergekommen. Mein Opa ist vor fünf Jahren gestorben und ich habe das Haus bekommen. Seit dem überlege ich ob ich nicht auch hier leben sollte. Wenn alles vorbei ist meine ich, mehr Ruhe und Frieden werde ich nirgendwo anders finden!" Ifri nickte nachdenklich. Das Gefühl hier zu sitzen und auf das Tal zu sehen war unbeschreiblich. Fast bis es dunkel wurde, blieben beide dort und starrten nachdenklich in das Tal.
"Wir müssen morgen noch einmal in die Stadt was zu Essen kaufen. Hier sind nur ein paar Reserven für den Notfall. Wir fahren zum Markt, der ist immer da. Warst du schon mal auf einen chinesischen Markt?" "Nein, kommt daher das ich noch nie in China war." Jack lachte. Sie hatten es sich in der Nische im Wohnzimmer bequem gemacht und jeder las in einem Buch."Die Rush-Houre in Sydney ist nichts dagegen. Es ist laut und hektisch und man muss aufpassen, nicht überrannt zu werden. Fast schon ein Abenteuer da wieder heil raus zu kommen." "Ich laß mich überraschen! Wie lange willst du jetzt eigentlich genau bleiben?" "So lange wie wir uns hier wohl fühlen. Mal sehen, ich habe keinen Zeitpunkt in Betracht gezogen." Ifri legte ihr Buch weg."Es muss ganz toll sein so reich zu sein. Du kannst tun was du willst und musst dir keine Sorgen machen." "Ist schon toll, klar. Aber ich habe hart dafür gearbeitet. Mein Leben war nicht immer so ruhig wie jetzt. Es gab Zeiten da habe ich nur in Hotels gewohnt und Drehbücher auswendig gelernt. Am Anfang ist es besonders schwer, man verliert viele Freunde und bekommt neue, die man gar nicht haben will. Alles was man macht wird veröffentlicht, mit wem du ausgehst, wie du lebst wo du bist. Ist auch nicht immer toll. Aber jetzt ist es ruhiger um mich geworden. Ich weiß nicht warum, meine letzten Filme waren gut und erfolgreich, aber irgendwie bin ich wohl zu brav. Man interessiert sich im Moment mehr für die Musikbranche, so können die Schauspieler einmal ausatmen." "Aber du hast es dir doch ausgesucht. Ich meine wenn man berühmt ist weiß man doch das man in der Öffentlichkeit steht." "Ja, aber du hast keine Zeit dich darauf vor zubereiten. Du spielst einen Film der auf einmal ein großer Knaller wird und Schwupp-die-Wupps wollen alle deine Unterschrift, deine Zeit und dein Geld. Ehe du dich versiehst bist du ein Star und dann hast du keine Möglichkeit mehr umzukehren. Selbst wenn du nicht mehr spielen würdest, würden eine Zeitlang alle wissen wollen was du tust. Aber ich beklage mich nicht. Ich kann das Leben führen was ich führe und damit bin ich zufrieden." "Und du kommst auch immer gut dabei weg. Ich meine es gibt kaum Interviews von dir. Ich wusste noch nicht mal wo du wohnst obwohl ich viel fernsehe. Hast dich immer gut versteckt gehalten." "Naja, so würde ich das nicht sagen. Meine Hauptabnehmer sind in Europa. Dort könnte ich nicht einfach so durch die Straßen gehen oder in Cafés sitzen. Australien und Amerika haben so viele Stars das es nicht schlimm ist wenn einer mal weniger vor der Kamera ist." Ifri dachte darüber nach und vertiefte sich dann wieder in ihr Buch. Relativ früh gingen sie zu Bett.
Am nächsten morgen brachen sie früh auf um zum Markt zu fahren. Jack hatte ihr nicht zu viel versprochen. Der Markt erstreckte sich über das ganze Hafengebiet. Überall standen Händler und boten laut ihre Ware an. Das einkaufen überlies sie Jack, da sie nicht wusste was, was war und wie es schmeckte. Sie liefen an der verbotenen Stadt vorbei und Ifri betrachtete respektvoll die Mauer die sich stark und groß aus der Stadt erhoben. Sie stellte sich vor wie es damals war, als hier noch ein Kaiser lebte und die Menschen nach Werten lebten, die heutzutage unvorstellbar waren. Sie bogen gerade in eine kleine Straße ab um Milch zu besorgen als Ifri schockiert stehen blieb. Ein Händler hatte Hühner und Enten lebendig über Kopf an seinem Stand hängen. An den Anblick hatte sie sich bereits gewöhnt auch wenn es ihr jedesmal eisig den Rücken herunter lief. Aber dieser Händler hatte unter seinem Tisch einen Käfig aus dem junge Hunde ihre Schnauzen streckten und traurig, teilweise weggetreten hinausschauten. Es schien ein Wurf Mischlinge zu sein. Das Fell war grau schwarz und struppig, die Köpfe ähnelten Wolfswelpen. Einer der Hunde sah sie an, so das Ifri fast das Herz stehen blieb."Was machen sie damit?", fragte sie Jack."Keine Ahnung. Essen die nicht Hunde? Oder ist das nur in Japan so. Ich weiß es nicht.", überlegte er laut. Ifri ging zum Käfig und streckte eine Hand an die Stäbe. Alle Welpen machten sich augenblicklich daran die Hand ab zulecken und winselten. Ifri bekam ein Kloß in den Hals. Der Händler wurde sofort aufmerksam und redete auf Ifri ein, die ihn aber nicht weiter beachtete, da sie eh kein Wort verstand. Der Händler versuchte es nun auf Englisch."Wollen einen Hund Frau?", fragte er mit starkem Akzent. Ifri schüttelte langsam mit dem Kopf, konnte sich aber dennoch nicht von diesen Tierchen abwenden."Guter Freund ein Hund!", versuchte der Händler weiter."Ifri, wir sollten weiter. Wir brauchen noch so viele Sachen!", sagte Jack vorsichtig. Widerwillig stand sie auf und folgte Jack. Sie konnte es nun kaum noch ertragen, das Bild der leidenden Welpen ging ihr nicht mehr aus dem Kopf."Hast du gesehen wie ausgehungert sie waren?", sagte sie verächtlich."Wie kann man nur so was tun." "Glaub mir, in deinem eigenen Land passieren auch genug schreckliche Dinge, auch Tierquälerei wie Hundekämpfe, Verwahrlosung und brutale Kranke die sich daraus einen Spaß machen Katzen anzuzünden, Frösche aufzuschneiden und noch weitere Sachen. So was willst du gar nicht wissen." "Nein, will ich auch nicht, aber trotzdem wird man wütend und traurig wenn man so etwas sieht." "Ja, mit Sicherheit. Aber du brauchst gar nicht erst zu versuchen hier in China daran etwas zu ändern. Versuche einem Geflügelhändler mal zu sagen das er seine Enten schlachten soll bevor er sie anbietet. Er würde einen Lachkrampf bekommen und dich für verrückt erklären. Das ist hier eben so und da wird auch so schnell nichts dran zu ändern sein." Ifri nickte verbissen. Sie kauften noch die restlichen Sachen ein und brachten die Einkäufe zum Auto."Willst du den Palast einmal sehen?" "Ja warum nicht!" Sie gingen in die verbotene Stadt und betraten die Palaststadt. Ifri war begeistert, hier sah fast alles noch so aus, wie es vor 1000 Jahre schon ausgesehen haben muss. Als sie inmitten der höchsten chinesischen Kultur stand und die ganzen Runen um sich herum in einer fremden Sprache sah, fühlte sie sich winzig und unbedeutend. Plötzlich blieb Jack stehen."Da vorne ist der Eingang zu einem der Säle an den Toren. Ich war schon zu oft drin und mir ist gerade eingefallen das wir noch Zahnpasta brauchen. Ich gehe eben los. Komm zum Auto wenn du hier fertig bist!" Und schon war er weg. Ifri war nicht ganz wohl zumute das sie nun alleine in einer fremden Stadt war, wo sie kein Wort verstand. Dennoch ging sie in den Thronsaal des ersten Harmonietores. Er war gigantisch und reich verziert. Alleine die Wände genauer zu betrachten würde eine Ewigkeit dauern. Vor dem Thron lagen viele Blumen und Kerzen. Es roch nach Räucherstäbchen und von irgendwo her hörte sie einen gemurmelten Gesang. Sie fühlte sich genau so, als sie auf das Nebeltal blickte und sie war alleine für dieses Gefühl, was sie noch nie hatte, Joona und Jack dankbar, das sie hier war. Das Gefühl war eine Mischung aus Respekt und Ehrfurcht, Freude und Staunen und Ruhe und Frieden. Schweren Herzens löste sie sich von der Kulisse und ging wieder hinaus. Sie schlüpfte durch das Gedränge und erreichte nach kurzer Zeit das Auto. Jack war schon da und hielt ein Bündel in der Hand."Mein Gott, willst du die Zahnpasta essen oder warum hast du so viel gekauft!", neckte Ifri ihn. Aber als sie näher kam sah sie dass, das Bündel sich bewegte. Neugierig sah sie Jack an, der sie siegessicher angrinste. Plötzlich kam eine kleine graue Schnauze aus dem Bündel, dann zwei dunkle große Augen und schließlich zwei Ohren und eines der Welpen aus dem Käfig sah sich neugierig um. Ifri schlug sich eine Hand vor den Mund um einen Aufschrei zu unterdrücken. Sofort nahm sie das Tier an sich und streichelte ihm sanft über das Köpfchen. Der Welpe wackelte eifrig mit dem Schwanz und drückte sich an Ifri."Hast du ihn gekauft?", fragte sie Jack."Jip. Ich wollte immer schon einen Hund haben. Hab's aber irgendwie immer raus geschoben und ich dachte jetzt sei der perfekte Augenblick dazu." "Weißt du denn was es für einer ist und wie gross er wird?" "Weder noch. Da müssen wir uns schon überraschen lassen!" Ifri stieg ein und nahm den Welpen mit auf ihrem Schoß. Interessiert schaute dieser aus dem Fenster. Langsam wurde er munter und untersuchte das Auto, soweit wie Ifri ihn ließ."Wie willst du ihn nennen?" "Keine Ahnung. Sag mal ein paar schöne Namen!" "Paul!" Jack sah sie verwirrt an."Paul?" "Klar, ich finde Paul cool!" Jack sah den kleinen Hund prüfend an und fing an zu grinsen."Ok, Paul."
Paul hielt sie die nächsten Tage auf Trab. Er nahm schnell zu und wurde immer frecher. Den ganzen Tag tollte er umher, verwandelte das Haus in ein Chaos und lag nur selten am Kamin um neue Kräfte zu schöpfen. Ifri war selig, sie kümmerte sich hingebungsvoll um Paul, ließ ihn keinen Augenblick aus den Augen und ging stundenlang mit ihm im Wald spazieren. Jack hingegen nutze seine Zeit um viel zu lesen. Oft war er den halben Tag am Nebeltal und starrte einfach so vor sich hin. Ifri hatte beschlossen ihn so weit es ging in Ruhe zu lassen, sie hatte das Gefühl das es ihm gut tat allein zu sein. Abends aßen sie immer zusammen und saßen in der Nische im Wohnzimmer. Ifri fühlte sich wohl, sie hatte nicht gedacht das sie sich so schnell hier einleben würde. Sie überließ es Jack einkaufen zu gehen und verließ den Wald nur selten. Sie hatte weder das Gefühl in Jack verliebt zu sein, noch ihn zu verachten. Sie fühlte sich wohl wenn er da war, so wie sie sich bei Joona wohl fühlte. Nach zwei Wochen wurde Jack wieder fröhlicher. Jetzt war er es der den ganzen Tag mit Paul herumtobte und auch Ifri auf Trab hielt. Eines morgens gingen beide los um mit Paul durch das Nebeltal und ein Stück die Berge auf der anderen Seite wieder hoch zu wandern. Sie nahmen sich Wasser und Schnitten mit und brachen noch vor Sonnenaufgang auf. In das Nebeltal hinab zu kommen war schon schwierig genug, Jack kannte einen steilen Weg hinunter. Paul hatte weniger Schwierigkeiten. Er rannte immer wieder vor und zurück und wartete das seine Herrchen langsam den Weg nach unten fanden. Als sie unten waren ging die Sonne auf und die ersten Strahlen brachen durch die Blätterkronen. Die Luft war etwas dicker hier unten aber nicht unangenehm. Helles Gras überwucherte den weichen Waldboden und ein Rauschen füllte die Luft. Sie gingen keine hundert Schritte als die Vögel erwachten und die Eindringlinge laut kundtaten. Es wurde lauter je weiter sie gingen, teils von den Vögeln, teils von den Flüssen die hier zusammenflossen. Sie kamen an ein weiteres, kleines Tal und sahen von oben auf die Flüsse hinab. Ein paar hundert Meter neben ihnen flossen sie zusammen, mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit vereinten sich die Flüsse zu einem großen ruhigen Strom. Wasser sprühte von Felsen abprallend meterhoch in die Luft, weiße Schaumdünen bildeten sich an den Ufern und ein feiner Sprühregen, in dem sich durch die Sonne alle Farben widerspiegelten, berieselte die Umgebung. Sie blieben einen Moment stehen und genossen das Schauspiel. Paul jagte am Ufer auf und ab und verstand nicht warum es jetzt nicht weiterging."Wie kommen wir rüber?", wollte Ifri wissen."Wir müssen ein Stück Flussaufwärts, da liegen große Felsen im Wasser. So kommen wir rüber.", erklärte Jack. Sie gingen zehn Minuten den Fluss entlang als Ifri die besagten Felsen entdeckte. Sie waren sehr groß und lagen in knappen Abständen nebeneinander. Paul rannte sofort hin und zurück, wohl um seinen Besitzern zu zeigen wie einfach es war, hier rüber zu kommen. Sie überquerten den Fluss und gingen guter Dinge weiter. Nach einer Stunde erreichten sie eine kleine Lichtung, dahinter war wieder ein Stück Wald und dann sah man wie der erste Berg sich über den Kronen erhob."So. Bis hier her bin ich oft gekommen. Dahinter war ich noch nicht." "Du meinst wir rennen einfach mal in China, mitten in die Wildnis und keiner hat einen Plan wie wir eventuell wieder rauskommen?", fragte Ifri leicht besorgt."Naja, also wenn wir den Berg hier hoch gehen kann uns ja eigentlich nichts geschehen. Wir können immer die Rückwand des Tals sehen, wissen also dann auch wo wir lang müssen wenn wir zurück wollen." Das schien Ifri logisch. Wenn sie sich umdrehte sah sie sogar noch den Weg den sie heruntergekommen waren. Also liefen sie weiter. Die erste Etappe den Berg hinauf war noch angenehm. Hier standen noch Bäume und sie konnten fast eine ganze Stunde einfach bergauf laufen. Dann sahen sie wie der Wald aufhörte und plötzlich standen sie auf hellem, nackten Fels. Hier wehte ein kräftiger Wind und es ging steil hoch. Nach kurzer Zeit mussten sie klettern und sie kamen nur noch langsam voran. Auf einer kleinen Plattform hielten sie an um eine kleine Pause einzulegen. Paul war davon weniger begeistert, aufgeregt schnüffelte er herum und erkundete die Gegend. Schon von hier hatten sie eine tolle Aussicht auf das Tal, ganz klein konnten sie das Haus erkennen das aus dem Wald, auf der anderen Seite des Tals hervorragte."Sollen wir zurück oder weiter hoch?" fragte Jack und sah prüfend nach oben. Es wurde felsiger, sie hatten also einen guten Halt um weiter zu gehen."Was meinst du? Schaffen wir es denn bis zum Kamm?" "Wenn wir uns beeilen sind wie in zwei Stunden oben. Dann müssen wir uns aber auch beeilen um wieder zurück zu kommen bevor es dunkel wird." "Ja dann los!" Ifri sprang auf. Sie war voller Elan, sie empfand ihre Wanderung als kleines Abenteuer. Paul sprang begeistern an ihr hoch, er freute sich das es weiter ging. Jack raffte sich auf und sie machten sich an den zweiten Anstieg. Sie hatten die Hälfte des oberen Berges geschafft und standen nun ca. hundert Meter unter dem Kamm als Paul plötzlich knurrte. Jack und Ifri erstarrten, Paul hatte noch nie einen Laut von sich gegeben, bis auf das Winseln wenn er raus musste. Sein Knurren war erstaunlich tief und scharf, dabei war er noch ein Welpe und man hatte das nicht von ihm erwartet. Sie eilten zu ihm und sahen ihn, wie er mit gesträubtem Nackenfell vor einem Loch stand. Ifri musste lachen. Ein kleiner tollpatschiger Welpe stand, beide Ohren nach vorne gerichtet auf viel zu großen Füßen vor diesem Loch und meinte auf gefährlicher Jagdhund machen zu können."Scheint so als hätte ihn der Bewohner geärgert!" "Oh, das ist bestimmt das gemeine Bergkanninchen drin das nur darauf auf ist kleine Hunde zu ärgern!", gluckste Jack. Paul war wütend. Immer wieder biss er in das Loch, schnappte aber immer in die Luft. Schräg neben ihnen entdeckte Jack plötzlich einen Felsen in den chinesische Runen eingehauen war."Sieh mal, was das wohl heißen mag?", fragte er."Keine Ahnung. Ob das schon sehr alt ist?" "Dahinter ist eine Art Treppe in den Fels gehauen, kannst du sie sehen? Zumindest scheint es so. Sieht nicht sehr natürlich aus. Aber ist ja nur gut für uns, dann können wir da hoch gehen." "Bestimmt hat hier mal irgendein Urvolk gelebt. Wir betreten gerade Geschichte!" Ifri war aufgeregt."Bin gespannt wo sie hinführt!" Jack ging los und stieg die flachen Stufen hoch. Weiter oben konnte man nach kurzer Zeit einen Eingang im Berg finden, wo die Stufen endeten. Davor blieben sie stehen und sahen in das dunkle Gestein."Willst du reingehen?" "Gott bewahre, da finden wir nie wieder raus!" "Was meinst du was da drin ist?" "Bestimmt haben das schon irgendwelche Forscher entdeckt. Lass uns weiter gehen, wir sind gleich oben." Aber ehe sie weiter gehen konnte rannte Paul an ihnen vorbei in die Höhle. Ifri pfiff ihn zurück aber er reagierte nicht und war verschwunden."Na super, und jetzt?" "Werden wir wohl warten müssen bis er wieder raus kommt." "Hoffentlich tut er sich nichts oder verläuft sich!" Ifri war besorgt. Sie warteten fast eine Stunde und von Paul war immer noch nichts zu sehen oder zu hören da fasste Ifri Mut und ging ein Stück in die Höhle. Sie ging nur soweit, wie sie den Ausgang sehen konnte. Immer wieder rief sie Paul, aber er kam nicht. Der Gang war hoch, so das sie gerade stehen konnte, so tastete sie sich langsam vor. Plötzlich machte der Gang eine Kurve, vorsichtig lugte sie um die Ecke und sah zu ihrer Verwunderung Licht das von einem Ausgang am anderen Ende der Höhle kam."Jack! Komm her, das ist keine Höhle sondern ein Tunnel!" Jack kam langsam tastend zu ihr und sie gingen durch den Berg durch. Der Ausgang am anderen Ende war genau wie der Eingang nur schienen hier die Ränder abgehauen zu sein. Langsam traten sie ins Licht und staunten nicht schlecht als sie auf eine Art Kessel umragt von Bergkämmen standen. Es war eine einzige grüne Fläche und in der Mitte stand ein großes Flaches Haus mit einem Innenhof. Unsicher blieben sie stehen."Was meinst du was das ist?" "Sieht aus wie ein Tempel." Jack war sich nicht sicher."Dürfen wir hier sein?" "Ifri ich habe keine Ahnung. Laß uns Paul suchen und wieder gehen. Sicher ist sicher." Sie konnten niemanden sehen, weder am Haus noch auf der Ebene und so traten sie langsam vor und riefen ihren Hund. Plötzlich erschallte ein großer Gong. Ifri fuhr zusammen."Sollten wir jetzt besser gehen?", fragte sie leise und starrte zu dem Tempel."Nicht ohne Paul.", sagte Jack bestimmt. Sie standen etwa 50 Meter von dem Tempel entfernt als sich eine Tür öffnete und ein, in rotem Gewand gekleideter, glatzköpfiger Mann ihnen entgegen kam. Ifri wollte zurück aber Jack hielt sie fest und wartete bis der Mann bei ihnen war. Er verbeugte sich leicht vor ihnen, Jack und Ifri taten es ihm nach. Er sagte etwas, aber Ifri und Jack verstanden es nicht. Dann sprach er auf einmal englisch, auch gar nicht schlecht."Mein Name ist Jotomo. Ich bin ein Mönch des Shui-Ordens in dessen Bereich ihr euch nun befindet. Was führt euch zu uns?" Er sah sie freundlich an. Seine Augen waren schräg und dunkel, aber nicht klein sondern groß und klar. Er war glatt rasiert und seine Haut war braun gebrannt. Jack ergriff das Wort."Mein Name ist Jack und das hier ist Ifri. Wir haben eine Wanderung gemacht und sind auf den Tunnel gestoßen. Unser Hund ist hier her gerannt und wir suchen ihn. Wir wollten euch nicht stören." "Nein, ihr stört nicht, ihr seid willkommen. Früher war das eine Herberge für Reisende die über den Shui-Pass mussten. Wir sind dem Brauch treu geblieben und wenn sich jemand hier her verirrt sind wir bemüht ihm eine gute Unterkunft zu gewähren. Euer Hund, wie ihr ihn nennt ist direkt bei uns in die Küche gelaufen und hat sich dort ein Stück Fleisch stibitzt. Es geht ihm gut, er wird gerade im Garten liegen und seine Beute genießen!" Ifri lachte erleichtert auf. Jotomo drehte sich um und wies beide mit einer Kopfbewegung an ihm zu folgen. Begeistert und neugierig folgten sie ihm. Er führte sie in den Innenhof der größer war, als er von außen schien. Ein kleiner Park erstreckte sich hier mit mehreren, fein angelegten Beeten mit Blumen, Kräutern und Büschen. Etwa 10 Mönche arbeiteten hier und sahen nun neugierig auf die Fremden. Alle begrüßten sie mit einer freundlichen Verbeugung die Jack und Ifri jedesmal erwiderten. Plötzlich rannte Paul auf sie zu. Er überschlug sich vor Freude seine Besitzer wieder zu sehen und sprang an Jack und Ifri hoch. Jotomo beobachtete das Spiel kühl und bat sie dann hinein um eine Tasse Tee zu trinke. Drinnen herrschte völlige Stille. Ihre Schritte wurden auf einem dunklen Steinboden abgedämpft, die Wände waren mit Teppichen behangen und alles in einem sah sehr dunkel aber gemütlich aus. Jotomo wies sie mit einer Geste an zu schweigen. Jeder Mönch dem sie begegneten neigte still seinen Kopf und ging lautlos weiter. Es roch nach Holz und Essen und Jotomo brachte sie in einen großen Raum in dem zwei lange Tafeln standen mit Kniekissen für etwa 100 Personen. Er wies sie an sich zu setzten und nickte einem Mönch zu der nun mit Tee, Gebäck und etwas Brot kam."Dies ist der Speiseraum der Shui, der einzige Raum im Tempel in dem gesprochen werden darf. Unser Orden ist seit 2000 Jahren hier und bewahrt den Willen Budda´s auf. Ihr seid Amerikaner, nicht war?" "Nein wir kommen aus Australien." "Und was tut ihr hier?""Mir gehört das Haus auf der anderen Seite des Nebeltals. Wir wollten eine Wanderung machen und hoch auf den Berg.""Ah das Haus, ja. Ich wusste nicht wem es gehört. Wo habt ihr eigentlich euren Begleiter her?" "Vom Markt, ich habe ihn einem Händler abgekauft.""Wisst ihr was ihr euch da geholt habt?""Einen jungen Hund?" Jack zog die Augenbraue hoch."Das ist ein Yeho. Ein Wolf aus den Bergen Thailands. Ihr solltet ihn an einen Zoo geben. Jetzt scheint er noch niedlich und verspielt, aber er wird sehr groß bestimmt 50 cm hoch und er ist wild. Das sieht man jetzt schon in seinen Augen. Es wäre unklug ihn mit nach Australien zu nehmen." Ifri´s Magen zog sich zusammen und sie sah erstaunt auf Paul der gerade damit beschäftigt war das Tischbein anzuknabbern."Aber wenn er bei uns aufwächst gewöhnt er sich doch an uns?", fragte Jack vorsichtig."Das mit Sicherheit und ihr werdet einen treuen Gefährten bekommen. Aber einen Wolf aufzuziehen bedarf es viel Erfahrung, Geschick und Geduld. Es werden Zeiten kommen in denen er versuchen wird seine Rangordnung zu verbessern, das bedeutet Kampf und gegen einen Yeho zu kämpfen wäre mehr als leichtsinnig" Jotomo sah sie ernst und warnend an."Das sagen sie so. Wir haben ihn zwar erst zwei Wochen, aber er ist uns jetzt schon so ans Herz gewachsen. Also mir." Jack viel während er redete ein das es sein Hund oder Wolf war und das sie sobald sie zu Hause waren nicht mehr zusammen wohnen würden. Ifri sah bedrückt zu Boden."Wir werden eine Lösung finden, ganz gewiss. Gibt es noch mehr Orden hier in der Gegend?" "Nein. Zwischen Peking und Tayeh sind wir die einzigen noch existierenden. Es gibt ein kleines Dorf, am Berg Yeshui, einen Tagesmarsch von hier entfernt. Die anderen Menschen sind in die Städte gezogen in denen die moderne Welt blüht. Wir aber sind gerne hier. Wozu brauche ich Fernsehen wenn ich den Ausblick auf das Nebeltal genießen kann? Wozu brauche ich ein Auto wenn mich meine Füsse sehr gut tragen? Wozu brauche ich eine Heizung wenn ich warme Wände habe?" Ifri sah sich verdutzt um."Ihr habt keine Heizung?" Jotomo schüttelte leicht vergnügt den Kopf. Es war nicht kalt in den Räumen, angenehm. Ifri staunt."Wenn ihr mögt könnt ihr heute Nacht hier bleiben. Wir würden uns freuen euch zu beherbergen." "Ja, gerne, warum auch nicht! Wir fühlen uns geehrt!", sagte Ifri sofort. Jack musterte sie überrascht. Man zeigte ihnen die ganze Anlage mit Ausnahme der Gebethalle, in die nur Mönche Zutritt hatten. Sie durften nicht sprechen, aber sie hatten auch nicht das Bedürfnis dazu. Schweigend betrachteten sie die Räume die jeder für sich ein kleines Kunstwerk waren. Rot dominierte die ganze Anlage. Statuen und Bilder, Teppiche und Blumen waren rot. Ifri war außer sich. Noch nie hatte sie etwas ähnliches erlebt, jeder Raum ließ ihr Herz schneller schlagen, sogar die Küche war wunderschön. Die Mönche schienen alle glücklich und ausgeglichen. Man behandelte sich gegenseitig stets freundlich und zuvorkommend. Am Abend brachte man sie in ein Gästehaus in dem ein Krug mit Wasser und zwei Matratzen auf dem Boden lagen. Jack und Ifri bedankten sich und die Mönche ließen sie alleine."Ist das nicht Wahnsinn?", platzte es aus Ifri heraus."Schön hier, wirklich. Man will gar nicht mehr weg!" "Was sagst du zu Paul?", fragte Ifri besorgt und sah auf ihren kleinen Schützling herab."Ich weiß nicht. Es wird schwer sein ihn abzugeben." "Kannst du in Australien nicht einen Hundetrainer beauftragen ihn zu erziehen?" "Vielleicht. Wir werden sehen wenn wir wieder zurück sind. Laß uns jetzt noch keine Gedanken darüber machen sondern die Zeit mit ihm genießen." Ifri zog sich aus um unter die Decke ihres Bettes zu hüpfen, Jack sah sie verdutzt an als sie sich ihrer Sachen vor ihm und ohne Scham entledigte. Sie bemerkte seinen erstaunten Blick."Was denn? Du kennst doch eh schon alles." Jack lachte leise und zog sich kurzer Hand auch aus. Ifri schlief fast augenblicklich ein. Sie merkte noch wie Paul sich unter ihre Decke schlich und zum schlafen eindrehte. Mitten in der Nacht wurde sie von Paul geweckt der winselt an der Tür kratze. Er musste raus. Müde öffnete sie die Tür und wartete geduldig bis der Welpe schwanzwedelnd wieder kam. Ihr Blick streifte über Jack der dick eingemummelt friedlich schlief. Vorsichtig krabbelte sie unter seine Decke und kuschelte sich an ihn heran. Er wurde wach und sah sie kurz an. Dann lächelte er und nahm sie in den Arm. Er war warm und seine Umarmung stark und sanft zugleich. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht, Paul nun als stolzen Besitzer eines ganzen Bettes zu sehen, schliefen alle wieder ein.
Am nächsten morgen wurden sie früh geweckt. Man bat sie mit den Mönchen zu frühstücken, diese Einladung nahmen sie gerne an. Jotomo erzählte beim essen das er sich heute auf den Weg in das Dorf der Yeshui machen würde. Er erklärte ihnen das sie mit den Yeshui einen Handel betrieben. Die Yeshui besaßen große Reis und Maisfelder, dafür bekamen sie von den Shui Kräuter, Medizin und Öle."Was hälst du davon wenn wir Jotomo begleiten, wenn er nichts dagegen hat?", fragte Ifri plötzlich. Jotomo nickte begeistert."Ich dachte wir gehen heute zurück?", sagte Jack vorsichtig."Ach komm schon. Wie oft kannst du so was noch sehen? Bist du gar nicht neugierig?" "Schon, aber ich bin müde. . . . . . . . na schön wir gehen mit!" Jack gab sich geschlagen als Ifri ihn flehend ansah. Jotomo ließ ein Maultier bepacken und bevor die Sonne richtig aufging wanderten sie los. Paul vorne weg, dahinter Jack und Jotomo und dann kam Ifri die das Maultier führte und sich verträumt die Ebene ansah. Sie erreichten einen ähnlichen Tunnel, wie sie ihn gestern passiert hatten. Nur dieser war noch größer und beleuchtet. Die Wände zeigten Wandmalereien auf denen Drachen und Pferde zu sehen waren. Jotomo erklärte das seine Urahnen dies hier hin gemalt hatten, damit die Tiere des Himmels den Tunnel schützten. Auf der anderen Seite ging es steil bergab, aber Jotomo bog nach rechts ab bis eine Treppe, ganz wie die auf der anderen Seite, sicher ins Tal führte. Als sie unten waren fing sogleich der Wald wieder an. Sie folgten bis zum Mittag einen kleinen Trampelpfad der tief in den Wald führte. Sie machten eine Pause, Jotomo gab ihnen zu trinken und zu essen und nach einer halben Stunde Rast brachen sie wieder auf. Der Wald wurde immer dichter und der Trampelpfad verschwand irgendwann. Sie gingen nach Westen, Ifri und Jack merkten das es wieder bergauf ging, aber durch die dichten Kronen konnten sie nichts erkennen. Es wurde immer steiler und Ifri dachte, dass das Maultier jeden Moment samt Ladung wieder den Berg herunter rutschen würde als ein kleiner Pfad sich nach links schlängelte. Dem folgten sie ein ganzes Stück und gingen so einmal um den Berg herum. Es war schon später Nachmittag und Ifri war verwundert als sie bemerkte, wie lange sie schon unterwegs gewesen sein mussten. Ab und zu sah man nun die Felsen über den Bäumen ragen, der Berg musste sehr groß sein da sie schon ein weites Stück hinauf gegangen waren und immer war weder das andere Ende, noch der Gipfel zu sehen. Plötzlich fiel der Pfad hinab und dort wo er endete konnte man Sonnenlicht erkennen. Sie mussten entweder das Ende des Waldes, oder eine Lichtung erreicht haben. Jotomo lächelte stolz und ging zügig weiter. Sie betraten eine Hügellandschaft die mit einer hohen Grasart übersät war."Wir sind da! Das ist das Land der Yeshui.", verkündete Jotomo. Die Nachmittagssonne prallte auf das Gras und Ifri blieb einen Moment stehen um die Wärme zu genießen. Dann folgte sie rasch Jotomo, der um einen Hügel herum ging. Sie blickten auf eine Ebene, direkt am Waldrand durch die ein Fluss floss und viele kleine Häuser aus Holz an dessen Ufer stand. Es sah aus wie auf einem schönen Bild festgehalten, auch Jack blieb einen Moment stehen und betrachtete die Landschaft. Ein Mann kam von unten auf sie zu gerannt, als er näher kam erkannte man, das er seine Haare lang und zu einem hohen Zopf am Hinterkopf trug. Viele kleine Zöpfe vielen über seine Schultern und erzeugten ein leichtes Rascheln wenn er rannte. Er war groß, größer als die Menschen in Peking oder die Mönche und seine Augen waren schwarz wie die Nacht. Er verbeugte sich vor den Ankömmlingen und musterte Jack und Ifri. Der Mönch sagte etwas und der Yeshui nickte freundlich. Dann zeigte er auf sich und sagte mit einer tiefen klaren Stimme: "Len!" "Ifri", erklärte Jack als er auf Ifri zeigte und dann auf sich: "Jack!", dann verbeugte er sich und Len tat es ihm nach. Len brachte sie hinunter zum Dorf wo sie viele neugierige jedoch freundliche Blicke trafen. Die Männer des Dorfes trugen die Haare alle so wie Len, hatten alle seine Statur und weite schwarze Leinengewänder an. Die Frauen die nun neugierig aus den Häusern kamen hatten ihre Haare offen und lang, schöne bunte Kleider an und alle ein freundliches Gesicht. Kinder kamen herbei gerannt um die neuen Ankömmlinge zu betrachten. Len brachte Ifri und Jack in eine Art Tempelkirche, oder Dorfhalle, wo man sie gut verpflegte, und ging mit Jotomo fort. Ifri und Jack aßen etwas und versuchten ihre Dankbarkeit in Gesten und Worten verständlich rüber zubringen. Paul war der Held der Kinder. Auch wenn die Erwachsenen ihn sofort als Yeho erkannten tollte der noch tolpatschige Welpe so liebenswürdig umher, das niemand sich Sorgen machte. Ifri ging später durch das Dorf um sich ein wenig umzusehen. Auf einem Hügel, etwa 50 Meter vom Dorf entfernt kämpften zwei Männer miteinander. Erstaunt blieb sie stehen und sah sich das Schauspiel an. Die anderen Dorfbewohner achteten nicht darauf, also ging Ifri davon aus das es etwas normales war. Jotomo kam zu ihr."Sie trainieren ihren Schwertkampf.", erklärte er."Verletzen sie sich dabei?" "Sie üben mit Bambusrohren. Also meistens nicht." "Wozu üben sie das? Ich meine wenn sie angegriffen werden können sie doch nichts mehr mit Schwertern anfangen." "Es ist ihre Tradition. Jedes Kind lernt mit dem Schwert umzugehen und seinen Körper zu beherrschen. Zwei Karateweltmeister stammen aus diesem Dorf." "Ich würde so was auch gerne können." "Wenn du sie fragst werden sie dich trainieren." Ifri stockte einen Augenblick."Vielleicht würden sie das, aber ich muß gleich schon wieder zurück." "Warum?" "Weil wir in dem Haus am Nebeltal wohnen und bald wieder zurück nach Australien müssen." "Was wartet da auf dich?" "Meine Familie, meine Freunde. . . mein ganzes Leben." "Dein Leben ist noch lang junge Frau. Wenn du bleiben willst dann bleib. Du kannst immer noch zurück wenn es dir hier nicht mehr gefällt!" Damit ging er weiter. Ifri sah ihn verwundert hinterher. Dieses Dorf gefiel ihr sehr gut, ja und das Land war ganz phantastisch aber sie konnte doch nicht einfach hier bleiben? Jack kam zu ihr."Wir bekommen wieder eine Hütte zusammen. Ich glaube die Leute hier denken wir sind ein Paar." "Irgendwie sind wir das ja auch, aber wahrscheinlich auf eine Art und Weise, wie es hier undenkbar wäre.", sagte sie nachdenklich. Jack lachte leise auf."Es ist sehr schön hier, nicht wahr?" "Es ist schon zu schön. Man will gar nicht mehr weg. Wenn man hier steht und einfach nur den Dingen zuschaut die man sonst nicht beachtet, wie einen Baum, das Lächeln eines Kindes oder das Wiegen des Grases im Wind, dann vermisst man gar nichts zu Hause. Dort ist alles laut und hektisch. Niemand hat Zeit oder will sich Zeit für jemand anderen nehmen. Man fühlt sich hier in die Vergangenheit zurück versetzt und für mich ist es schwer wieder zu gehen. Hier sind alle freundlich, nach den paar Stunden die wir hier sind fühle ich mich kaum noch fremd so freundlich nehmen sie einen auf." "Was ist denn mit Joona und deinen Eltern?" "Die kommen auch ohne mich klar. . . . ." Jack sah sie prüfend an."Jetzt komm mir nicht auf dumme Gedanken, du kommst schön mit nach Hause!"
4
Ein Jahr später rannte Ifri schweißgebadet durch den Wald. Paul, mittlerweile ausgewachsen rannte vor ihr her. Hinter ihr rannte ein großer Mann, mit einem Stock in jeder Hand ,verfolgte er sie. Ifri spürte wie ihr das Blut aus den Kopf in die Beine schoß, ihr wurde schwindelig und sie merkte das sie jeden Moment zusammenbrechen würde. Der Mann schrie hinter ihr, sie raffte noch einmal alle ihre Kräfte zusammen und rannte noch schneller. Beinnahe lautlos preschten sie so zu dritt nun fast eine Stunde durch den Wald. Dann gaben ihre Beine nach, sie sah Sternchen und schwarze Punkte vor ihren Augen und stürzte zu Boden. Paul blieb augenblicklich stehen und sah sie neugierig an. Der Mann mit den zwei Stöcken stand nun über ihr und sah verachtend auf sie herab. Er atmete nicht mal schneller, keine Zeichen der Anstrengung waren an ihm zu erkennen. Ifri keuchte und bemühte sich nicht ohnmächtig zu werden oder sich zu erbrechen. Langsam setzte sie sich auf und sah zu dem Mann hoch."Zu langsam. . . . . jetzt Tot!", sagte er auf chinesisch. Den Rest verstand sie nicht, weil sie sich nicht konzentrieren konnte. Er reichte ihr einen Stock und sie zog sich daran hoch. Sie verneigte sich vor ihm, ließ den Stock aber nicht los aus Angst wieder zu fallen. Paul sprang an ihr hoch und leckte ihr durchs Gesicht. Er ging ihr jetzt bis zum Bauch, er war ein Stier von einem Hund. Sein Fell war dunkel aber weich, seine Augen scharf und wachsam und wenn er seine Zähne entblößte sah man schneeweiße scharfe Waffen. Die Wucht, die sein Sprung mit sich brachte, brachte Ifri beinahe wieder zum Fall, aber der Mann hielt sie fest. Es war Liu, der Mann dem Ifri von Jotomo anvertraut wurde. Ifri bat damals um eine Ausbildung der Yeshui Damals kehrte sie mit Jack zurück in das Haus, aber als Jack nach Australien fuhr machte sie sich wieder auf den Weg zum Yeshui-Berg. Liu erklärte sich bereit sie auszubilden, sie zu trainieren. Sie bekam essen und eine Unterkunft von seiner Familie. Die einzigen Bedingungen waren das sie nicht sprach, solange bis sie chinesisch ganz verstand und das sie jeden Tag bis zur Erschöpfung trainierte. Ifri hatte damals keine Ahnung was es heißt eine Sprache zu lernen, ohne sie zu sprechen, was es heißt jeden Tag an die Grenzen seiner Kraft zu gelangen, dennoch hatte sie verbissen durchgehalten. Wenn sie alleine war redete sie heimlich mit Paul um ihre Aussprache zu üben. Verstehen konnte sie mittlerweile fast alles, es sei denn sie konnte sich nicht mehr konzentrieren, so wie jetzt. Liu wandte sich ab und ging zurück zum Dorf. Erschöpft folgte sie ihm, sie torkelte. Sie mussten über einen Fluß der durch den Wald floss, Ifri konnte sich nicht erinnern ihn auf den Hinweg überquert zu haben. Das passierte ihr oft während dem Training. Ihre Gedanken schweiften ab, sie überlegte nicht was sie tat sondern führte nur verbissen die Befehle aus die Liu ihr gab. Nun hielt er an und deutete in den Fluß."Geh hinein, bleibe in der Mitte stehen!" Ifri bekam eine Gänsehaut, der Fluß floss schnell und das Wasser war bestimmt eisig. Die Temperaturen betrugen etwa 18 Grad an Land, das Wasser aus den Bergen mochte höchstens 10 Grad haben. Flehend sah sie Liu an, das er Erbamen zeigen mochte, aber er würdigte ihr keinen Blick und wartete darauf das sie in das Wasser steigen würde. Ifri holte tief Luft, konzentrierte sich und ging in das strömende Wasser. Ihre Beine waren beinahe auf der Stelle taub, erst die Anstrengung der Jagd und nun eisiges Wasser. Sie versuchte ruhig weiter zu atmen aber als das Wasser ihr über den Bauch ragte musste sie einmal keuchen. Liu verachtete das mit einem Schnaufen. Dann warf er ihr die Stöcke zu und sagte schroff: "Halte sie gerade auf den Handflächen bis ich dir sage das du aufhören kannst!" Ifri balancierte die Stöcke auf den Handflächen aus, so das sie gerade in die Luft standen. Ihre Beine begannen zu schmerzen und sie musste nun schwer atmen. Ihr Kopf dröhnte und sie musste kämpfen ihre Augen offen zu halten. Liu setzte sich vor sie an das Ufer und machte sich eine Pfeife an. So vergingen die Minuten. Nach etwa zehn Minuten hatte sie das Gefühl als ob unter ihr kein Wasser, sondern Millionen spitzer Nadeln flossen und sich durch ihre Beine bohrten. Ihr Bauch brannte vor Kälte und ihr Kopf schien zu zersprengen. Durch die hohe Belastung ihres Körpers schienen die Stöcke fast 100 Kilo zu wiegen. Sie versuchte sich abzulenken und dachte an Jack, er schien damals sehr traurig zu sein, als sie ihm sagte, dass sie hier bleiben würde. Er sah sie damals recht komisch an, akzeptierte ihren Entschluss aber. Sie war sich seit dem sie in China waren sicher gewesen das sie gute Freunde waren. Mehr empfand sie nicht und mehr kam von ihm auch nicht rüber. Aber als er fuhr schien es als ob er sehr leidete sie hier zu lassen und die Blicke und die Umarmungen die er ihr zum Abschied gab trafen ihr Herz auf eine unangenehme Weise. Sie hatte lange darüber nachgedacht und vielleicht hatte sie sich auch ein wenig eingestanden das sie verliebt war, aber Jack war ihr zu labil, zu materiell und zu anstrengend als das sie über eine Beziehung mit ihm nachgedacht hatte. Außerdem brauchte sie einen klaren Kopf um das hier durch zu stehen. Sie würde niemanden die Gründe für ihren Entschluss plausibel erklären können. Das Land und die Menschen hatten sie einfach in Besitz genommen und insgeheim hoffte sie, dass hier das erleben würde, worauf sie schon so lange gewartet hatte. Ihr Abenteuer. Es hätte nichts gebracht erst wieder nach Australien zu gehen, dann wäre sie nicht zurück gekommen. Das wusste sie. Wahrscheinlich hatte sie das Training begonnen um sich selber etwas zu beweisen. Von vorne rein wusste sie das es sich nicht um einen Spaziergang handelte sondern um hartes, gnadenloses Training. Von vorne rein hatte Jotomo ihr eingeschärft das sie jeden Tag an ihre Grenzen gehen musste. Falls sie aufgeben würde, so würde sie hier geächtet werden denn das galt als große Schwäche. Sie wurde selten gelobt, galt als Ausländerin und wurde oft für dumm gehalten weil sie manche Sachen nicht verstand. Hier waren die Dinge eben anders. Hier lebten keine Menschen die, die Nase voll von der "Neuwelt" hatten und eine Art Siedlerspiel spielten. Hier lebten Menschen die aus Tradition, Glauben und für sie teils unvorstellbaren Ehregründen, Lebensphilosophien hier abgeschottet blieben. Die Männer im Dorf, die noch nicht verheiratet waren, schienen sie nicht wahrzunehmen, was ihr aber ganz recht kam, denn sie wollte zwar noch eine Weile bleiben, aber keine Wurzeln schlagen. Oft hatte sie Heimweh, sehnte sich nach Schokolade und einem Fernsehabend, nach Joona und den guten Gesprächen mit ihr. Aber nun stand sie freiwillig hier in einem Fluss der eisig kalt war. Mit Stöcken die sie kaum noch halten konnte vor einem chinesischen gutmütigen Tyrannen der Pfeife rauchte und war stolz auf sich. Sie hatte jeder Zeit die Möglichkeit aufzuhören. Sie musste nur ihr Schweigen brechen und schon würde Liu mit dem Training aufhören. Aber ihr Stolz hielt sie bei der Sache. Hier in dem Dorf waren Stolz, Selbstachtung und Ehre das einzige was man ihr nicht nehmen konnte, das hatte sie von Anfang an gelernt. Sie war die Einzige die ihren Stolz brechen konnte und ihre Ehre schänden."Das reicht, komm raus!" Ifri wurde aus ihren Gedanken gerissen. Liu stand nun vor ihr und wartete geduldig. Sie wollte los gehen aber ihre Beine gehorchten ihr nicht. Wie fest gefroren ließen sie sich nicht bewegen. Hilfesuchend sah sie Liu an, aber er verzog keine Miene. Sie gab sich einen Ruck und ihr gelang der erste Schritt, vor Schmerzen stöhnte sie auf und verlor fast das Gleichgewicht. Paul hechelte sie besorgt an. Dann kam das Gefühl in ihren Beinen mit einem gewaltigen Schmerz zurück und sie hinkte aus dem Wasser. Nun stand sie mit blauen Lippen, leichenblas aber gut kontrolliert vor Liu. Immer noch hielt sie die Stöcke auf ihren Handballen hoch, jetzt reichte sie die Liu. Mit einem leichten Kopfnicken nahm er sie an sich. Dann klappte Ifri abermals zusammen und es wurde schwarz.
Als sie wach wurde sah sie Liu´s Frau, Yinshe die ihre Beine mit einer stark riechenden und warmen Flüssigkeit massierte."Liu sollte ein wenig mehr Rücksicht auf deinen Körper nehmen. Dein Wille ist stark, aber dein Körper braucht noch etwas Zeit!", schimpfte sie und lächelte Ifri gutmütig an. Sie mochte Yinshe, sie schien immer gute Laune zu haben, war stets freundlich und versorgte Ifri sehr gut. Ifri fühlte sich wohl bei ihr, Yinshe hatte ihr am Anfang die Regeln im Dorf erklärt, wie sie zu grüßen hatte, immer mit einem Lächeln und einer leichten, dennoch demütigen Verbeugung, was sie auf keinen Fall tun durfte und wem sie besser aus dem Weg gehen sollte. Das Leben im Dorf war einfach aber hart. Man achtete sehr auf den Umgang mit einander, aber da alle stets freundlich waren viel es nicht schwer mit einem Lächeln durch den Tag zu laufen. Man hatte hier eine Ruhe, die Ifri nicht kannte, der Tag war genau verplant, jeder hatte von morgens bis abends zu tun, dennoch schien niemand im Streß zu sein und man ließ sich bei allem was man tat Zeit und arbeitete so sehr sorgfältig."Da steht Suppe für dich. Du solltest sie schnell essen bevor sie kalt wird!" Ifri richtete sich langsam auf. Ihr Kopf dröhnte immer noch und ihre Beine wollten trotz der Massage nicht aufwachen. Sie kribbelten ganz fürchterlich und ständig spürte Ifri Krämpfe, die aber nicht so stark waren weil ihre Beine noch fast taub waren. Dankbar nickte sie Yinshe zu und schlürfte die heiße Suppe."Maho ist zurück. Er will dich sobald es geht sehen. Liu und Jotomo haben viel von dir erzählt und er ist neugierig unseren Gast kennen zu lernen.", erklärte Yinshe. Ifri nickte nur. Maho war der Sohn des Obersten, Jakuto, hier im Dorf. Die Ehre Jakuto kennen zu lernen wurde ihr noch nicht zugeteilt, sie hatte ihn noch nie gesehen und er hatte ihr auch noch nie etwas ausrichten lassen. Das lag an einem uraltem Brauch in dem es verboten war für Fremde, den Obersten zu sehen. Maho ging vor mehreren Jahren nach Russland um dort die Kunst der Yeshui zu lehren. Die Frauen im Dorf, die noch frei waren, warteten ungeduldig auf seine Rückkehr denn er hatte nicht nur einen hohen Rang im Dorf, er sollte auch ein sehr schönes Gesicht haben. Zumindest erzählte Yinshe ihr das. Ifri hätte am liebsten gefragt ob man das Treffen auf morgen verschieben könne, da sie sich kaum vorstellen konnte zu laufen. Aber sie durfte nichts sagen und es wäre ein offenes Zeichen der Schwäche gewesen. Deshalb nickte sie wieder leicht mit dem Kopf und lies sich auf die schmerzenden Beine stellen. Yinshe zog ihr ein schönes Gewand an, eine weite rote Hose und eine rote Bluse. Die Haare kämmte Yinshe mit einem Honigöl glatt nach unten und kniff ihr in die Wangen, damit sie rot wurden. -Was für eine göttliche Erfindung ist doch das Make up- dachte Ifri verkniffen. Sie schleppte sich aus ihrem kleinem Schlafgemach und hinkte zum Versammlungsraum des Dorfes. Als sie es betrat bemerkte sie sofort vergnügt die vielen kichernden jungen Frauen die sich schön gemacht hatten um Maho zu gefallen. Paul trabte vor ihr her, wie immer und er wurde von vielen Kindern fröhlich begrüßt. Bis jetzt hatten sich Jotomos Prophezeiungen, was Pauls Verhalten betraf nicht erfüllt. Er wich Ifri nicht von der Seite, spielte mit Kindern und ließ sich von jedem anfassen. Das einzige mal, als der Wolf in ihm durchkam, war als Ifri ihn mit auf eine Hirschjagd nahm. Die Männer schossen einen Hirsch und Paul stürzte sich im Blutrausch auf das sterbende Tier. Damals hatte Ifri beinahe ihr Schweigen vor den anderen Dorfbewohnern gebrochen um ihren Begleiter zurück zu rufen. Aber als Paul merkte das der Hirsch tot war ließ er von ihm ab und beruhigte sich wieder. Ifri glaubte solange Paul hier war, würde er sich seiner Umgebung anpassen. Falls er doch kämpfen würde, waren genug starke Männer da, die nur darauf warteten Paul zum Unterwurf zu bringen, obwohl alle ihn mochten. Es galt als besondere Herausforderung für einen Mann gegen ein Tier zu kämpfen. Aber bis jetzt machte Paul keine Anstalten, das seine Wildheit ausbrechen könnte. Jotomo sagte das er sich vielleicht vollkommen Ifri unter geordnet hatte ohne sie jemals in Frage zu Stellen. Liu kam auf sie zu und stütze sie, damit sie nicht so stark humpeln musste. Er führte sie zum Ende der Halle und sprach dann mit gesengten Kopf einen Mann, der mit dem Rücken zu ihnen stand an."Maho, sie ist hier. Das ist Ifri!" Maho drehte sich um. Vor Ifri stand ein Mann Anfang 30, die Haare lang und ordentlich zu einem Zopf am Hinterkopf zusammen. Er war genauso groß wie die anderen Männer, seine Arme und seine Schultern waren muskulös und sein Gewand schwarz und glänzend. Sein Gesicht schien versteinert zu sein, gehoben sah er Ifri an wobei seine schwarzen Augen sie durchbohrten. Ifri fuhr ein Stich durch den Magen. Er war wirklich der schönste Mann im Dorf. Seine Gesichtszüge waren edel und anmutig, trotzdem stark und stolz. Sie verbeugte sich unter Schmerzen vor ihm."Du bist also Ifri aus Australien.", sagte er mit tiefer warmer Stimme."Liu sagte mir du würdest seit einem Jahr freiwillig die Qualen einer Yeshui-Ausbildung über dich ergehen lassen. Und du sollst große Fortschritte machen. Das ehrt dich und dennoch kann ich nicht verstehen warum du den Luxus der moderne Welt für ein Leben bei uns aufgegeben hast. Dein Körper ist zermartert und dein Wille überbeansprucht. Wieso tust du dir das an?" Sie sah hilflos zu Liu, wusste Maho nicht das sie nicht sprechen durfte? "Wie ich sehe stehst du unter einem Schweigegelübde das du auch einhältst. Ich freue mich auf den Tag an dem es aufgehoben wird und du mir deine Gründe mitteilen kannst." Ifri nickte freundlich, dann wandte sich Maho anderen zu. Sie wartete nicht mehr bis zum essen denn ihr Körper verlangte nach dem Bett.
Zwei Monate später, der erste Schnee fiel schon, stand sie mit Liu auf einem Hügel und übte den Schwertkampf mit ihm. Sie übten mit Stöcken, Liu hatte zwei, Ifri einen und sie schlugen so schnell auf einander ein, das man es mit dem Auge kaum verfolgen konnte. Ifri war gut geworden, Liu griff immer wieder an aber sie wehrte beinahe jeden Schlag ab. Ab und zu traf sie einer, aber sie merkte es kaum. Ihr Augen waren auf die Augen ihres Gegners gerichtet und sie konzentrierte sich auf die Geräusche die, die Stöcke beim durchschneiden der Luft machten. Liu traf sie am Bein, sie drehte sich um die eigene Achse und durch den Schwung ihres Körpers schlug sie Liu einen Stock aus der Hand. Seine Augen blitzen auf und er wurde mit dem anderen Stock noch schneller. Er holte zu einem Schlag auf ihre Brust aus, aber Ifri sprang zur Seite, duckte sich um dem Schlag zu entgehen und schlug mit voller Wucht auf seine Knöchel. Mit einem leisen Zischen sackte Liu zu Boden, sofort war sie über ihm und hielt ihren Stock direkt über seinen Augen. Ihre Augen wurden groß und sie sah nun erstaunt, dass sie gewonnen hatte. Auch Lius Augen wurden groß, dann fing er an zu lächeln und hob die Hände, als Zeichen für seine Niederlage. Voller Stolz ließ sie von ihm ab und half ihm auf die Beine. Sie hatten den ganzen Vormittag geübt, sie war naß geschwitzt, aber ihr Atem war ruhig und ihr Körper fühlte sich gesund und frisch an."Das war gut. Du machst gute Vorschritte. Heute Nachmittag gehen wir auf den Berg. Du kannst jetzt Pause machen!" Die Worte klangen ehrlich und freundlich, fast lobend was für Liu sehr ungewöhnlich war. Sie verbeugte sich vor ihm und ging den Hügel hinab um ins Dorf zu gelangen. Sie sah Maho wie er ihnen von unten zugesehen hatte. Als sich ihre Blicke trafen sah er sie musternd an, dann verbeugte er sich und ging in sein Haus. Ifri konnte mit Maho nichts anfangen. Wenn sie ihn sah, schaute er direkt durch sie durch was ihr jedesmal ein komisches Gefühl bereitete. Mit ihr gesprochen hatte er seid dem Tag seiner Ankunft nicht mehr mit ihr, er ging ihr aus dem Weg und war doch immer da wo sie war. Nachdenklich ging sie zu Yinshe um ihr bei dem Essen zu helfen. Zwei Stunden später waren sie auf dem Weg den Yeshui zu besteigen. Man brauchte wenn man gut in Form war etwa drei Stunden um den Gipfel zu erreichen. Liu trieb sie an als wäre der Teufel hinter ihnen her, so wie es aussah, wollte er den Gipfel in zwei Stunden erreichen. Langsam spürte sie die Erschöpfung ihrer Beine und ihrer Hände. Immer wieder mussten sie steile Wände hoch an denen sie nur mit den Armen vorwärts kamen. Dann kamen begehbare, dennoch sehr steile Strecken die sie rannten. Als sie das erste mal den Yeshui bestiegen hatten stürzte Ifri ununterbrochen. Unter ihren Füßen war loses Geröll und wenn sie ihre Füße zum Abstoß in den Boden rammte, gab der Boden nach und sie viel der Länge nach hin. Die Prozedur machten sie fast jede Woche, und nun schaffte sie den Berg ohne zu fallen. Leichtfüßig und den Blick nach vorne gerichtet trat sie immer nur auf feste Steine die ihr Gewicht aushielten. In ihrem Kopf hatte sich nach einiger Zeit eine Art Struktur, wie eine Treppe gebildet, so das sie sogar die Augen schließen und dennoch weiter rennen konnte. Sie sah den ersten Schnee der um diese Jahreszeit schon auf den Gipfeln lag. Jetzt waren es noch ca. hundert Meter bis zum Gipfel, sie merkte wie ihr Körper sich wieder ihrem Willen beugte und bereit war, weiter Belastungen auf sich zu nehmen und sie spurtete los. Sie schloss die Augen und rannte so schnell sie konnte. Jetzt kam sie an eine Stelle an der große Felsen ihren Weg kreuzten. Ohne hinzusehen sprang sie hoch und drückte sich sicher von dem ersten Felsen ab. Der zweite war kleiner und sie nutzte ihn als eine Art Treppenstufe. So hüpfte sie beinahe wie ein Steinbock über die Felsen und erreichte tatsächlich nach zwei einhalb Stunden den Gipfel. Erst als sie den Schnee unter ihren Füßen merkte machte sie die Augen auf, blieb stehen und sah sich nach Liu um. Er rannte auch nicht mehr sondern kam nun stolz lächelnd zu ihr hoch, legte eine Hand auf ihre Schulter und verbeugte sich vor ihr. Ifri war stolz und die Geste von Liu bedeutete ihr sehr viel. Sie lächelte ihn an und tatsächlich erwiderte er ihr Lächeln."Bleibe hier, übe die Nacht über unsere Sprache. Mache ein Feuer an damit wir sehen können das du lebst. Wenn du die Sonne siehst komme zurück ins Dorf und du hast dein Schweigegelübde erfüllt!" Er drehte sich um und sprang den Berg wieder hinunter. Ifri konnte es kaum glauben. Morgen durfte sie reden, mit Yeshui, mit Liu, ihm danken und auch Mahos Bitte nachkommen und ihm ihre Gründe erklären. Als Liu aus ihren Augen war ging sie unter einen Felsvorsprung. Hier lag immer gutes Feuerholz, was die Yeshui immer hier her brachten um in Zeiten der Gefahr auf ihrem Berg Zuflucht zu finden. Sie zündete ein kleines Feuer an, hüllte sich in ein Bärenfell das in einer Wandnische bereit lag und begann laut zu reden. Sie erzählte sich selber ihre Geschichte und war überrascht wie selbstverständlich die Worte aus ihrem Mund flossen. Ohne Nachzudenken konnte sie sprechen, ohne zu übersetzten singen. Die Nacht wurde bitter kalt auf dem Berg. Immer wieder legte sie neues Feuerholz nach, müde war sie nicht. Sie beobachtete wie die Lichter im Dorf verloschen, außer das Haus von Liu. Er wachte über das Feuer was ihr Lebenszeichen war. Wenn es ausgehen würde, wäre er mit Sicherheit in einer Stunde oben um ihr zu helfen. Sie hatte großen Respekt vor den Männern im Dorf bekommen. Sie schien nichts außer Atem zu bringen. Schon als kleine Jungen verschwanden sie mit ihren Vätern tagelang im Wald, kamen müde und zerschunden zurück und übten dennoch verbissen weiter. Ein Junge im Alter von 6 Jahren hatte hier mehr Kondition und Körperbeherrschung als manch ein guter Sportler bei ihnen in Sydney. Aber die wahren Helden waren die Frauen. Sie lernten von klein auf alle Methoden der Heilkunst, übten dennoch verbissen die Selbstverteidigung und gingen vor Sonnenaufgang hinaus in den Wald um zu rennen. Früher musste dieses Volk furchteinflößend gewesen sein. Die Männer stark und beinahe unbesiegbar und die Frauen schnell, klug und wenn es drauf ankam eine tödliche Waffe für all die, die sich an ihren Kinder zu schaffen machen wollten. Jotomo erzählte ihr das es früher viele Kriege in der Gegend gab. Die Kaiser wollten die Yeshui ständig für sich kämpfen sehen, aber die Yeshui wollten unabhängig bleiben. So entsandten die Kaiser immer und immer wieder Truppen aus der verbotenen Stadt um die Yeshui gefangen zu nehmen und zu versklaven. Wie groß die Übermacht auch war, die Yeshui zogen sich immer wieder in den Wald oder auf den Berg zurück, und wenn die Truppen ihnen folgten, machten sie dort hunderten Männern durch ihr Geschick den Gar aus. Sie dachte wieder einmal an Joona, Jack und Sydney. Würde sie zurück gehen wenn ihre Ausbildung vorbei war? Was würde aus Paul werden. Wollte sie überhaupt zurück? Es sprach nichts dagegen weiterhin hier zu bleiben, sie fühlte sich wohl bei den Yeshui. Die Frage beshäftigte sie fast die ganze Nacht und als die ersten Sonnenstrahlen den Berg streiften stand sie zitternd auf, löschte das Feuer und beschloss solange hier zu bleiben, wie sie sich wohl fühlte. Sie rannte den Berg hinunter und als sie unten ankam war ihr wieder warm Liu, Yeshui und Maho erwarteten sie. Liu sah stolz aus als Ifri freudestrahlend auf sie zukam. Paul rannte ihr entgegen und machte einen Freudentanz um sie herum. Vor Liu blieb sie stehen und verneigte sich."Vielen Dank dafür, was du und deine Familie für mich getan haben. Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt bei euch und einen besseren Trainer wie dich kann ich mir nicht vorstellen!" Das waren ihre ersten offiziellen Worte nach einem Jahr. Liu nahm sie in den Arm und drückte sie fest. Yinshe, zu Tränen gerührt tat das gleiche."Ich würde mich freuen dir nun meine Gründe zu erzählen, Maho!", sagte sie dann und sah ihn kess an. Maho musste lachen und bat sie in sein Haus. Es war größer und reicher eingerichtet als das von Liu. Sie setzten sich auf zwei Kissen und Ifri ließ sich einen Tee einschenken."Ich habe mich entschlossen hier zu bleiben, weil ich mich hier wohlgefühlt habe. Wenn ich hier im Dorf war hatte ich ein Gefühl der Ruhe wie ich es in meiner Heimat nicht kannte. Desweiteren hatte ich auf einen kleinen Wolf zu achten. In der Großstadt wäre kein Platz für ihn, ich habe die Verantwortung für ihn übernommen und die wollte ich nicht leichtfertig wegwerfen. Ich wollte aber auch nicht einfach hier bleiben und wie die Frauen in den Häusern bleiben. Jotomo erklärte mir damals die Kampfkunst der Yeshui und ich habe mich gefragt ob eine Frau zu so was ebenso in der Lage ist wie ein Mann. Und somit entschloss ich mich die Strapazen der Ausbildung auf mich zu nehmen und ob du es glaubst oder nicht, ich freue mich auf den zweiten Teil!" Maho lächelte sie während des gesamten Gespräches überrascht an."Dein Chinesisch ist perfekt. Du bist eine sehr gute Schülerin. Liu war begeistert von dir, seit dem er das Training mit dir begonnen hat, erzählte er mir. Jetzt weiß ich wohl auch warum. Was deinen Wolf betrifft, wenn dich dein Heimweh packt und du es nicht mehr aushältst, dann sei unbesorgt. Ich bin noch nicht lange wieder hier, aber ich weiß das Paul es hier nie an etwas fehlen wird. Du kannst deine Verantwortung getrost an unser Dorf übergeben." "Das weiß ich. Aber er ist wie ein guter Freund für mich geworden. Ich würde ihn nicht so schnell aufgeben wollen. Aber das sind Gedanken über die ich mir jetzt noch nicht den Kopf zerbrechen möchte. Liu sagt das er mich noch weitere drei Jahre ausbilden kann. Im Nahkampf, im Schwertkampf, in Schnelligkeit und in der Meditation. Ich denke ich bin nun zu neugierig geworden als das ich dieses Angebot ausschlagen könnte." "Du bist hier willkommen, wegen uns wirst du nicht gehen müssen. Und mit dem Wolf wird sich eine Lösung finden, wenn es soweit ist." "Wie war es denn in Rußland?", wollte Ifri nun wissen. Sie konnte gar nicht mehr aufhören zu reden, so glücklich und überrascht war sie, das sie nahezu nie überlegen musste welche Wörter sie als nächstes benutzte. Sie wirkte beinnahe schon unhöflich dem Sohn des Obersten gegenüber. Eigentlich lag es nicht an ihr Fragen zu stellen, das gehörte sich einfach nicht. Aber Maho schien das nur zu amüsieren und betrachtete fasziniert diese junge Frau, die vor Energie und Frohmut sprudelte. Jetzt schweifte sein Blick ab und er erzählte ein wenig nachdenklich: "Rußland ist ein durch und durch kaltes Land. Das Wetter ist kalt, die Städte und die Menschen auch. Ich habe viele Menschen gefunden die unsere Kunst erlernen wollten und sie haben viel Geld dafür gegeben, aber kaum einer war stark genug um es auch durchzuhalten. Nach einiger Zeit fand ich einen Jungen der bereit war bis zur Ohnmacht zu trainieren. Drei Jahre habe ich ihn gelehrt was ich wusste, er war gut und ich war stolz auf ihn genau wie Liu stolz auf dich ist. Dann beschloss sein Vater ihn nach England auf eine Universität zu schicken und ich habe ihn verloren. Einen ähnlichen Schüler fand ich nicht mehr und ich beschloss nach Hause zurück zu kehren. Neid stieg in mir auf als ich hörte das Liu eine Schülerin hatte und die allen Anschein nach dabei war, die erste Phase des Trainings zu bestehen. Aber als ich dich sah war mir klar das ich dich gar nicht trainieren konnte. Also habe ich mich für Liu gefreut." "Wieso könntest du das nicht?" Ifri wurde neugierig."Weil du zu stark bist, ich bewundere dich, nicht nur dein Können. Ich wäre zu ehrfürchtig vor dir gewesen und wäre auf dein Wohlbefinden aus. Und du weißt sicher das ein Trainer nicht auf das Befinden seines Schülers achten kann." Er lächelte wieder. Ifri erwiderte das Lächeln und nickte. Maho erzählte ihr noch ein bisschen von Rußland, dann verabschiedete Ifri sich aber um Yinshe und Liu bei der Hausarbeit zu helfen. Ihr entging nicht das Maho ihr aus dem Fenster hinterhersah, wie sie zum Fluß ging, gefolgt von Paul, der wie immer wachsam umher sah.
"Kommst du mit in den Wald?" Maho stand vor Lius Haus wo Ifri gerade meditieren üben wollte."Nein, ich werde ein wenig meditieren, dann gehe ich ins Bett. Liu will morgen zu Jotomo rennen!" "Du kannst auch im Wald meditieren. Warst du schon bei den Koisheen?" "Nein, was ist das?" "Das ist der Ort an den wir unsere Ahnen ehren. Er liegt auf der anderen Seite des Yeshui. Dort wirst du Ruhe und Einklang finden um zu meditieren." Ifri gab sich geschlagen. Maho war ihr die letzten Wochen aus dem Weg gegangen was Ifri auf eine Art und Weise verletzte, wie sie es nicht kannte. Jedes Mädchen wartete darauf das Maho endlich eine Frau nahm, aber er ließ alle eiskalt abblitzen. Ifri hatte ihn immer angestrahlt wenn sie ihn sah, das kam ganz von alleine, jedes mal machte ihr Herz einen kleinen Salto wenn sie ihm am Fluß, im Versammlungsraum oder einfach so auf der Straße traf. Aber nun wandte er sich immer nur zügig, mit einer freundlichen Verbeugung ab. Als er vorhin nach ihr rufen ließ verstand sie die Welt nicht mehr. Und das er sie nun auch noch bat mit ihm in den Wald zu gehen, war ihr nicht geheuer. Sie fühlte sich geehrt und in ihrem Bauch flogen Schmetterlinge als er sie süß anlächelte, aber trotz allen nahm sie Paul mit. Maho war undurchsichtig, man konnte ihn nicht einschätzen da er seine Außenwelt nie an seinen Gefühlen teilhaben lies. Die Abenddämmerung begann, es war angenehm warm und sie liefen in den Wald, den Ifri nun beinahe auswendig kannte. Paul war von dem abendlichen Spaziergang begeistert, er tollte herum, rannte vor und kam kurze Zeit später wieder zurück gerannt."Wie kommt es das du plötzlich wieder mit mir redest?" "Habe ich mal nicht mit dir geredet?" "Naja, du bist mit aus dem Weg gegangen. Habe ich dich beleidigt? Oder was falsches gesagt?" Maho lächelte."Nein, hast du nicht. Wie kann es sein das du noch nie bei den Koisheen warst?" "Ich glaube Liu hatte zuviel vor mit mir, als das wir dafür Zeit gehabt hätten." "Das kann gut sein. Magst du ein Wettrennen bis dahin?" "Das ist mehr als unfair. Ich kenne den Weg nicht und gegen dich hätte ich eh keine Chance." "Einfach am Berg entlang rennen. Irgendwann wirst du es sehen. Lauf los!" Ifri mußte grinsen, dann sagte sie zu Paul: "Na dem werden wir zeigen was wir drauf haben!" und schon spurtete sie los. Maho folgte ihr mit kleinem Abstand. Paul bellte begeistert und rannte wie immer vor Ifri her. Sie hatte sich vorgenommen Maho auszutricksen. Eine andere Chance würde sie gegen ihn nicht haben, also rannte sie bei weitem nicht so schnell, wie sie eigentlich konnte. Sie sah einen Trampelpfad den sie sofort einschlug, sie hoffte das sie den Umfang des Berges richtig einschätzte und dachte das sie in etwa 4 Kilometern die Koisheen erreichen würden."Liu hat immer gesagt, wenn ich renne, sehe ich aus wie eine Ente, die einen Hasen imitieren will!" Maho fing an zu lachen und Ifri watschelte die nächsten Tritte absichtlich breit. Es sah zu komisch aus und er steigerte sich in einen Lachkrampf, musste schließlich anhalten um sich den Bauch zu halten. Das war Ifris Chance."Los Paul!", rief sie. Der Wolf wurde kleiner, legte die Ohren an und raste los. Ifri gab alles. Schnell wie ein Reh rannte sie leichtfüßig los. Sie schloss die Augen und ließ sich von Pauls hecheln führen. Sie spürte den Wind der ihr nun warm entgegenschlug und sie wurde noch schneller. Sie öffnete die Augen und sah wie der Weg sich gabelte. Rechts ging er in tief in den Wald hinein, links sah sie Kerzen brennen, also bog sie nach links ab. Liu war an dieser Stelle immer rechts abgebogen, daher hatte sie nie darauf geachtet was auf der anderen Seite war. Sie sah einen kleinen Steinring der hell beleuchtet in der Dämmerung schimmerte, sie fragte sich, wie oft sie an dieser Stelle vorbei gerannt war, ohne ihr einen Blick zu würdigen. . . . ein kräftiger Schlag riss sie zu Boden. Maho hatte sich schreiend auf sie geworfen und der Schwung ihres Aufpralls ließ sie noch ein paar Meter rollen."Du hast geschummelt! Das war eine Ablenkung, das mit der Ente!", lachte er und stand wieder auf. Ifri musste sich zusammenreißen damit er nicht merkte, das die Wucht seines Aufpralls ihr die Luft weg gedrückt hatte. Sie hustete und lachte dann: "Ich hätte sonst nie eine Chance gehabt!" Zu ihrem erstaunen keuchte er, aber er musste auch immer wieder lachen. Sie musterte ihn. Er hatte viele Lachfältchen an den Augen und er bekam Grübchen wenn er lächelte. Sein Lachen war laut und herzhaft und seine dunklen Augen füllten sich mit Tränen, da er sich nun kaum noch beherrschen konnte. Ifri konnte sich nicht dagegen wehren und musste mitlachen. Als er sich wieder unter Kontrolle bekam, sah er sie wieder so an wie er es oft tat. Irgendwie leidend und besorgt, was Ifri jedes mal einen Stich in den Bauch jagte."Komm, ich zeig dir jetzt wo du in Ruhe meditieren kannst!" Sie folgte ihm zu dem Ringkreis wo überall Kerzen standen. Ein großer, uralter Baum hatte auf seiner Außenseite eine dicke Steintafel genagelt. Dort waren Runen eingemeiselt, Tierköpfe und Symbole."Hier gedenken wir unseren Ahnen. Ich bin gerne hier, sogar die Vögel scheinen diesen Ort mit einem Schweigen zu ehren. Mehr Ruhe wirst du nirgends finden. Sie setzte sich mitten in den Steinring und entspannte sich. Maho verneigte sich und wollte wieder gehen."Wo willst du hin?" "Ich wollte zurück um dich nicht zu stören. Am Anfang ist es schwer den Weg aus seinem Körper zu finden." "Und wenn es einfacher für mich ist wenn du hierbleibst?" "Wie könnte ich dir helfen?" "In dem du dableibst." Er stockte und sah sie verwirrt an. Dann kam er zurück und setzte sich neben sie. Beide schlossen die Augen und legten ihre Hände auf ihre Knie. Dann sagte keiner mehr etwas. Kurz bevor Ifri merkte wie sie aus ihrem Körper wich fühlte sie noch wie Maho eine Hand von ihr nahm und sie festhielt. Dann schwand alles um sie herum. . . Am nächsten Tag war Maho weg. Als sie mit Liu auf den Hügel ging um zu trainieren hörte sie die Mädchen klagen, Maho sei in der Nacht gekommen, hätte seine Sachen gepackt und wäre fort. Ifri war verwirrt. Warum ergriff er die Flucht? Gestern Nacht hatte er sie noch nach Hause gebracht und war dann gut gelaunt zu seinem Haus gelaufen. Hatte sie ihn verletzt? Hatte sie ihn falsch behandelt? Sie verstand es nicht. An diesem Tag steckte sie viele harte Schläge ein. Sie war in Gedanken, wütend und enttäuscht. Liu merkte das und schlug immer wieder feste zu um sie zur Konzentration zu bringen. Aber es gelang ihm nicht und nach dem Mittag brach er das Training ab."An was denkst du Ifri?", wollte er wissen."An nichts bestimmtes. . . . ." Er holte aus und schlug ihr mit dem Stock auf die Schulter. Ifri zuckte zusammen."Aha. Und warum weichst du nicht mehr aus? Wenn dein Kopf frei wäre, hättest du den Schlag zehn mal abwehren können. Also erzähl mir nichts!" "Ich möchte nicht darüber reden.", sagte sie nun vorsichtig. Liu nickte." Möchtest du mit Yinshe reden. Sind es Dinge die Frauen lieber unter sich bereden?" Ifri überlegte sagte dann aber: "Nein. Ich muß das mit mir selber klären." "Dann geh. Wir machen heute nicht weiter. Es hat eh keinen Sinn." Ifri verbeugte sich tief, es war ihr peinlich ,dass sie für ihren Lehrer ein so offenes Buch war. Sie rief Paul und ging mit ihm zu den Koisheen um über sich und Maho nachzudenken. Aber bis auf ein komisches Gefühl im Magen, kam an diesem Tag nichts dabei heraus. Maho blieb eine Woche weg. Dann kam er zurück und berichtete das er in Peking war um dort ein paar geistige Männer aufzusuchen. Ifri wartete den ganzen Tag darauf das er zu ihr kommen würde um ihr Hallo zu sagen. Aber er kam nicht. Am Tag darauf auch nicht. An einem Tag, der erste Frost lag auf den Feldern, gingen die Männer des Dorfes auf die Jagd. Ifri durfte sie begleiten, Paul musste zurückbleiben, zu sehr befürchtete man, das er erneut dem Blutrausch verfallen würde, dem er damals bei dem verletzten Hirsch erlag. Sie teilten sich in zwei Gruppen die ungefähr einen Kilometer von ein ander entfernt durch den Wald pirschten. Maho war nicht bei Ifris Gruppe, sie hatte es auch nicht anders erwartet aber Liu begleitete sie. Sie waren nun schon fast den halben Tag unterwegs und mehr als ein paar Hasen und ein paar Vögeln hatten sie noch nicht erlegt. Sie machten gerade eine Pause und überlegten ob es sich lohnen würde weiter zu gehen als Ifri aus den Augenwinkeln ein großes Tier, ganz in ihrer Nähe vorbei huschen sah. Sofort sprang sie auf und rannte dem Schatten hinterher. Die anderen versuchten ihr zu folgen aber gaben es auf, da sie ihre Waffen nicht so schnell umschnallen konnten und Ifri schon hinter den Bäumen verschwunden war. Ifri rannte dem Tier nach was sie immer wieder zwischen den Bäumen umherspringen sah. Sie erreichte das Gefühl, das sie schon so oft während dem Training hatte, sie fixierte den Schatten und rannte einfach, ihr Körper gehorchte ihr ohne Widerwillen. Es vergingen Minuten und Stunden, sie merkte nicht das es anfing zu dämmern und nach langer Zeit wurde das Tier langsamer bis es schließlich aufgab und keuchend einen letzten Hacken schlug. Ifri spannte den Bogen und zielte, es war ein großer Hirsch der sie nun ängstlich ansah. Das Tier atmete schwer und Ifri befürchtete schon es bekäme einen Kreislaufzusammenbruch bevor sie es überhaupt schießen konnte. Ihre Blicke trafen sich und sie ließ widerwillig den Bogen sinken. Der Hirsch war stundenlang um sein Leben gerannt, dennoch stand er stolz mit erhobenem Kopf vor ihr und wartete darauf, das sie endlich schießen würde. Zu viel Respekt hatte sie plötzlich vor dem Hirsch, sie konnte ihn nicht mehr erlegen. Dann wurde sie von einer Nebelschwaden abgelenkt die wenige Meter hinter dem Hirsch aufstieg. Verwundert ließ sie von dem Hirsch ab und sah das ungefähr zehn Meter hinter dem Tier der Boden aufhörte. Ungläubig ging sie an dem Hirsch vorbei, der sich nicht bewegte, auf den Abgrund zu und sah voller Überraschung und erstaunen auf das Nebeltal hinab, das sie vor mehr als zwei Jahren durchquert hatte um bei den Yeshui zu leben. Der Hirsch sah seine Chance und trabte mit letzter Kraft davon. Ifri war wie gelähmt und starrte in das Tal. Man konnte die Bäume kaum sehen, so dicht stand der Nebel nun über dem Tal, sie spähte auf die andere Seite des Tals und sah das Dach von Jacks Haus. Ein Stich fuhr ihr durch den Magen als sie sah wie Rauch aus dem Schornstein aufstieg. War Jack da? Sollte sie rüber gehen um ihn zu sehen? Oder war es klüger zurück zu laufen? Sie war hin und her gerissen, überlegte und preschte dann doch zurück in den Wald um wieder zu den Yeshui zu kommen. Sie konnte schon den Berg wieder sehen, auch wenn es nun fast dunkel war als neben ihr etwas laut knackte und Maho plötzlich neben ihr stand."Wir haben uns Sorgen gemacht!", sagte er und sah wirklich besorgt aus."Wieso? Liu weiß das ich im Wald sehr gut zurecht komme!" "Ich habe mir Sorgen gemacht.", sagte er leise. Verdutzt musterte sie ihn."Es geht mir gut. Der Hirsch hat bis zum Nebeltal durchgehalten. Ich habe ihn laufen lassen, er ist stark, der Wald kann ihn besser gebrauchen als unsere Mägen." "Wenn er bis zum Nebeltal gerannt ist, hat er zweifellos sein Leben verdient." "Maho, was haben wir beide für ein Problem. Warum verachtest du mich so?" "Ich verachte dich nicht. . . ." Maho stockte."Wieso bist du so abwertend mir gegenüber. Das war mal anders. Ich dachte du magst mich?" Maho schwieg und sah bedrückt zu Boden. Ifri holte tief Luft. Warum gab er ihr keine Antwort? Warum brachte dieser Mann ihre Gefühle so durcheinander das sie sich kaum noch konzentrieren konnte und warum spielte er so mit dieser Macht? Sie ging an ihm vorbei und wollte wieder lostraben. Aber sie war nicht weit gekommen da sagte Maho leise aber bestimmt: "Du wirst uns wieder verlassen, eines Tages wirst du zurück nach Australien gehen. Deswegen halte ich Abstand um nicht jeden Tag zu sehen wie schön du bist, wie klug du bist und auf welche Geschickte Art du die Menschen um dich herum zum Lachen bringst." Ifri blieb stehen. Würde sie tatsächlich irgendwann gehen? Auch wenn sie mit Maho zusammen wäre? Würde sie die Yeshui verlassen um wieder im Großstadtjungel zu leben? Wahrscheinlich ja. Sie gehörte nicht hier her, es war mehr eine Art Abenteuer. Aber Maho hatte wahrscheinlich recht, ihre Gefühle zu ihm waren aufrichtig, warum sollte man etwas verschlimmern was eh schon schlimm genug war? Sie drehte sich nicht um sondern nickte nur. Dann rannte sie los.
"Ich werde zu Jack gehen, er ist in seinem Haus, zumindest glaube ich das." Ifri stand mit einer Tasche und Paul vor Yinshe und Liu die sie traurig ansahen."Du wirst nicht zurück kommen, oder?", fragte Liu."Das weiß ich nicht. Wenn nicht, dann danke ich euch jetzt schon für alles was ihr für mich getan habt. Ich werde euch nie vergessen!" Trotz all dem Training der Körperbeherrschung rannen ihr nun Tränen über die Wangen. Yinshe nahm sie wortlos in den Arm und hielt sie lange fest. Liu verbeugte sich vor ihr und Ifri tat es ihm gleich."Irgendwann werde ich bestimmt den Weg wieder her finden." "Und der Weg steht dir immer offen. Willst du uns nicht den Grund sagen warum du gehst?", fragte Yinshe. Ifri zögerte: " Es ist wegen. . . . Maho." Liu nickte nur und Yinshe schien es auch nicht zu überraschen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und es war kalt. Der Winter war hereingebrochen und Frost lag auf den Feldern. Als sie losging sah sie Maho auf einem Hügel stehen und ihr hinterher guckend. Als er sah das sie zu ihm aufblickte wandte er sich ab und verschwand auf der anderen Seite des Hügels.
Gegen Mittag erreichte sie die Bergkämme des Shui-Ordens. Sie musste lächeln als sie daran dachte, wie Jack und sie durch Zufall in das Tal des Ordens eingedrungen waren und das sie eigentlich alles nur Paul zu verdanken hatte. Sie schaute besorgt auf ihren Freund. Würde er Jack erkennen und ihn akzeptieren? Die Bewohner im Dorf waren alle von klein auf und ständig bei ihm gewesen, Jack hatte er nur ein paar Tage gesehen und es war nun schon lange her. Und was war wenn sie nach Sydney zurück ging? Würde sie ihn tatsächlich hier lassen? Sie würde ihn zu Jotomo bringen, das war für sie klar. Aber würde sie es auch über das Herz bringen ihn zurückzulassen? Könnte sie das ganze Land zurück lassen? Sie sah die Nebelschwaden aus dem Nebeltal schon aufsteigen und machte sich an den Abstieg ins Tal. Ihr war kalt und deswegen begann sie zu laufen. Paul war begeistert, endlich ging es schneller vorwärts. Innerhalb einer halben Stunde hatte sie das Tal durchquert und machte sich an den Aufstieg zu Jack´s Haus. Nach einer weiteren halben Stunde stand sie nun vor dem kleinen, luxuriösen Haus und atmete tief durch. Paul saß neugierig neben ihr und sah sie erwartungsvoll an."Weißt du wo wir sind mein Freund?", sagte sie leise. Paul drehte den Kopf schief und sah sie nur gespannt an."Du bleibst jetzt schön bei mir mein Guter. !" Sie zeigte mit dem Finger neben sich und Paul lief gehorsam bei Fuß. In dem Haus brannte Licht und Ifri klopfte an die Tür. Es rumpelte und jemand kam zur Tür. Vorsichtig schaute eine junge Frau durch den Türspalt, dann weiteten sich ihre Augen und sie schrie "Ifri!!!" Joona riß die Tür auf und viel ihrer vermissten Freundin um den Hals. Paul reagierte sofort und knurrte die Fremde Frau, die seiner Besitzerin zu nahe kam, drohend an. Joona sprang ängstlich zurück."Paul! Es ist gut. Komm her!" Paul schnaubte aus und kam wieder zu Ifris Fuß. Joona sah sie verblüfft an."Du sprichst chinesisch? Und wie siehst du überhaupt aus? Komm rein!" "Was machst du hier?", fragte Ifri noch verblüffter und diesmal auf englisch. Mit Paul an der Seite kam sie herein."Jack hat mich mitgenommen und wir wollten gleich morgen los um dich zu besuchen. Ein Glück das du hergekommen bist. Ich hatte schon Angst wir würden uns verlaufen oder sonstiges. Wie geht es dir?" Ifri setzte sich vor den Kamin und wärmte ihre Finger auf. Paul sah sich neugierig um und beschnüffelte Joona die sich kaum zu atmen wagte als das große dunkle Tier um sie herumschlich."Mir geht es gut. Ich habe gestern Rauch aus dem Schornstein kommen sehen und habe gedacht Jack wäre hier. Da bin ich hergekommen, mal sehen wie es ihm so geht, aber das du da bist ist natürlich noch besser! Seid wann seid ihr hier?" "Seid gestern. Wir waren heute in Peking einkaufen und morgen wollten wir gleich los. Wir hatten schon eher vor her zukommen aber Gero hat keinen Urlaub bekommen. . ." "Gero ist auch hier?" Ifri war überrascht."Ja, Jack ist ihm das Nebeltal zeigen gegangen. Sie sind gleich hinten. Sag mal, ist das der kleine Wolf von dem Jack erzählt hat?" Paul hatte sich nun neben Ifri an den Kamin gelegt und beobachtete Joona scharf."Naja, das war er mal. Jetzt ist er recht groß." Joona nickte und betrachtete Ifri nun genauer."Meine Güte bist du dünn geworden! Die Diät musst du mir unbedingt verraten! Und wie bekommst du deine Haare so hin? Habt ihr einen Friseur da? Tragen alle so Klamotten wie du?" Ifri sah an sich herunter. Sie hatte ihre weite dunkle Hose an und eine rote Bluse. Darüber trug sie einen langen Mantel aus Fell. So wie alle Frauen der Yeshui im Winter. Ihre Haare hatte sie von Yenshi gelernt, geschickt zu drehen und hoch zu stecken. Die Frisur war praktisch da sie gut hielt, dennoch viel das Haupthaar lang und ordentlich am Hinterkopf nach unten. Sie war dünn geworden, ja aber das lag am Training und nicht am Essen."Ich habe viel trainiert, dann kommt das von alleine das man abnimmt. Bei den Yeshui tragen alle Frauen die Kleider und die Haare wie ich." "Komm her! Laß dich noch mal umarmen. Ich war zwar böse auf dich das du einfach so abgehauen bist, aber ich freue mich so dich zu sehen!" Ifri lächelte und nahm ihre Freundin lange und wortlos in den Arm. Paul rührte sich diesmal nicht."Ich werde mal nach hinten gehen um den beiden Männern Hallo zu sagen." "Ich komm mit! Jack wird Augen machen!" "Wie geht es ihm?" "Keine Ahnung. Er kam damals zurück und hat mir deinen Brief gegeben. Dann habe ich lange nichts von ihm gehört bis er auf einmal angerufen hat und gefragt hat ob ich mit will, dich zu besuchen. Habe natürlich ja gesagt!" "Ihr hättet im Sommer kommen sollen. Dann ist es herrlich hier!" "Wir mussten erst mal alle Urlaub bekommen. Das war schon nicht so einfach. Aber auch im Winter ist es wunderschön hier." Ifri nickte zustimmend und ging durch die Terassentür hinaus, Paul folgte ihr und sie wies ihn an bei ihr zu bleiben. Sie ging den kleinen Weg hinter der Gartenhecke entlang und sah Jack und Gero wie sie stumm nebeneinander in das Nebeltal blickten. Paul blieb überrascht stehen als er die fremden Männer sah, gab aber keinen Laut von sich."Man kann es tausend mal sehen und dennoch ist es immer wieder atemberaubend wenn man hinunter blickt.", sagte Ifri. Jack und Gero drehten sich um."Ifri!", riefen beide gleichzeitig überrascht aus und Gero wollte auf sie zurennen. Aber Ifri schrie: "Halt!", denn Paul hatte sich bereits aufgerichtet und war bereit seine Besitzerin vor dem Fremden zu verteidigen. Gero blieb wie angewurzelt stehen und ging wieder einen Schritt zurück."Es ist gut mein Freund. Beruhige dich!", sagte Ifri auf chinesisch und strich Paul dabei über den Kopf. Er setzte sich nun wieder hin und beobachtete jede Bewegung der Männer."Er will nur auf mich aufpassen. Nehmt es ihm nicht übel. Schön euch zu sehen!" Jack trat vor und kam nun langsam auf sie zu, dabei ließ er den großen Wolf keinen Augenblick lang aus den Augen. Dann hockte er sich wenige Meter vor dem Tier hin."Paul mein Junge. Ich bin es, Jack. Komm her." Paul sah fragend zu Ifri die nun vergnügt lächelte."Geh!", sagte sie und Paul stand auf um langsam Jack zu überprüfen."Bleib still sitzen. Er ist wild geworden, wenn er dich erkennt wird er dich das wissen lassen!" Jack blieb gehockt und ließ Paul an ihm schnüffeln. Dann, auf einmal leckte Paul ihm durch das Gesicht und fing an mit dem Schwanz zu wedeln."Na siehst du! Weißt doch genau wer ich bin. Du bist ja ein Bulle geworden!", lachte Jack und streichelte über Pauls weiches Fell. Paul bekam sich kaum mehr unter Kontrolle. Immer wieder sprang er an seinem verloren gegangen Freund hoch, tollte um ihn herum und drückte sich an Jacks Beine um gestreichelt zu werden. Ifri lachte. Dann kam Jack zu ihr und nahm sie in den Arm."Schön das es euch gut geht. Wie ist es bei den Yeshui? Hast du viel gelernt?" "Es ist sehr schön dort und ich fühle mich sehr wohl. Meine Ausbildung ist zur Hälfte hinter mir, ich kann jetzt Sachen, von denen ich nie gedacht hätte das ich sie könnte. Wie geht es dir?" "Es geht mir sehr gut. Kann mich nicht beklagen, jetzt wo ich hier bin sowieso." Nun kam auch Gero langsam näher und viel Ifri als Paul es zuließ um den Hals. Ifri war glücklich hergekommen zu sein, Joona und Jack zu sehen und einmal die Strapazen der Ausbildung hinter sich zu lassen. Joona machte für alle Kakao mit Sahne und sie saßen im Wohnzimmer am Kamin. Ifri musste viel erzählen, wie sie lebte, was sie für die Ausbildung tun musste und wie das Dorf aussah. Der Abend wurde lang und lustig. Paul verkroch sich irgendwann in eine stille Ecke und erst spät nach Mitternacht gingen die anderen zu Bett. Ifri blieb im Wohnzimmer, da das Zimmer das sie damals hatte von Joona und Gero belegt war. Paul kam zu ihr und kuschelte sich an sie. Seit langer Zeit schlief sie weich, warm und fest und erst als die Sonne schon hoch am Himmel stand wurde sie wach. Jack hatte bereits das Frühstück gemacht, wie er es immer tat. Joona und Gero schliefen noch. Sie stand auf und ging sich waschen, dann setzte sie sich zu Jack und trank einen Kaffe, auch ein Luxus den es bei den Yeshui nicht gab. Dort trank man nur einen schwarzen Tee den man dort anbaute."Du siehst schlecht aus. Total abgemagert und dein Gesicht scheint müde zu sein.", bemerkte Jack, direkt wie immer. Er hatte nun kurze Haare was ihn reifer erscheinen ließ. Ifri war wie damals völlig überwältigt von seinen Augen."Das Training ist hart, aber ich fühle mich gut. Ich esse auch genug, Joona hatte auch schon Angst!", lächelte sie."Nun ja, wenn man den ganzen Tag durch den Wald rennen muss dann nimmt man eben ein paar Kilo ab. Was machst du wenn deine Ausbildung zu ende ist?" Ifri seufzte: "Wenn ich das mal wüsste. Ich weiß gar nicht ob ich überhaupt zurück gehe. Wie immer ist ein Mann daran schuld." "Du hast jemanden kennengelernt?" "Ja, Maho. Es ist alles sehr schwierig. Wir freuen uns wie kleine Kinder wenn wir uns über den Weg laufen, aber keiner läßt den anderen näher an sich heran. Maho sagt das ich irgendwann wieder gehen werde, damit hat er auch wahrscheinlich recht. Und dann wäre es unklug etwas zu beginnen, was zum scheitern verurteilt ist." "Da ist was dran. Und ganz zu bleiben hast du noch nicht in Erwägung gezogen?" "Das ist nicht so einfach. Ich bin gerade zwei Jahre dort. Im Moment kann ich mir nichts schöneres vorstellen als dort zu leben, aber das muss nicht immer so sein. Ich bin in Sydney groß geworden. . . . ich weiß es jetzt noch nicht." "Ja und wenn ihr euch aus dem Weg geht? Zumindest bis deine Ausbildung vorbei ist?" "Nein, das wird nicht funktionieren. Das hat er schon versucht, aber es geht nicht." "Dann hats dich also endlich mal so richtig erwischt?" "Was soll das denn heißen?" "Naja, ich war dir ja nicht gut genug. . . ." Jack konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Ifri sah ihn fassungslos an."Du bist unmöglich!" "Ich weiß!" "Schön" "Schön" Jetzt mussten beide lachen."Was hältst du davon wenn wir Jotomo besuchen? Er freut sich bestimmt dich wieder zu sehen!" "Ich weiß nicht ob wir die anderen dazu bekommen bei der Kälte eine Wanderung zu machen, jetzt wo du da bist. !" "Ach, bestimmt. Joona ist leicht zu überreden!" Ifri grinste."Also ich bin dabei. Die haben da so nen leckeres Gebäck gehabt." Wieder lachten beide.
Tatsächlich waren Joona und Gero von der Idee begeistert einen alten chinesischen Orden zu besichtigen. Sie brachen noch am gleichen Tag auf. Paul schien erleichtert zu sein als sie das fremde Haus wieder verließen und rannte vor ihnen her. Ifri legte ein gutes Tempo vor und die drei Australier konnten sich nicht über Kälte beschweren denn es wurde ihnen warm als sie versuchten mit Ifri Schritt zu halten. Sie brauchten drei Stunden durch das Tal und zwei weiter Stunden um den Berg bis zu dem Tunnel in das Shui-Tal hoch zu klettern. Gero und Joona schnaubten stark."Mein Gott, das ist keine Wanderung sondern ein Maraton. Ich hoffe in dem Orden können wir uns einen Moment ausruhen!" "Keine Angst, sie sind sehr gastfreundlich. Euch wird an nichts fehlen!", beruhigte Jack sie. Paul rannte durch den Tunnel und war verschwunden. Er rannte schon zu dem Tempel vor um Jotomo zu begrüßen. Als sie am anderen Ende des Tunnels hinaus kamen blieben sie einen Moment lang beeindruckt stehen, das Tal war nun weiß, hier oben hatte es geschneit und man hatte das Gefühl ein Märchenland zu betreten. Ifri sah wie Jotomo, gefolgt von Paul aus dem Hauptgebäude kam und ihnen freudig zuwinkte."Das ist also China vor was weiß ich wieviel Tausend Jahren!", staunte Gero."Ja, so hat es früher an vielen Stellen ausgesehen!", erklärte Ifri. Auf halber Strecke kam ihnen Jotomo entgegen. Er nahm Ifri in den Arm und sagte: "Willkommen. Lange hast du dich nicht mehr blicken lassen!" "Wie es scheint holt das Alter dich ein Jotomo, den Weg zu uns ins Dorf findest du auch immer seltener!" Sie lachte herzlich und Jotomo schwenkte warnend den Zeigefinger vor ihr. Jack, Joona und Gero standen verblüfft anbei als Ifri mit dem alten Mönch chinesisch redete."Du sprichst ja fließend chinesisch! Kann man das so schnell lernen?", fragte Gero verblüfft."Ifri hat sehr gut gelernt. Sie ist ein wahres Talent was dies betrifft. Nun darf ich mich vorstellen, mein Name ist Jotomo. Ich freue mich wieder Gäste in unseren Gebäuden begrüßen zu dürfen!" diesmal redete er englisch, was Gero und Joona noch mehr verblüffte. Und zu Jack gewandt sagte er: "Mein Freund, es ist immer wieder schön einen Gast wieder zu sehen, den man in guter Erinnerung gehalten hat!" Jack verneigte sich lächelnd vor dem Mönch und dieser tat es ihm gleich. Joona und Gero stellten sich vor und Jotomo bat sie in die Häuser. Als sie den Garten betraten blieb Ifri wie angewurzelt stehen. Maho saß auf einem kleinen Sockel und unterhielt sich mit einem jungen Mönch. Er schaute auf als die Fremden aus dem Haus kamen und stockte als er Ifri sah. Dann entschuldigte er sich bei seinem Zuhörer und kam zu der kleinen Gruppe hinüber. Ifri verbeugte sich tief vor ihm und versuchte seinen Blick auszuweichen. Joona sah achtungsvoll und fasziniert auf den großen gutaussehenden Mann der Ifri auf eine merkwürdige Art und Weise ansah."Ich hatte nicht gedacht das wir uns so schnell wieder sehen." "Ich hatte nicht damit gerechnet das du hier bist. Verzeih." "Es steht jedem frei hier her zukommen, also musst du dich nicht dafür entschuldigen. Sind das Freunde aus Australien?" "Ja, meine Freunde, sie kamen her um mich zu besuchen. Das ist Jack, Joona und Gero." Maho verneigte sich vor jedem einzelnen und sie taten es genauso. Ifri musste etwas lächeln als sie sah wie hilflos und abgehackt sich die Australier verneigten. Dann sagte Maho, zu Ifris großer Überraschung auf englisch: "Mein Name ist Maho. Ich hoffe das Land gefällt euch und ihr seid wohlbehalten hergekommen." Jack lächelte Ifri an als er nun wusste, dass das Maho war. Ifri sah ihn ungläubig an und sagte auf chinesisch: "Ich wusste nicht das du meine Sprache beherrscht!" "In Russland spricht niemand chinesisch und russisch zu lernen ist noch schwieriger." "Du überrascht mich immer wieder." "Genau wie du mich." Er nickte den anderen zu und ging wieder zu dem jungen Mönch mit dem er seine Unterhaltung unterbrochen hatte. Ifri stand bedrückt da und Jotomo musterte sie neugierig. Dann bat er seine Gäste in den Speiseraum und Jack bekam sein Gebäck. Nach fast drei Stunden wollte Jack wieder aufbrechen."Kommst du mit?" fragte er Ifri. Sie sah ihn leidvoll an."Bleibt doch über Nacht. Es wäre mir eine Ehre euch eine Raststätte zu bieten. Es wir dunkel sein ehe ihr das Nebeltal durchquert habt." Joona nickte begeistert: "Ja, ich wäre dafür! Was meinst du Jack?" "Es ist mir egal. Entscheidet ihr!" Dabei sah er Ifri an."Ich bin gerne hier. Ich werde bestimmt nichts dagegen einzuwenden haben!" "Fein. Ihr könnt das Gästehaus haben, man wird euch zeigen wo es ist. Ifri, wenn du willst kannst du gerne das Zimmer unter dem Dach haben. Sonst muss einer von euch auf dem Boden schlafen!" Ifri entschied sich für die Variante unter dem Dach. Dort stand ein großes Strohbett auf dem sie es sich gemütlich machte und versuchte schnell einzuschlafen. Aber es gelang ihr nicht. Ihre Gedanken kreisten darum, ob sie morgen den Weg zum Haus, oder den Weg zum Dorf nehmen würde und die Entscheidung war schwer. Weit nach Mitternacht stand sie auf um im Park klare Luft zu atmen als sie eine Gestalt, in einem Mantel gehüllt auf der Terrasse sitzen sah. Ohne das Gesicht der Gestalt zu erkennen wusste sie das es Maho war."Warum schläfst du nicht?" fragte sie vorsichtig. Maho sah zu ihr auf und sein Gesicht verzehrte sich als er sie sah."Zu viele Dinge gehen mir durch den Kopf." Ifri setzte sich zu ihm, aber er würdigte ihr keinen Blick mehr."Ich muss heute Nacht noch eine Entscheidung treffen.", begann sie."Welche?" "Ob ich morgen zurück mit meinen Freunden und nach Australien gehe, oder ob ich mich hier von ihnen verabschiede um zurück zum Dorf zu gehen." "Das ist eine Entscheidung, bei der ich dir nicht helfen kann." "Oh doch, das kannst du!" Jetzt sah er sie fragend an."Wenn ich zum Dorf zurück gehe, dann möchte ich dort in Frieden leben, nicht ständig auf der Hut sein und dir aus dem Weg zu gehen." "Dann solltest du nicht ins Dorf gehen." Die Worte kamen kalt und tonlos. Traurig sah sie ihn an, begriff aber, das es keinen Sinn hatte. Maho hatte seine Entscheidung schon lange getroffen und das musste Ifri akzeptieren."Dann hast du mir meine Entscheidung ja doch abgenommen. Ich danke dir." Sie stand auf und machte Anstalten in das Haus zurück zu kehren. Maho bewegte sich nicht, aber bevor sie die Tür schließen konnte sagte er: " Denke nicht das ich dich oder deine Herkunft verachte. Lebe wohl." Sie blieb stehen und überlegte ob sie noch etwas zu sagen hatte. Wortlos ging sie schließlich zurück auf ihr Zimmer.
Kaum mehr als eine Stunde hatte sie in dieser Nacht die Augen zugemacht. Es war eine Woche her als sie den Orden verlassen hatten und Jack hatte geplant morgen China zu verlassen. Heute wollte Ifri Paul zu Jotomo bringen und mehr als einmal liefen ihr deswegen Tränen über die Wangen. Schon bevor es hell wurde trabte sie mit Paul los und erreichte am frühen morgen den Orden. Jotomo empfing sie besorgt und traurig."Natürlich werde ich auf ihn aufpassen und ihn als Andenken an dich in Ehren halten, aber bist du dir wirklich sicher das du gehen willst?" "Ich gehe ungern, aber das ist für mich der einzige Weg. Hier kann ich nicht bleiben." "Es ist wegen Maho, nicht war?" Ifri stutze."Woher weißt du das?" "Manche Dinge weiß man einfach. Man hat gesehen das etwas nicht stimmte als du ihn hier getroffen hattest. Es gab zwei Möglichkeiten. Die eine war das ihr bitteren Streit habt, was mir sehr ungewöhnlich erschien da ich davon gehört hätte. Die zweite war das ihr für ein ander mehr empfindet, als ihr euch eingesteht." Ifri setzte sich auf einen kleinen Hocker und sah leidvoll zu Jotomo hinauf." "Ich wusste nicht das es so offensichtlich ist. Das Problem ist nicht das wir es uns eingestehen, das Problem ist das wir beide wissen das ich hier nicht hingehöre und irgendwann gehen werde. Diesen Schmerz möchten wir uns ersparen." Jotomo lächelte auf sie herab."Und jetzt schmerzt es nicht? Meine liebe Ifri, du gehörst hier mehr hin als du es dir vorstellen kannst. Du wirst sehen wenn du in Australien bist, das du dort Heimweh bekommen wirst, und nicht nur wegen Maho. Aber den Weg musst du nun gehen weil du dir sonst nie sicher sein kannst. Derweil passe ich gerne auf Paul auf und erwarte deine Rückkehr." "Und was ist wenn ich nicht zurück kehre?" "Dann werde ich dich in guter Erinnerung halten und für dich hoffen das du glücklich bist." Ifri lief nun eine Träne über die Wange, sie stand auf, nahm Jotomo lange wortlos in den Arm und beugte sich noch mal zu Paul hinab. Er sah sie finster an, Ifri hielt seinem vorwurfsvollen Blick nicht stand uns ging. Als sie das Nebeltal durchquert hatte und vor dem Garten von Jack´s Haus stand drehte sie sich noch mal um und sah in das Tal hinab. Nun konnte sie nicht mehr an sich halten und weinte vor Trauer, Wut und Zweifel. Joona kam zu ihr und nahm sie in den Arm.
5
"Warum versuchst du nicht an einer Kampfsportschule zu arbeiten?" Joona stellte ihre Cola weg und sah besorgt auf Ifri. Seit dem sie wieder in Sydney waren, war sie still und bedrückt geworden. Ifri suchte verzweifelt nach einem Job, aber es war wie verhext. Niemand hatte Interesse an ihr und die meisten Stellen waren besetzt."Ich habe meine Ausbildung noch nicht abgeschlossen, also kann ich auch nicht anderen beibringen, was ich selber noch nicht richtig kann." Ifri starrte abwesend auf ihre Hände."Aber es wäre doch erst mal ein Job!" Joona blieb dran."Joona!", Ifri verdrehte die Augen, "laß es gut sein. Ich finde schon was." "Aber wie lange willst du denn noch vor dich hin vegetieren? Seit drei Wochen tust du nichts anderes als joggen, meditieren und fernsehen!" Ifri schwieg."Ruf doch mal Jack an. Vielleicht hat er etwas Zeit?" "Und dann?" Joona klatschte mit ihrer Hand auf den Tisch, so das Ifri zusammen zuckte und sie überrascht an sah. Wütend sah Joona sie an und zischte: "Dann tust du endlich mal was. Herrgott, du bist ja nicht wieder zu erkennen. Wenn das so weiter geht musst du zum Psychologen damit deine Depressionen behandelt werden. Wenn du hier nicht mehr zurecht kommst dann geh zurück nach China. Aber reiß dich jetzt gefälligst zusammen!" Ifri´s Magen krampfte sich zusammen und Tränen stiegen ihr in die Augen. Joona hatte verdammt recht, aber sie schaffte es einfach nicht sich hoch zu raffen. Sie kramte Geld aus ihrer Tasche, schmiss es auf den Tisch und ging. Immer noch wütend sah Joona ihr hinterher. Ifri lief durch den Park, dann am Hafen entlang und schließlich zu Joona´s Wohnung. Sie war erst mal bei ihrer Freundin eingezogen bis sie einen neuen Job und somit auch wieder mehr Geld hatte. Sie hatte seit dem sie zurück war das Gefühl versagt zu haben. Sie redete sich eine das sie China verlassen hatte um dem harten Training zu entgehen. Aber hier setze sie ihrem Körper viel größere Strapazen aus. Sie stand morgens um fünf Uhr auf und ging fast drei Stunden joggen. Dann dehnte und bog sie ihren Körper solange bis sie schreiend vor Schmerzen zusammenbrach. Mittags fing sie an zu meditieren wobei sie immer im Spagat auf dem Boden saß. Danach ging sie zum Hafen wo sie Kilometer weit rannte. Das tat sie jeden Tag. Sie aß kaum was, trank zu wenig und nur wenn sie abends mit Schmerzen ins Bett ging, dachte sie das es ein erfolgreicher Tag war. Sie hatte Sehnsucht nach China, nach Paul und Liu. Aber immer wenn sie überlegte zurück zu gehen stand Maho mit seinem verachteten Blick vor ihr und sie gab den Gedanken wieder auf. Nun stand sie neben dem Telefon und dachte über Joonas Worte nach. Warum sollte sie Jack eigentlich nicht anrufen? Was sprach dagegen? Entschlossen wählte sie seine Nummer."Hallo?" "Hey Jack! Hier ist Ifri. Wie geht es dir?" "Hey Ifri! Gut geht es mir, ich kann nicht klagen danke. Und dir?" "Es geht so. Was machst du gerade?" "Ich bin in Frankreich, in der Bretagne. Wir drehen hier einen Film mit Piraten. Wird ganz gut glaube ich, macht auf jeden Fall Spaß." "Oh, dann will ich dich nicht länger von der Arbeit abhalten." "Nein das ist schon o. k. Wolltest du was bestimmtes?" "Ich hatte gedacht das du vielleicht etwas Zeit hast und wir was unternehmen könnten. Ich habe immer noch keinen Job und. . . . ." "Ja dann komm her!" "Was?" "Komm her nach Frankreich. Hier ist tolles Wetter und wir drehen direkt am Strand. Die nächsten Wochen habe ich sowieso einen lockeren Plan, hätte ne Menge Zeit. Also, setzt dein Hintern in ein Flugzeug und komm her!" "Oh Jack!" Ifri musste lächeln."Wenn man keinen Job hat, dann hat man auch kein Ge. . ." "Vergiss das mit dem Geld. Komm einfach her." Ifri musste schmunzeln. So ähnlich hatte er sie auch überredet nach China zu gehen und nun schaffte er es schon wieder."Danke!" "Kein Ding. Ich schicke dir morgen eine Mail mit der Ticketbuchung. Da steht dann auch drauf wo du genau hin musst! Bis bald!" "Bis bald!" Sonderlich überrascht war Ifri nicht, aber ein wenig freute sie sich sogar. Sie war noch nie in Europa und Jack war da. Er brachte sie immer zum lachen und das war im Moment genau das Richtige. Guter Dinge erzählte sie abends Joona von ihrer geplanten Reise. Diese war überrascht und froh, dass ihre Freundin nun endlich wieder was unternahm.
Am nächsten Tag setzte sich Ifri nachmittags in den Flieger und flog in die Bretagne. Mit dem Bus fuhr sie in das Hotel, das Jack ihr aufgeschrieben hatte. Man gab ihr ein großes Zimmer mit Blick auf das Meer, einem riesigen Himmelbett und ein Bad, dass größer war als ihr Wohnzimmer in Sydney. Der Portjie erklärte ihr das die Dreharbeiten etwa eine halbe Stunde zu Fuß den Strand hinunter statt fanden. Sie zog sich ihre letzte passende Jeans an, ein Top und lief Barfuß los. Es war ein angenehmes Klima, etwa 20 Grad und der Wind brachte warme Düfte aus fernen Ländern über das Meer. Der Strand war weiß und leer, hier und da waren kleine Parks angelegt die in felsige Klippen mündeten. Nach langer Zeit herrschte in Ifri ein Gefühl der Freude. Sie sog die Luft tief in sich hinein und genoss die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut. Nach einiger Zeit konnte sie das Set erkennen, zwei große Kamerakrähne waren auf ein Schiff gerichtet, das aussah, als ob es gerade neu gebaut wurde. Überall standen Gerüste an dem Schiff, teilweise fehlte ein ganzes Stück von der Außenwand und überall arbeiteten Männer. Bald schon konnte sie Jack sehen wie er als ein Pirat verkleidet vor dem Schiff stand und mit der Kamera sprach. Ein Mann kam ihr entgegen und fragte wer sie sei und ob sie berechtigt wäre hier zu sein. Jack hatte ihr an der Rezeption eine Karte hinterlegen lassen, die sie nun dem Mann zeigte und er brachte sie auf einen Stuhl hinter das Set. Jack sah sie und zwinkerte ihr zu, musste aber weiterhin seinen Text runter rattern. Ifri fand das alles sehr spannend. Noch nie hatte sie so etwas gesehen und es war aufregend mitzubekommen, wie ein Film gemacht wird. Jack musste immer und immer wieder den gleichen Text sagen, jedes mal hatte der Regisseur etwas anderes daran auszusetzen und die Szene musste noch mal gedreht werden. So vergingen zwei Stunden, dann war der Regisseur endlich zufrieden und Jack eilte zu Ifri und fiel ihr um den Hals. Die anderen am Set sahen verwundert zu ihnen herüber, Ifri viel das auf und es war ihr peinlich."Du bekommst nicht oft Besuch, was?", sagte sie leise."Ne, nicht wirklich. Du siehst ganz schön beschissen aus wenn ich das mal so sagen darf." "Na super, ich freu mich auch dich zu sehen!" Jack lachte: "Ne, jetzt im ernst. Du solltest unbedingt mal was essen und am besten wir gehen gleich mal in das Wellnesscenter." "Du übertreibst. Mir geht es gut." "Du siehst aber nicht so aus. Deine Handgelenke sind so groß wie mein Daumen. Du bist doch nicht magersüchtig, oder?" "Um Gottes Willen. Ich trainiere immer noch. Daran wird es liegen." "Dann solltest du jetzt mal ein paar Wochen Urlaub davon machen. Komm, wir gehen was essen. Ich habe den Nachmittag frei und ab morgen muss ich dann nur noch bis um 12 arbeiten. Worauf hast du Lust?" Ifri überlegte. Gestern morgen hatte sie eine große Schüssel Cornflakes gegessen, danach hatte sie irgendwie wieder vergessen zu essen. Aber sie hatte auch keinen Hunger, jetzt wo Jack sie fragte wurde ihr übel als sie daran dachte."Ich weiß nicht, ich habe eigentlich gar keinen Hunger!" Jack grinsen schwand aus seinem Gesicht und er sah sie nun besorgt an."Heb mal dein Top hoch!" "Was?" "Na dein Top, damit ich mir mal deinen Bauch ansehen kann." Verwirrt sah sie ihn an, machte aber dann was er verlangte. Jack´s Augen weiteten sich und er schlug sich eine Hand vor den Mund."Was ist?" wollte Ifri wissen."Wann hast du das letzte mal in den Spiegel geschaut?" "Heute morgen, beim Waschen. . ." sie verstand nicht was er ihr sagen wollte."Nein ich meine richtig?" "Also. . . . ich habe keinen Ganzkörperspiegel zu hause. . . .", überlegte sie laut, aber ehe sie fortfahren konnte packte er sie am Arm und zog sie hinter sich her. Er schleifte sie in ein Zelt wo die Garderobe untergebracht war und stellte sie vor einen riesigen Spiegel. Dann schloss er das Zelt und sagte schroff: "Zieh dich aus." "Bist du übergeschnappt? Warum sollte ich?" "Schämst du dich? An deinem Körper ist nichts mehr wofür du dich genieren könntest!" Jack schien sauer zu sein. Verblüfft sah sie in den Spiegel. Eine junge Frau mit müdem Gesicht aus dem die Wangenknochen empor stachen und dicken Augenrändern sahen ihr entgegen. Ihre Arme waren wirklich dünn, aber sehr muskulös, Ifri fand das schön. Vorsichtig hob sie ihr Top hoch und betrachtete ihren Bauch. Er war eingefallen, die Rippen und die Hüftknochen bildeten eine Art Bergwand und im Tal lag ein sehr muskulöser Bauch in dem man jede Muskel deutlich sehen konnte. Sie war dünn, ja aber sie fand sich selber sportlich, nicht zu dünn. Verärgert drehte sie sich zu Jack um."Was soll das? Ich habe abgenommen, ja aber. . ." "Zieh dich aus!", sagte er unbeirrt. Nun beleidigt drehte sie sich zu ihm um, zog das Top über ihren Kopf, die Hose aus und stand in Unterhose vor ihm. Vernichtend sah sie ihn an, sein Blick wurde weich und bekümmert."Und jetzt schau dich an.", sagte er freundlicher. Ifri drehte sich um und schrak sogleich zurück. Vor ihr stand nun ein Wesen, dessen Oberkörper schlank und trainiert war. Aber ab dem Bauch verkrüppelte der Körper langsam. Die Beine waren mehr Stelzen die überall blaue Flecke, wunde Stellen und verhärtete Muskelbeulen hatten. Ihre Hüfte war nur noch mit Haut überspannt, kein Fleisch hielt sie von den Knochen fern. Plötzlich merkte sie einen stechenden Schmerz in den Beinen und im Bauch, Hunger brach in ihr aus wie sie es noch nie verspürt hatte und sie sank wimmernd zu Boden. Jack war sofort bei ihr und nahm sie in den Arm."Ich habe es nicht gemerkt, das musst du mir glauben. Ich habe es nicht gemerkt. . .", versuchte sie sich unter Tränen zu verteidigen."Das glaube ich dir. Aber jetzt ist erst mal schluß mit dem Training. Wir gehen erst mal was essen, ob du nun Hunger hast oder nicht und heute Nachmittag gehen wir in ein Schwimmbad, dort lassen wir uns massieren und du bekommst eine Maske oder so, ja?" Ifri war nicht mehr fähig etwas zu sagen. Sie konnte nicht glauben was sie gerade gesehen hatte, wie konnte es nur soweit kommen? Ihr Körper musste irgendwann aufgehört haben sie zu warnen. Sie verspürte weder Hunger, Durst, Kälte oder Erschöpfung. War das die Körperbeherrschung der die Yeshui versuchten Herr zu werden? Oder hatte sie es nur falsch eingesetzt? Angewidert vor sich selber zog sie sich wieder an und ging mit Jack los. Sie aßen bei Mc Donalds, Ifri bestellte sich vier Burger, eine große Cola, einen Salat und zwei Muffins."Das schaffe ich nie!" sagte sie als sie schließlich an dem Tisch auf ihr überfülltes Tablett hinabsah."Wenn nicht macht es nichts. Hauptsache du hast mal wieder Appetit. Hat Joona eigentlich nicht gemerkt was mit dir los ist? So was entgeht ihr eigentlich doch nicht?!" "Wir haben uns nur im Mix gesehen und da es noch etwas kälter war habe ich immer Pullis getragen." "Ach so. Also, hau rein!" Er wies mit einem charmanten Lächeln auf ihr Essen und Ifri begann die Burger in sich hinein zu schaufeln. Noch nie hatte irgendetwas so gut geschmeckt, und je mehr sie aß, desto größer wurde ihr Hunger. Tatsächlich schaffte sie alles auf und wollte schon aufspringen um sich noch was zu holen aber Jack hielt sie zurück."Wenn du noch mehr ist, dann wirst du gleich brechen und das ganze hat nichts gebracht." Enttäuscht setzte sie sich wieder und schlürfte an ihrer Cola."Du kennst dich aus mit Magersucht, nicht wahr?" "Meine Mutter ist daran gestorben. Sie hatte Bullemie.", sagte er trocken."Oh das tut mir leid. Das wusste ich nicht. Aber ich denke nicht das ich Magersüchtig bin. Ich war vernarrt in mein Training, das hatte nichts mit Figurproblemen zu tun." "Nein, das vielleicht nicht, aber du hast Esstörungen. Aber wenn wir jetzt einfach regelmäßig essen gehen werden wir das auch schnell wieder in den Griff bekommen." "Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich heute lieber nicht ins Schwimmbad gehen. Irgendwie schäme ich mich jetzt für meine Beine." "Na gut, und was schlägst du dann vor?" "Was hältst du von ner Runde joggen gehen?" Jack sah sie ungläubig an, erst hielt sie seinen Blick ernsthaft stand, dann begann sie zu lachen."War ein Scherz, ok? Ich bin ganz schön müde, also Kino oder so wäre nicht schlecht?" "Wir können ins Hotel uns einen Film ausleihen. Dann hocken wir uns auf die Couch und sehen uns solange Videos an bis wir einschlafen, ok?" Ifri nickte dankbar. Nun war sie froh bei Jack zu sein, er gab ihr ein Gefühl der Geborgenheit, nun, da sie ein Problem hatte was er kannte, hatte sie das Gefühl einen Teil der Last die sie mit sich schleppte auf ihn übertragen zu können. Sie sah Jack lange an und versuchte ihn mit Maho zu vergleichen, aber sobald sie an Maho dachte wurde sie traurig und verzweifelt, wogegen Jack sie aufbaute und sie sogar wieder lachen konnte wenn er bei ihr war.
Eine Woche später hatte Ifri bereits 4 Kilo zugenommen. Jack hatte ihr eine Wage gekauft und als sie das erste mal drauf ging zeigte das Zifferblatt klägliche 46 Kilo. Nun waren es schon 50, was weniger an dem guten Essen, sondern mehr daran lag, das Ifri nicht mehr trainierte. Wenn Jack morgens zum Dreh ging, verbrachte Ifri ihre Zeit damit in das hoteleigene Schwimmbad zu gehen, ihre überbeanspruchten Muskeln zu entspannen und sich massieren zu lassen. Langsam erlosch das Fernweh nach China, sie fühlte sich wohl, konnte sich immer schwerer vorstellen wieder mit dem Training zu beginnen. Jack hingegen war gut gelaunt wie immer, nachmittags sahen sie sich Frankreich an, schauten Fernsehen oder gingen einfach am Strand spazieren, er genoß Ifri´s Anwesenheit, lud sie jeden Tag zum essen ein, kaufte ihr Kleidung und Schuhe und las ihr jeden Wunsch von den Lippen ab. Eines abends, sie saßen wieder vor dem Fernseher, rief ein guter Freund von Jack an: "Hast du Zeitung schon gelesen?", sagte dieser ohne ein Wort der Begrüßung."Ne, sollte ich?" Jack war ein klein wenig überrumpelt. Wahrscheinlich würden wieder irgendwelche erfundenen Storys über ihn die Schlagzeilen machen."Na dann schau halt mal auf Programm 9 oder 7. So wie es aussieht sitzen wir ganz schön in der Scheiße." Jack runzelte die Stirn und schaltete auf Kanal 9. Ifri sah ihn verblüfft an, folgte dann aber interessiert der Nachrichtensprecherin die ernst in die Kamera blickte.". . . . und so hat die Australische und die Amerikanische Regierung beschlossen jeglichen Verkehr ab sofort zu untersagen. Weiterhin macht Afrika mobil um seine noch ausreichenden Ressourcen zu verteidigen. Europa will unparteiisch helfen soweit es geht aber ein Streit wird sich nicht länger vermeiden lassen. . . ." "Was soll das heißen?", sagte Jack verwirrt in den Hörer."Mein Gott, du bekommst auch gar nichts mit. Amerika und Australien, ein großer Teil von Asien und Südeuropa haben gestern bekannt gegeben das sie ihre Wasserressourcen beinahe aufgebraucht haben. Erdöl, Kohle und Salz sind so gut wie weg und das Ozonloch über Amerika ist riesig. Die Länder haben das bis gestern geheim gehalten, keiner weiß genau warum. Aber als sie sich dann gegenseitig um Hilfe gebeten haben standen alle ganz schön dumm da und das Ausmaß der Katastrophe ist erst zum Vorschein gekommen. Die Erde hat bald schon nichts mehr was sie uns geben kann. Wir haben alles verbraucht. Man redet davon das man auf Alternative mittel wie Feuer zum heizen und Fahrräder zur Fortbewegung nehmen soll, stell dir das einmal vor! Rush Houre in New York auf Fahrrädern! Komm zurück, diese Woche kannst du noch fliegen. Danach bestimmt nicht mehr." Jack starrte ungläubig auf den Fernseher wo man nun erklärte wieviel Wasser es noch auf der Erde gab und für wie lange es noch reichen würde."Ich rede mal mit den anderen. Ich denke ich werde dann jawohl zurück kommen! Bis dann!" Er legte auf."Sie sagen das es Unruhen überall gibt, nach der Bekanntmachung der Ressourcenknappheit muss eine Art Panik ausgebrochen sein.", stellte Ifri bedrückt fest."Ich dachte so was passiert erst wenn ich schon lange tot bin. Kann man da denn gar nichts machen? Was ist denn mit unseren brillanten Erfindern? Können die sich nichts einfallen lassen?" "Sie lassen sich bestimmt eine Menge einfallen, aber sie können auch nichts herzaubern. Wir sollten zurück nach Australien, sie sprechen davon das sie den kompletten Verkehr verbieten wollen. Können die das?" "Bestimmt nicht." Überlegte Jack."Überlege dir mal die Ausmaße an finanziellen Verlusten wenn es kein Verkehr mehr gibt." "Ich glaube mit Geld können wir bald Papierflieger bauen. Das wird schnell bedeutungslos wenn man davon nichts mehr kaufen kann!", sagte Ifri besorgt."Ich werde mich gleich mal um einen Flug nach Hause kümmern solange es noch geht." Er stand auf und ging zum Telefon. Ifri´s Magen zog sich plötzlich zusammen als sie an die Yeshui dachte. Sie wussten von all dem bestimmt nichts und wenn es wirklich so war, das es bald keinen Verkehr mehr gab, dann würde sie das Dorf, Paul, Liu, den Yeshui, Yinshe und Jotomo nie wieder sehen. An Maho wollte sie gar nicht denken."Warte!", sagte sie bestimmt. Jack hielt inne."Ich will nicht nach Sydney. Ich werde einen Flug nach Peking buchen." Jack sah sie fassungslos an."Ifri, bist du dir sicher? Denk mal darüber nach. Wenn es wirklich so schlimm ist und du bald nicht mehr fliegen kannst wird es verdammt lange dauern bis du wieder nach Hause kannst!" "Mein Zuhause ist nicht in Sydney. Wenn ich entscheiden muss wo ich den Rest meiner Tage lebe, dann ist es bei den Yeshui und nicht in Sydney." "Was ist mit deinen Eltern? Was ist mit Joona?", er überlegte kurz und fügte dann leise hinzu: "Was ist mit mir?" In Ifri´s Hals setzte sich ein Kloß. Aber für sie stand fest das sie nach China wollte. Nirgendwo anders hatte sie sich so wohl gefühlt. Jotomo hatte recht, sie gehörte dort mehr hin als irgendwo anders."Es tut mir leid. Ich habe mich entschieden. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm und sie machen nur alle verrückt. Aber wenn ich in Sydney bin und sich herausstellt das ich dort nicht weg kann, würde ich es mir nie verzeihen. Ich will zum Yeshui-Berg und nirgendwo anders hin." Ihre Stimme klang fest und entschlossen. Jack holte tief Luft."Dann komme ich auch mit nach China." Ifri sah erschrocken zu ihm auf."Was?" "Du hast recht mit dem was du sagst. Ich habe immer gesagt das ich irgendwann ganz dorthin will, wenn es nun an der Zeit ist, das zu entscheiden, dann will ich auch dorthin." "Allein?" "Wenn es sein muss?" Einen Moment lang sagte keiner etwas und beide starrten sich verzweifelt an. Ifri empfand für Jack eine aufrichtige Zuneigung. Aber immer wenn sie darüber nach gedacht hatte ihn zu küssen schweiften ihre Gedanken zu Maho und ihr wurde klar das es nur eine Frage der Zeit war, bis sie nach China und somit zu Maho gehen würde. Selbst wenn Maho derweil eine andere zur Frau genommen hatte würde sie allein zurückkehren um in seiner Nähe zu sein. Ifri stand auf und ging zu Jack."Ich weiß nicht ob es jetzt klug ist voreilige Entscheidungen zu treffen. Kannst du dir wirklich vorstellen alleine in deinem Haus in China zu leben? Vielleicht gibt es Krieg und vielleicht schon bald nicht mehr genug zu trinken? Fahr doch lieber nach Hause!" Jack sah nun betroffen zu Boden. Dann sagte er leise: "Wenn es bald kein Wasser mehr gibt, dann ist es in einer Großstadt wohl am schlimmsten. Außerdem werde ich bestimmt nicht lange alleine bleiben und wenn mir wirklich die Decke auf den Kopf fällt dann weiß ich schon zwei Orte wo ich hin kann um liebe Menschen zu besuchen. Ich will lieber meine letzten Blicke auf das Nebeltal, als auf die Wolkenkratzer in Sydney richten." Ifri nickte und versuchte zu lächeln. Ihr war unwohl bei dem Gedanken das Jack immer wieder im Dorf auftauchen konnte, anders herum konnte sie ihn nur zu gut verstehen. Sicher erwartete er das sie bei ihm im Haus wohnte. Aber das konnte sie nicht da sie wusste das Maho es nicht billigen würde und sie selbst würde es auch nicht für richtig halten."Ich werde nicht bei dir im Haus bleiben.", sagte sie vorsichtig."Nein, du wirst deine Ausbildung abschließen. Aber wenn es dir mal zu viel wird, kannst du ja immer zu mir komme. . . . ." "Jack." Sie unterbrach ihn ungern aber bestimmt."Ich gehe auch wegen Maho zurück. Die Dinge dort sind anders, das weißt du. Wenn sich meine Träume erfüllen und ich mit ihm zusammen sein kann, dann wird er es nicht billigen wenn ich zu dir gehe." Jack hielt ihrem Blick nicht mehr stand und sah verbissen zu Boden."Als du damals die Frage vorgelesen hast, bei dem Spiel, weißt du? Von wegen ob ich verliebt sei, da habe ich nein gesagt. Ich war mir dessen auch sicher und war es danach auch noch als du mir nach China gekommen bist. Aber als du vor zwei Wochen hier her nach Frankreich gekommen bist, da war ich mir auf einmal gar nicht mehr so sicher. Als ich gesehen habe was du aus deinem Körper gemacht hattest, tat es mir so weh das ich mich fragen musste ob es wirklich nur Freundschaft zwischen uns ist. Ich habe angefangen dich genau an zusehen um zu prüfen was ich dabei empfinde. Ich habe mich erschrocken als ich den Wunsch verspürte dich zu küssen, dich in den Arm zu nehmen und einfach bei dir zu sein. Aber ich habe genau so schnell gemerkt das du das nicht willst. Vielleicht wirst du mit diesem Maho ja glücklich. Aber vielleicht willst du irgendwann wieder mit mir reden oder was unternehmen. Ich weiß nicht was nun passiert und wie es weiter geht in unserer Welt, aber ich weiß das wenn es schlimm wird, ich in deiner Nähe sein möchte und in China." Ifri gab sich geschlagen. Er musste selber wissen was er tat, so lies sie ihn anrufen um zwei Flüge nach China zu buchen. Sie telefonierte den ganzen abend mit Joona, ihren Eltern und anderen Bekannten. Alle verstanden und respektierten ihren Entschluss. Im Fernseher lief mittlerweile nichts anderes mehr außer Berichte über die ersten Schätzungen, wie lange das Wasser noch reichen würde, Aufstände in vielen Länder, Plünderungen und Panik. Die NASA würde eine bemannte Raumfahrt starten um nach neuen Planeten oder vergleichbaren Ressourcen Ausschau zu halten. Nun war es klar. Die Lage war ernst und Jack und Ifri fuhren früh am morgen zum Flughafen, um einer der letzten Linienflüge der Welt zu erwischen. Am Flughafen herrschte schon jetzt großer Andrang. Die Arbeiter sahen müde und genervt aus. Viele Menschen standen an den Ständen der Reiseveranstalter und versuchten noch aus dem Land zu kommen. Aber Flüge nach Amerika, Afrika und China waren so gut wie ausgebucht. Jack holte die Tickets und sie gingen sofort durch die Sicherheitsschleusen um dem Gedränge zu entkommen. Drei Stunden später saßen sie im Flugzeug, Ifri froh es geschafft zu haben und Jack mit einer Ungewissheit, ob er das richtige getan hatte. Während des Fluges wurde die ganze Zeit über die Entscheidungen der Regierungen, der Uno und der NASA diskutiert. Man hatte beschlossen bis zum Ende des Monats alle Autos in riesige Sperrgebiete zu verschliesen. Man wollte die Eigentümer nicht enteignen, aber das Ozonloch musste riesig sein das man solche Angst hatte weiter hin Abgase in die Umwelt zu blasen. Es wurden Kilometer lange Zäune errichtet und durch ein großes Tor sah man die ersten Autos fahren, die hier nun für die erste Zeit sicher untergebracht werden sollten. Man versprach den Menschen die Autos würden an ihre Besitzer zurück gehen, sobald man die Lage im Griff hatte. Die Wasserleitungen sollten ab dem nächsten Monat nur noch einmal am Tag aufgedreht werden, man rief die Nation zum sparen auf. Die NASA verbot ab der nächsten Woche alle Flüge, weltweit um zu verhindern, dass das letzte Kerosin, das sie nur zu gut gebrauchen konnten, verschwendet wurde. Atomkraftwerke und andere große Konzerne mussten schließen, da man das Wasser, was sie zum kühlen oder zur Verarbeitung benötigten sparen mussten. Das bedeutete das es in vielen Ländern nur noch Stellenweise Strom gab. Jack verfolgte das alles angespannt und ungläubig. Ifri hingegen hörte kaum zu. Dort, wo sie hinging gab es eh keinen Strom, nur einen Fluß und keine Heizung.
Am Abend erreichten sie Jack´s Haus. In Peking herrschte schon totales Fahrverbot und so mussten sie eine ganze Strecke laufen, und teilweise wurden sie von Bauern auf Ochsenkarren mitgenommen. Eine große Bewegung fand statt, viele Menschen gingen auf das Land um zu ihren Verwandten auf den Bauernhöfen zu leben. Ifri beobachtete das skeptisch. Würden auch viele Menschen den Weg zu den Yeshui finden? Vielleicht war es gar nicht mehr das friedliche Dorf das sie verlassen hatte. Sie brachte Jacks Sachen noch in das Haus und wollte sich nun von ihm verabschieden."Was hast du vor?", fragte er verwirrt."Ich will gleich los. Ich kann es nicht mehr erwarten zurück zu gehen!" Ihre Augen funkelten und man sah ihr an das sie sich freute."Heute noch? Es ist gleich dunkel." "Das macht nichts, vor der Dämmerung werde ich schon bei Jotomo und bei Paul sein. Danach ist der Weg einfacher und ich kann ihn im Dunkeln gehen." Jack seufzte."Ich dachte du bleibst wenigstens noch über Nacht!" Ifri antwortete darauf nicht."Wenn du dich einsam fühlst wird Jotomo dich jeder Zeit mit offenen Armen empfangen, das weißt du. Ich werde bestimmt mal vorbei schauen. Mach es gut Jack!" Sie küsste ihn noch auf die Wange und eilte dann los. Sie wollte keine großen Abschiedsreden halten und sie wollte Jack nicht länger sehen, wie er sie anbettelte bei ihm zu bleiben. Sie waren mit offenen Karten her gekommen. Wenn er nun seine Entscheidung bereute, konnte sie nichts dafür. Aber zu ihrer Erleichterung grinste Jack ihr hinterher als sie sich noch mal umdrehte und winkte. Er liebte dieses Haus und war gerne, auch alleine hier. Er würde schon klar kommen. Langsam joggte sie los. Die Wochen Pause vom Training hatte ihr wenig geschadet. Immer noch leichtfüßig sprang sie den Berg am anderen Ende des Nebeltals nach nur einer Stunde wieder hoch. Sie konnte gerade noch in der Dämmerung den Tunnel sehen. Ihr Herz hüpfte, bald würde ihr Paul entgegenspringen und Jotomo würde sie gelassen ansehen und sagen "Das hat aber lange gedauert!" Sie preschte durch den Tunnel und sah die Tempelanlage im friedlichen Licht in dem Kessel liegen. Sie legte noch einen Zahn zu und erreichte endlich die Tür zur großen Halle. Wie es sich gehörte klopfte sie und blieb ungeduldig, aber ruhig vor der Tür stehen. Es gehörte sich nicht ohne einen Priester die Tempel zu betreten und heute viel es ihr besonders schwer auf einen zu warten. Dann hörte sie endlich Schritte und ein kleiner junger Mönch öffnete die Tür. Sie erkannte ihn, wusste aber seinen Namen nicht und verbeugte sich lautlos. Der Mönch lächelte und bat sie mit einer Handbewegung hinein und ging, wie es Ifri schien, endlos langsam durch die große Halle zu den Gärten. Dort angekommen wies er sie an hier zu warten bis er Jotomo geholt hatte und ging. Sie hörte wie eine Tür aufgeschoben wurde und sprang ungeduldig auf. Als erstes sah sie Paul der kurz prüfend stehen blieb, dann aber freudestrahlend auf sie zu gerannt kam. Er sprang an ihr hoch um ihr Gesicht zu lecken und riß sie mit seiner Wucht auf den Boden. Lachend versuchte sie ihn abzuwehren und kam nur mühselig auf die Beine. Als sie sich aufrichtete stand Jotomo vor ihr. Doch er lächelte nicht und sah sie finster an. Verwirrt verbeugte sie sich tief vor ihm und sah ihn dann abwartend an."Schlimme Zeiten kommen und deine Rückkehr ist nur ein schwacher Trost. Ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben das du in einer solchen Zeit den Weg hier her finden würdest." "Gerade in einer solchen Zeit gibt es keinen Ort an dem ich lieber wäre. Wie weit wisst ihr über die Dinge in der Welt Bescheid?" "Genug um zu wissen das es Krieg und Leid geben wird. Du solltest schnell zu den Yeshui gehen bevor sie in die Berge ziehen!" Ifri sah überrascht auf: "In die Berge?" Nun lächelte Jotomo leicht: "Nicht alles konnte Liu dich lehren wie ich sehe. Es gibt eine alte Höhlenschlucht in den Bergen bei Tse Fin. In äußerster Not gehen die Yeshui dort hin und finden dort Zuflucht. Kaum einer kennt den Weg und kaum einer würde ihn überstehen. Ich bin mir sicher, sobald die ersten Menschen bei den Yeshui um Asyl bitten, werden sie dorthin aufbrechen, wenn sie es noch nicht getan haben." "Wieso sollte jemand bei uns um Asyl bitten?" Ifri verstand die Welt nicht mehr."Wenn es in den Städten kein Wasser mehr gibt wird es fürchterlich stinken. In Peking leben was weiß ich wieviel Millionen. Stell dir vor, nur einmal am Tag wir das Abwasser weggespült. Es werden Krankheiten ausbrechen und Streit unter den Bürgern. Die, die das wissen flüchten jetzt schon und die Yeshui werden nicht bereit sein all denen eine Unterkunft zu geben, die sonst keine Zuflucht haben." "Woher wisst ihr das alles? Ich meine erst seit zwei Tagen wurde bekannt das die Welt aufgebraucht ist und ihr habt keine Mittel woher ihr solche Informationen beziehen könntet!" "Als du fort bist ist Maho ebenfalls fort. Gestern kam er hier vorbei und erzählte mir das, was er unterwegs gehört hatte, er eilte zu seinem Dorf zurück, das solltest du auch tun. Sie brauchen nun jeden Mann und jede Frau. Eile, Maho war in Sorge und wird schnell sein Dorf dazu überredet haben zu den Tse Fin Bergen zu ziehen. Den Weg dorthin kann ich dir nicht sagen.", schloss Jotomo bedrückt."Kommt doch mit! Wer weiß was man alles mit eurem Tempel anstellen würde, wenn man ihn findet. Viele werden hier Zuflucht suchen. . ." Jotomo unterbrach sie mit einer Handbewegung."Das ist der Sinn dieses Tempels, für diesen Zweck, um Reisende und Flüchtende Unterkunft zu bieten, wurde er gebaut. Es ist für mich und meine Brüder eine Ehre dieser Aufgabe noch mal nach zukommen. Und jetzt beeil dich. Ich habe ein ungutes Gefühl!" Ifri sah sorgenvoll auf Paul der nun bedrückt schien. Auch er merkte das etwas nicht stimmte und unterdrückte seine Freude Ifri wieder zu sehen. Sie holte tief Luft, ließ es sich aber nicht nehmen Jotomo noch einmal um den Hals zu fallen und rannte dann los. Paul folgte ihr, still und wachsam.
6
Paul eilte voraus als sie den Weg zum Dorf einschlug und Ifri folgte ihm mit geschlossenen Augen. Sie hatte jetzt Seitenstiche bekommen aber sie ignorierte sie. Jotomo hatte ihr Angst gemacht und sie eilte so schnell sie konnte zum Dorf. Paul bog nach Links ab und Ifri wusste nun das sie den Yeshui erreicht hatte. Sie machte die Augen wieder auf, aber es war bereits stock dunkel. Sie erreichten das Waldende mit der Hügelwiese dahinter, noch ein Hügel weiter und- Ifri sackten die Knie weg und sie starrte fassungslos und wie betäubt auf das Dorf, was nun dunkel und verlassen vor ihr lag. Sie waren weg. Die Yeshui waren weg. Tränen der Enttäuschung rannten ihr die Wangen hinunter. Langsam stand sie wieder auf und ging zu Lius Haus. Alle Möbel standen noch auf dem selben Platz, aber die ganzen Persönlichen Dinge waren weg. Schluchzend wollte sie sich gerade wieder auf den Weg zu Jotomo machen, als ihr auffiel das Paul weg war. Er war ihr nie von der Seite gewichen, wo sollte er jetzt auch hin. Ängstlich rief sie ihn. Tatsächlich gab er laut, aber es klang sehr weit weg, von unten am Fluß. Neugierig ging sie hinunter und sah in der Dunkelheit, wie Paul auf der anderen Seite an etwas schnupperte."Was hast du da? Und wieso bist du auf die andere Seite gegangen?" rief sie. Paul reagierte aber nicht und schnupperte verbissen weiter. Irgendetwas schien ihm keine Ruhe zu lassen. Ifri versuchte was zu erkennen, aber es war zu dunkel. Kurzerhand nahm sie Anlauf und sprang in den Fluß, schwamm ein paar Meter und kletterte am anderen Ufer wieder hinaus. Es war recht frisch, aber auszuhalten, sofort ging sie zu Paul um zu sehen was er dort hatte. Trotz der Dunkelheit sah sie einen tiefen Fußabdruck der im weichen Ufergras hinterlassen wurde. Daneben lag ein Kamm aus Jade. Yinshe besaß so einen Kamm und ihr Herz flackerte auf."Paul, kannst du riechen wo sie sind? Such Paul! Wo sind sie?" Paul sah sie erst fragend an. Dann steckte er seine Nase wieder auf den Boden, witterte einmal in der Luft und preschte los. Ifri war überwältigt und raste lachend hinter ihm her."Super Paul! Such sie! Wo sind sie?!" Er jagte durch die Felder der Yeshui und am Ende der Ebene wieder in den Wald hinein. Ohne an ihrem Begleiter zu zweifeln rannte sie ihm guter Hoffnung hinter her. Er führte sie in bergiges Gebiet, teilweise ging es steil hoch, teilweise spürte sie die frische Höhenluft. Paul schien sicher einer Fährte zu folgen, an einer Stelle, kurz vor einer Schlucht die man in zwei Richtungen entlang laufen konnte hielt er inne, witterte in der Luft und winselte unsicher umher. Ifri gab ihm Yinshes Kamm um den Geruch wieder aufzunehmen, aber er interessierte sich gar nicht dafür. Immer wieder lief er hin und her, schnupperte und winselte nervös. Im Osten sah Ifri wie sich der Himmel rot färbte, die Sonne würde bald aufgehen. Sie hatte keine Ahnung mehr wo sie war, selbst den Rückweg würde sie nicht finden. Sie musste sich auf Paul verlassen. Plötzlich raste der wieder davon, Ifri musste sich ran halten ihn nicht zu verlieren. Sie mussten mittlerweile fast 6 Stunden unterwegs gewesen sein. Ihre Beine taten weh und immer wieder musste sie Paul zurück rufen um ihr eine kleine Pause zu gönnen, in der sie gehen konnte. Bald wurde das Land anders, das Gras wurde knochiger und rauher, dafür aber auch weniger. Überall sah sie in der Dämmerung nun große Felsbrocken liegen, Paul führte sie erneut einen steilen Berg hoch. Eine ganze Zeitlang spürte sie noch Gras und Moos unter ihren Füßen, dann trat sie auf nackten Fels der nicht enden wollte anzusteigen. Sie konnte das Ende immer noch nicht sehen aber sie schätzte das sie nun fast eine Stunde diesen Berg anstieg, als die Sonne aufging und um sie herum alles hell wurde. Sie musste schlucken als sie hinunter sah. Eine fast ebene Wand viel steil nach unten. Keine Felsen, keine Bäume, gar nichts. Über ihr sah es genauso aus, den Berg den sie nun erklomm war der erste des Kishu Gebirges. Ein mächtiges Bild das sie nur kannte, da man es bei gutem Wetter vom Dorf aus sehen konnte. Zweifel stiegen in ihr auf. Jotomo sprach vom Tse Fin Gebirge, nicht vom Kishu, hatte Paul sich geirrt? Wie weit mussten die anderen ihr voraus gewesen sein das sie ,sie trotz ihres guten Tempos nicht eingeholt hatte? Sie versuchte den Gipfel des Berges auszumachen, sah ihn aber nicht. Paul kletterte zielstrebig vor ihr her, nun zögernd folgte sie ihm. Vielleicht konnte sie etwas sehen wenn sie den Gipfel erreicht hatte und es ganz hell war. Fast dösend folgte sie immer weiter dem Hecheln ihres Hundes, ihre Füße fanden sicheren Halt, so wie auf dem Yeshui, aber darüber machte sie sich keine Gedanken sondern versuchte Kraft zu tanken in dem sie ihre Gedanken schweifen lies. Nach weiteren 2 Stunden, sie war in eine Art Trance wurde sie aus ihren Gedanken gerissen als sie mit den Füßen Paul berührte, der jetzt vor ihr zum stehen gekommen war. Sie riss die Augen auf und bekam eine Gänsehaut als sie sah das sie den Gipfel erreicht hatte. Vor ihr lag eine Schneebedeckte Landschaft, die aus Berggipfeln bestand, die über die Wolken ragten. Es war ein bewegender Ausblick, selbst Paul verharrte einen Moment und betrachtete das Panorama vor ihnen. Als sie sich umdrehte sah sie, wie weit oben sie war. Winzig klein konnte sie die Bäume und Sträucher auf der Ebene unter ihr sehen, weiter hinten den Wald und schließlich den Yeshui-Berg."Wir müssen zusehen das wir bald auf Wasser stoßen mein Freund. Und was zu essen wäre auch nicht schlecht, oder?" Paul legte den Kopf schief und hechelte sie an."Weiter, wir dürfen keine Zeit verlieren, ich weiß nicht wie weit der Weg noch ist. Such Paul. Wo sind sie?!" Paul streckte seine Nase wieder zu Boden und lief einmal im Kreis. Dann wedelte er mit dem Schwanz und lief wieder los. Diesmal nicht ganz so schnell. Er blieb zunächst auf dem Gipfel, lief Richtung Westen und dann den Berg wieder hinunter. Der Abstieg war einfacher, die Oberfläche war nicht so glatt und sie hatten sicheren Halt unter den Füßen. Nach nur einer Stunde erreichten sie eine Art Schlucht und der Boden wurde eben. Hier standen Bäume und hohes Gras und nach ein paar Metern hörte Ifri zu ihrer Erleichterung einen Bach plätschern. Dort angekommen machten sie Pause und stillten ihren Durst. Paul wurde schnell ungeduldig und schnüffelte schon wieder herum. Als Ifri den Bach übersprang um Paul zu folgen sah sie wieder einen Fußabdruck im Bachbett. Er war kleiner als der erste den sie am Fluß im Dorf gesehen hatte, aber viel konnte sie nicht damit anfangen. Das Spurenlesen war noch nicht Teil ihrer Ausbildung gewesen, sonst hätte sie mit Sicherheit gewusst wie alt der Abdruck gewesen war. Wie auch immer, Paul verfolgte also ein Fährte. Das sie von den Yeshui war konnte sie nur hoffen. Motiviert folgte sie Paul, der nun wieder an Tempo gewann, durch die Stille Schlucht. Sie führte aus dem Gebirge hinaus in einen weiteren tiefen Wald. Die Kronen ließen kaum Licht hindurch und die Luft hier war drückend und unangenehm. Nach zwei Stunden hatten sie auch wieder den Wald hinter sich gelassen. Ifri hatte im Gehen ein paar Pilze, Beeren und mehrere Vogeleier gesammelt. Sie wollte an dem nächsten Bach Pause machen und etwas essen. Selbst Paul wurde langsam müde und kaute ab und zu an einem Grashalm. Gegen Mittag sah Ifri in der Ferne etwas Glitzern. Sie hoffte das es ein Fluß oder ein Bach sei, konnte es aber noch nicht ausmachen. Paul hielt direkt darauf zu, wedelte mit dem Schwanz und wurde schneller. Ifri hatte nun Mühe ihm zu folgen. Sie war sehr müde und sie hatte Hunger. Tatsächlich stand sie plötzlich vor einem großen See aus dem Paul bereits gierig soff als sie ihn erreichte. Sie hatte nie gehört das es hier Seen gab, freute sich aber über das frische Wasser und steckte ihre angestrengten Beine ein wenig hinein. Die Yeshui mussten zwei Tage vor ihr aufgebrochen sein, sonst hätte sie, sie bestimmt schon eingeholt. Sie sah sich nach Feuerholz um und machte sich daran ihr kleines Mittagessen zu zubereiten, in dem sie einen flachen Stein als Pfanne nahm. Paul wäre ein Stück Fleisch freilich lieber gewesen, aber das vegetarische Mahl nahm er dennoch dankbar an. Ifri löschte das Feuer und verbuddelte die Feuerstelle. Wenn die Yeshui Wert darauf legten das niemand das Dorf in den Tse Fin Gebirge fand, wollte sie keine offenen Spuren hinterlassen. Dennoch entschied sie sich ein wenig zu schlafen. Auch Paul legte sich neben sie und schlummerte schnell ein.
Sie konnte nicht länger als drei Stunden geschlafen haben als sie von Vögeln geweckt wurde, die sich über dem See stritten. Verblüfft sah sie zwei große Adler oder Bussarde, das wusste sie nicht genau, die immer wieder schreiend auf ein ander zuflogen und sich mit den Krallen schlugen. Einer der beiden musste noch jung sein, das sah sie an den grauen Daunen, die unter seinem braunen Gefieder lugten. Sie suchte ein Weibchen, das Grund für den Streit war, aber sie fand keins. Vielleicht ging es auch um ihr Revier. Gespannt sah sie dem Schauspiel zu und bewunderte die großen Tiere, die sich mühelos in der Luft bewegten. Erneut rasten sie im Sturzflug auf einander zu, doch plötzlich riß der ältere wieder hoch und ließ sich beinahe wie tot auf den nun überraschten Jungvogel fallen. Er schrie fürchterlich auf und versuchte seinem Angreifer abzuwehren, aber dieser krallte sich mit seiner Klaue an den Wanst des Jungen, riß ihn herum und ließ ihn schließlich leblos auf den See fallen. Ifri sah wie der Körper beinahe lautlos ins Wasser fiel und dachte das Tier sei tot, als der Vogel anfing zu strampeln und nach Luft schnappte. Ca. 100 Meter vor ihr kämpfte das große Tier um sein Leben, kam aber nicht mehr hoch und strampelte fürchterlich schreiend umher. Ifri bekam eine Gänsehaut und wollte weiter. So war die Natur eben. Der Stärkere gewann, aber das Tier schrie so fürchterlich, fast wieder wie ein Küken, das Ifri es nicht mehr ertragen konnte. Entschlossen zog sie ihre Schuhe und ihre Sachen aus und sprang ins Wasser. Nach wenigen Minuten erreichte sie das Tier, das mittlerweile still und ängstlich auf sie wartete. Sie hatte vorgehabt ihm den Hals umzudrehen, um ihm seine Qual zu nehmen aber nun war sie unmittelbar vor diesem riesigen Vogel, der sie ruhig und unsicher ansah. Es musste denken, Ifri sei ein Tier das ihm nun den Gar ausmachte und fügte sich still seinem Schicksal. So sehr sie sich auch anstrengte, sie brachte es nicht über das Herz diesen elegantem Tier das Leben zu nehmen, wie damals bei dem Hirsch. Er hatte so bitter gekämpft und sein Leben schien so jung zu sein. Vorsichtig legte sie eine Hand an seine Klauen die unter Wasser zappelten. Das Tier pfiff leise, dann drückte sie ihn so weit es ging vor sich her, Richtung Ufer. Sie hatte gehörigen Respekt vor seinem Schnabel, der beinahe so groß wie ihre Hand war. Er musste eine Spannweite von fast 2 Metern gehabt haben, also schlußfolgerte sie, das es ein Adler aus den Bergen war. Sie erreichte seichtes Gewässer und konnte stehen. Der Vogel bewegte sich immer noch nicht, vorsichtig prüfte sie die Schwingen mit ihren Fingern nach gebrochene Stellen. Aber sie waren geschmeidig und eben, die Flügel schienen ok zu sein, aber die untere Seite seiner Schulter nicht. Dort klaffte ein großes Loch im Gefieder und sie sah Blut. Weiter unten am Bauch sah man eine weitere Verletzung, dort, wo ihn der Andere gepackt haben musste. Vorsichtig schob sie ihn immer mehr zum Ufer und versuchte ihn schließlich hoch zu heben. Er wog mindestens 40 Kilo, was auch an dem nassen Gefieder lag. Schlaff hängend ließ er alles mit sich geschehen. Paul stand neugierig am Ufer und sah den beiden zu, wie sie nun aus dem Wasser kamen."Paul, du wirst ihn schön in Ruhe lassen.", sagte sie streng, aber Paul schien gar nicht dem Tier zu Leibe rücken zu wollen, sondern sah zu wie Ifri ihn vorsichtig auf den Boden setzte. Eine Klaue schien gebrochen zu sein, mit der anderen versuchte der Adler halt zu finden, brach aber erschöpft zusammen."Und was jetzt? Soll ich ihn schlachten und du bekommst eine Mahlzeit? Oder sollen wir ihn einfach hier lassen?" Paul rümpfte die Nase und schnaubte laut aus."Was sonst? Sollen wir ihn mitnehmen? Er ist sehr schwer und wahrscheinlich überlebt er den Marsch nicht." Paul sah sie nun vorwurfsvoll an. Aber Ifri kämpfte viel mehr mit sich selber. Jetzt hatte sie diesen Vogel schon aus dem Wasser geholt, jetzt konnte sie ihn doch nicht einfach hier liegen lassen? Aber umbringen konnte sie ihn nun auch nicht mehr. Sie seufzte: "Na da hab ich mir ja wieder was angelacht. Ich kann ja versuchen ihn ins Dorf zu bringen." Entschlossen zog sie ihre Hose wieder an. Zum Glück hatte sie ein Top und eine leichte Jacke angehabt, das Top zog sie an und die Jacke band sie um den Rumpf des Vogels. Dieser wehrte sich immer noch nicht, auch nicht, als sie die Jacke fest zu zog. Das hatte zwei Gründe. Erstens, die Jacke diente als Verband für die Wunden, zweitens, durch die Jacke konnte er nicht mit seinen Flügeln schlagen wenn sie ihn mitnahm. Dann suchte sie einen Stock, riß ein Stück von ihrem Schnürsenkel ab und schiente die gerochene Klaue damit. Nun stöhnte der Vogel, aber er ließ Ifri weiter machen. Dann nahm sie das große Bündel unter den Arm und hielt mit der freien Hand das gebrochene Bein an ihren Körper."Also gut Paul. Jetzt brauchen wir noch einen Namen. Ich finde Minar sehr schön. Was meinst du? Also schön, Minar heißt er. Such Paul, wir müssen weiter!" Paul nahm die Fährte wieder auf und ging langsam weiter. Ifri ging ihm nach, Minar bewegte sich nicht. Gegen Abend erreichten sie einen Wald. Ifris Arme waren taub von der Last des großen Adlers, aber sie hielt verbissen durch. In der Dämmerung stieg der Weg an und sie hoffte inständig, das sie nun endlich das Tse Fin-Gebirge erreicht hatte. Aber als es dunkel war musste sie aufgeben. Sie suchte einen flachen Platz, setzte den Vogel ab und schlief beinahe auf der Stelle ein. Paul drückte sich fest an sie und ließ Minar dabei keinen Moment aus den Augen. Der Vogel schien ebenfalls erschöpft und lies seinen Kopf mit geschlossenen Augen auf den Boden sinken.
Ein schriller Schrei riss sie aus dem Schlaf. Verwundert stellte sie fest, dass es bereits hell war. Minar hatte sich auf seiner einen Klaue aufgerichtet und sah sie misstrauisch an. Paul blieb gelassen neben Ifri liegen."Guten morgen ihr beiden. Ich habe wohl etwas verschlafen." Sie kraulte Paul am Kopf und stand auf. Ihr Rücken schmerzte von dem harten Bett. Vorsichtig näherte sie sich Minar, der versuchte auszuweichen, aber ohne Flügel und mit nur einer Klaue landete er schnell auf dem Boden. Sie nahm ihn vorsichtig hoch und musste sich auf die Zähne beissen um nicht zu schreien als Minar seinen Schnabel, der einem scharfen Messer glich in ihren Arm bohrte. Beinahe hätte sie ihn fallen lassen, aber sie drückte ihn an sich, löste seinen Schnabel und setze ihn langsam wieder auf den Boden. Vorsichtig betrachtete sie ihren blutenden Arm. Die Wunde war tief, aber sauber. Sie sah sich um und entdeckte einen Strauch dessen Äste dünn wie Spinnenbeine waren. Sie brach einen ab und band ihn Minar um den Schnabel. Der Vogel schien davon gar nicht begeistert zu sein und fauchte, aber davon ließ Ifri sich nicht irritieren."Wenn du so einen Mist machst bist du selber schuld.", fauchte sie zurück. Dann suchte sie sich Moos, wusch es und legte es sich auf ihre Wunde. Schließlich band sie mehrere dünne Äste dort herum, nahm Minar wieder hoch und gab Paul den Befehl zu suchen. Es durfte nicht mehr lange dauern, sonst musste sie den Adler zurück lassen. Desweiteren brauchten alle drei etwas in die leeren Mägen. Paul stieg den Berg an. Gegen Mittag verschwand der Wald und wieder kletterte sie nackten Fels hoch, dann wich Paul plötzlich nach Osten ab und ging auf halber Höhe um den Berg herum. Dann bellte er laut auf und preschte auf einen großen Stein zu. Wie wild versuchte er unter den Stein zu buddeln, aber seine Tatzen kratzen auf Stein. Verwundert betrachtete Ifri den Stein. Darunter konnte kein Tier sein, dafür stand er zu flach auf dem Boden. Aber plötzlich entdeckte sie eine winzige Rune. Es war das Zeichen für Heim. War das ein Zeichen der Yeshui? Sie setzte Minar ab und suchte nach einer Vertiefung, aber der Stein war eben. Hilflos sah sie sich um als sie einen langen Ast sah, der einfach so hier oben herum lag. Daneben stand ein kleiner Baumstumpf. Sie überlegte angestrengt was das hier zu suchen hatte, dann viel es ihr wie Schuppen von den Augen und erkannte, das es sich um Hebelwerkzeug handelte. Sie positionierte den Stumpf, steckte den Ast zwischen Stumpf und Stein und hebelte tatsächlich den großen Stein ein Stück bei Seite. Darunter befand sich eine Art Treppe, es wurde stock finster. Mit einem gemischten Gefühl aus Angst und Freude stieg sie hinab, setzte Minar abermals ab und versuchte den Stein wider zurück zu schieben. Wenn sie hier entlang zu den Yeshui kommen sollte, dann würden man sie verachten wenn sie offene Zeichen der geheimen Stadt liegen ließ. Aber ohne Hebel war es beinahe unmöglich den Stein zu bewegen, erst recht nicht von unten. Sie versuchte es immer und immer wieder und sank schließlich am Ende ihrer Kräfte zusammen. Ihr Arm blutete jetzt sehr stark, aber Ifri beachtete ihn gar nicht und versuchte nun sich unter dem Stein so zu positionieren, das sie ihn mit den Beinen verschieben konnte. Sie lag halb auf dem Rücken und fand tatsächlich mit ihren Füßen halt um den Stein weg zu schieben. Mit aller Kraft presste sie ihre Beine gegen den Stein, langsam knarrte er und bewegte sich Zentimeter für Zentimeter. Es dauerte endlos lange bis sie ihn so weit verschoben hatte, das nun völlige Dunkelheit in dem Gang herrschte. Sie tastete nach dem Vogel, hob ihn auf und hielt sich mit der anderen Hand an der Wand um den Gang folgen zu können. Dann befahl sie Paul bei Fuß zu gehen damit sie ihn spürte wenn er sie führte. Langsam ging es so voran. Der Gang war hoch, dennoch stieß sie immer wieder an Steine die herab hingen. Fast eine Stunde führte Paul sie so weiter in den Berg hinein. Ifri verlor jede Orientierung und musste sich bald ganz auf Paul verlassen. Sie spürte wie ihr Blut aus der Wunde über den Arm floß, bald wurde ihr schwindelig und sie taumelte mit letzter Kraft hinter Paul her. Der Gang schien kein Ende zu nehmen, aber Paul ging immer weiter. Minar wurde immer schwerer, Ifri fing an zu keuchen und zu schwitzen. Sie verlor zu viel Blut, aber der Gedanke, hier mitten in einem Berg zu sterben ließ sie weiter gehen, bis sie einen Windzug auf ihrem Gesicht spürte. Paul ging um eine Ecke und dann sahen sie Licht. Mit letzter Kraft schleppte sie sich aus der Öffnung, ließ Minar langsam zu Boden und verlor dann das Bewustsein. Paul bellte nervös, aber seine Besitzerin regte sich nicht mehr. Er horchte auf und prescht in das Tal, das sich nun vor ihm erstreckte hinab. Maho erklärte gerade einem Jungen wie er sein Schwert zu halten hatte als dieser erfreut aufschrie: "Paul!" Maho drehte sich ungläubig um und sah den Wolf über ihm an einem Abhang stehen. Als er Maho erblickte finge er wie wild an zu bellen und drehte sich auf der Stelle."Ifri!" zischte er und rief nach Liu. Beide rannten dem Wolf entgegen der nun umdrehte und wieder zu dem Tunnel preschte. Als sie den Berg erklommen hatten sahen sie Ifri leblos auf dem Boden liegen. Neben ihr einen großen jungen Tse-Adler, mit einer Jacke um den Bauch gebunden, ein Bein geschient und den Schnabel verbunden. Maho hielt den Atem an und raste los. Er nahm Ifri hoch, sah wie blass sie war und die blutende Wunde an ihrem Arm, kümmerlich mit Moos verbunden. Sofort nahm er sie auf seine Schulter, Liu nahm respektvoll und vorsichtig den Adler und so gingen sie wieder hinab in das Tal, zur alten Höhlenstadt im Tse-Fin Gebirge.
Langsam kam ihr Bewusstsein zurück. Ihr ganzer Körper schmerzte und sie war müde, so müde. Sie versuchte die Augen zu öffnen, schaffte es aber nicht. Eine fremde Hand strich ihr die Haare nach hinten, sie war groß und rauh. Ifri versuchte zu lächeln, dann schlief sie abermals ein.
Ein Brennen in ihrem Hals riß sie aus ihrem Schlaf, sie hatte eine bittere, stark alkoholische Flüssigkeit im Rachen und sie musste gleich anfangen zu husten. Jemand richtete sie auf und der Hustenkrampf verging. Benommen schlug sie die Augen auf. Als erstes sah sie Yinshe, die ihr besorgt aber etwas erleichtert entgegen lächelte."Da bist du ja wieder!", sagte sie nur. Sie merkte wie jemand hinter ihr kniete und sie stützte."Wieso machst du auch so dämliche Dinge?" Lius Stimme erklang hinter ihr. Langsam setzte sie sich ganz hin und überprüfte innerlich ihren Körper. Ihr Arm pochte und sie sah das er sauber und gut verbunden war. Ansonsten fühlte sie sich nur etwas müde aber gut. Sie war gewaschen worden und ihre Haare fielen ihr seidig ins Gesicht. Yinshe hatte also wieder ihr Hände an Ifri walten lassen. Sie lächelte nun beide dankbar an."Ich habe gedacht ich schaffe es nicht. Ich bin so froh euch zu sehen." "Woher wusstest du den Weg? Und warum hast du den Adler mitgebracht?" Liu war neugierig."Ich wusste den Weg nicht, Paul hat mich geführt, er musss euch gewittert haben. Minar, den habe ich an dem See einen Tag von hier gefunden. Er ist verletzt und ich konnte ihn nicht sterben lassen, er war noch so jung. Lebt er noch?" "Oh ja und er hält das ganze Dorf auf Trab. Wir haben seine Wunden so gut es ging versorgt, davon war er aber weniger begeistert. Hat er dich gebissen?" "Ja, ich war unachtsam. Einen Moment lang hatte ich vergessen das er wild ist. Kann ich ihn sehen? Wo ist Paul?" "Draußen bei den Kindern, wo sonst. Komm, ich zeige dir deinen Minar!" Liu half ihr auf. Vergnügt stellte sie fest das sie eines ihrer Kleider der Yeshui trug. Es war ihr Lieblingsgewand, die weite schwarze Hose mit der roten Bluse. Erst jetzt sah sie, das sie in einer Höhle war. Überall standen Fackeln die Licht spendeten. Mehrere Matratzen lagen auf dem Boden und an einem kleinen Tisch lagen Sitzkissen."Habt ihr alles hergeschafft?", fragte sie erstaunt."Nein. Einmal im Jahr gehen ein paar Männer von uns hier her um alles in Ordnung zu halten. Auch einer der alten Bräuche, die sich mal wieder als nützlich erwiesen haben." Sie traten aus der Höhle in eine Art Schlucht. Überall waren kleine Eingänge in die Felswände zu sehen, manche waren nur mit Strickleitern zugänglich, andere lagen direkt, wie Liu´s Höhle am Erdboden. Ifri blickte sich erstaunt um."Ihr seid schon ein Volk voller Überraschungen. Sind die alle von Natur aus so? Oder habt ihr sie gebaut?" "Sie wurden zum größten Teil in die Wände gehauen. Aber kommt mit, das beste kennst du noch gar nicht!" Er führte sie die Schlucht entlang, auf beiden Seiten lagen beleuchtete Höhlen, aus manchen kamen leise Gesänge die, die ganze Schlucht mit einer spirituellen Macht füllten. Sie gingen bis zu einer großen Felswand. Hier wurde die Schlucht unterbrochen und sie mussten nach links schwenken, über eine kleine Brücke die über einen schnell fließenden Fluß führte und standen vor einer Höhle die in einen großen Berg führte. Der Eingang war reich verziert mir Runen die golden im warmen Fackellicht glänzten. Liu wies sie an vor zu treten und sie ging hinein. Erst kam ein langer Gang auf dessen Wänden viele Bilder gemalt waren. Die Schatten ließen sie tanzen und man hatte das Gefühl man würde eine andere Welt betreten. Männer in Rüstungen und kämpfende Heere waren abgebildet. Ifri ging langsam um viele dieser Bilder genauer zu betrachten."Hier ist die Geschichte unseres Volkes aufgeschrieben. Verewigt im uralten Gestein des Tse-Fin-Gebirges. Aber gehe weiter, dies ist der Eingang zur Höhle von Jakuto." Ifri stockte. Jakuto war der Anführer der Yeshui. Sie durfte ihn bisher nicht sehen, da es fremden Verboten war ihn zu Gesicht zu bekommen. Im Dorf hielt er sich immer in seinem großen Haus auf, wenn er hinaus ging verschleierte er sich, so das man sein Gesicht nie sehen konnte. Ein uralter Brauch den die Yeshui immer noch pflegten. Es war, damit man ihn nicht als den Anführer im Kampf erkennen konnte. Und jetzt betrat sie seine Höhle? Sie verstand die Welt nicht mehr aber Liu schob sie bestimmt vor sich her. Sie betraten einen großen Raum. Sie war komplett mit verschnörkelten Säulen und Wänden behauen. Der Boden war mit roten Teppich ausgelegt und es roch angenehm. Die Möbel die hier standen waren aus dunklen Holz und mit roten Samt überzogen, auf einem großen Sessel saß ein großer Mann, dessen Haare schon grau wurden und starrte sie finster an. Ifri senkte demütig den Kopf und blieb wie angewurzelt stehen. Vor ihm zu stehen brachte ihr große Scham. Er war der Vater von Maho, wusste er von ihren Gefühlen? Es war als ob er direkt durch sie hindurch sah, das konnte Maho auch. Immer noch überlegend was sie sagen sollte sah sie plötzlich zwei Füße die vor ihr standen. Lautlos war der Anführer zu ihr gekommen und hob jetzt ihr Gesicht am Kinn hoch. Er sah sie lächelnd und freundlich an. Ifri versuchte sein Lächeln zu erwidern aber mehr als eine Grimasse brachte sie nicht zu stande."Du bist also Ifri. Man erzählte mir viel von dir und ich bin nun gewillt dich zu empfangen aus mehreren Gründen. Du unterwirfst dich Liu damit er dich ausbildet. Du bringst die Menschen in unserem Dorf zum lachen und alle reden gut von dir. Dein Begleiter ist ein Yeho, was ungewöhnlich genug ist, dann schaffst du es tatsächlich uns bis hier her zu folgen, verschiebst alleine den Stein am Eingang des Tunnels und bringst uns einen Tse-Adler mit. Weißt du das es für unsere Ahnen eins der heiligsten Tiere überhaupt war? Sie galten lange als ausgestorben und wir sind froh das du einen von ihnen hergebracht hast, das wir unsere schützenden Hand über ihn halten können. Meine liebe Ifri, das ist mehr als genug um dich zu empfangen. Ich möchte dir etwas geben." er drehte sich um und ging in eine Nische. Ifri hatte die ganze Zeit während er redete wie gebannt auf seine Lippen gestarrt und nur wenig verstanden, was er ihr sagen wollte. Sie fühlte sich zu tiefst geehrt und wusste kaum wie sie sich verhalten sollte. Jakuto kam wieder und hielt ein dünnes, leicht gebogenes Schwert in einer Ledernen, glatten Scheide in der Hand."Das ist das Schwert, was für meine Tochter Lakio gedacht war, bevor sie im Kindesalter von uns gegangen ist. Nun, es ist zu schön und zu gut als das es weiterhin vor sich hin rostet und ich dachte dies als Geschenk, für deine bestandene Ausbildung." Ifri´s Knie wurden weich und sie sah hilflos zu Liu, der sich aber nicht bewegte."Deine Ausbildung ist bei weitem noch nicht beendet, aber es kommen Zeiten auf uns zu, von denen keiner weiß wie er sie einschätzen soll. Manche sagen es wird gefährlich, manche sagen es ist harmlos. Für den Fall das es gefährlich wird, leihe ich dir dieses Schwert. Mit dem Tag, an dem du deine Ausbildung beendest soll es ganz dir gehören. Halte es in Ehren und es wird dich beschützen. !" Nun lächelte er wieder, drehte sich um und verschwand in einen Teil der Höhle den man nicht sehen konnte. Ifri verbeugte sich immer wieder und Liu musste sie auffordern zu gehen damit sie sich in Bewegung setzte. Fassungslos starrte sie das Schwert an und hielt es im Gehen bewundernd nach oben."Das ist eine große Ehre. Freu dich!", sagte Liu nur. Ifri nickte und folgte ihm. Sie gingen wieder durch die Schlucht und von da aus in ein Tal das von hohem Gras überwuchert war. Es war hügelig und von starken Wänden der Berge Windgeschützt. Sie sah Kühe und Ziegen grasen und fragte sich verwundert, wie die Yeshui es geschafft hatten, all ihr Hab und Gut samt den Tieren in so kurzer Zeit hier her zu schaffen. . Jungen übten den Schwertkampf, kleinere spielten mit Paul fangen, der nun schwanzwedelnd auf Ifri zu raste."Paul! Du bist mein wahrer Held, was hätte ich bloß ohne dich gemacht?", sagte sie und streichelte ihm immer wieder über den Kopf."Komm, ich zeige dir deinen Adler.", unterbrach Liu das Wiedersehen. Er führte sie an eine der Felswände, hier war eine Nische eingehauen wo Minar drin saß, ordentlich verbunden und mit einem Brocken Fleisch über den er sich her machte. Man hatte ihn angebunden damit er nicht wegfliegen konnte. Er würde nur in der Wildnis verhungern, da er mit seinen Verletzungen nicht jagen konnte. Als er Ifri und Liu erblickte hielt er inne und sah sie mißtrauisch an."Minar mein Freund, hast du dich etwas erholt?" Er fauchte sie an als sie näher kam, aber sie blieb unbeeindruckt vor ihm stehen. Liu beäugte das Geschehen nervös."Du solltest nicht so unhöflich sein. Werde schnell wieder gesund, dann hast du Ruhe vor uns." Minar drehte den Kopf schief und pfiff einmal leise auf."Wer kümmert sich um ihn?", wollte sie von Liu wissen."Maho. Er kann sehr gut mit Tieren umgehen." Maho! An ihn hatte sie bisher gar nicht mehr gedacht und ihr Magen krampfte sich zusammen."Maho? Wo ist er?" fragte sie vorsichtig."Keine Ahnung. Er sagt niemandem wohin er geht oder wann er wieder kommt." Liu musste lächeln als er Ifri´s Augen aufblitzen sah als er Maho nannte."Du bist wegen ihm gekommen, nicht war?" Ifri sah beschämt zu Boden."Ja und nein. Ich bin gekommen um meine Ausbildung zu beenden. Und weil ich nicht weiß wie es da draußen weiter geht und ich mein Leben lieber hier verbringen möchte, als in irgendeiner Großstadt. Maho ist dabei ein angenehmer Obolus, aber sein Abwesen sein zeigt mir das meine Gefühle in der Hinsicht einseitig sind." "Das würde ich nicht so sagen. Maho ist ein Mann der sehr viel nachdenkt. Er ist stark und klug aber seine Gefühle hält er im Verborgenen. Du solltest abwarten." Liu drehte sich um und ging. Ifri versuchte aus dem schlau zu werden, was Liu ihr gesagt hatte, aber es brachte sie nur zum grübeln. Sie setzte sich vor der Nische auf den Boden, Paul neben ihr und sie sahen sich das Tal an. Es war fast Sommer und alles blühte, es roch nach den kleinen weißen Blumen, die das hohe Gras übersäten. Die Sonne war angenehm und Ifri betrachtete immer noch fasziniert das Schwert, das Jakuto ihr gegeben hatte. Der Griff war aus schwarzen Holz mit vielen goldenen Runen. Die Klinge war leicht und scharf, für eine Frau ein wunderbares Schwert. Ein Schatten erhob sich vor ihr und als sie aufsah blickte sie in Mahos schönes Gesicht. Ein Stich fuhr ihr durch den Brustkorb und sie sprang auf."Maho!", hauchte sie. Er verbeugte sich kühl lächelnd vor ihr."Es ist schön zu sehen das es dir wieder gut geht." Er trat an ihr vorbei und strich Minar sanft über den Kopf. Der Vogel wehrte sich nicht und gluckste sanft. Ifri sah dem Geschehen ungläubig zu."Mich würde er beißen!", stellte sie verständnislos fest."Er weiß das ich ihm nichts tun will.", sagte Maho knapp. Keine Freude sie wieder zu sehen spiegelte sich in ihm wieder. Das, und die Tatsache das sie Minar gerettet hatte und er ihr gegenüber immer noch scheu und kampfbereit war stimmten sie traurig. Sie versuchte abzulenken."Stell dir vor, dein Vater hat mich empfangen und mir dieses Schwert geliehen! Wenn ich die Ausbildung bestanden habe darf ich es behalten!" Maho würdigte ihr keinen Blick."Das ist eine große Ehre. Du solltest dich freuen." Ifri bekam einen Kloß in den Hals, warum war er so abwertend. Hatte sie sich das alles nur eingebildet und er hatte überhaupt kein Interesse an ihr? "Das gleiche hat Liu auch gesagt. Ich hatte gehofft das du dich für mich mehr freuen würdest." Maho wandte sich ab."Ich freue mich mit dir." Mehr sagte er nicht und wollte gehen. Ifri suchte verzweifelt nach Worten die ihn aufhalten konnten, aber es viel ihr nur etwas sehr dummes ein."Ich würde gerne austesten ob ich damit umgehen kann. Würdest du mir die Ehre erweisen?" Gleich darauf erschrak sie vor ihren eigenen Worten. Es war mehr als verrückt einen Yeshui wie Maho zum Schwertkampf heraus zu fordern. Er würde sie mit zwei Schlägen besiegen und keine Rücksicht auf ihren Ausbildungstand nehmen. Und schnell besiegt zu werden galt hier als großer Pein. Maho blieb stehen, drehte sich um und sah Ifri prüfend an. Dann drehte er nach rechts ab, ging um eine Bergwand und verschwand. Ifri dachte er würde sie einfach ohne Antwort stehen lassen und trabte ihm nun wütend hinterher. Als sie um die Bergwand ging sah sie ihn auf einer freien Wiese mit gezogenem Schwert stehen. Sie bekam eine Gänsehaut. Er war um die Wand gegangen damit niemand ihre Niederlage sehen würde. Angst kam in ihr hoch, noch nie hatte sie mit einem Schwert gekämpft, immer nur mit einem Stock und Liu war immer darauf bedacht ihr keine ernsthaften Verletzungen zu zuführen. Würde Maho das auch? Kurz zögerte sie, dann ging sie entschlossen zu ihm und zog ebenfalls ihr Schwert. Maho sah sie ausdruckslos mit erhobenem Schwert an, sie wartete darauf das er angreifen würde, anscheinend tat er das auch. Sie holte noch einmal tief Luft, erhob ihr Schwert und schlug zu. Maho wehrte den Schlag mit einer Hand ab, drehte sich und holte nun selbst zum Schlag aus. Ifri hörte wie das Schwert die Luft durchschnitt, duckte sich und schlug mit der flachen Seite der Schneide auf Maho´s Knöchel. Er sprang nach hinten und sah sie wütend an. Ifri überlegte krampfhaft. Nichts von dem was Liu ihr beigebracht hatte viel ihr jetzt ein, sie hatte Angst Maho würde sie verletzen und ging schaudernd einen Schritt zurück. Sein Gesicht wirkte gepresst und die sonst so strahlenden Augen waren verdunkelt. Plötzlich schoss ihr durch den Kopf das Maho´s Schwert bestimmt 15 Kilo mehr wog, wenn er zu einem Schlag ausholte konnte er diesen nur noch schwer lenken wogegen Ifri ihr leichtes Schwert im Flug wie ein Messer herum wirbeln konnte. Das war ihre einzige Chance. Sie machte zwei große Schritte auf Maho zu, dieser erhob blitz schnell sein Schwert und wollte ihr noch bevor sie zum Schlag ausholen konnte einen Hieb entgegensetzen. Sein Schwert zischte durch die Luft, Ifri sah es nur noch genau auf sie zukommen und rollte sich nach links ab. Mahos Schwert rammte sich tief in die Erde, Ifri erschrack als sie das sah. Dieser Schlag hätte ihr ohne weiteres den Kopf gespalten. Wollte er sie umbringen? Sie kam auf die Beine, Maho rannte schon auf sie los und zielte auf ihre Hüfte. Das war ihre Chance, sie erhob ihr Schwert und tat so als ob sie den Schlag abwehren wollte. Maho holte aus aber bevor sich ihre Klingen kreuzten sprang Ifri in die Luft, änderte die Flugbahn ihres Schwertes und hielt im Schlag inne als die Schneide Maho´s Hals berührte. Einen Moment lang stand Entsetzen und Verständnislosigkeit in Mahos Augen."Warum schlägst du nicht zu?", fragte er finster. Ifri verstand es nicht und ließ ihr Schwert beinahe angewidert fallen."Weil ich dich nicht umbringen will!", rief sie empört aus. Maho kam einen Schritt auf sie zu: "Hast du jemals einen von uns mit einem Schwert kämpfen sehen?" Ifri überlegte. Dann bekam sie eine schreckliche Vorahnung: "Nein" flüsterte sie."Eine Aufforderung zum Kampf mit dem Schwert ist eine Herausforderung zum Kampf auf Leben und Tot. Die Yeshui ziehen ihre Schwerter nicht gegeneinander, merke dir das!" "Das wusste ich nicht. . . . Warum hast du nichts gesagt? Hättest du mich getötet?" "Ja, hätte ich." Ifri sah ihn fassungslos an. Tränen der Wut und der Enttäuschung stiegen ihr in die Augen. Maho sah sie nun abwertend an."Ich hätte nicht her kommen sollen, nicht wahr?" Ihre Stimme zitterte. Jetzt wurde sein Blick weicher und er sah zu Boden."Du hättest mich nicht zu einem Schwertkampf herausfordern sollen." "Maho, ich verstehe das nicht. Was hat sich denn jetzt geändert? Ich bin wieder hier, ich will hierbleiben. Hast du jetzt eine Frau? Oder hast du ein Gelübde abgelegt?" Nun rannen ihr die Tränen über das Gesicht."Mein Vater. Ich habe nach deiner Rückkehr mit ihm über dich geredet. Er wird nicht akzeptieren das sein Sohn eine Fremde zur Frau nimmt. Das sollte dir als Erklärung und mir als Grund reichen." "Aber er hat mir eine solche Ehre erwiesen, warum tut er das wenn er mich nicht akzeptiert?" "Er akzeptiert und schätzt dich. Aber als eine Schülerin Liu´s. Nicht als die Frau die sein Sohn liebt." Er sah zu ihr direkt in die Augen als er das sagte. Ifri wurde schwindelig. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen, nahm zitternd ihr Schwert vom Boden und steckte es in die Scheide. Dann drehte sie sich um und wollte gehen. Aber Maho hielt sie fest. Ohne sich umzudrehen sagte sie leise: "Maho, ich weiß nicht viel von den Yeshui, aber ich weiß das man den Wunsch des Jakuto respektieren muss. Wenn ich weiterhin bleiben will darf es nicht sein und. . ." Die Worte blieben ihr im Hals stecken als Maho sie ohne sie umzudrehen an sich zog und fest in den Arm nahm. Am liebsten hätte sie sich auf der Stelle umgedreht und ihn geküßt, die Angst entdeckt und aus dem Dorf verbannt zu werden ließ sie wie versteinert stehen bleiben. Selbst wenn sie mit Maho nicht zusammen sein durfte, sie war bei ihm und das war schon für den Moment ein schwacher Trost. Sie spürte seinen Atem an ihrem Hals, sie bekam eine Gänsehaut nach der anderen und ein unglaubliches Verlangen nach ihm erwachte. Sie legte eine Hand auf seine starken Arme und strich sanft darüber, spielte mit ihren Fingern die Linien seiner Muskeln nach. Plötzlich ließ er sie los. Verwundert drehte sie sich um und sah ihn leidvoll an. Er lächelte, dann verbeugte er sich tief und sagte: "Wir sollten zurück in die Schlucht gehen. Sonst kommen die anderen auf schlimme Gedanken!" Ifri nickte, verbeugte sich ebenfalls und folgte ihm. Sie lächelte nicht.
Sie ging jeden Tag zu Minar um ihn zu besuchen. Er erholte sich schnell und Maho meinte man könnte ihn in einer Woche frei lassen. Sie nahm das Training am zweiten Tag wieder auf, es bestand hauptsächlich aus Rennen, viel konnte sie mit ihrem Arm noch nicht machen. Maho und sie trafen sich jeden Tag bei Minar um ihn zu füttern, viel redeten sie nicht, dennoch trafen sie sich jeden Tag ohne Absprache dort. Jakuto ging nun öfter spazieren, er redete viel mit Maho, Ifri fragte er ein wenig über Sydney und den Stand der Dinge in der Welt aus, aber bald schon wurde sie uninteressant für ihn. Liu entdeckte das es eine phantastische Übung sei steile Wände nur mit den Fingern hoch zu klettern. Das kannte Ifri aus dem Fernsehen, nur da waren die Menschen immer gesichert, hier nicht. Aber es passierte ihr nichts. Nach zwei Wochen wurde Minar frei gelassen. Es war ein bewegender Augenblick als das stolze Tier sich in die Luft erhob, einen Kreis zog und dann über den Bergen verschwand. Aber ihr Freundschaft war noch nicht beendet, jeden Tag kam er zurück und holte sich aus der Nische ein Stück Fleisch. Maho konnte ihn sogar auf seinem Arm sitzen lassen und Ifri durfte dem Tier auch immer näher treten ohne das er sie anfauchte. Im Spätsommer hatte Maho Geburtstag. Ein kleines Festmahl wurde gegeben, die Yeshui hatten gute Laune und man feierte mit Musik und ein wenig Schnaps. Sie saßen alle zusammen auf der großen Wiese, lachten und tanzten. Ifri hatte für Maho eine Kette aus geschnitzten Knochen gemacht. Sie war nichts besonderes, aber es hatte sie viel Mühe gekostet aus den Knochen kleine runde Kugeln zu schnitzen und sie war aufgeregt was Maho dazu sagen würde. Bei den Yeshui gab es keine Geschenke, dennoch wollte sie es sich nicht nehmen lassen, Maho eine kleine Freude zu bereiten. Zu späterer Stunde ging sie hinter die Bergwand, wo Maho und sie damals den Schwertkampf ausübten. Sie dachte wenn Maho sie bei den anderen nicht mehr sehen würde, würde er mit Sicherheit hier her kommen um sie zu suchen. Es war bereits dunkel und die Sterne leuchteten klar am wolkenlosen Himmel. Sie dachte an die Welt und ihre Probleme. Wie weit hatten die Menschen wohl die Lage unter Kontrolle? Würde alles wieder normal werden? Es war schwer vorzustellen das irgendwo Elend und Notstand herrschte wo hier doch alles so friedlich und normal war. In Gedanken legte sie sich ins Gras und schaute in den Himmel. Sie wartete fast eine Stunde, aber Maho kam nicht und irgendwann schlief sie in der warmen Sommernacht ein.
Paul weckte sie mit einem herzhaften Geschlabber durch ihr Gesicht. Müde drückte sie ihn weg und sah sich verwirrt um. Maho war wirklich nicht gekommen, enttäuscht stand sie auf und ging zu den Höhlen. Der Morgen dämmerte bereits, über den Bergen glimmte ein rotes Licht das den Tag ankündigte. Sie beschloss im Fluß ein Bad zu nehmen, ging an Jakutos Höhle vorbei, hinunter zum Fluß und zog sich unter einem Felssims aus. Wahrscheinlich würden alle schlafen, aber sicher war sicher und sie eilte ins Wasser. Der starke Strom war angenehm frisch und das schnell fließende Wasser war gleichzeitig eine Art Massage wenn man sich gegen den Strom stemmte. Lange blieb sie einfach so im Wasser stehen und genoß die Wirkung des kühlen Nasses. Als sie sich wieder dem Ufer zuwandte sah sie plötzlich Maho, der unter dem Sims stand und ihr lächelnd zusah. Er konnte ihren Körper nicht sehen, da sie bis zum Hals im Wasser stand. Überrascht und irritiert sah sie ihn an."Du bist aber früh wach!", sagte sie."Du aber auch. Wo warst du gestern?" Ifri überlegte kurz."Ich war müde und bin früh gegangen." "Aber in deiner Höhle warst du nicht." "Ich habe draußen auf der Wiese geschlafen. Wollte eigentlich nur Sterne gucken und muß darüber hinweg eingedöst sein." "Naja, wie auch immer, ich wollte zur Jagd in die Berge. Ein paar Männer haben eine Herde Bergziegen gesehen. Kommst du mit?" Ifri freute sich. Eine Jagd im Gebirge dauerte meistens einen ganzen Tag lang, einen ganzen Tag würde sie mit Maho alleine sein."Ja, ich muss nur Liu Bescheid sagen." Sie watete zum Ufer und Maho drehte sich hastig um als sie aus dem Wasser stieg. Vergnügt zog sie sich wieder an, eilte zu Lius Höhle und weckte den noch schlafenden Mann."Was ist los?" Er war sofort hell wach als ob er etwas schlimmes erwartet hätte. Immer auf der Hut, Ifri musste lächeln."Ich gehe mit Maho in die Berge zur Jagd, ich wollte nur Bescheid sagen.", flüsterte sie um Yinshe nicht aufzuwecken."Meinst du das es so eine gute Idee ist? Ihr quält euch nur unnötig.", sagte er mahnend. Ifri überlegte kurz und sah zu Boden. Dann sagte sie: " Jede Minute die ich mit ihm verbringen darf ist ein Geschenk, keine Qual." Liu nickte nur und legte sich wieder, um weiter zu schlafen. Ifri eilte wieder zum Fluß wo Maho auf sie wartete- Er wollte den Fluß aufwärts bis zu einer Stelle, an der man gut ins Gebirge kam. Paul begleitete sie. Ifri´s Hand berührte in ihrer Tasche die Kette die sie für Maho gemacht hatte und sie musste lächeln."Ich habe etwas für dich gemacht. In meiner Kultur schenkt man sich gegenseitig etwas wenn man Geburtstag hat, darf ich es dir geben oder mache ich mit dieser Geste etwas schlimmes wovon ich nur nichts weiß?!" Maho lachte: "Mir fällt nichts ein was dagegen sprechen könnte." Er blieb stehen und sah sie erwartungsvoll an. Sie überlegte ob sie ihm die Kette anlegen sollte, aber vielleicht war es unklug das er sie trug, man würde zuviel darüber reden. Also gab sie ihm die Kette in die Hand. Maho betrachtete sie überrascht."Sie ist sehr schön, danke!" fri lachte: "Oh nein ist sie nicht. Aber sie soll dir sagen das ich oft an dich denke und gedacht habe als ich sie gemacht habe. Du musst sie nicht tragen, es würde glaube ich zu viele Fragen auf werfen. Aber vielleicht kannst du sie als ein Stück von mir ansehen. Ich weiß nicht wie es weiter geht, aber vielleicht hast du irgendwann eine Tochter die sie tragen kann und wenn du sie siehst, würdest du vielleicht ab und zu an mich denken?" Mahos Lächeln erstarb bei Ifri´s Worten, ernst sagte er: "Ich brauche keine Kette um an dich zu denken. Aber ich werde sie in Ehren halten, das verspreche ich dir." Dann halbierte er die Kette in zwei Kleinere Reife und streifte sie über sein Handgelenk. Einen Moment lang verharrte er und sah ihr tief in die Augen. Ifris Knie wurden weich und sie versuchte seinem Blick zu entkommen, schaffte es aber nicht, sich von seinen schwarzen Augen loszureißen."Laß uns weiter gehen!", flehte sie. Maho nickte und ging los.
Sie mussten lange laufen, klettern und springen bis sie gegen Mittag auf eine Hochebene gelangten und eine Herde aus 10 Ziegen sahen. Maho wies sie an um die Herde rum zu schleichen und sie schließlich in seine Richtung zu scheuchen. Gebückt und lautlos machte sich Ifri auf den Weg. Paul blieb bei Maho und duckte sich ins tiefe Gras. Sie schaffte es unbemerkt um die Herde zu schleichen und stand jetzt etwa 60 Meter vor Maho. Zwischen ihnen die Herde. Maho spannte seinen ersten Pfeil, kroch hinter einen kleinen Busch und gab Ifri ein Zeichen. Sie sprang auf, schrie fürchterlich und rannte auf die Ziegen zu. Sofort ergriffen diese die Flucht und rannten gerade wegs auf Maho zu. Er begann zu schießen, zwei erwischte er, ein drittes rannte mit einem Pfeil im Hinterbein weiter. Ehe Maho reagieren konnte hechtete Paul los, holte das hinkende Tier ein und packte es an der Kehle. Erdrosselt sank es zu Boden und war tot. Ifri rannte sofort zu Paul, sie hatte Angst das er wieder einem Blutrausch verfallen würde und die Zeige in Stücke riss, aber er stand völlig ruhig und stolz neben seiner Beute und wartete bis seine Besitzerin ihn erreicht hatte. Ifri lobte ihren Wolf, diesmal hatte er gut und richtig reagiert. Maho machte sich daran die toten Ziegen zusammen zubinden und schulterte sie. Einen Monat würde das Fleisch für das Dorf samt Minar und Paul reichen, er war zufrieden und pfiff eine lustige Melodie. Ifri sah ihm dabei bewundernd zu, wie er mühelos drei Ziegen Huckepack nahm, obwohl eine mindestens 40 Kilo wog."Gut gemacht ihr beiden!", trällerte er im vorbei gehen und schlug den Rückweg ein. Ifri hingegen blieb stehen. Sie waren mitten in den Bergen, keiner wusste wo sie waren, sie hatten solange ihre Gefühle unterdrückt, wenn nicht jetzt der Zeitpunkt war um wenigstens einen Kuß zu erlauben, wann dann? Als Maho merkte das Ifri ihm nicht mehr folgte drehte er sich um und sah sie abwartend an."Was ist?" "Können wir nicht noch ein wenig Pause machen?" "Bist du müde?" Maho schien überrascht."Nein, aber es ist sehr schön hier und. . . . . wir sind allein." Ifri kam ins Schleudern. Mahos Miene wandelte sich in einen bekümmerten und besorgten Ausdruck. Dennoch ließ er die Ziegen wieder zu Boden und ging zu Ifri. Direkt vor ihr blieb er stehen und sah ihr direkt in die Augen. Tonlos sagte er: "Zwinge mich nicht den Willen meines Vaters zu brechen." Ifri fühlte sich plötzlich elend und hinterlistig. Hier war es nicht so wie in Australien, wenn einem etwas auferlegt wurde, hielt man sich daran, das war kein Kinderscherz um Verbote zu brechen. Hier ging es um Ehre und Treue. Beschämt sah sie zu Boden."Ich war egoistisch, verzeih. Es wird nur von Tag zu Tag immer schwerer. . . . wir sollten zurück." Maho überlegte einen Augenblick, dann drückte er sie sanft aber bestimmt runter auf die Knie und kniete sich ebenfalls dicht vor sie. Gespannt sah sie ihn an, sein Gesicht war jetzt ganz nah an ihrem. Er breitete ihre Arme aus, dabei streifte er ihre Taille und ihre Rippen. Angespannt schloß sie die Augen, diese Berührung weckte ein starkes Verlangen nach ihm und sie wartete gespannt was als nächstes passieren würde. Er drückte seine Handfläche gegen ihre, und seine Nase berührte ihre Lippen. Sie musste sich stark zusammenreißen still zu bleiben und ihn nicht zu liebkosen."Meditiere!" sagte er und blieb nun reglos sitzen. Sie versuchte sich zu konzentrieren, aber es war schwer, so schwer. Noch nie war er ihr bewusst so nahe gewesen. Sie spürte sein Herz schlagen, spürte seinen Atem und roch ihn. Er roch so gut, nach Leder, Leinen und nach ihm. Ein leichter Wind strich über die Ebene und ihre Haare wurden nach vorne Geweht und liebkosten sein Gesicht. Sie merkte wie er einen Moment den Atem anhielt, dann schaffte sie es tatsächlich von ihrem Körper zu lösen. Sie sah sich selber auf der Ebene knien und plötzlich spürte sie das Maho bei ihr war, obwohl sie ihn sehen konnte wie er reglos bei ihrem Körper kniete. Es dauerte eine Weile dann sah sie wie ihr Gefühl Form annahm und sie sich selbst und Maho in einer anderen Welt sah. Um sie herum war alles weiß aber Maho konnte sie nun ganz deutlich mit allen Details sehen. Sie war überwältigt als er ihre Hand nahm und sie diese ganz deutlich spürte. Ihr Atem ging schneller, seine Hände umfassten ihre Taille und er zog sie sanft an sich. Sie spürte die Wärme die er ausstrahlte, wie auch sein Atem schneller ging. Hatte er auch an diesem Traum teil? Oder war er in einer anderen Welt? Er sagte etwas aber seine Worte blieben stumm. Langsam berührten sich ihre Lippen, Ifri wurde heiß und kalt zu gleich. Er spielte erst mit ihren Lippen dann endlich öffnete er seinen Mund und seine Zunge durchforschte ihren Mund. Sie konnte ein leichtes Stöhnen nun nicht mehr verhindern, er wurde leidenschaftlicher, sie krallte sich an ihn fest, wollte ihn immer noch näher an sich ziehen und vergrub ihre Hände in seinen langen schwarzen Haaren. Er öffnete ihre Bluse, seine starken Hände glitten über ihre nackte Haut, spielten mit ihren Brüsten und zogen sie schließlich ganz aus. Sie gab sich ihm hin, spürte jede noch so kleine Berührung intensiv und genussvoll. Trotz das er so ein großer Mann war, war er zärtlich und sensibel. Noch nie hatte sie etwas vergleichbares erlebt, sie wünschte sich das es nie enden würde, aber dann war es vorbei. Er lies von ihr ab, sah sie zärtlich und völlig erschöpft an. Seine Lippen formten einen Satz den sie nicht hören konnte, aber sie wusste das er "Ich liebe dich" sagte. Dann war er weg, sie sah sich wieder auf der Wiese knien, Maho unverändert vor ihr. Dann sagte er laut und deutlich: "Wach auf!" Ein Ruck durchfuhr ihren Körper und sie schlug die Augen auf. Sie verlor das Gleichgewicht und fiel vorne über, aber Maho stützte sie und hielt sie fest. Verwirrt und ängstlich blickte sie sich um. Sie saß tatsächlich immer noch auf der Wiese, nichts hatte sich verändert, außer Mahos Gesicht. Liebevoll und glücklich lächelte er sie an und half ihr auf die Beine."Was war denn das?", hauchte sie."Was denn?" Sofort bekam sie Angst und sah ihn nervös an."Du warst doch da, oder? Du warst doch bei mir?" Er begann abermals zu lächeln."Die Kaiserin und der Hofsmönch vor langer Zeit standen in unendlicher Liebe zu einander, aber die Liebe war ihnen verboten. Ihre Bindung war so stark zueinander, das sie sich in der Meditation gefunden und vereint haben. So lebten sie glücklich miteinander, in einer anderen Welt ohne sich jemals wirklich berührt zu haben. Es ist ein Märchen und ich habe nicht geglaubt das es möglich ist, aber wie mir scheint ist viel mehr möglich, als man denkt." Ifri lächelte nun. Sie konnte zwar immer noch nicht verstehen was gerade passiert war, aber sie war glücklich."Was ist aus der Kaiserin und dem Mönch geworden?" "Sie wurden verbrannt, der Mönch verriet sich als er einem angeblichem Freund erzählte, das die Kaiserin ein großes Muttermal in ihrem Schoß hatte. Man prüfte das nach und verurteilte beide wegen Hochverrats." Ifri hörte schlagartig auf zu lächeln."Dann sollten wir aufpassen, was wir sagen." Maho nickte nur, ging zu den Ziegen, schulterte sie wieder und lief los. Ifri folgte ihm, nachdenklich und berrauscht. Paul lief vorne her und war anscheinend froh, das es wieder zurück ging.
Den Winter über trainierte sie hart mit Liu. Sie machte große Fortschritte und Liu wirkte zufrieden. Wenn sie meditierte versuchte sie immer wieder zu Maho zu gelangen, aber er war nie da. Nach dem Erlebnis in der Hochebene ging er ihr aus dem Weg. Er sagte er hätte zu viel Angst das sie sich verraten könnten, desweiteren plage ihn ein schlechtes Gewissen seinem Vater gegenüber. Ifri musste das so hinnehmen, aber sie hatte auch wenig Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Liu ließ sie jeden Tag bis zur Erschöpfung üben, danach aß sie nur noch und ging schlafen. Der Winter hier oben in den Bergen war hart, kalt und lang. Teilweise lag der Schnee bis zu den Knien und das Training war nun noch schwerer als sonst. Aber der Frühling kam und die Natur erwachte wieder von neuem. Bald schon konnte man wieder im Gras liegen und die ersten Sonnenstrahlen genießen. Minar kam zurück. Über den Winter war er nicht mehr gekommen und sie hatten schon das schlimmste befürchtet, aber als die ersten Blumen ersprossen kreiste er mit seinem unverwechselbaren Ruf über dem Tal. Ifri sah ihn als erstes und rannte aufgeregt zu Maho um ihm davon zu berichten."Minar! Er ist zurück!", rief sie noch im Rennen und zeigte in die Richtung am Himmel, wo der mächtige Adler seine Bahnen zog. Maho hob seinen Kopf und lächelte. Dann sah er wieder ernst zu Ifri und strich über die Kette, die er immer als Armband trug."Mein Vater will das ich mich Vermähle. Er hatte mir 5 Jahre Zeit gegeben, nach dem ich heiratsfähig war, mir eine Frau auszusuchen. Die 5 Jahre sind nun vorbei und ich habe immer noch keine gewählt. Er sagte das ich eine finden muss bevor dieser Mond um ist." Sein Blick war starr und ausdruckslos. Ifri fühlte sich wie vor das Gesicht geschlagen. Als Ifri ihn nur schweigend und ungläubig ansah fuhr er fort."Ich habe ihm noch mals von dir erzählt und ihm gesagt das ich mir nichts sehnlicher wünschte, als endlich mit dir zusammen zu sein aber es war sinnlos, er ist zu keiner Diskussion bereit. Du bist keine Yeshui. Das ist alles was er dazu zu sagen hatte." Ifri versuchte die Fassung zu halten. Sie hatte gehofft, das wenn sie ihre Ausbildung schaffte und Jakuto ihr das Schwert schenkte, dann würde er sie als Yeshui-Kriegerin ansehen. Aber bis zum Ende ihrer Ausbildung waren es weitere zwei Jahre. Sie würde es nicht ertragen Maho mit einer anderen Frau zu sehen und zu wissen das sie das bekam, was sie selbst nur einmal in einer Meditation erlangt hatte."Maho, ich. . . . . laß uns fortgehen. Wir können auch woanders . . . ." Er unterbrach sie mit einer Handbewegung."Ich könnte mein Dorf niemals den Rücken zu kehren. Nicht für dich und nicht für sonst irgendetwas auf der Welt. Aber sowas verstehst du nicht." Ifri wurde wütend und ein Schmerz jagte ihr durch die Brust."Das Verstehst du nicht. . . . verstehst du nicht! Wieso bekomme ich das immer zu hören? Drei Jahre, Maho! Beinnahe drei Jahre lebe ich hier und beuge mich euren Regeln, trainiere eure Kampfkunst und lebe euer Leben. Ich verstehe mehr als du denkst, aber ich verstehe nicht wie du dich so unterwerfen kannst!" Sie verstummte als sie den letzten Satz ausgesprochen hatte. Dafür hätte er das Recht sie zu töten. Tränen der Verzweiflung rannen ihr über das Gesicht. Maho stand reglos und kühl vor ihr."Nein, das hätte ich nicht sagen sollen. Es tut mir leid. Ich werde gehen, nicht wir. Ich bin nicht stark genug das Training und dich zu verkraften, erst recht nicht wenn du eine andere heiratest." Damit drehte sie ihm den Rücken zu und ließ ihn stehen. Sie sah nicht das er heftig schlucken musste und sich eine Träne aus dem Auge streichen musste. Sie ging zu Liu und sagte ohne große Erklärungen: "Du hattest Recht, wir haben uns nur Qualen ausgesetzt. Maho wird heiraten und ich bin nicht stark genug um das zu verkraften. Ich werde gehen, es hat keinen Sinn mehr hier zu bleiben. Die Ausbildung werde ich so nicht schaffen und somit gibt es keinen Grund mehr eure Gastfreundschaft länger in Anspruch zu nehmen." Liu sah sie aufrichtig an und sagte dann: "Wie ich es damals schon sagte, der Weg zu uns steht dir jeder Zeit offen. Du bist sehr weit mit deiner Ausbildung und hast die zweite Phase gut bestanden. Die dritte Phase wäre die Einweihung in unsere Schrift, Herkunft und Philosophie gewesen. Wenn du nicht klar denken kannst, dann wäre es auch sinnlos gewesen, aber eine Kriegerin bist du nun dennoch. Keine Yeshui-Kriegerin aber eine würdige Vertreterin unserer Kampfkunst." Dann verbeugte er sich tief, Ifri tat es ihm gleich. Sie bat um eine Ladung zu Jakuto. Tatsächlich nahm er sie am selben Tag noch in Empfang. Voller Trauer und Leid trat sie ihm entgegen."Was führt dich zu mir?", fragte er als sie die Höhle betrat. Er saß auf seinem Sessel und blickte ihr freundlich entgegen."Ich bin gekommen um mich zu verabschieden, euch zu danken und das geliehene Schwert zurück zu bringen." Sie legte das Schwert gebeugt auf einen kleinen Sims der vor dem Sessel stand."Ich verstehe nicht, deine Ausbildung ist noch nicht beendet und um ehrlich zu sein habe ich nicht damit gerechnet das du uns wieder verlassen wirst. Was sind deine Gründe?" "Eine Wendung ist eingetreten mit der ich nicht gerechnet habe und die es mir unmöglich macht weiter zu trainieren. Ich habe eure Gastfreundschaft lange genug in Anspruch genommen, nun ist es unnötig diese länger zu strapazieren." "Du bist hier willkommen und mehr als ein Gast. Aber willst du mir nicht diese unerwartete Wendung näher bringen?" Ifri presste die Lippen auf einander. Jakuto wusste doch genau was sie meinte, warum musste er sie weiterhin demütigen? "Maho, er teilte mir mit das er heiraten würde. Er sagte ihr wüsstet von unseren Gefühlen. . . ." "Ich hatte nicht geglaubt das du dich durch die Gefühle zu einem Mann so beeinflussen läßt. Du enttäuscht mich." Ifri musste sich zurück halten um nicht unhöflich zu werden."Ich bin nicht so stark wie alle dachten. Ich bringe Schande über euer Dorf, es ist besser wenn ich gehe." "Weder du noch ich wissen was draußen passiert ist, es wäre eventuell überstürzt hinaus zu gehen." Jakuto hatte einen ernsten und strengen Ausdruck bekommen."Mein Herr, ich habe viel von euch gelernt und es gibt noch viel was ich lernen könnte. Aber eins habe ich gelernt, es wäre falsch sich selber zu verraten. Ich könnte versuchen hier weiter zu leben, aber der Schmerz den ich jeden Tag ertragen müsste an Maho´s Seite eine andere Frau zu sehen würde mir Ehre, Stolz und Selbstachtung nehmen. So kann ich nicht leben." "Dann wünsche ich dir viel Glück im weiteren Verlauf deines Lebens. Wenn du zurück kehren solltest, dann komme in Freude und Einklang mit dir selbst kleine Ifri!" Mit einer Handbewegung schickte er sie hinaus. Sie verbeugte sich und ging. Ohne sich von jemanden zu verabschieden holte sie Paul, ein paar Sachen und Proviant und ging zu dem Tunnel, durch den sie damals gekommen war. Maho sah das und rannte ihr hinter her. Als er sie erreicht hatte bat Ifri: "Maho, ich will keinen Abschied. Es ist so schwer genug." "Ich werde dir helfen den Stein am anderen Ende zur Seite zu schieben. Und nichts in der Welt kann mich davon abhalten mich von dir zu Verabschieden!" Ifri stiegen erneut Tränen in die Augen und sie schämte sich dessen. Mit gesenkten Kopf schritt sie eilig in den Tunnel, nahm eine Fackel die am Eingang hing und ging hindurch. Maho folgte ihr wortlos. Am anderen Ende angekommen stemmten sie sich beide gegen den Stein und schoben ihn bei Seite. Der Ast und der Stumpf lagen unverändert dort, wo Ifri sie zurück gelassen hatte. Sie stieg hinaus drehte sich um und sagte: "Danke. Lebe wohl und ich wünsche dir alles Glück der Welt." Aber Maho stieg ebenfalls hinaus und nahm sie in den Arm. Er drückte sie fest an sich und sie merkte wie er zitterte. Diese Situation wollte sie vermeiden und sie versuchte sich sanft von ihm weg zu drücken. Er ließ sie los und sah ihr leidvoll hinter her, wie sie sich an den Abstieg machte. Plötzlich rannte er los, zog sie erneut an sich und küsste sie. Ifri war völlig überrumpelt und wollte sich erst wehren, dann ließ sie es aber zu und schloss ihre Arme um ihn. Lange küssten sie sich, dann ließ er sie wieder los. Nun hatte er die Tränen in den Augen."Ich liebe dich Ifri. Man kann mir eine andere an die Seite stellen, man kann mir verbieten mit dir zusammen zusein, aber meine Liebe zu dir wird mir keiner verbieten können." Dann wandte er sich ab und ging zu dem Tunnel. Erschrocken stellte sie fest das sie einfach so gegangen wäre, ohne ihm zu helfen den Stein wieder zu verschieben. Sie eilte zurück, positionierte den Ast und den Stumpf und hebelte den Stein wieder in seine Ausgangsposition. Der Tunnel zu den Yeshui und zu Maho war zu. Unter Tränen rannte sie den Berg hinunter. Paul folgte ihr bedrückt. Sie machten zwei mal Rast, einmal am See und einmal in der Schlucht vor dem Kishu, bevor sie diesen erklomm. Sie verbrachten hier die Nacht, aßen von dem Proviant, getrocknetes Fleisch, Reis und Brot und schliefen, eng aneinander, die Nacht durch.
7
Als sie am Mittag des zweiten Tages den Kishu überwunden hatte blieb sie stehen und sah sich verblüfft um. Ca. einen Kilometer nach dem Berg standen tausende Zelte und es wimmelte von Menschen. Ein Flüchtlingslager mit Sicherheit, aber warum hier am Yeshui und am Kishu-Berg? Wie würde es bei Jotomo aussehen? Und erst bei Jack? Sie überlegte und kam zu dem Schluß, das es klüger war nicht mit Paul durch diese Menschenmenge zu gehen sondern den Umweg durch den Wald und dann zu Jotomo. Also bog sie nach Westen ab und ging durch den Wald. Sie sah mehrere Männer und Frauen die Pilze und Beeren sammelten, sie musste Paul ihren Gürtel als Leine anbinden aber sie wurde nicht weiter beachtet. Manche schauten respektvoll auf den großen Wolf der mißtrauisch umherblickte, aber von Ifri nahm niemand groß Notiz. Sie beeilte sich und rannte ein ganzes Stück, gegen abend erreichte sie die Ebene von dem Shui-Orden. Auch hier standen überall Zelte und man bereitete sich auf die Nachtruhe vor. Die Menschen schienen bedrückt und waren schweigsam. Ifri wollte zunächst zu Jotomo und redete mit niemanden. Sie klopfte an die große Tür und nun sahen viele neugierige Blicke zu ihr herüber. Die Zelte waren gleichmäßig dicht nebeneinander gebaut, mit kleinen Schleusen, die als Straße diente. Viele Männer, Frauen und Kinder kamen aus den Zelten und sahen nun gespannt zu Ifri. Eine dunkle Stimme erklang hinter der Tür: " Der Zutritt zu dem Tempel ist Fremden untersagt. Wartet bis morgen und eure Anliegen werden gehört und wir werden versuchen euch zu helfen." Ifri kratze sich verwirrt am Kopf und sagte: "Ich bin Ifri, es wäre mir neu eine Fremde zu sein." Die Tür ging einen Spalt weit auf und ein alter Mönch den Ifri auch vom sehen kannte lugte hervor. Als er sie erkannte bat er sie unter vielen Entschuldigungen hinein. Draußen schwoll ein unverständliches Gemurmel an."Verzeiht, aber es kommen so viele die hier eine Bitte vortragen möchten, wenn wir jeden einlassen würden wäre unser Tempel bald entweiht." "Das verstehe ich. Kann ich zu Jotomo?" "Er ist im Garten und nimmt dort sein Abendessen zu sich. Er wird sich freuen euch zu sehen!" Ifri nahm Paul nun wieder den Gürtel ab. Dankbar sah er sie an und schüttelte sich. Sie eilte in den Garten, als Jotomo sie sah sprang er auf, nahm sie in die Arme und wies ihr einen Platz, ihm gegenüber zu."Welch eine freudige Überraschung dich hier zu sehen! Nimm Platz und iß mit mir! Gibt es Neuigkeiten von den Yeshui?" Ifri setzte sich und nahm dankbar das Mahl an. Paul bekam ein paar Fleischstücke und schlang sie gierig hinunter."Sie sind wie ihr gesagt habt im Tse-Fin-Gebirge und leben dort abgeschottet aber gut. Sonst leben sie wie immer." Jotomo hörte verwundert auf. Sonst sprach Ifri immer in der "WiR-Form" wenn sie von den Yeshui sprach, jetzt grenzte sie sich aus."Und was führt dich her?", fragte er vorsichtig."Ich habe sie verlassen. Den zweiten Teil meiner Ausbildung habe ich abgeschlossen und es gab Probleme. . . . ich konnte nicht mehr dort bleiben." "Was ist passiert?" "Jakuto akzeptierte mich nicht als einer der Yeshui obwohl er mich durchaus willkommen hieß. Aber für seinen Sohn kommt nur eine Yeshui-Frau in Frage, keine Fremde. Unsere Liebe wurde uns verboten. Damit konnten wir zunächst leben, aber jetzt muß Maho eine Frau nehmen, da er es so mit Jakuto vereinbart hatte. Ich konnte nicht bleiben und bin in Scham gegangen." "Das tut mir sehr leid. Das konnte niemand vorher sehen. Jakuto ist ein weiser und guter Stammesführer, er wird seine Gründe haben. Hast du Streit gehabt?" "Nein, er hat mich sogar empfangen, mir das Schwert seiner Tochter geliehen und war stets freundlich zu mir." "Er hat dich empfangen?" Jotomo sah sie ungläubig an. Ifri nickte und biss von ihrem Brot ab."Das ist eine große Ehre. Dann kann ich Jakuto nicht verstehen." "Nun ja, es ist vorbei, ich bin nicht mehr dort und Maho wird bald heiraten. Jetzt erzählt mir was in der Welt passiert ist." "So vieles, mein Kind. Man berichtete mir das Krieg in Europa und Amerika ausgebrochen ist. Überall werden Autos, Flugzeuge und andere modernen Dinger verschrottet. Die Großstädte sind Geisterstädte geworden, es gibt viele Krankheiten durch die Mangelnde Hygiene und die Menschen flüchten wie hier aufs Land. Es herrscht viel Leid und Elend, aber die Menschen denken nun nicht mehr so materiell. Sie schätzen die Natur auf einmal weil sie gemerkt haben das sie ohne sie nicht leben können. Wasser gibt es nur noch ungereinigt aus den Flüssen und Seen. Keiner weiß wie lange es noch halten wird. Wenn es regnet versucht man das Wasser in großen Becken aufzufangen und es danach zu reinigen, aber es ist reicht kaum aus und die Menschen werden krank. Man redet davon das man die Städte abreißen und verbrennen will um Epidemien zu verhindern die dort in den nun toten Kanalisationen entstehen könnten. Ratten sind die Herrscher der Städte geworden, und das innerhalb eines halben Jahres. Ich weiß nicht wo das alles hinführt, aber wenn ich mich umsehe freut sich mein Herz denn die Menschen sind nicht mehr so hektisch, zwar ängstlich aber ruhig. Wenn das der Untergang der Welt ist, so soll es denn sein, die Menschen haben genug Schande über unsere Erde gebracht, wenn sie es jetzt heimgezahlt bekommen ist das nur Recht." "Wie könnt ihr sowas sagen? Millionen werden sterben!" Ifri war über die Worte des Priesters empört."Und die besten werden überleben. Einer sagte mir das es in China schon über 500 000 Tote gibt die an Seuchen gestorben sind. Es geht schon los, jetzt wird es zu spät sein Heldentaten zu vollbringen. Jeder sollte auf sich selbst acht geben." "Was tun sie mit den ganzen Toten?" "Sie verbrennen sie." Ifri bekam eine Gänsehaut."Was ist mit den Tieren?" "Es gab eine Anordnung von der Chinesischen Regierung das alles Geflügel, alle Schweine und Rinder geschlachtet werden sollten. Pferde werden nun hoch geschätzt als Fortbewegungsmittel und sie sind auch noch nicht krank geworden. Hunde werden haufenweise fort gejagt oder erschossen weil sie zu viele Lebensmittel verbrauchen. Katzen wurden zu Tausenden frei gelassen um die Ratten zu bekämpfen, in den Großstädten muß es heiß her gehen. Von anderen Tieren weiß ich nichts, ob sie nun krank sind oder wo sie sind, hier sind nur die Vögel geblieben. Schon lange habe ich keinen Hirsch mehr gesehen, oder eine Gemse an den Felsen klettern gesehen. Die vielen Menschen haben sie verscheucht."Wie sieht es mit den Vorräten bei euch aus?" "Nicht schlecht, Fleisch wird bald zu ende gehen, aber der Sommer hat gute Reis, Mais und Kornernten gebracht. Viele Menschen bauen Gemüse an was gut wächst, bis zum nächsten Winter sind unsere Vorratskammern wieder voll. Wir werden zurecht kommen." "Glaubst du sie werden alle hierbleiben?" "Ich glaube nach der Zeit werden die Überlebenden anfangen hier Häuser zu bauen, wahrscheinlich um das Yeshui-Dorf." "Was heißt die Überlebenden?" Jotomo lachte leise in sich hinein."Eine schlimme Krankheit ist hier ausgebrochen. Sie wird durch Ratten übertragen, eine Art Tollwut. Mit Fieber, Husten und schließlich Lungenbluten. Wir haben nichts womit wir diese Krankheit heilen können, aber die meisten die sie haben erschiessen sich selber um den Qualen zu entkommen. Also pass auf das du keiner Ratte zu nahe kommst." Ifri war über diese Neuigkeiten entsetzt und empört über Jotomo der dies alles gelassen hinzunehmen schien. Er sprach von Massensterben, Seuchen und Krieg als sei es das normalste der Welt. Aber sie war zu müde und zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt als das sie sich noch groß darüber Gedanken machen konnte."Ich bin müde, habt ihr noch einen Platz für uns?" "Freilich, im Gästehaus, das kennst du ja schon." "Habt dank. Ich werde morgen weiter gehen, um zu sehen wie es um Jack bestellt ist. Habt ihr was von ihm gehört?" "Lange nicht mehr. Einmal war er hier um zu fragen ob es Neuigkeiten von dir gibt. Danach nichts mehr." Ifri nickte und bedankte sich noch mals. Dann ging sie müde und besorgt schlafen. Am nächsten morgen brach sie früh auf um zu Jack zu gehen. Sie durchquerte die Ebene voller Zelte. Jemand murmelte als sie an ihm vorbei ging: "Das ist die Frau von den Yeshui, die mit dem Wolf!" Ein anderer verbeugte sich als er das hörte, ein Gerede schwoll an und überall kamen die Menschen wieder aus ihren Zelten um Ifri zu sehen. Ihr was das höchst unangenehm und sie schaute zu Boden. Die, an denen sie vorbei ging verbeugten sich tief. Paul drängte sich unsicher an seine Besitzerin. Eine Frau trat ihr in den Weg und verbeugte sich mehrfach. Dann hielt sie Ifri eine Haarspange entgegen wobei sie den Kopf ehrfürchtig senkte. Ifri nahm die Spange entgegen, sie war aus Elfenbein, wohl sehr wertvoll und schön."Warum erweist ihr mir diesen Respekt? Ich habe ihn nicht verdient." Jetzt sah die Frau zu ihr auf, sie war recht jung und hübsch zugleich."Ihr seid eine der Yeshui die sich vor uns verstecken. Man sagt ihr seid bald die letzte Hoffnung für unsere Region, ihr beherrscht die Heilkunst ohne moderne Medizin, ihr geht jagen und eure Krieger sind gefürchtet." Um sie herum herrschte jetzt völlige Stille, alle warteten auf eine Antwort von Ifri."Ich bin keine Yeshui, ich hatte nur die Ehre ihr Gast zu sein und ihre Kampfkunst zu lernen. Es ist nicht an mir zu sagen ob die Yeshui zurück kommen werden um euch zu helfen oder nicht. Ihr seid in guten Händen des Shui-Ordens, wozu braucht ihr die Yeshui?" Sie sprach sehr laut damit alle sie hörten."Die Zeiten werden sich verschlimmern. Die Waffen auf der Welt werden vernichtet aus Angst vor gewaltigen Kriegen. Man sagt man schießt unzählige Bomben in den Weltraum. Die Yeshui können uns beschützen." "Ich wünsche für euch alle das sie es tun werden wenn es Zeit dafür ist. Aber ich weiß es nicht, verzeiht. Die Ehre die ihr mir bietet solltet ihr für die aufbewahren die sie verdient haben." "Ihr seid eine Yeshui, das sieht man euch an und wenn ihr ihre Kampfkunst erlernt habt seid ihr deren würdig! Ihr bringt Hoffnung mit euch, man wird zu euch aufsehen ob ihr wollt oder nicht!" schrie ein Mann. Die anderen nickten und verbeugten sich erneut."Die Chinesen sind ein starkes Volk, denkt an das, was ihr schon vor langer Zeit geschafft habt, welche Kriege ihr überstanden habt! In jedem von euch steckt eine uralte Geschichte. Besinnt euch an das was eure Ahnen euch mitgegeben haben und ihr werdet feststellen, das ihr stärker seid als ihr denkt. Verlasst euch auf Eure Instinkte. Mehr kann ich euch nicht raten. Ich wünsche euch allen, das es gut für euch ausgeht!" eilig lief sie weiter. Es war ihr unangenehm so im Mittelpunkt zu stehen und sie kam sich vor wie im Mittelalter. Sie musste an die Worte ihres alten Religionslehrer denken."In Zeiten der Not brauchen Menschen immer etwas, zu dem sie aufsehen können. Für die meiste Zeit reicht ein Gott, aber in wirklich schlimmen Zeiten braucht man Helden die man sehen und anfassen kann." Vielleicht sahen die Menschen hier in den Yeshui, die alten Krieger die unbesiegbar waren. Das die Yeshui sich nicht um die Dinge der anderen kümmerten hatte man wohl vergessen. Oder würden sie tatsächlich irgendwann aus den Bergen kommen um zu helfen? Sie wusste zu wenig über die Geschichten und Taten der Yeshui als das sie sich darüber ein Urteil bilden konnte. Sie rannte los um schnell bei Jack sein zu können. Das Nebeltal stand auch voller Zelte, Jacks Haus sah allein und verlassen aus. Ungeduldig klopfte sie an die Tür. Eine junge Chinesin machte auf und sah sie ängstlich an."Wir haben keinen Platz mehr, es tut mir leid. !", sagte sie sofort als sie Ifri sah."Ist Jack da?" Die Chinesin sah sie prüfend an. Dann rief sie Jack der nun zur Tür kam. Er lächelte als er Ifri sah und nahm sie zur Begrüßung in den Arm."Ifri! Was führt dich zu mir?" Sie trat ein und sah verwundert das nun fast 10 Menschen in dem Haus lebten. Mehrere weiße waren dabei und alle sahen Ifri neugierig an. Paul hatte sie wieder an den Gürtel genommen, ihm gefiel das hier alles gar nicht."Ich wollte sehen wie es dir geht. Wie ich sehe hast du Gesellschaft bekommen?!", stellte sie fest."Es geht mir recht gut, ich kann mich nicht beklagen bis auf das ich Sorgen mit Ratten habe die andauernd die Kanalisation herauf kommen." Ifri wurde blass: "Ratten?!", rief sie entsetzt aus. Jack stockte einen Augenblick."Jetzt erzähl mir das du jahrelang in der Wildnis lebst und Angst vor Ratten hast!" Sie zog Jack beiseite, so das die anderen es nicht hören konnten."Die Ratten sind krank, wenn sie dich beissen wirst du sterben an einer Art Lungenentzündung!" Jacks Augen weiteten sich."Ist hier schon jemand gebissen worden?", fragte sie nervös."Nein bis jetzt noch nicht, wir gehen immer in den Wald um unsere Geschäfte zu erledigen." "Gut, dann geh den Viehchern bloß aus dem Weg!", sagte sie betont. Jack nickte nun ängstlich."Willst du bleiben? Ist schön dich zu sehen!" Ifri lächelte."Ist schön dich zu sehen. Ich glaube nicht das für mich Platz ist. Ich werde gegen Abend in den Wald gehen. Mal sehen wohin ich dann gehe." "Das kommt überhaupt nicht in Frage. Neben mir ist noch ein Platz frei. . . . oder kommt dein Maho auch noch?" Ifri sah traurig zu Boden."Nein, Maho wird heiraten, eine andere. Aber das erzähle ich dir ein ander mal. Wie kommst du zurecht?" "Man gewöhnt sich daran das es jeden Tag schlimmer wird. Selbst hier draußen. Man sieht viele Kranke die vorbeiziehen. Wenn der Wind schlecht steht riecht man die Städte, süß und faul. Widerlich. Wir müssen jeden Tag runter zum Fluß um zu trinken und uns zu waschen. Viele reden davon das die Yeshui kommen und uns helfen, ist da was dran?" "Ich weiß es nicht. Die Yeshui kümmern sich nicht um das Leben außerhalb ihres Volkes. Oder sie holen Informationen, ohne das ich es gemerkt habe. Wir besitzen viele Heilmittel, ja. Aber es wäre lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es sind zu viele, viel zu viele. In dem Dorf leben 200 Männer und Frauen. Was können die schon groß ausrichten?" "Man erzählt sich die Yeshui haben früher oft wahre Wunder vollbracht, aber man sprach auch von zehntausend Mann starken Heeren. Anscheinend nur Geschichten." "Kann auch sein das es früher mal so viele gab. Ich weiß es nicht. Aber die Lage hier ist erschreckend, sie macht mir Angst." "Morgen schon wird sich einiges ändern. Sie wollen Peking und die umliegenden Städte niederbrennen um die Ratten und die Seuchen einzudämmen." "Peking niederbrennen? Es besteht aus Stein, und was ist mit der Verbotenen Stadt? Die können die doch nicht einfach so abreißen?" "Was bringt ein Altertum wenn niemand mehr da ist der es sich ansehen kann? Es muß was geschehen, seid einem Jahr vegetiert die Menschheit vor sich hin, hier in China zumindest. Bis vor zwei Monaten konnten wir Fernsehen, dann ist auch der letzte Sender hier in der Gegend abgeschaltet worden. Radio kann man manchmal hören, aber meistens sind es nur Lageberichte aus Amerika und Europa, dort herrschen mächtige Bürgerkriege. Die brauchen keine Angst vor Seuchen zu haben, die metzeln sich selber gegenseitig zu Grunde." Er lächelte zynisch. . Die junge Chinesin kam zu ihnen: "Ich habe gehört das sie die halbe Stadt mit Sprengstoff verdrahted haben und eine Menge Benzin verschütten. So werden sie zumindest einen ganzen Teil der Ratten los. In anderen Regionen soll es genau so sein." Ifri konnte das alles nicht glauben und setze sich nun schwer auf den Boden."Ja es ist hart gekommen. Aber das ist erst der Anfang.", sagte ein junger Mann mit französischem Akzent."Wer weiß ob das alles irgendjemand überleben wird" "Wie kann so schnell eine ganze Zivilisation zusammenbrechen? Innerhalb von einem Jahr?", wollte sie noch wissen."Panik und Egoismus. Die Gier der Menschen ist dabei auch keine Nebenrolle.", sagte Jack finster.
Drei Wochen blieb Ifri bei Jack im Haus bis sie die trübe Stimmung nicht mehr ertragen konnte. Jeden Tag redeten alle vom Ende. Paul wurde still und deprimiert, immer wieder war er lange im Wald und kam abends müde und elendig zurück. Tatsächlich sah man nach zwei Wochen wie im Osten, dort wo Peking lag eine riesige Feuerwolke tobte. Der ganze Himmel wurde schwarz und es regnete Asche. Es stank fürchterlich egal von welcher Richtung der Wind kam, man behauptete das alle umliegenden Städte verbrannt werden würden. Eine Woche lang konnte man kaum atmen und die Sonne kam nicht mehr durch die dicken Qualmwolken am Himmel hindurch. In der dritten Woche starben hunderte von Menschen die an einer neuen Krankheit litten. Sie hatten am Anfang über starke Kopfschmerzen geklagt, bekamen Nachts starke Krämpfe und starben einfach. Man vermutete es sei durch Gifte in der Luft die durch die Gase des Feuers entstanden sind. Andere sagten es sei durch das Flußwasser, das immer mehr verdreckte da in ganz China die Menschen die Flüsse zum waschen und trinken nutzten. Ifri hielt es nicht mehr aus und beschloss zu Jotomo zu gehen um dort Informationen auszutauschen. Als sie die Ebene betrat sah sie sofort das auch hier deutlich weniger Zelte standen. Als man sie entdeckte warfen sich die Menschen diesmal auf den Boden. Ifri verstand es nicht und bat sie wieder auf zu stehen, aber sie bekam nur zu hören das sie eine Yeshui sei und das man diese Ehren müsse. Verzweifelt ging sie zum Tempel als ein Raunen durch die Menge ging. Sie hörte Pferdehufe und das Klappern von Rüstungen. Verwundert ging sie um den Tempel herum und hielt sich eine Hand vor den Mund als sie sah wie 10 Männer der Yeshui, angeführt von Maho auf Pferden zum Tempel ritten. Die Menschen schmissen sich zu Boden als sie die Krieger sahen, Frauen weinten und manche hoben flehend die Hände. Maho sah sie und trieb sein Pferd an. Vor ihr stieg er ab und verbeugte sich. Ifri sah ungläubig auf die Pferde und dann wieder zu Maho der ein ernstes und finsteres Gesicht machte."Wo habt ihr die Pferde her und seit wann könnte ihr reiten? Warum tragt ihr Rüstungen?" "Es gibt viel was du nicht weißt und nicht verstehst, wir haben nach dem großen Feuer Botschafter ausgesandt um die Lage zu erkunden. Sie berichteten von dem was sie gesehen haben und wir haben beschlossen mit Jotomo ein Bündnis, das vor mehr als zehntausend Jahren geschlossen wurde auferleben zu lassen. Die Shemzio haben den Weg zu uns gefunden, ein Volk das ähnlich wie wir in den Ebenen der Fuz Ha lebt. Sie sind mit 500 Mann und doppelt so vielen Pferden gekommen, in solchen Zeiten ist man zu Fuß zu langsam. Wir erwarten bald das Volk der Jin aus dem Norden, auch sie gehören dem alten Bündnis an. Wenn sie noch so stark sind wie ich sie als Kind gesehen habe, werden sie mit fast 1000 Männern und Frauen kommen, wobei die Frauen die tödlichsten Krieger sind die ich kenne. Das sollte dir als Erklärung reichen, ich habe wichtige Sachen zu erledigen." Er trat kühl an ihr vorbei und ging zum Tempel. Die anderen Männer folgten ihm, Liu war auch dabei. Man band ihre Pferde an und empfing sie, alle gingen hinein und Ifri stand wütend, traurig und unsicher draußen. Sie konnte nicht glauben was Maho ihr erzählt hatte, in China konnte es doch nicht so viele Stämme geben die lebten wie vor tausend Jahren? Und was wollten sie bezwecken und was war das für ein Bündnis von dem Maho sprach? Und wieso verachtete er sie nun so und war so kühl zu ihr? Keine Regung hatte sie in seinem Gesicht gesehen als er sie sah. Verwirrt beschloss sie zu warten bis die Männer wieder hinaus kamen, aber noch bevor sie sich setzten konnte hörte sie eine vertraute Stimme hinter sich: "Verzeih ihm, er hat nun eine große Last zu tragen, sein Vater beauftragte ihn mit allen Geschäften, die dieser Tage erfordern." Liu stand hinter ihr und lächelte sie gutmütig an. Er sah durch die Rüstung noch größer aus und auch sein Gesicht spiegelte Besorgnis und Kummer wieder. Ifri verbeugte sich und betrachtete die Rüstung. Sie war fast ganz aus Leder, das Brustschild aus Metall. Sie saß eng am Körper und schien nicht sehr schwer zu sein was den Kriegern erlaubte sich recht frei zu bewegen. Der Helm war schwarz und an dem Hinterkopfstück hing ein langer Schwarzer Zopf der Liu fast zu den Kniekehlen reichte. Er war schwer bewaffnet, mit Bogen, Schwert und zwei kleinen Dolchen."Wie kann es sein das ich das alles nie gesehen habe und das alles nicht gewusst habe?", stotterte sie."Es wäre der dritte Teil deiner Ausbildung gewesen. Wir tragen die Rüstungen unserer Ahnen in Zeiten die es erfordern. Den Umgang mit Pferden und das reiten zu erlernen ist nicht schwer wenn man seinen Körper so unter Kontrolle hat wie ein Yeshui, auch für dich wird es ein Kinderspiel sein." Sie stockte, für sie? Warum sollte sie? Sie hatte die Yeshui in Schande verlassen würde man sie bitten zurück zu kommen? Würde sie einstimmen? "Was ist das für ein Bündnis von dem Maho geredet hat?" "Ein altes Kriegsbündnis. Ein Botschafter der Jin erreichte uns vor zwei Wochen, Heere aus Europa sind an den Nordischen Küsten gestrandet, sie wollen große Teile unseres Landes um Getreide und Mais für ihr Volk anzubauen, es muß schrecklich in Europa sein. Sie bauen jetzt schon Kolonien und leiten Flüsse in große Seen um Wasser für sich zu sichern. Sie sind zu keinerlei Verhandlungen bereit und bekämpfen jeden, der sich ihnen in den Weg stellt. Sie werden immer mehr und werden China überrennen wenn wir sie nicht aufhalten." Ifri wurde blass. Krieg war nun auch hier in China ausgebrochen? "Aber China ist so groß, warum kann man ihnen nicht einfach ein Stück Land geben? Und was wollt ihr ausrichten, sie werden Maschinengewehre und Bomben haben, sicher werden sie nicht mit Pfeil und Bogen kämpfen!" "Sie haben Waffen, aber nicht viele. Es wurden fast alle vernichtet um große Kriege zu verhindern. Wenn sie unser Land wollen, werden sie auf Bomben verzichten, um es zu schonen. Wasser ist knapp, auch hier und wenn wir uns nicht verteidigen bleibt bald für uns nichts mehr." "Aber es muß doch andere Lösungen geben. Das Leid ist groß genug, warum müssen noch mehr durch Gewalt sterben?" "Warum tötest du eine Mücke wenn sie dich Sticht? Sie will auch nur ihr Leben sichern und geht dir dabei zu Leibe. Wir sind nicht in Europa gelandet. Wir werden uns verteidigen. Das alte Bündnis besagt das der Tempel des Shui-Ordens der letzte Punkt vor der verbotenen Stadt ist. Die Mönche werden alle Verwundeten versorgen und neue Kräfte werden hier ausgebildet. Wir ziehen in den Krieg, niemand hat gedacht das es noch mal soweit kommen wird aber dafür waren wir unser ganzes Leben bereit. Dazu haben wir trainiert um unser Leben und unser Land zu verteidigen wenn es soweit ist. Die Europäer werden feststellen das es in diesem alten Land noch Mächte gibt, mit denen sie nicht gerechnet haben." "Was ist denn mit der Regierung? Was ist mit der Arme? Wieso müsst ihr in den Krieg?" Liu lächelte abwertend."Siehst du sie? Wo sind sie mit ihren Soldaten? Wo sind sie und helfen den Menschen die geflohen sind? Sie sind damit beschäftigt die Städte abzureißen und so zu tun als hätten sie alles im Griff. Nein Ifri, es liegt an uns." Bevor Ifri weiter darüber nachdenken konnte ging die Tür auf und Maho mit seinen Männern und Jotomo kamen heraus. Er blieb auf der Treppe stehen, sah sich um und rief dann laut und seine tiefe Stimme dröhnte über die ganze Ebene: " Hört mich an!" Sofort schmissen sich die Menschen wieder zu Boden."Die alten Geschichten besagen das die Yeshui in Zeiten der Not den Menschen in China geholfen haben. Viele hundert Jahre sind vergangen und wir mussten nicht tätig werden, aber nun, wo die Welt kurz vor dem Zerbrechen steht haben wir entschieden die alten Bündnisse auferleben zu lassen. Europäer sind im Norden gelandet und wollen unser Wasser und unser Land. Es herrscht Krieg dort und er wird über ganz China walten bis hier her. Völker aus dem Norden und aus dem Westen sind auf dem Weg hier her damit wir gemeinsam denen die Stirn bieten, die das unsere fordern! Ihr habt alle in Luxus gelebt und habt nun Angst und seit verzweifelt. Dennoch brauchen wir Männer und Frauen, die bereit sind für uns zu kämpfen und zu heilen. Wir brauchen Ärzte, und einen jeden, der den Mut und die Kraft hat ein Schwert und einen Bogen, Gewehr und Pistole zu führen, wenn die Europäer hier her kommen! Ein jeder der dazu bereit ist möge aufstehen und wird von Jotomo und seinen Brüdern unterwiesen. Sorgt dafür das die Zelte in unserem Dorf verschwinden und macht Platz auf den Ebenen drum herum. Die Jin und die Shemizo sind auf dem Weg hier her und die Yeshui verlassen so eben ihren Sitz in den Bergen." Prüfend sah er auf die hunderten Menschen die immer noch bewegungslos knieten und nicht wagten aufzusehen."Ein jeder der uns helfen will, möge jetzt aufstehen!" Mit einem Mal standen fast alle auf, das Bild war überwältigen, lediglich die Alten und die Kinder blieben auf den Knien. Manch ein junger Spund wollte aufstehen, aber er wurde von einem Elternteil wieder hinunter gedrückt. Ifri sah das alles wie aus der Ferne. In ihrem Kopf schwirrte Krieg, Sterben und Tot. Sie hatte Angst. Maho saß wieder auf sein Pferd auf und ritt zu Liu und Ifri. Von oben sah er auf sie herab und sagte tonlos: "Du bist eine Yeshui-Kriegerin, deine Pflicht ruft dich nun." Er griff hinter sich und zog das Schwert Jakutos von seinem Rücken."Das soll ich dir geben, es soll dir Glück bringen, es gehört nun dir wenn du es annimmst!" Er hielt es ihr entgegen und nur langsam konnte sie die Arme erheben um es entgegen zu nehmen. Sie war sprachlos und verbeugte sich."Bleibe bei Liu und sorgt dafür das unser Dorf geräumt wird. Erwartet uns in zwei Tagen zurück, wir werden hier aufrüsten, das Tal im Tse-Fin-Gebirge ist zu klein als das dort alle Platz haben werden." Er neigte den Kopf zu Liu der sich sofort verbeugte, dann sah er noch mal zu Ifri und einen Moment sah sie in seinen Augen Leid, Angst und Zuneigung, dann spornte er sein Pferd an und ritt los. Die anderen Männer folgten ihm, Liu und Ifri standen zurückgelassen vor dem Tempel. Man sah wie mehrere Chinesen die Ebene durch den Tunnel verliesen."Sie werden die Nachricht verbreiten, wenn wir im Dorf sind wird schon alles laufen. Uns bleibt nicht viel zu tun und bis morgen abend haben wir noch etwas Zeit das ich dich vorbereiten kann." "Vorbereiten?", fragte Ifri unsicher."Für den Kampf!" Ifris Knie wurden weich, sie sollte nun wahrhaftig kämpfen bis auf den Tod? Ihr Angst steigerte sich nur noch mehr. Liu sprang auf sein Pferd und bot Ifri die Hand. Wie in Zeitlupe streckte sie ihre aus und ließ sich auf das Tier ziehen. Sie saß nicht ganz als sie schon los galoppierten. Paul rannte begeistert hinterher, das Trübe warten hatte ein Ende, es passierte endlich wieder etwas. Im Yeshui-Dorf angekommen herrschte tatsächlich großes Treiben. Man räumte die Häuser und packte die Zelte auf den Hügelwiesen zusammen. Ifri verwunderte dass, denn sie konnte sich kaum vorstellen das in Australien irgendjemand kommen könnte, Befehle erteilen und alle befolgten sie ohne murren. Aber die Yeshui waren wohl tatsächlich ein Volk das großen Respekt in dieser Gegend genoß. Liu ritt zu einem Art Zaungatter das man notdürftig errichtet hatte um Pferde darin zu halten. Sie stiegen ab und er sagte: "Such dir eins aus, es sollte nicht zu groß, dennoch schlank und gut im Körper sein." "Aber die gehören doch sicher irgendjemanden, ich kann doch nicht einfach eins weg nehmen." "Wir brauchen sie für den Krieg, keiner wird einen Einwand dagegen haben." Unsicher trat sie in das Gatter und sah sich um. Sie hatte keine Ahnung von Pferden. Die meisten waren klein und knochig, die Art Pferd, die am meisten in China verbreitet waren. Ein paar große schlanke waren auch dabei, so wie die Sportpferde die man im Fernsehen im Springen sah. Ein Pferd sah aus wie das eines Indianers, andere waren kleine Ponys die dick und träge waren. Sie sah zwei kleine kräftige Pferde, einer war schnee weiß. Ihr kam in Erinnerung das ihr ein kleines Mädchen mal erklärt hatte das weiße Pferde dunkel zur Welt kommen und das sie lange brauchten bis sie weiß wären. Also war dieses Tier schon alt und Ifri wollte ihm die Strapazen die ihm bevor standen nicht zumuten. Das andere war cremefarben, hatte langen schwarzen Behang und einen mächtigen Hals. Es musste aus Spanien oder spanischer Abstammung sein, der Kopf war edel und wachsame mutige Augen blickten ihr entgegen."Was ist mit dem?", fragte sie vorsichtig und drehte sich zu Liu um. Er nickte nur und ein Mann der am Zaun stand eilte herbei, fing das Tier ein und sattelte es."Ist es gut?" fragte sie als sie wieder bei Liu stand. Er saß auf einem schmaleren Pferd aber ziemlich genau die gleiche Größe wie das, was sie sich ausgesucht hatte."Wird sich herausstellen. Wir werden gleich schon das Reiten üben." Der Mann kam mit dem gesattelten Pferd zu ihnen getrabt und überreichte es Ifri."Ein gutes Pferd, noch jung, vier Jahre mag er sein. Er kommt von dem spanischen Gestüt im Westen, sein Name ist El Paso. Trotz das er Hengst ist macht er keine Schwierigkeiten, man sagte mir das man vor kurzen mit seiner Ausbildung begonnen hatte, er diente als Dressurpferd und als Pferd das man für den Stierkampf ausbilden wollte, wie weit er da ist weiß ich nicht." Liu nickte zufrieden. Ifri klopfte El Paso vorsichtig auf den Hals und strich ihm über den Kopf."Nun gut mein Junge, dann werden wir mal sehen ob du mir das reiten beibringen kannst." Sie ließ sich erklären wie sie auf zusteigen hatte und wie sie lenken musste. Aber als der Mann ihr die Zügel geben wollte winkte Liu ab und sagte: "Nimm die Zügel soweit auf bis du eine leichte Spannung verspürst. Dann mache einen Knoten hinen, du wirst mit den Beinen lenken müssen, die Hände brauchst du um zu kämpfen. Ifri tat das was Liu sagte, sie ritten etwas abseits auf einer freien Wiese. Dort erklärte er ihr alles genau, wie sie lenkte, wie sie still sitzen konnte, was sie nicht machen sollte um dem Pferd nicht zu schaden und wie man das Tempo wechselte. Am Anfang kam sie sich sehr unbeholfen vor, aber dadurch das El Paso schon ausgebildet war und sehr schnell verstand was Ifri von ihm wollte klappte es bald schon recht gut. Es machte ihr schnell Spaß über die Wiesen zu galoppieren und sie wollte kaum noch aufhören. Aber Liu sagte irgendwann das sie nun ins Dorf müssten um nach dem rechten zu sehen. Paul war es erst nicht geheuer nun neben einem Pferd zu laufen, aber Ifri ermahnte ihn einmal und er hielt ruhig neben den Pferd Schritt. Als sie ins Dorf kamen waren beinahe fast alle Häuser geräumt. Die Menschen verbeugten sich tief als sie an ihnen vorbei ritten. Liu erteilte Befehle und erklärte den Menschen was sie zu tun hatten. Man sollte alle Waffen die man besaß zu Jotomo bringen, damit sie dort verteilt werden konnte. Die Menschen die das Dorf besiedelt hatten sollten sich im Wald einquartieren. Er beauftragte Menschen die sich um mehr Pferde und deren Pflege kümmern sollten. Eine ganze Kolonie wurde beauftragt Felder anzulegen, zu sähen und sich um die Nahrung zu kümmern. Jeder tat das was man ihn sagte. Danach ging er mit Ifri in sein altes Haus und brachte sie in ein kleines Zimmer wo zwei große Truhen standen. Er öffnete eine, und zog eine Rüstung hinaus."Du fragst dich sicher warum Yinshe und ich keine Kinder haben. Wir hatten welche, zwei Jungen, sie waren unser ganzer Stolz. Sie stritten sich, da waren sie gerade 14. Der Streit eskalierte und sie forderten sich zum Schwertkampf heraus. Wir wussten von all dem nichts, sie taten es im Verborgenen. Der Jüngere siegte und brachte seinen älteren Bruder um. Als er merkte was er getan hatte schnitt er sich selber die Kehle aus Scham durch." Ifri sah bedrückt zu ihrem Trainer der ohne jede Gefühlsregung diese Geschichte erzählte und dabei eine Rüstung seiner Söhne in der Hand hielt."Keshmahi war gerade 15 geworden und hatte deine Größe und Statur. Er bekam die Rüstung zu seinem Geburtstag, ich möchte das du sie trägst, du bist ihrer würdig!" Ifri schluckte und verbeugte sich tief, ehrfürchtig zog sie die Rüstung an, sie war etwas eng aber geschmeidig und verlieh ihr eine Art Sicherheit. Liu zeigte ihr wie sie die Schwertschneide an ihrem Gürtel sicher befestigte, gab ihr einen Köcher mit ca. 30 Pfeilen und einen Bogen den sie über die Schulter legte. Nun fühlte sie sich stark, die Rüstung und die Waffen nahmen ihr die Angst und sie erhob stolz das Gesicht als sie zusammen mit Liu wieder hinaus ging. Aber sie hatte wenig Zeit dieses Gefühl zu genießen, sie packte mit an wo es ging, hörte sich die Sorgen der anderen an und kümmerte sich um die Vorräte im Dorf. Sie schlief in Liu´s Haus in ihrem alten Zimmer. Sie hatte Alpträume und wurde immer wieder wach. Jetzt wo alles zur Ruhe gekommen war nagte die Angst wieder an ihr, wie sollte sie einem Arme mit Gewehren entgegentreten wenn sie solche Angst davor hatte zu sterben? Unruhig verbrachte sie die Nacht und stand früh am nächsten morgen auf. Liu trainierte sie fast den ganzen Tag im Kampf zu Pferd. El Paso scheute erst als Ifri ihr Schwert auf ihm Kreisen ließ, aber er gewöhnte sich schnell daran. Maho stellte Säcke mit Stroh auf die sie aus dem vollen Galopp aufschlitzen sollte und schließlich mit dem Bogen treffen musste. Dank ihrer Ausbildung und dem sicheren Umgang mit den Waffen hatte sie den Dreh schnell raus. Wieder fühlte sie sich etwas besser und ging gut gelaunt zurück ins Dorf. Nun erwartete man das eintreffen der Völker jeden Moment. Liu ritt mit Ifri auf einen Hügel und blickten gen Norden. Es dauerte nicht lange als man durch einen Bergpass die ersten Reiter sehen konnte, klein und fern. Ifri musste sich eine Hand vor den Mund halten als sie sah wie immer mehr Reiter durch den Bergpass kamen. Es schien kein Ende zu nehmen, Fahnen wurden getragen und langsam hörte man das donnern der Hufe von mehr als tausend Pferden. Oder waren es noch mehr? Die Schlange schien endlos zu sein, bald schon erkannte sie das die ersten zweihundert Reiter von den Yeshui waren. Sie erreichten die Hügelwiesen und Maho, der neben seinem Vater an der Spitze ritt galoppierte zu ihnen auf den Hügel. Die Menschen in der Umgebung drängten sich zusammen, die Menschen aus dem Nebeltal und aus der Ebene des Shui-Ordens kamen ebenfalls herbei um den Einzug der Völker zu sehen. Es war totenstill, nur das Schnauben der Pferde war zu hören. Die Menschen warfen sich zu Boden, in ihren Gesichtern stand Ehrfurcht und Hoffnung als die Krieger an ihnen vorbei ritten. Die ersten erreichten schon die Häuser und saßen ab und immer noch strömten aus dem Bergpass immer mehr Reiter. Als Maho bei ihnen war sah er Ifri lange an und musterte sie, ein Hauch von einem Lächeln strich über sein Gesicht. Ifri neigte den Kopf und versuchte kühl und distanziert an ihm vorbei zu sehen, aber es war sehr schwer. Jakuto kam ebenfalls zu ihnen und betrachtete stolz das Heer das er mit sich gebracht hatte. Auch er lächelte als er Ifri auf einem Pferd, bewaffnet und in Rüstung sah. Dann erhob er stolz die Stimme: "Die Jin sind mit 4000 Mann aus dem Norden gekommen. Sie sind stark wie nie und haben seit dem letzten Jahr viele mutige Anhänger bekommen. Sie haben den Europäern im Norden tapfer stand gehalten und können uns viel über deren Vorgehensweise sagen. Die Shemizo sind mit weiteren 400 Männern gekommen und haben viele Waffen dabei. Ich hätte nicht gedacht das in diesen Tagen noch ein solches Herr aus alten Völkern entstehen kann. Ich bin stolz das dies meine Tage sind, auch wenn es den Untergang bedeutet. Ifri hielt es für angebracht Jakuto nun für das Schwert zu danken."Mein Herr, habt dank für das Schwert, ich werde es in Ehren halten!" Jakuto lächelte sie an."Es erfüllt mich mit stolz zu wissen das dieses Schwert noch mal von einem Yeshui-Krieger geführt werden kann. Möge es dir Glück und Sieg bringen!" Zu Liu gerichtet sagte er: "Wenn die Truppen untergebracht sind, fange an weitere Männer z gewinnen in dem du dir die bereitwilligen Kämpfer zur Brust nimmst. Ich will nicht länger als eine Woche hier bleiben, dann brechen wir auf!" Liu verneigte sich, gab Ifri ein Zeichen und sie ritten zurück ins Dorf. Maho sah ihnen ernst nach bis sein Vater ihn mit weiteren Befehlen wieder ablenkte.
"Ist er jetzt verheiratet?", fragte sie am Abend Yinshe. Sie war mit den anderen Frauen zurück gekehrt um zu Helfen, wo es was zu helfen gab. Liu hatte weitere 150 Mann ausgesucht und sie noch am Nachmittag zu Jotomo geschickt um sich zu bewaffnen. Es waren meist junge Männer die sich kampfbereit zeigten, die Mehrheit allerdings hatte Angst und schaute beschämt zu Boden wenn Liu an ihnen vorbei ritt. Ifri konnte es ihnen nicht übel nehmen, denn in ihr nagte die Angst genau so, nur das sie viel besser ausgebildet war als die meisten anderen hier."Maho?" Yinshe sah überrascht auf. Ifri nickte gespannt."Nein, aber eigentlich hat er schon eine gewählt, Shi, die Tochter unseres Schmiedes. Aber als die Boten von der Lage aus dem Norden berichteten wurde die Hochzeit bis auf weiteres verschoben." In Ifri regte sich ein Funken Hoffnung, noch war Maho frei. Gleich darauf dachte sie wieder an den Krieg und die Schlachten die ihnen bevor standen und sie wusste nicht ob diese Nachricht ihr dann noch etwas bringen würde. Shi war eine hübsche junge Chinesin, aber Ifri hatte sie immer für etwas dumm gehalten. Sie redete nicht viel und wenn, dann war es nur über Hausarbeit und Kinder. Warum hatte Maho so eine gewählt? Im Dorf gab es genug kluge Frauen, die ebenso schön waren. Yinshe gab Ifri eine kleine Kiste und bat sie: "Bringe sie bitte für mich zu Liu. Er hat sie vergessen und ich muss hier noch so viel erledigen!" "Aber natürlich gerne!", lächelte Ifri. Yinshe war immer gut und freundlich zu ihr, Ifri war froh wenn sie ihrer Gastgeberin auch mal einen Gefallen tun konnte. Sie musste in das Versammlungshaus am Fluß gehen, dort sprachen die Stammesführer miteinander. Sie eilte zum Fluß und bog zu dem Haus ab. Bevor sie noch an die Tür klopfen konnte machte Maho sie auf und sah bedrückt auf sie herab."Ich. . . . habe dies für Liu, Yinshe bat mich es herzubringen. . ." "Gib es mir, ich bringe es ihm.", sagte er knapp und streckte seine Hände nach der Kiste aus. Dabei trat er einen Schritt vor und Ifri konnte nun sehen das die Sitzungshalle voll war. Mindestens 200 Männer und Frauen saßen dort drinnen und hörten dem Anführer der Jin, Stijushi, einem kleinem kräftigen Kerl mit spitzer Stimme zu. Schnell erkannte sie das beinahe alle Krieger der Yeshui anwesend waren."Oh, ich wusste nicht das wir zuhören können. Ich kann sie ihm dann auch selber geben.", sagte sie und wollte sich an Maho vorbei drängen. Aber er trat ihr in den Weg und sagte bestimmt: "Nein, ich bringe sie für dich. Geh nach Hause, Ifri." Überrascht und verwundert sah sie ihn an: "Ja aber ich möchte auch gerne zu hören. Warum hat mir denn niemand Bescheid gesagt?" Maho sah nun zu Boden, "Weil du nicht her kommen solltest. Du bist nicht eingeladen." In Ifris Magen rammte sich ein stumpfer Schlag und sofort hatte sie einen Kloß im Hals. Verständnislos versuchte sie aus Mahos Augen irgendein Zeichen zu finden, was sie zum Deuten dieser Worte verwenden konnte."Aber es geht mich doch auch etwas an, warum darf ich nicht rein?" "Weil du nicht zu uns gehörst. Du wirst erfahren was wir besprochen haben wenn es soweit ist." "Und wann ist das? Wenn die Europäer auf uns zu rennen?" "Du solltest nach Hause gehen." Nun stieg Wut in ihr auf, sie legte die Kiste vor Maho auf den Boden, dann trat sie einen Schritt zurück, löste ihr Schwert und legte es daneben. Maho sah sie verständnislos an."Was tust du da?" "Wie soll ich neben Männern kämpfen, die mich ständig ausgrenzen? Wie soll ich meine Furcht überwinden wenn ich keinen habe der sie mir ein wenig nehmen kann? Wie soll ich an etwas glauben und dafür in den Tot ziehen, wenn niemand an mich glaubt. Ich dachte ich hätte hier, bei euch ein zu Hause gefunden und ich war bereit dafür zu sterben, aber ich muß feststellen das mein zu Hause woanders liegt, oder ich keines mehr habe. Ihr müsst ohne mich in den Krieg gehen, aber ich glaube das ihr so viele gute Kämpfer habt, das ich nicht weiter fehlen werde. Leb wohl!" Maho ließ die Tür leise ins Schloß fallen und eilte ihr nach."Warte!", zischte er, aber Ifri fing an zu laufen. Sie wollte nur noch weg. Maho hatte sie verletzt, ihr Stolz war gekränkt und sie fühlte sich nutzlos und überrumpelt. Er holte sie schnell ein und sie gab auf."Laß mich in Ruhe.", sagte sie tonlos und ging mit gesengtem Kopf weiter. Maho ging neben ihr."Du musst lernen deine Gefühle besser in den Griff zu bekommen!", sagte er bestimmt. Ifri bog zum Fluß ab, sie wollte nicht zurück ins Dorf, zu Yinshe. Sie wollte alleine sein und Maho ging ihr auf die Nerven."Wozu? Es ist egal was ich mache, immer werde ich zu hören bekommen, das ich nicht dazu gehöre, das ich hier nicht hingehöre, dafür wirst du schon immer sorgen." "So ein Blödsinn! Wenn ich es sage, dann nur zu deinem eigenen Schutz." Jetzt drehte sie sich zu ihm umsah ihn giftig an."Wovor willst du mich schützen? Vor dir? Vor deinem Vater? Vor den Europäern? Ich brauche deinen Schutz nicht, ich kann sehr gut auf mich selber aufpassen. Ich brauche dich überhaupt nicht, das ich hier bin, und kämpfen will, hat nichts mit dir zu tun. Du verachtest mich, ich weiß nicht warum, aber ich habe mich damit abgefunden." "Glaubst du ich habe beschlossen das du nicht zur Versammlung kommen darfst? Nein, es war nicht an mir das zu entscheiden." "Wer dann?" "Die Jin, die Shemizo, mein Vater. Sie haben beschlossen dich außen vor zu lassen damit du unser Volk nicht in Schande bringst." "In Schande? Warum sollte ich?" "Du bist keine Yeshui, trägst aber trotzdem unsere Rüstung. Wenn du versagst werden alle darüber lachen und würden uns in Schande ziehen." Ihre Wut änderte sich in Fassungslosigkeit."Das glaubst du? Du glaubst ich könne dich und dein Volk beschämen? Davor habt ihr Angst?" "Du bist eine sehr gute Schülerin und dein Kampf ist gut und sicher, aber deine Emotionen. Ifri, du musst lernen das du in einem Land bist, in dem es egal ist wen du liebst, wen du hasst und wen du begehrst. Tränen, Wut und Trauer gehören einfach nicht in solche Zeiten." Sie hörte gar nicht mehr zu sondern ließ Maho stehen. Er hatte recht, sie musste sich besser im Griff haben, aber jetzt war es zu spät. Aber Maho ließ diesmal nicht locker."Ifri wo willst du hin?" Er trabte wieder zu ihr."Zu Jotomo und dann zu Jack." "Aber was ist mit uns?" "Mit wem? Mit den Yeshui oder mit uns beiden?" Maho überlegte einen Moment."Mit beiden!" "Zu den Yeshui, ich kann es nicht mit mir vereinbaren für jemanden zu kämpfen der mich nur dann nimmt, wenn ich ihn nicht gerade blamieren könnte. Ich liebe dieses Volk und ich habe versucht mich dem anzupassen, aber auch ich habe Angst, Kummer und meine Gefühle die ich nicht unterdrücken kann. Vielleicht lerne ich ja gerade das es für jemanden Fremden unmöglich ist eine Yeshui zu werden. Ich habe es versucht. Zu dir und mir, ich werde akzeptieren das du eine andere heiratest und wer weiß, vielleicht werde ich auch irgendwann jemanden finden. Aber ich akzeptiere es nicht das du auf mich herabschaust als wäre ich eine Hure oder sonst was. Ich akzeptiere es nicht das du mich vor allen anderen behandelst als wäre ich Luft. Ich weiß das es hier anders mit den meisten Sachen ist, als ich es kenne, aber eines akzeptiere ich besonders nicht!" Sie holte tief Luft uns sah Maho finster in die Augen."Ich akzeptiere es nicht wenn ich mich in jemanden verliebe, der sein ganzes Leben danach ausrichtet, wie sein Vater es gerne möchte ohne Rücksicht auf eigene Gefühle." Mahos Gesichtsausdruck wirkte plötzlich gespannt und düster."Du kannst mich jetzt umbringen da ich etwas gegen deinen Vater oder gegen deine Ehre gesagt habe." Sie drehte sich erneut zu ihm um und kam nah an ihn heran."Was hat dich so verbittert gemacht?", fragte er ruhig."Die Angst vor dem Krieg.", sagte sie prompt."Mach die Augen zu." "Was?" "Mach die Augen zu!" Verwirrt schloß sie die Augen. Er legte eine Hand darauf und drückte sie sanft zu Boden. Sie kniete sich in das weiche Ufergras und sie merkte wie er sich vor ihr kniete."Ein Krieger ist immer nur so gut, wie seine Angst ist. Die Angst läßt einen überlegen, sie schenkt einem Reaktionen die unter normalen Umständen nicht vorhanden wären. Sie läßt einen gerecht bleiben. Ein Heer, das sich im Siegeszug befindet und keine Angst mehr empfindet, ist grausam und ungerecht. Glaube mir, jeder hier hat Angst. Aber jeder hat auch gleichzeitig Hoffnung, das ist es was uns in den Krieg treibt, die Hoffnung danach ein normales Leben zu führen, die Hoffnung das wir nicht untergehen werden, die Hoffnung eines Tages wieder mit dir, sorglos zu jagen oder durch den Wald zu rennen. Ich kann dir deine Angst nicht nehmen, keiner kann das, aber glaube mir, ich teile sie mit dir! Hoffe!" Trotz das sie sich dagegen wehrte wurde ihr warm ums Herz. Seine Hand auf ihren Augen löste Unruhe und Wut."Du hat mir meine Hoffnung genommen!" sie musste wieder mit den Tränen kämpfen und sie flüsterte um das Zittern ihrer Stimme zu verbergen."Warum?" "Weil du meine Hoffnung warst!" Er nahm seine Hand von ihren Augen und sah sie mitfühlend an."Ich bin sie weiterhin. Noch habe ich Shi nicht geheiratet und noch ist der Krieg, der alles verändern kann nicht vorbei." "Aber du bist bereit sie zu heiraten und mich zu vergessen. Ich habe immer an die wahre Liebe geglaubt, das war das einzige dessen ich mir immer ganz sicher war. Wie soll ich weiterhin daran glauben wenn du dich von mir abwendest um deine Ehre zu wahren?" "Habe ich mich denn von dir abgewendet?" Sie sah verzweifelt zu Boden."Du lässt es mich glauben." Er beugte sich zu ihr und küsste sie sanft auf den Mund."Die Dinge sind nicht immer so wie sie scheinen Ifri!"
Zwei Tage später war es dann soweit, Jakuto und die anderen Stammesführer ließen aufmarschieren. In der Ebene vor dem Dorf herrschte reges treiben. Unzählige Reiter reihten sich in ein Heer ein, das nun mehr als 7000 Mann fasste. Die Stämme waren stolz so etwas bewirkt zu haben und die, die da blieben sahen Hoffnungsvoll auf ihre Kämpfer. Jakuto ließ Liu und Ifri zu sich rufen. Er stand wieder auf einem Hügel und betrachtete das Schauspiel. Als Liu und Ifri ihn erreichten lächelte er zufrieden. In seinen Augen sah man nur Freude und Stolz. Ifri wünschte sich das sie ähnlich fühlen konnte aber so sehr sie sich auch anstrengte, die Angst übernahm immer wieder die Oberhand."Reitet nach Norden, beeilt euch und schaut euch das Heer an. Studiert es, findet heraus was sie noch an Waffen haben, wie viele es sind und wie stark sie sind. Wir werden in drei Wochen eintreffen, wir treffen uns dann an dem Fin-Wald. Dort ist eine große Lichtung, wartet dort auf uns!" Ifri und Liu verbeugten sich und eilten ins Dorf. Ifri war froh das sie zunächst eine solche Aufgabe hatte. Sie war bei Liu, der ihr eine immense Sicherheit gab und sie konnte zunächst machen was sie wollte, nicht starr und schweigend in Reihen den Anführern hinterher zu reiten. Maho hatte sie nach dem Gespräch am Fluß behandelt wie immer. Kühl und ignorierend, aber darüber konnte sie sich kaum noch Gedanken machen. Man gab ihr eine lange Leine für Paul, für die Zeit in der es wichtig war das er bei ihr blieb, jetzt lief er noch frei. Liu ging kurz ins Haus und verabschiedete sich von Yinshe, dann kam er wieder hinaus, sprang auf sein Pferd und raste davon. Ifri folgte ihm. Viele Menschen sahen den zwei Spionen mit ängstlichen Gesichtern hinter her, selbst Paul war nicht so freudig wie sonst als es los ging. Konzentriert eilte er neben El Paso her. Liu sprach die ersten beiden Tage nicht. Sie machten nur wenig Rast, ritten bis die Pferde erschöpft waren und liefen neben den Tieren stundenlang weiter. Ifri machte das nicht viel, verbissen hielt sie mit und wagte nicht einmal zu sagen das sie müde sei, oder das ihr etwas weh tat. Hin und wieder sahen sie verlassene Dörfer und rauchende Städte auf ihrem Weg. Liu umging Straßen und führte sie immer weit abseits der modernen Welt. Einmal mussten sie allerdings durch einen Vorort , einer großen Stadt, dessen Namen Ifri nicht kannte. Alles war verlassen, es stank nach Verwesung und Fäulnis. Ifri versuchte sich vorzustellen wie es hier noch vor zwei Jahren ausgesehen haben musste. Sie fragte sich warum die Menschen selbst aus so kleinen Städten flohen, aber der Geruch und die vielen Ratten die sie sahen ließen sie ahnen warum. Ob es in Australien auch so aussehen würde? Und wie mochte es erst in Europa aussehen wenn die Europäer um das hier kämpfen wollten? Nach zwei Wochen rde das Land eben und rauh. Es war Sommer, aber hier wehte eine starker Wind. Sie sah wie Liu auf einen Wald zu hielt. Es waren dunkle Tannen die dicht nebeneinander standen und sämtliches Licht schluckten."Das ist der Fin Wald. Hier werden wir uns treffen. Das Heer der Europäer soll weiter noch im Norden Kolonien gebaut haben. Wir müssen uns beeilen um noch ein paar Informationen heraus zu bekommen.", sagte Liu und spornte sein Pferd abermals an. Ohne jeden Kommentar folgte sie ihm. Sie brauchten vier Tage um durch den Wald zu gelangen. Dahinter erstreckte sich eine Grasebene. Sie ritten endlos hindurch, machten kurz Rast an einem kleinen Fluß und kamen am Abend an eine Art Dünenlandschaft. Die Luft wurde salzig, das Meer konnte nicht mehr weit sein. Als es schon dunkel war banden sie ihre Pferde an und schlichen weiter. Liu vermutete die Kolonien ganz nah, man hörte immer wieder eine Vielzahl von Stimmen, in der Luft roch es nach gebratenen Fleisch und Zeltleinen. Liu gab ihr ein Zeichen, er vermutete die Kolonie direkt hinter der nächsten Düne und sie robbten diese hoch. Was sie sahen ließ beide erstarren, eine Zeltstadt lag vor ihnen, geschätzt waren es mehr als zehntausend Zelte. Sie bauten Holzhütten aus Tannenholz die halbfertig zwischen den Zelten standen. Überall brannten Lagerfeuer und Wachen marschierten mit einem Gewehr auf den Rücken die schmalen Straßen entlang. Hier und da sangen Männer am Feuer und tranken aus kleinen Flaschen. Liu zischte leise: "Wir müssen versuchen zu den Waffenlagern zu kommen. Jetzt ist es an deiner Reihe!" Sie sah ihn verblüfft an. Was meinte er? "Zieh deine Rüstung aus, sie werden denken du seist keine von uns, bitte um Asyl und schaue dich um. Morgen abend treffen wir uns dann an der Lichtung!" Ifri bekam Angst, Liu hatte recht, einen besseren Plan konnte man kaum haben, sie könnte einfach runter marschieren und erklären sie sei aus Australien und suche Zuflucht. Man würde ihr glauben, sie beherrschte englisch und sah aus wie eine Westweltlerin. Sie war ja auch eine. Zögernd löste sie die Gurte die ihre Rüstung zusammen hielt und legte alles ab. Nun hatte sie nur noch eine kurze Hose und eine Bluse an, aber für einen Sommerurlauber war auch das sehr glaubhaft. Sie drückte Liu die Leine an der Paul nun befestigt war in die Hand, streichelte ihrem treuen Gefährten nochmals über den Kopf und stand auf. Zielsicher ging sie auf die Kolonie zu, löste noch schnell ihren Zopf, der sie verraten konnte, da er nach der Yeshui-Art gebunden war und schon wurde sie entdeckt. Zwei Männer sahen sie prüfend an und einer ging langsam auf sie zu. Unsicher blieb sie stehen."Verstehst du englisch?", fragte der Mann. Er war dreckig und stank, er hatte einen Bart der sein Gesicht dunkel aber weich aussehen ließ."Ja, ich komme aus Australien, seit ihr die europäische Kolonie von der ich gehört habe?" "Sieht so aus.", sagte der Mann stolz."Gut, ich habe nach euch gesucht, ich war im Urlaub hier als es alles anfing, ich habe in den Flüchtlingslagern der Chinesen gelebt, aber als ich von euch hörte war ich guter Hoffnung wieder gesittete Menschen zu treffen und bin gleich hier her. Kann ich für´s erste bei euch bleiben?" Sie lächelte den Mann an der nun auch grinste."Aber selbstverständlich, komm, ich bringe die zu unserem Käpten, er wird dich sicher gut aufnehmen!" Sie nickte dankbar und folgte dem Mann durch die Zeltstadt. Er brachte sie zu einem bereits fertig gestellten Holzhaus was wie eine kleine Villa aussah und klopfte an die Tür. Ein junger Mann kam heraus und beäugte die Fremde genau, dann bat er sie herein und brachte sie ins Wohnzimmer."Mein Vater wird jeden Augenblick hier sein. Entschuldigt mich jetzt, ich bin müde und brauche eine Mütze schlaf." Damit drehte er sich um und eilte eine kleine Treppe hinauf. Angespannt blieb Ifri auf dem Sofa sitzen."Wie lange seit ihr denn schon hier? Ich meine das ihr solche Häuser bauen könnt?", fragte sie den Mann der sie her geführt hatte."Ach, so ungefähr ein halbes Jahr. Wir warten noch auf unsere Leute aus Spanien, dann werden wir ins Land ziehen." "Was wollt ihr denn hier?", fragte sie interessiert."Europa liegt in Trümmern, wir leben dort wie Ratten, ernähren uns von Abfällen und trinken schmutziges Wasser. Amerika hat uns angegriffen und uns auch kurzer Hand überrannt. Kaum einer hat überlebt und die, die es doch taten sind hier her gekommen. Wir brauchen Wasser und Land wenn wir überleben wollen." "Ja, die Chinesen haben auch nur noch schmutziges Wasser, aber Land haben sie freilich genug. Hat man euch schon ein Stück zugewiesen?" Der Mann lachte verkniffen."Zugewiesen? Wir lassen uns nichts zuweisen junge Lady, die Welt steht kurz vor dem Untergang, die letzten Länder die Intakt sind müssen neu aufgeteilt werden. Den Chinesen wird gar nichts anderes übrig bleiben als uns ihr Land zu geben!" "Seid ihr denn so viele das es nicht für beide reicht? Es gibt schlimme Krankheiten hier, so viele Chinesen werden in einem Jahr auch nicht mehr hier sein." "Wenn wir ehrlich sind junge Dame. . . ," Ifri fuhr herum und sah wie ein Mann mitte 40 in der Tür stand, er war groß blond und seine Augen blickten sie klug an, "haben wir nicht vor zu verhandeln. Wir nehmen uns das was wir brauchen, den Rest können sie haben." Ifri sah ihn so kühl wie es ging an."Das sind alle Sachen, von denen ich keine Ahnung habe und die mich auch nichts angehen. Ich will nur so schnell wie möglich nach Hause. Mein Name ist Joona Mc Shilder, freut mich sie kennen zu lernen und habt dank dafür, das ich zu ihnen durfte." Sie wusste nicht warum sie den Namen ihrer Freundin genannt hatte, fühlte sich so aber sicherer. Der Kapitän kam herein und schüttelte Ifri die Hand."Mein Name ist Kapitän Smooth, ich komme aus England, ein jeder der will darf hier bleiben und helfen. Wo sagten Sie kommen Sie her?" "Ich komme aus Australien, aus Sydney. Können sie mir sagen wie es um mein Land steht? Ich habe seit fast einem Jahr kein Fernseher mehr gesehen.""Das letzte was ich gehört habe war das Australien seine Grenzen zumacht um keine weiteren Flüchtlinge aufzunehmen. Wie es um das Land, das Wasser und den Menschenbestand steht, kann ich nicht sagen, in jedem Fall herrschte dort bis vor einem halben Jahr noch kein Krieg." Ifri nickte erleichtert, diese Nachricht freute sie mehr als sie erwartet hatte."Sie gehen am besten in das Frauenhaus, morgen früh wird ihnen dann mit Sicherheit jemand die Kolonie zeigen und wo sie sich nützlich machen können!" Sie nickte lächelnd und ließ sich von dem bärtigen Mann zu einem kleineren Haus bringen. Als sie klopfte machte ihr eine junge Frau auf die sich stürmisch begrüßte. Ifri verstand kein Wort weil die Frau italienisch sprach, aber dann sprach sie englisch: "Oh wie schön es ist noch eine Frau hier zu haben, komm rein, wie heißt du und wo kommst du her?" Ifri erzählte alles bereitwillig und ließ sich den anderen Frauen vorstellen. Ein bunter Haufen aus Frauen unterschiedlichsten Alter, aus verschiedenen Ländern wohnte hier, jede warf einen neugierigen Blick auf Ifri, dann gingen die meisten schlafen. Auch Ifri legte sich auf die Couch und schmiedete Pläne für den nächsten Tag. Früh wurde sie geweckt und ein junges französisches Mädchen, vielleicht 18 erklärte sich bereit Ifri umher zu führen. Was besseres konnte Ifri nicht passieren, sie konnte das Mädchen nach allem befragen, sich alles zeigen lassen ohne das es auffallen würde. Sofort fing sie an: "Wie viele Männer und Frauen sind denn hier?" Sie liefen durch die riesige Zeltstadt."Hm, ich glaube bei der letzten Zählung waren es über 12 000. Aber wir erwarten noch die Spanier, sie sollen noch mal mit 1000 Mann kommen. Am Anfang waren wir mehr aber so ein altes chinesisches Volk, keine Ahnung in welchem Zeitalter die noch gelebt haben, kamen mit ein paar hundert Mann und haben viele unserer Männer mit Pfeil und Bogen erschossen. Als ihnen klar wurde das wir zu viele waren, sind sie abgehauen, bis jetzt haben wir nichts mehr von ihnen gehört." "Euer Kapitän hat mir gesagt das ihr ins Landesinnere ziehen wollt, in welche Richtung denn? Ich meine China ist riesig!" "Oh, das darfst du ich nicht fragen, aber ich glaube ich habe etwas von Peking gehört." "Ok, wie kann ich mich nützlich machen?", fragte Ifri als sie am Meer standen und somit einmal durch die Zeltstadt gelaufen waren."Hm, was kannst du denn?" Ifri überlegte einen Moment."Ich habe in Sydney als Polizistin gearbeitet, in dem Waffenlager als Waffeninspektorin. Habt ihr sowas? Ich kann ja dort mal sehen ob ich helfen kann?!" "Ja, komm mit, ich zeige dir wo es ist!" Sie eilte vor weg und führte Ifri zu einer Art Bunker. Dort klopfte sie an die Tür und ein Mann ende 50 öffnete ihr die Tür. Die Französin erklärte ihm das Ifri sich hier nützlich machen wollte und der Mann bat sie ein zu treten. Er führte sie zwei Treppen hinab und sie stand in einem großen Keller. Überall standen Gewehre, Pistolen hingen an der Wand und Kartonweise Munition stand herum. Der Mann zeigte ihr alles, erklärte ihr was sie zu tun hatte, Gewehre reinigen, und machte sich schnell wieder an die Arbeit. Sie stellte sich an eine Art Werkbank die schwach beleuchtet an der Wand stand und nahm sich ein Gewehr in die Hand. Keiner achtete auf sie sondern arbeiten verbissen weiter. Hier unten war es still bis auf das Klacken der Magazine. Die Luft war stickig und durch das trübe Licht herrschte eine bedrückende Stimmung. Ifri´s Herz schlug bis zum Hals, sie versuchte ruhig zu bleiben was ihr angesichts der vielen Waffen aber sehr schwer fiel. Im den Kellerräumen arbeiteten ca. 10 Männer die, Waffen auseinander nahmen und wieder zusammen steckte. Ifri bekam es mit der Angst zu tun, noch nie hatte sie auch nur eine Waffe in der Hand gehabt, sie würde schnell auffliegen. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und ging zu einem Jungen, der damit beschäftigt war an einer Pistole herum zu basteln."Hey, mein Name ist Joona, ich bin neu hier. Mich würde interessieren ob ihr nur Handfeuerwaffen habt, denn ich denke das es in China noch eine Arme gibt die bestimmt auch Bomben haben!" Der Junge erklärte ihr sorglos: "Nein, hinten im letzten Raum haben wir eine Menge Bomben, damit werden wir den Schlitzaugen schon etwas zu bieten haben! Warum fragst du?" "Naja, in Sydney habe ich in der Waffenkammer gearbeitet und eigentlich bin ich nach China gekommen um Urlaub zu machen. Danach sollte ich auf einen Sprengstofflehrgang, aber daraus wird ja jetzt nichts mehr. Kann ich es mir mal ansehen?"Die Augen des Jungen leuchteten auf: "Klar, komm mit! Ich kann dir alles zeigen und erklären, mein Vater war auch Sprengstoffmeister für eine Abrissfirma. !" Sie folgte ihm in den letzten Kellerraum, hier standen viele Kartons, Fässer mit Sprengstoff und allerlei Bomben aus Metall."Sind die alle scharf?", fragte sie vorsichtig. Der Junge lachte: "Nein, noch nicht. Die Spanier bringen Panzer und Katapulte mit, ohne dem nützen uns die meisten Dinger hier nichts." "Was heißt die meisten?" "Naja, wir haben mehrere Handgranaten und Panzerfäuste. Und diese Schätzchen hier!" er machte vorsichtig einen Karton auf und holte eine Fußballgroße Metallkiste hinaus."Das sind Zeitbomben!" Er hob andächtig eine hoch und betrachtete sie."Siehst du diese kleine Drehuhr hier? Da stellst du die Zeit ein, von zehn Minuten bis zu einer Stunde, dann sollte man sich schnell aus dem Staub machen, denn wenn sie hoch geht bleibt im Umkreis von 50 Metern nichts mehr ganz. Wenn wir die Lager der Schlitzaugen erreicht haben werden wir die einsetzen. Dann gibt es immer weniger die uns das Land streitig machen wollen!" Ifri bekam eine Gänsehaut als sie den vielleicht 16-jährigen so etwas reden hörte. Wie konnte er nur so Kriegsgeil sein? Im gleichen Gedankenzug kam ihr ein teuflischer Gedanke."Gibt sie denn keine Signale? Ich meine wenn die Chinesen ein Ticken hören werden sie doch schnell zusehen das sie weg kommen?" "Das ist ja das beste daran. Sie ist mucksmäuschen still!" Vorsichtig legte er sie wieder in ihren Karton zurück. Ifri überlegte noch einen Moment, dann tat sie so als ob sie Gewehre kontrollieren würde und die anderen kümmerten sich nicht weiter um sie. Das war ihre Chance, ihr Herz raste und sie hatte Angst vor dem was sie tun wollte, aber das war ihre beste Gelegenheit den Yeshui für ihre Gastfreundschaft zu danken. Wenn sie es schaffte eine der Bomben zu zünden würde das gesamte Waffendipot der Europäer in die Luft fliegen. Menschen würden sterben, durch ihre Hand aber vielleicht würde das einen Krieg verhindern? Wenn die Europäer keine Waffen oder nur noch sehr wenige hatten, vielleicht würden sie dann bei dem Anblick des Heeres, das auf dem Weg hier hin war aufgeben? Aber was war wenn es zu voreilig war? Sie wusste gerade mal wie viele Europäer hier waren und das es eine Waffenkammer gab. Vielleicht gab es auch mehrere? Vielleicht würde sie es aber auch nicht schaffen die Bombe zu zünden und dann aus der Kolonie zu verschwinden? Anders herum hatte sie auch nur bis zum Abend Zeit, dann mußte sie auf der Lichtung bei Liu sein. Fast eine halbe Stunde überlegte sie verbissen hin und her wobei sie ein Gewehr nach dem anderen inspizierte und so tat als würde sie hin und wieder am Magazin etwas verstellen oder den Lauf neu auszurichten. Dann war sie sich plötzlich ganz sicher das es richtig war. Ihr wurde kalt bei dem Gedanken das sie Menschen töten würde, aber wenn es zum Krieg kam, würde sie auch töten müssen um selber nicht getötet zu werden. Verzweifelt suchte sie nach einem Grund wieder in den Bombenlagerraum zu gehen als der Junge an ihr vorbei ging und in Richtung der Bomben ging."Hast du was vergessen?", fragte sie hastig. Der Junge drehte sich verwundert um."Ja, den 7er Schlüssel, ich hab ihn wohl dahinten liegen lassen" "Soll ich dir suchen helfen?" "Nicht nötig. . . warum?" Ifri presste die Lippen aufeinander. Dann flüsterte sie: "Ich will sie noch mal sehen!" Was besseres fiel ihr auf die Schnelle nicht ein und sie ärgerte sich über sich selber. Der Junge fing an zu grinsen und zeigte ihr mit einer Kopfbewegung das sie ihm folgen sollte. Zielstrebig machte sie den Karton auf, in der die Zeitbombe lag. Der Junge stand grinsend hinter ihr: "Ist schon merkwürdig das so ein kleines Ding so viel Schaden anrichten kann, nicht wahr?" Ifri versuchte zu lächeln, aber in Wirklichkeit hatte sie Angstschweiß auf der Stirn. Sie drehte sich zu dem Jungen mit der Bombe in der Hand um, um ihn in ihrem Blickfeld zu haben. Er machte sich daran seinen Schlüssel zu suchen und ging auf die Munitionsfässer zu. Sie hatte keine Zeit zu überlegen, suchte hektisch nach der Drehuhr und stellte den Zeiger auf 10 Minuten. Eine kleine Lampe blinkte zwei mal rot auf und sie stellte die Bombe hastig in den Karton zurück. Jetzt bekam sie Panik und wollte nur noch raus, aber wenn sie einfach so flüchten würde, würde sie auffallen und wahrscheinlich würde man die Bombe kontrollieren und wieder ausmachen. Verzweifelt suchte sie nach einer Ausrede."Du sag mal, bekommt man hier irgendwo ein Frühstück oder sowas in der Art? In dem Frauenhaus waren schon alle weg als ich aufgestanden bin!" Der Junge drehte sich wieder um und sagte: "Klar, in der Feldküche, neben dem Kapitänshaus. Soll ich sie dir zeigen?" "Das wäre ganz toll, laß uns gleich los, ich sterbe vor Hunger!" Der Junge nickte und ging zu dem Mann der ihr die Tür geöffnet hatte. Das alles kam Ifri wahnsinnig lange vor. Sie hatte ihr Zeitgefühl verloren und hatte keine Ahnung mehr wie viel Zeit ihr noch blieb. Aber das der Junge mit ihr hinaus wollte beruhigte ihr Gewissen etwas, wenigstens würde er nicht sterben, oder würde die Explosion des Sprengstoffes und der Munition die ganze Kolonie unter sich begraben? Sie sah wie der Mann nickte und ihr zu zwinkerte. Der Junge winkte ihr zu und ging die Treppe hinauf. Sie versuchte ihm ruhig zu folgen, aber ihr Atem blieb weg und ihre Brust schnürte sich zu. Oben angekommen sagte sie: "Komm wir machen ein Wettrennen bis zum Kapitänshaus, wetten ich bin schneller?" "Du bist echt ein komischer Vogel!", bemerkte der Junge, fing aber dann an zu laufen. Erleichtert spurtete Ifri los und hatte ihn schnell wieder ein. Viel zu schnell war sie am Kapitänshaus, besorgt sah sie zurück, der Abstand zwischen dem Bunker und dem Haus des Kapitäns schien ihr viel zu klein. Die Feldküche war leer und sie kamen sofort zu dem Koch der hinter einem Tisch stand und sie fröhlich begrüßte."Du bist Sau schnell!", sagte der Junge hechelnd. Ifri versuchte zu lachen und sah prüfend auf das karge Büfett der Feldküche. Brot Wurst und Kaffe war da. Mehr nicht."Ja haben sie denn gar keine Shmiezie?", fragte sie schnell."Keine was?" "Na Shmiezie, kennen sie die nicht? Sie wachsen drüben auf der Wiese überall, die gehören zu jedem Frühstück dazu!" Der Koch runzelte die Stirn und sah sich fragend um."Was sind das denn für Dinger? Früchte?" Das Wort Shmiezie gab es nicht aber was besseres wollte Ifri nicht einfallen."Geben sie mir eine halbe Stunde, ich lauf schnell los und hole welche!" Bevor irgendjemand Protest einlegen konnte war Ifri weg und raste den Dünen entgegen. Sie hatte Panik und wollte nur noch weg. Ihr stiegen Tränen in die Augen, sie fühlte sich beschmutzt und falsch weil sie die Bombe gezündet hatte und somit womöglich hunderten von Menschen das Leben nahm. Hin und wieder kreuzten Menschen ihren Weg und wichen ihr überrascht aus. Verblüfft sahen sie der jungen Frau hinterher die wie von einem Tiger verfolgt durch die Kolonie raste. Sie erreichte die Dünen ohne das hinter ihr irgendwas in die Luft geflogen wäre. Zwei mal viel sie der Länge nach in dem tiefen Sand hin. Dann wurde der Boden fester und sie rannte über die Grassteppe auf den Wald zu. Sie hatte gerade ein paar hundert Meter hinter sich als endlich hinter ihr ein ohrenbetäubender Knall schepperte. Der Boden unter ihren Füßen stöhnte auf und weitere Explosionen folgten. Sie rannte immer weiter, wagte sich nicht um zu drehen und legte noch mal an Tempo zu. Die Explosionen schienen kein Ende zu nehmen, immer wieder dröhnte die Luft neu auf, erst als sie nach fast 3 Stunden Dauerlauf den Wald erreicht hatte verstummte hinter ihr alles. Sie verschwand im Dickicht und blieb nun endlich hinter einem großen Busch keuchend stehen. Vorsichtig drehte sie sich um und schaute auf die Dünen hinter denen die Kolonie lag. Eine dicke schwarze Rauchwolke lag über dem gesamten Himmel, hier und da sah man Flammen aufsteigen. Zum Glück hörte sie niemanden schreien und bevor der Geruch des Feuers zu ihr wehte war sie schon im Wald verschwunden. Sie kam aber nicht weit und brach plötzlich schreiend zusammen. Die Explosionen waren gewaltig gewesen, mit Sicherheit waren mehr als 1000 Menschen tot und verletzt. Sie war eine Massenmörderin. Sie hatte Frauen, Kinder und Männer gleichermaßen umgebracht, die Schuld zerfraß sie und sie hatte das Gefühl das sie jeden Moment sterben müsse da sie den Schmerz nicht länger aushalten könne. Unfähig sich dagegen zu wehren stand sie wieder auf und ihre Beine trugen sie wieder zur Kolonie. So sehr sich ihr Willen dagegen sträubte, ihre Beine trugen sie wieder zurück. Aber diesmal rannte sie nicht ganz so schnell und erst nach 4 Stunden erklomm sie die ersten Dünen. Sie musste sehen was sie angerichtet hatte sonst würde sie nicht weiterleben können. Vorsichtig ging sie um die letzte Düne und sah auf eine schwarz gefärbte Kolonie. Überall rannten die Menschen herum und holten Wasser. Dort wo der Bunker sein musste klaffte ein riesiges Loch aus dem es brannte wie aus einem Hochofen. Ein Mann der an ihr vorbei wollte hielt sie an und fragte: "Was war das denn? Ich wollte gerade in den Wald als ich die Explosionen hörte." "Irgendetwas muss im Waffenbunker hochgegangen sein und hat fast die ganze Munition hochgehen lassen." "Sind viele verletzt?" "Bis jetzt weiß ich von 9 Toten. Die, die im Bunker waren, ein paar haben Brandverletzungen bekommen als die Explosion hoch kam." "Hochkam?" "Ja, die ersten haben sich nur im Bunker abgespielt, er ist sehr stabil gebaut gewesen, erst einer der letzten haben das Dach weg gefetzt. Jetzt wird es wahrscheinlich 3 Tage qualmen aber zum Glück sind nicht viele Tot, bei der Explosion. Aber trotzdem sind unsere ganzen Bomben und unsere Munition weg. !" "Nur neun Menschen?", stammelte sie. Sie konnte nicht glauben das durch die gewaltigen Explosionen nur neun Menschen gestorben waren."Ja hören sie denn nicht zu? Die Explosionen waren zunächst nur im Bunker. Wir haben alle noch mal verdammt Glück gehabt." Der Mann sah sie mißtrauisch an. Ifri nickte ihm zu, ein riesiger Stein viel ihr vom Herzen, ihr Plan war geglückt und die Ausmaße waren erträglich. Sie wartete auf einen günstigen Augenblick um sich wieder hinter die Dünen zu verziehen. Dann preschte sie erneut über die Wiese und erreichte bald den Wald. Bevor sie sich zur Lichtung durchschlagen konnte stand Liu plötzlich vor ihr."Was ist passiert?" Ifri konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und viel ihrem Meister in die Arme."Jetzt wird es ein fairer Kampf! Das war der beste Plan den du jeh hattest, mich da rein zu schicken!", grinste sie. Liu verstand nicht und fragte: "Was war das denn für eine Explosion? Ist dir was passiert?" "Oh Liu mein Freund sie sind so leichtsinnig. Man nahm mich ohne zu fragen auf, zeigte mir das ganze Lager und schließlich das Waffendepot. Ich sagte ihnen ich wäre Waffeninspektorin in Sydney gewesen und sofort sollte ich dort arbeiten. Sie hatten Gewehre, Pistolen und Bomben, unter anderem Zeitbomben, ich habe eine gezündet und habe die Beine in die Hand genommen. Ja und jetzt haben sie neun Waffenmarte und eine Waffenkammer weniger!" Liu traute seinen Ohren nicht. Erst sah er sie verstört an, aber als er sah das Ifri die Wahrheit sprach viel er ihr um den Hals."Das hast du sehr gut gemacht! Ich bin stolz auf dich. Wurdest du entdeckt?" "Ich glaube nicht, aber ich bin mir nicht sicher. Sie sind fast 12000 Mann und sie erwarten Spanier mit weiteren 1000 und schwerem Geschütz. Wenn unsere Leute rechtzeitig kommen können wir sie überrennen bevor die Spanier kommen." "Langsam langsam. Sagtest du nicht man solle nicht mit Freude in den Krieg ziehen. Neun Menschen sind gerade gestorben, das ist schon schlimm genug, egal auf welcher Seite sie stehen." Ifri Lachen erstarb: "Du hast sie nicht reden hören, selbst Kinder beschimpfen die Chinesen obwohl ihnen keiner etwas getan hat." "Auch das ist im Krieg normal. Wieso sollte man gegen jemanden kämpfen den man nicht hasst?" Ifri nickte, Liu hatte wie immer recht. Er führte sie zurück zur Lichtung wo sie auf das Eintreffen des Heeres warteten. Immer wieder musste Ifri alles erzählen was sie gesehen und gehört hatte, Liu hörte ihr nachdenklich zu und schmiedete Pläne. Sie lagen am Rande der Lichtung, ihre Pferde hatten sie an Bäume angebunden und sie grasten ruhig. Paul schnüffelte umher und jagte ab und zu einem Kaninchen nach, das von ihm aufgeschreckt wurde. Es war totenstill, als die Dämmerung eintraf erstummten sogar die Vögel in den Bäumen und kein Ton war mehr zu hören."Wie die Ruhe vor einem Sturm.", sagte Ifri nachdenklich."Was?" "Das ist ein Sprichwort bei uns, bevor ein großer Sturm aufzieht ist es meistens toten Still, kein Wind weht, die Vögel verstecken sich und alles wartet ganz leise darauf das es endlich los geht." "Das ist sehr passend, nur das der Sturm der jetzt herauf zieht mehr mit sich bringt als Wind und Regen." "Ja," Ifri wirkte bedrückt, "Blut, Leid, Tot und Qualen." Liu sah sie prüfend an."Du musst nicht mitreiten wenn es soweit ist. Wir brauchen ebenso Leute die sich um die Verwundeten kümmern." "Denkst du auch ich könnte euch blamieren?" "Was?" "Na Maho hat gesagt ihr wollt mich ein Stück weit außen vor lassen damit ich euch nicht blamiere wenn ich eure Rüstung trage." "Warum sollten wir?" Liu richtete sich auf und sah sie interessiert an."Ich weiß nicht, ich bin vielleicht doch nicht so gut wie ich dachte, vielleicht ist es besser wenn ich nicht mit in die Schlacht reite." "Moment, Maho hat gesagt wir würden dich mit Absicht von dem Geschehen weghalten wollen?" Ifri runzelte die Stirn."Ja, als ihr euch mit den anderen Völkern besprochen habt, da wollte ich rein und auch hören was ihr zu sagen habt, aber Maho meinte ich dürfe da nicht rein weil ich nicht zu euch gehöre!" Liu fing leise an zu lachen: "Oh Maho, Maho. Er hat solche Sorgen um dich und mag es nicht zugeben. Ifri, du bist Jakutos ganzer Stolz, du bist das Mädchen das mit dem Wolf und dem Adler durch die Lande ziehst, man wird von dir noch ganzen Generationen erzählen, wie gut und verbissen du deine Ausbildung gemacht hast, wie du es schaffst das ein Yeho dir zum Untertan zu machen, ohne das er es auch nur einmal in Frage stellen würde. Wie du unter größter Erschöpfung einem Tse- Adler das Leben gerettet hast und ihn zu uns gebracht hast. Glaube mir, du bist mehr eine von uns als manch einer der in unserem Dorf geboren wurde!" Ifri´s Herz pochte wie wild und sie musste aufpassen das ihr keine Träne die Wange hinunter lief."Aber warum hat Maho dann so getan als wolltet ihr mich nicht?", fragte sie leise."Weil Maho will das du dich aus dem Krieg raushälst. Er hat Angst um dich, so wollte er wahrscheinlich erreichen das es für dich sinnlos wäre an unserer Seite zu kämpfen, aber das ist es nicht. In Zeiten der Not braucht man immer einen Helden, du bist der Held der Yeshui, jeder Mann und jede Frau wird versuchen dein Leben zu schützen und du solltest deiner Pflicht nachkommen und das Leben jedem Yeshui´s zu schützen!" Ifri nickte. Sie fiel in Gedanken, versuchte aus Maho schlau zu werden und bereitete sich innerlich auf den Kampf vor der ihr bevorstand. Sie würde die Yeshui ehrwürdig vertreten, egal was Maho nun auch immer dagegen ein zu wenden hatte.
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Es war nicht ganz hell als sie von einem kühlen Gegenstand an ihrem Hals wach wurde. Sie hatte die Augen nicht ganz auf als sie Maho sah, wie er ihr ein Schwert an die Kehle hielt."Du schläfst sehr fest dafür das Krieg herrscht!", sagte er tonlos wie immer. In Ifri stieg sofort wieder die Wut auf, diesmal würde sie sich keine Lektion von ihm geben lassen. Sie hob die Hände und tat so als ob sie sich wieder in das Gras fallen lassen würde. Blitzschnell trat sie gegen Mahos Hand der erschrocken das Schwert losließ, fing es ab, kam auf die Beine und hielt es nun ihm an die Kehle. Maho fing an zu grinsen."Wenigstens bist du schnell wach!" Ohne darauf einzugehen ließ sie das Schwert wieder runter und gab es ihm wieder."Wo ist das Heer?" Liu war wach. Es steht am anderen Ende der Ebene, seit heute Nacht sind wir dort und sammeln unsere Kräfte. Jakuto wartet auf uns, er will mit uns zu der Kolonie um zu verhandeln. Ifri, wir brauchen dich als Übersetzerin, zieht eure Rüstungen an, es geht los. Ifri´s Herz klopfte bis zum Hals, ihre Knie waren schwammig und ihre Hände zitterten. Jetzt war es also so weit, sie würde neben den Menschen die ihr eine Heimat gegeben hatten in den Krieg ziehen. In Windeseile machten sie sich fertig, Liu band ihr die Haare stramm nach hinten und setzte ihr den Helm auf. Lächelnd nickte er und klopfte ihr auf die Schulter. Maho beäugte das ganze eher skeptisch und zog als Liu fertig war noch mal alle Gurte an Ifri´s Rüstung nach. Er drückte ihr beinahe die Luft weg und Ifri keuchte: "Das ist feste genug, ich bekomme kaum noch Luft" "Sie kann nicht fest genug sein, sie wird dich schützen.", erklärte er ernst und sah ihr dabei aufrichtig in die Augen. Dann saßen sie auf, sie ließ Paul von der Leine und er trabte vergnügt neben ihnen her. Jakuto wartete am Waldrand auf sie. Das Heer konnte man nicht sehen da es genau wie die Kolonie hinter Hügeln stand."Sie sind zu 12 000 Mann mein Herr.", berichtete Ifri eifrig als Jakuto sie danach fragte."Sie erwarten weitere 1000 Mann aus Spanien. Sie haben noch ein paar Handfeuerwaffen, aber es dürften nicht all zu viele sein." Jakuto nickte zufrieden, flüsterte dann einem Boten etwas ins Ohr und dieser preschte mit seinem Pferd hinter die Hügel, wahrscheinlich um die Lage mit zuteilen. Nun standen die Stammesführer mit Jakuto, Maho, Liu, Ifri und weiteren 4 Männern auf der Ebene und Stijushi, der Anführer der Jin blies in ein Horn, drei mal laut hinein. Ifri lauschte gespannt aber es war noch nicht zu hören. Weder das Heer hinter ihnen setzte sich in Bewegung, noch vor ihnen in der Kolonie geschah etwas. Die Männer warteten geduldig und wirklich, nach etwa zehn Minuten kamen 10 Männer auf Pferden über die Dünen geritten. Sie erkannte den Kapitän und seinen Sohn, die anderen kannte sie nicht. Sie kamen in Reih und Glied bis auf 5 Meter an die Chinesen heran geritten. Jakuto nickte Ifri zu, die ihr Pferd zwei Schritte vorwärts trieb und sagte: "Ich werde übersetzen, wenn es ihnen recht ist!" Die Augen des Kapitäns funkelten wütend auf als er Ifri erkannte. Dann nickte er aber nur. Jakuto erhob die Stimme:" Wir fordern das sofortige Abrücken eurer Kolonie, dahin wo ihr hergekommen seid. In unserem Land wollen wir keine Diebe." Ifri übersetzte. Der Kapitän lachte: "Wir fordern das ihr paar Männer sofort aus unserer Ebene verschwindet. Wir haben 12 000 Mann hinter diesen Dünen die sich gerade Kampfbereit machen. Eure Spionin kann das bezeugen. Selbst wenn ihr hier irgendwo ein Heer aus lumpigen Bauern mit Mistgabeln habt, so seid ihr vernichtet ehe ihr eure Schwerter heben könnt!" Trotz das er sich sicher anhörte begutachtete er missmutig die Rüstungen die seine Gegner trugen. Jakuto antwortete mit einem siegessicheren Grinsen und sagte: "Von meiner Seite her wird es keine Einigung geben." Der Kapitän sah nun ein wenig überrascht drein. Er war davon ausgegangen das die paar Wilden die in alter Rüstung mit Schwertern und Bögen kehrt machen würden sobald er ihnen eine Schlacht androhte. Aber er schien sich einen Spaß daraus zu machen und fing an zu lachen. Seine Männer stimmten mit ein."Von meiner Seite auch nicht, macht euch kampfbereit!" Er wendete sein Pferd und ritt mit seiner Begleitung zurück zur Kolonie. Kurz darauf hörte man wie Männerstimmen Befehle riefen und Pferdegetrappel schallte zu ihnen hinüber."Armer Narr!", grinste Jakuto und wendete sein Pferd ebenfalls. Sie ritten bis zu dem ersten Hügel und Ifri sah zum ersten mal das ganze Heer der Völker gerüstet und in Formation stehen. Eine Gänsehaut überkam sie. Liu lächelte zufrieden. Mindestens 6000 Reiter standen vor ihr, alle in Rüstung mit erhobenen Gesicht. Dahinter standen weitere hunderte Mann zu Fuß, viele davon waren Flüchtlinge die mit unruhigen Blicken versuchten das Geschehen zu verfolgen. Man sah ihnen die Angst an, aber dennoch gab das Heer das vor ihnen stand eine gewisse Hoffnung. Jakuto erhob seine Stimme und sie hallte über die ganze Hügellandschaft hinweg."Fast 7000 Mann haben sich unser angeschlossen und werden für unser Land kämpfen. Die Europäer sind nicht gewillt unsere Forderungen zu erfüllen. So soll es dann sein. Wir werden vielleicht sterben, wir sind auch in der Unterzahl, aber unser Heer ist mächtiger und stärker. Die Europäer verstehen nur noch das Kriegshandwerk mit Bomben und Massenvernichtungswaffen. Wir werden sie zum Nahkampf zwingen, haltet durch bis wir ihre Front durchbrochen haben, dann werden sie umfallen wie Bäume die man fällt. Sie rechnen nicht mit uns, wir werden einen Moment der Überraschung haben. Diesen werden wir ausnutzen so gut es geht, macht ihnen Angst, reitet und lauft verbissen weiter, sie werden zurück schrecken, und das ist unsere Chance!" Ifri sah besorgt auf ihren Gefährten Paul hinunter: "Mein Freund, du musst mich jetzt nicht mehr begleiten. Wenn mir was zustößt, laufe in die Berge, du kannst für dich alleine Sorgen und hinter Gittern hast du nichts zu suchen." Aber Paul hörte ihr gar nicht zu sondern knurrte in Richtung Dünen. Die ersten Reihen der Europäer hatten in der Mitte der Ebene Stellung bezogen. Ifri sah das nur die ersten zwei Reihen Gewehre trugen. Dahinter kamen Reiter mit Äxten, Speeren und langen Stöcken. Sie waren tatsächlich überrumpelt, die Waffen waren zerstört und für die letzten würde es kaum noch Munition geben. Zufrieden lächelte sie. Jakuto sah das ebenfalls und fing leise an zu lachen. Dann drehte er sich nochmals um und schrie: "Laßt sie vor Angst erzittern!" Das Heer antwortete mit einem ohrenbetäubenden Schrei. 7000 Mann schrien tief und siegessicher. In Ifris Magen grummelte es auf, so sehr berührte sie dieser Ruf. Die Europäer schauten verwundert auf. Dann fing Jakuto an mit dem Schwert auf seinen Brustpanzer zu hauen, das Heer tat es ihm nach. Ifri ebenfalls, die Erde bebte und die Stimmen der befehlenden Europäer verstummten einen Augenblick."Bogenschützen vor!", schrie jemand und die Männer zu Fuß eilten auf die Hügel. Die Europäer lachten als sie die vielleicht 800 Mann auf den Hügeln Stellung beziehen sahen. Nun standen fast 10 000 Mann vor den Dünen und sie lachten und zeigten mit den Fingern vergnügt auf die Chinesen. Ifri konnte sich ebenfalls ein Grinsen nicht verkneifen. Jemand bließ zum Angriff und die ersten zwei Reihen der Europäer setzten sich in Bewegung. Jakuto wartete, hob die Hand und wartete immer noch. Die Europäer nahmen ihre Gewehre hoch und fingen an zu zielen, da ließ Jakuto die Hand fallen und schrie: "Feuer!" Sofort hagelte ein Pfeilhagel auf die Angreifer nieder und bevor sie das Feuer noch erwidern konnten schmissen die Chinesen sich auf den Boden und Jakuto eilte mit seinen Männer die Hügel hinunter. Ifri konnte nicht sehen wie viele getroffen wurden und hörte nur noch Schüsse. Wieder schrie jemand "Feuer!" Und die ersten Reihen der Reiter schossen ihre Pfeile über die Hügel. Jetzt erst sah sie einen Mann der Jin, der Abseits der Hügel am Waldrand stand und den Befehl gegeben hatte, als die Angreifer in Reichweite der zweiten Bogenschützen gekommen war. Sie hörte Männer aufschreien und Schüsse wurden erwidert. Mehrere Chinesen, die auf den Hügel lagen wurden getroffen, aber sie schossen einen erneuten Pfeilhagel auf die Angreifer ab. Der Mann der Jin sprang auf und schrie zu ihnen herüber: "Die Reiter! Los die Reiter, sie drehen ab!" Jakuto lachte auf und preschte vorwärts. Sofort setzte sich das ganze Heer im vollen Galopp in Bewegung. Die Männer die auf den Hügeln lagen eilten zur Seite und ließen die Reiter passieren. Ifri sah wie in Zeitlupe das Paul ebenfalls los preschte, da zog sie ihren Bogen und gab El Paso die Sporen. Von den anderen Pferden mitgerissen raste er los, Ifri´s Gedanken setzten aus, nur noch Reflexe und Reaktionen beherrschten ihren Körper. Sie sah wie auf der Ebene fast 200 tote Männer und Pferde der Europäer lagen und wie die restlichen Männer, die vor den Dünen standen blaß wurden als sie sahen wie immer mehr Reiter, schwer bewaffnet und in Rüstung auf sie zu preschten. Es erklang eine Trompete und die Europäer erwiderten den Angriff. Mehrere Schüsse fielen noch, aus den Augenwinkeln sah sie noch wie jemand neben ihr vom Pferd geschleudert wurde, dann fing sie an ihre ersten Pfeile ab zu schießen. Sie sah nicht ob sie jemanden traf, sie sah nur das der Pfeil in der richtigen Höhe und in die richtige Richtung flog und spannte sofort einen neuen. El Paso flog dahin und setzte sich bald an der Front ab. Sie hörte keine Schüsse mehr und hoffte das nun die restliche Munition verbraucht war. Noch bevor sie die Reihen der Angreifer erreichte hatte sie alle Pfeile verschossen. Sie zog ihr Schwert und raste in die Schlacht. Vier Männer traf sie sofort und riß sie vom Pferd. Sie sah Paul wieder, wie er einem Mann der zu Fuß war an die Kehle ging. Ein zweiter wollte seinem Kameraden mit einer Axt zur Hilfe eilen, aber Ifri war schneller und rammte ihm sein Schwert in den Hals. Sie wurde von allen Seiten angegriffen, man versuchte sie vom Pferd zu ziehen, aber Ifri war blitzschnell. Bevor jemand auch nur eine Hand an sie legen konnte hatte sie ihn schon ihr Schwert in einen Körperteil gerammt. Sie sah Menschen schreiend zu Boden stürzen, Männer die flohen, weinend am Boden wimmerten und Haßerfüllte Gesichter. Es kam ihr endlos vor wie sie immer und immer wieder irgendwelche Angreifer abwehrte. Ein Junge, höchstens 13 kam schreiend auf sie zugerannt, sie brachte es nicht übers Herz ihn zu töten und versuchte ihr Pferd rum zu lenken, aber El Paso kam ins stocken, wich einem Mann mit einem Speer aus und der Junge kam unter die Hufe. Er schrie entsetzlich, El Paso scheute, versuchte von dem Jungen wegzukommen und machte einen großen Satz nach vorne wobei er sich mit den Hufen auf dem Jungen abdrückte. Der Junge lag still am Boden, Ifri sah bedrückt weg. Sie sah wie immer mehr Männer von den Chinesen um sie herum war, das bedeutete, sie drängten die Europäer zurück. Irgendwo schrie ein Engländer: "Formiert euch um mich! Kommt her! Bleibt zusammen!" Aber es nützte nichts. Bald schon standen links, rechts und hinter ihr nur noch Chinesen und drängten die Europäer, die nun ängstlich die Waffen fallen ließen zurück. Sie versuchte Paul ausfindig zu machen, sah ihn aber nirgends und sie bekam abermals Angst um ihren Gefährten. Sie ritt über Leichen, Chinesen wie Europäer lagen auf dem Boden. Pferde wälzten sich schwer verletzt auf dem Boden. Ifri versuchte alles mit einer Distanz zu sehen aber es schnürte ihr die Kehle zu. Sie sah wie viele Männer der Europäer hinter die Dünen flohen, ein paar stellten sich den Chinesen, wurden aber schnell dem Erdboden gleich gemacht. Plötzlich hörte sie ein bekannten laut neben sich. Sie sah runter und ein Stein fiel ihr vom Herzen als Paul knurrend und in geduckter Haltung neben El Paso her trabte. Die Reihen der Chinesen erreichten die Dünen und durchquerten sie. Dahinter herrschte Panik, man floh aus den Zelten zum Meer, sie sah wie eine Frau versuchte einen verletzten jungen Mann zum Strand zu schleppen, aber er war zu schwer für sie, schreien brach sie unter ihm zusammen."Brennt die Zelte nieder!", schrie einer hinter ihr und sofort wurden Fackeln auf die Zelte geworfen die unverzüglich Feuer fingen. Eine schwarze Wolke zog erneut über die Kolonie, vor ihr her trabte das Heer der alten Völker, die Feinde zum Strand treibend. Sie sah die Gesichter der Yeshui, der Jin und der Shemizo, stolz und erhaben im Siegeszug. Ohne nachzudenken ritt sie in der ersten Reihe mit erhobenem Schwert mit und auch wenn sie es nicht steuern konnte, sie lächelte. Bald schon hatten sie den Strand erreicht, ängstlich und panisch liefen viele Europäer ins Meer und schwammen auf die Schiffe die etwas weiter im Meer ankerten. Als unter den Hufen schon Sand knirschte hörte sie Jakuto´s Stimme schreien: "Halt!" Als das Heer zum stehen kam ritt er vor, begleitet von Maho und sein Blick suchte nach Ifri. Als er sie erspähte lächelte er und winkte sie nach vorne. Paul folgte ihr, immer noch knurrend und geduckt, wie ein Tiger der durch das hohe Gras strich."Übersetze bitte!", sagte er liebevoll und sah sie aufrichtig an als sie ihn erreicht hatte."Wie ihr seht gibt es in diesem Land Dinge von denen ihr nichts wusstet und dieses Heer ist nur ein kleiner Teil davon. Ihr könnt kein Land in Beschlag nehmen in denen es Sachen gibt die ihr nicht versteht und nicht verstehen wollt!" Ifri übersetzte, ihre Stimme klang zornig und feierlich zugleich, ganz wie die von Jakuto."Geht dahin zurück wo ihr her gekommen seid und versucht euer Land zu retten, so wie wir unser gerettet haben. Schwimmt zu euren Schiffen und betretet China nie wieder. Ein jeder von euch, der von einem Chinesen gesehen wird, wird getötet." "Aber was ist mit unseren Verletzten? Mit unseren Sachen?", schrie ein Europäer. Ifri übersetzte diesen Schrei ebenfalls weil sie glaubte der Mann habe recht. Aber Jakuto sprach etwas aus, was sie nur schwer zu übersetzen vermochte: "Beides wird es bis zum Sonnenuntergang nicht mehr geben. Schwimmt, jetzt!" Ifri´s Stimme war nun nicht mehr feierlich, eher erstickt als sie diese Worte übersetzte. Die Gesichter der Europäer erstarrten vor Entsetzten, Frauen schrieen auf aber die meisten machten sich daran zu schwimmen. Bald schon waren tausende Menschen im Wasser die zu den Schiffen schwammen, das ganze Meer schien in Bewegung zu sein. Eine Frau kam zu Jakuto gerannt und winselte: "Nehmt mich als Gefangene, als Dienerin! Ich will euch treu ergeben sein, schickt mich nicht ins Wasser! Bitte!" Dabei sah sie Ifri flehend an. Sie musste den Blick abwenden als sie sah wie Jakuto sein Schwert erhob, die Frau schrie auf, dann war es still. Nur das platschende Wasser der tausend Füße war zu hören, wurde aber auch bald leiser und als die letzten auf den Schiffen waren herrschte eine andächtige Stille. Sie sahen zu wie die Europäer die Segel setzten und die mehr als 20 Schiffe aufs offene Meer fuhren. Stolz und unter Jubelrufen wendeten alle ihre Pferde und ritten an der brennenden Kolonie vorbei. Auf der Ebene sammelte man alle Verletzten und Toten der Chinesen auf, versorgte dir verwundeten Pferde und erlöste die verletzten Europäer von ihrer Qual. Mann hob den ganzen Tag ein riesiges Loch in dieser Ebene aus wo man alle Toten Europäer und Pferde begrub. Jakuto verkündete er würde hier ein Denkmal errichten lassen als Warnung für all die, die es noch mal wagen sollten in China einzudringen. Die Toten Chinesen wurden zu ihren Familien zurück gebracht wo man sie ehrenvoll als Helden begrub.
Nach der Schlacht hatte Ifri Maho nicht mehr gesehen. Er war sofort mit Jakuto und den anderen Stammesführern von dannen gezogen, man sagte sie würden sich beraten und neue Bündnisse schließen. Die Jin blieben im Norden, die Shemizo verschwanden an einem Morgen in den Westen und die Yeshui kehrten voller Stolz und unter Hochrufen in ihr Dorf zurück. Man baute Ifri eine eigene Hütte und sie führte ihre Ausbildung bei Liu fort. Maho kam mit Jakuto im Herbst zurück. Jakuto befahl den Flüchtlingen die immer noch um den Shui-Orden hausten und durch Krankheiten auf weniger als 15 000 Menschen geschrumpft war die Mauern Pekings und der Verbotenen Stadt neu zu errichten sobald der Winter um war. Ifri besuchte oft Jotomo, der sie wie eine Heldin, jedes mal empfing. Jack war nicht mehr in seinem Haus, man erzählte ihr er sein ins Landesinnere gezogen um dort bei dem Aufbau einer neuen Siedlung zu helfen. Ifri beschloss ihn nach ihrer Ausbildung zu suchen.
Maho kümmerte sich weiterhin kaum um sie, seine Hochzeit stand vor der Tür und jedes mal wenn Ifri ihn sah, kamen ihr Tränen in die Augen und sie musste ihren Blick bedrückt abwenden. Auch Maho konnte ihrem Blick nicht standhalten, sie hatte das Gefühl er würde sich schämen da er Shi zur Frau nehmen würde. Jakuto verschloss sich wieder in seinem Haus, man sah ihn nur noch selten wenn er durch die Straßen des Dorfes spazierte um seine wichtigsten Männer zu treffen. Aber die Probleme wurden durch den gewonnenen Krieg nicht weniger. Das Wasser in den Flüssen wurde immer schlechter, es war trüb, schmeckte bitter und auch die Nahrung ging dem Ende zu. Man wies Flüchtlinge aus anderen Gebieten ab um seine eigene Existenz zu sichern und man sah das Ende kommen. Viele verzweifelten und brachten sich selber um, selbst die Yeshui litten an Krankheiten die durch das schlechte Wasser kamen. Eines morgens wachte Ifri mit Fieber und Magenschmerzen auf. Der Zustand verschlimmerte sich über den Tag und Liu brachte ihr Medizin. Aber sie half nicht und gegen abend vegetierte sie sich in den Schlaf. Der nächste Tag brachte nichts neues, wieder erwachte sie mit Fieber, es war eine Woche vor Maho´s Hochzeit, der erste Schnee fiel und es war bitter kalt in den Häusern. Ifri spürte das sie nicht mehr lange hatte wenn nicht bald eine Medizin kommen würde, die ihr half. Unter Tränen bat sie Liu Maho zu holen um noch einmal mit ihm zu reden. Paul wachte neben ihrem Bett und verließ es nur selten um zu fressen."Du siehst sehr schlecht aus.", stellte Maho fest und strich ihr über die schweißnasse Stirn. Ifri versuchte zu lächeln: "Du aber nicht. Ich glaube eine Seuche die dich mitreißen kann muß erst noch erfunden werden." Maho sah bedrückt zu Boden und schwieg."Glaubst du, es kommt nun doch das Ende? Es werden immer neue Seuchen kommen, wer kann das überleben?" "Ich weiß es nicht und ich hoffe nicht. Vielleicht werden wir bestraft für unseren Umgang mit der Natur, vielleicht rächt sie sich nun." "Diese Vorstellung ist mehr als genug. Es wäre gerecht. - Bist du schon aufgeregt?" "Wegen der Hochzeit? Nein. Ich habe im Moment andere Sorgen." "So, welche?" Sie konnte nur noch flüstern und ihre Stimme klang schwach und zerbrechlich."Ein Held unter uns liegt im Sterben und ich weiß nicht wie ich es verhindern kann. Und ich glaube wenn die besagte Person stirbt, dann gibt es auch keine Hoffnung mehr für uns. Denn weder Gott noch Budda noch sonst irgendeine höhere Macht könnte dich sterben lassen." "Du gibst mir zu viel Ehre, Maho. Ich habe nicht mehr geleistet als du oder die anderen auch." "Doch, du hast die Gabe den Menschen um dich herum Hoffnung zu schenken. Sie zum lachen zu bringen. Du bist ein ganz wunderbarer Mensch." "Vielleicht habe ich aber auch zu viel Falsch gemacht, in Sydney hatte ich nicht gerade ein sonderlich braves Leben." "Du solltest schlafen. Vielleicht finde ich irgendwo noch ein wenig klares Wasser, das wird dir gut tun." Sie war wirklich müde, aber sie hatte Angst einzuschlafen. Würde sie wieder wach werden? Die meisten Seuchen rafften die Menschen über nacht hinweg, trotzdem fielen ihr irgendwann die Augen zu. Maho wollte aufstehen aber sie hielt ihn am Handgelenk fest. Dabei streiften ihre Finger über die Kette die sie ihm zu seinem Geburtstag gemacht hatte. Sie lächelte mit geschlossenen Augen: "Du trägst sie noch?!" "Und ich werde sie mit in mein Grab nehmen, sie wird den Zweck den du für sie vorgesehen hast erfüllen!" "Das freut mich. Hast du Minar noch mal gesehen?" "Manchmal hört man ihn, er fliegt durch sein eigenes riesiges Revier und ist frei und gesund. Das hat er nur dir zu verdanken." Ifri kullerten Tränen über die Wangen."Ich wünschte ich wäre auch so frei, ich würde von all dem hier weg fliegen. Ich habe solche Angst!" "Das musst du nicht, versuche zu schlafen, dann wird es dir morgen besser gehen!"
Sie wurde am nächsten morgen wieder wach. Die Nacht hatte sie überlebt aber sie litt unter Krämpfen und Schweißausbrüchen. Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen als es los ging. Sie schrie um Hilfe, Yinshe und Liu waren sofort da, Paul lief unruhig an ihrem Bett auf und ab. Maho kam herein gestürzt als er die Schreie hörte, er sah müde und dreckig aus, aber er hatte ein Glas Wasser in der Hand, es war klar. Er hielt es ihr an die Lippen und sie trank gierig davon, erst brannte es in ihrem leeren Magen, dann schmeckte sie das es süß und rein war und sie genoss jeden einzelnen Tropfen."Wo hast du das her?", keuchte sie unterdrückt."Ich habe gegraben, die ganze Nacht durch und ich bin tatsächlich auf Grundwasser gestoßen. Wir können jetzt einen Brunnen anlegen, es ist gutes Wasser! Es wird dich gesund machen", sagte er stolz. Ifri versuchte zu lächeln aber gleich darauf ließ sie ein neuer Krampf erstarren. Mit letzter Kraft nahm sie Mahos Hand und zog ihn zu sich hinunter."Was auch immer passiert, kümmere dich um Paul. Versprich es mir! Laß nicht zu das er eingesperrt wird, er wird dir folgen!" Er nickte und sein Blick veränderte sich. Er sah sie verzweifelt an und Ifri sah Tränen in seinen Augen. Das machte ihr Angst aber zu gleich traf es sie mit einer angenehmen Art und Weise. Das Bild verschwamm vor ihren Augen. Sie wollte ihm noch so viel sagen, sie kämpfte um bei Bewusstsein zu bleiben."Ich liebe dich Maho! Ich war nirgendwo so glücklich wie bei dir!", hauchte sie noch. Dann wurde es dunkel. Sie spürte keine Schmerzen mehr, nur noch Ruhe und Zufriedenheit. Ihr lebloser Körper fiel auf das Bett. Maho schrie auf, Paul jankte und winselte. Yinshe fing an zu weinen. Die Yeshui hörten wie Paul kläglich anfing zu jaulen, sie hielten inne mit dem was sie gerade getan hatten und wandten sich zu Ifri´s Haus. Liu kam mit gesenktem Kopf aus der Tür. Unter Tränen hob er den Kopf und schaute die anderen leidvoll an. Es war totenstill, die Yeshui nahmen ihre Waffen ab und knieten sich auf den Boden. Das ganze Leben im Dorf hielt für einen Moment an und man gedachte der Heldin aus einem fernen Land die für ihre neue Heimat tapfer gekämpft hatte.
Jack verspürte einen kalten Windhauch auf seinem Nacken. Besorgt sah er in den Süden wo das Yeshui Dorf lag. Ein bedrückendes Gefühl umfasste ihn."Was ist los?" fragte eine junge Chinesin und sah ihn dabei verliebt an. Er war gerade dabei gewesen ein Brett, das auf ein neues Dach sollte zu zersägen."Ich glaube eine gute Freundin hat gerade unsere Welt verlassen. Ich möchte mit dir im Frühling in das Yeshui Dorf, ihr Grab besuchen." "Woher willst du das wissen?" "Es gibt Dinge, die weis man.", sagte er nachdenklich, zog seine Freundin an sich und drückte ihr einen Kuß auf die Stirn.
Eingereicht am 16. August 2005.
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