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Am Ende des Weges wartet der Tod

© Kitano


"Better to Reign in Hell than Serve in Heaven " Jack London
Der alte Mann stand vor Sonnenaufgang auf, wusch sich mit eiskaltem Wasser in einer blechernen Schüssel das Gesicht und setzte sich dann mit einer trockenen Brotkrume und einer Tasse Wasser an den Tisch und kaute still. Wenn die ersten Sonnenstrahlen, über die Weide zu ihm in die Küche strahlten, setzte er seinen Hut auf und ging hinaus in den Stall Mit sicherer Hand legte er seinem treuen Gaul das Geschirr an. Das Tier war alt und schwach aber es tat seine Sache gut .Tier und Mensch, machten sich auf den Weg auf die Felder, die Sonne im Rücken.Der Pflug glitt schnell und sauber durch die trockene Erde und hinterließ gerade Furchen im Boden. Der alte Mann war zufrieden. Sein kantiges, stoppeliges Gesicht lachte nicht oft , aber wenn er hier, alleine mit dem Tier, sein Werk verrichtete, fühlte er sich frei und glücklich und ein Lächeln umspielte seine Lippen, während seine zu Schlitzen geschlossenen Augen, am Boden hafteten damit auch ja kein Makel die perfekten Linien in der Erde zerstören würde.
Gegen Mittag wurde der Mann müde. Seine Schultern schmerzten und seine Arme wurden schwach. Es wurde Zeit nach hause zu gehen. Seine Kinder würden sicher schon auf ihn warten. Zusammen mit seinem Pferd, schritt er den steinigen Hügel zu seinem Haus hinunter .Seinen Hut hatte er tief in die Stirn gezogen um seine Augen vor den Sonnenstrahlen zu schützen, aber er genoss die Wärme auf seinen Armen und Händen. Die Erde hier war tiefbraun und rein, es würde eine gute Ernte werden und der alte Mann brauchte sich keine Sorge um die nächsten Winter machen.Seine beiden Kinder, ein Sohn und eine Tochter, beide etwa 10 Jahre alt, warteten bereits auf ihn. Die Tochter hatte Gemüseeintopf gekocht und als er die Diele betrat roch es angenehm nach Bohnen und Speck und der alte Mann freute sich dass seine Tochter bereits eine so gute Köchin war. Er nahm seinen Hut ab und küsste das Mädchen sanft auf die Stirn, genau an der Stelle wo sich ihr weizenblondes Haar scheitelte .Das Mädchen musste kichern und sagte : Nicht , dein Bart kitzelt so .Sein Sohn kam vom Ziegen-hirten zurück und begrüßte ihn fröhlich. Der alte Mann knuffte ihn freundlich in die Schulter und der Junge lachte. Sie setzten sich an den Tisch. Die Tochter sprach das Tischgebet.
Als sie ihre Mutter erwähnte, zuckte der alte Mann zusammen, nur ganz kurz und niemand hatte es bemerkt. Sein Gesicht blieb steinern aber es brach ihm das Herz das kleine Mädchen beten zu hören .Die Drei aßen still und schnell.
Jeder wusste die Arbeit war noch nicht getan, der Tag noch nicht zu Ende .
Am Abend saß der alte Mann draußen auf der Terrasse und rauchte seine Pfeife , während er den Sonnenuntergang betrachtete. Er schloss kurz die Augen und genoss die kühle Brise auf seiner wettergegerbten Hand. Es war ein guter Tag gewesen .Er war stolz auf seine Kinder. Sie arbeiteten hart ohne zu klagen .Der alte Mann erhob sich langsam,wünschte seinen Kinder Gute Nacht und ging hinaus in die Prärie, die blutrote Sonne im Rücken .
Dort auf einem Hügel, versteckt von Gestrüpp und Präriegras stand ein Kreuz.
Der alte Mann kniete nieder. Seine Lippen bewegten sich aber kein Ton war hörbar. Er sprach nur zu ihr und nur sie würde ihn hören .Der alte Mann schloss die Augen. Seine Schultern waren eingesunken, seine Arme hingen lasch herab.Als die Sonne endgültig am Horizont verschwunden war und nur noch ein roter Schimmer die Landschaft wie eine Decke umschloss, floss eine einzelne Träne über die rauen Wangen des alten, einsamen Mannes und fiel auf das Grab seiner Frau.
Als der Hahn am nächsten Morgen einen neuen Tag ankündigte , war der alte Mann schon längst auf dem Weg zu seinem Feld .Als er aufblickte entdeckte er am Horizont einen schwarzen Punkt der immer größer wurde. Es kam nicht vor dass sich jemand so tief in die Wildnis verlor und der alte Mann wusste das Erscheinen dieses Fremden konnte nichts gutes Bedeuten .Nach einer Stunde hatte sich der schwarze Punkt in einen jungen Mann , kaum 20 Jahre alte verwandelt. Mit ruhigen Bewegungen lenkte er sein Pferd auf den alten Mann zu .
-Sind Sie John Logan , fragte der Junge .Seit Jahren hatte ihn niemand mehr so genannt.
-Einst war ich John Logan, jetzt bin ich nur ein alter Mann .-Man sagte mir John Logan wäre der beste Kopfgeldjäger in der Gegend .Sind Sie das ? Der alte Mann lachte nur .-Ich war ein dummes ängstliches Kind und schäme mich meiner .-Ich bin hier um ihnen ein Geschäft vorzuschlagen, fuhr der Junge fort, ich bin hinter zwei Ganoven her die in City Burial, eine Bank überfallen haben. Auf der Flucht habe sie eine schwangere Frau erschossen.
Ihr Mann hat 1000 Dollar auf sie ausgesetzt. Was sagen Sie alter Mann, ich könnte ihre Erfahrung gebrauchen und sie meine jungen Augen und schnellen Reflexe. Wir teilen Halbe Halbe .Nach meiner Einschätzung durchqueren sie morgen dieses Tal, sie müssen schnell entscheiden.Der alte Mann blickte auf den Boden als er antwortete: Meine Frau würde nicht wollen dass ich diesen Weg wieder bestreite. Sie hat mir geholfen dem Alkohol zu entsagen und das hässliche Geschäft des Tötens aufzugeben. Die Stimme des alten Mannes brach ab .-Denken sie auch mal an ihre Kinder. Wollen Sie dass sie in einer Gegend leben in der Mörder frei herumlaufen ?-Ich werde schon auf sie aufpassen .
Der Junge sagte nichts , schüttelte nur den Kopf .-Könnte ich heute Nacht hier übernachten ?
Morgen reite ich weiter, Vielleicht haben sie sich bis dahin um entschieden.
Der alte Mann lachte: Verlassen sie sich nicht drauf aber sie können gerne in der Scheune übernachten. Der Junge nickte dankend .Am nächsten Morgen war er verschwunden .
Der alte Mann wusste er hatte die richtige Entscheidung getroffen. Am Ende der Gewalt lag immer der Tod, das hatte ihn seine Frau gelehrt.Obwohl, das Geld hätten wir bitternötig, dachte er . Aber er war zuversichtlich, bisher hatten sie sich immer durchschlagen können
Am nächsten Morgen wollte der alte Mann in die Stadt um auf den Markt einige Lebensmittel einzukaufen. Er ritt noch vor Sonnenaufgang los um spätestens um 5 Uhr Nachmittags zurück zu sein . Er wollte seiner Tochter beim Säen helfen. Er ertrug den Gedanken nicht sie länger als einen Tag alleine zu lassen Vor seiner Abreise drückte er seinem Sohn sein einzige Waffe, ein altes Jagdgewehr in die Hand, beugte sich zu ihm hinunter, sah ihm in die tiefblauen Augen und sagte : Du bist jetzt der Mann im Haus, pass gut auf deine Schwester auf. Der Junge nickte ernst .-Dass mir keine Klagen kommen, lachte der alte Mann und knuffte seinen Sohn in die Schulter .-Nein Sir, rief der Junge, seine Stimme war stolz und fest und der alte Mann bewunderte seinen jugendlichen Idealismus. Er sattelte sein Pferd und ritt der aufgehenden Sonne entgegen und eine frische Morgenbrise wehte ihm ins Gesicht. Und der alte Man fühlte sich seit langem wieder glücklich .
Es war kurz nach 4, als der alte Mann bei seiner Farm ankam. Er rief nach seinen Kindern , aber niemand antwortete.Auf der Grasfläche vor der Terrasse waren Blutflecken. Der alte Mann lief ins Haus.In der Diele lag die geschundene Leiche seines Sohnes.Der Boden war blutverschmiert.
Sein Bauch war von mehr als 6 Kugeln durchlöchert und das Gedärms war auf den hölzernen Boden geflossen. Die ausgetretene Magensäure hatte die anderen Organe bereits verätzt und ein bitter-saurer Geruch hatte sich in der Diele ausgebreitet.
Ein weiterer Kopfschuss hatte die Schädeldecke zertrümmerte, kleine Knochenstückchen vermischt mit Gehirnteilen klebten an der Tür und den Wänden.
Wahrscheinlich hatten die Mörder ihn auf der Grasfläche zu erst in den Magen geschossen und dann gewartet bis er sich, wahrscheinlich mit den Händen das Gedärms in seinem Körper haltend, in die Diele geschleppte, und ihn dort mit einem Kopfschuss zu töten.
Dann fiel ihm seine Tochter ein und er sprang auf, lief die Treppen hoch in ihr Zimmer.
Als er sie auf ihrem Bettchen liegend sah, drehte er sich und übergab sich auf den Boden. Seine Beine gaben nach und er fiel in sein Erbrochenes. Dort blieb er liegen für eine lange Zeit.Er vergrub seine Kopf in den Armen und weinte bis zum nächsten Morgen .
Erst dann hatte er den Mut in ihr Zimmer zu treten.Das kleine Mädchen war nackt. Ihre Beine waren gespreizt und blutgespritzt. Der alte Mann hob den winzigen, unschuldigen Leichnam hoch und ging mit ihr ins Badezimmer. Dort legte er sie in die Wanne und lies Wasser einlaufen. Mit dem Schwamm seiner Frau wusch er das Kind. Lauwarmes Wasser und Tränen reinigten seine Tochter .
Auch seinen Sohn wusch er. Dann wickelte er die beiden Leichnamen in weiße Leinentücher, legte sie auf einen Karren, spannte sein Pferd davor und ging mit ihnen hinaus in die Prärie .Sie sollten dort wo ihre Mutter ruhte den ewigen Frieden finden .
Als er beim Grab seiner Frau angekommen war es bereits nach 8 und die untergehenden Sonnen tauchte die weite Prärie in ein goldenes Licht und ließ die Wolken wie Feuerzungen im Himmel lodern. Ein rauer Wind kam auf, der die hohen, dürren Gräser in wildem Aufruhr wehen ließ, als er den ersten Spatenstich ausführte. Bis tief in die Nacht grub er die Gräber seiner Kinder.An jeder Seite seiner Frau eines .
Als er geendet hatte spendete ihm nur noch der Mond sein fahles Licht und versteckte seine Tränen getränkten Wangen . Er kniete nieder vor dem Kreuz seiner Frau und das was er sagte, war nicht mehr als ein Flüstern : Bitte vergib mir .Dann stand er auf und führte sein Pferd mit dem leeren Wagen zurück zur Farm .Die Mörder konnten noch nicht weit sein .Er suchte im ganzen Haus nach dem Gewehr aber die Mörder seiner Kinder hatten es wohl mitgenommen.
Dann fiel sein Blick auf die Axt die draußen in einem Holzscheit steckte um Feuerholz zu hacken .Bevor er seine beiden Kinder verlassen hatte, hatte er ihnen beiden je eine Haarsträhne abgeschnitten. Diese, eine Blonde, die seiner Tochter und eine Braune , die seines Sohnes, band er nun um den Griff der Axt. Dann setzte er sich hinaus auf die Terrasse und beobachtete die Sterne, seine Axt in der rechten Hand. Er wartete auf die ersten Sonnenstrahlen damit die Jagd beginnen konnte.
Er fand ihre Fährte schnell. Es waren zwei Mann auf Pferden, leichtes Gepäck, und sie bewegten sich Richtung Osten. Seine Axt band er sich auf den Rücken bevor, den Wind im Nacken, die Verfolgung aufnahm. Es war ein schöner Tag, als John Logan ausritt um die Mörder seiner Kinder hinzurichten. Er kam schnell voran. Die Spuren der Pferde waren noch frisch und er hatte keine Probleme sie zu verfolgen. Er war im Vorteil da sie nicht wussten dass sie verfolgt wurden und deshalb in gemäßigtem Tempo reisten.
Am dritten Tag seiner Jagd, fand John Logan, den jungen Kopfgeldjäger.
Seine Leiche lag in einem Bach. Ein Kopfschuss hatte ihn gerichtet. Sein Pferd und seine Waffen waren verschwunden .Nun wusste der alte Mann was er schon lange befürchtet hatte: Die Mörder seiner Kinder waren die zwei Bankräuber auf deren Kopfgeld der junge Mann so scharf war. Seine Geldgier hatte ihm den Tod gebracht.
Wären seine Kinder noch am Leben, wenn er das Angebot des jungen Mannes angenommen hätte? Noch am gleichen Abend setzte John Logan seine Reise fort.
Nur ein einsames Kreuz am Rande des kleines Baches zeugte von seinem Halt.
In der 5 Nacht sah er das Lagerfeuer der zwei Mörder zum ersten mal am Horizont und sein Herz begann schneller zu schlagen.Er wusste das Ende war Nahe, sein Ziel bald erreicht. Er hatte keine Angst mehr vom Töten, keine Angst mehr vor dem Tod. Er wusste was er zu tun hatte. Als die Sonne am 6 Tag aufging wusste der Mann dass die Zeit reif war. Er nahm seine Axt und machte sich auf den Weg. Er hatte sein Lager etwa ein halbe Stunde Fußmarsch von dem ihrem aufgeschlagen, damit sie genug Zeit hatten aufzustehen und sich fertig zu machen. Er wollte sie nicht im Schlaf töten.
Die beiden Diebe hatten ihr Lager auf einer Lichtung nahe eines Flusses aufgeschlagen. Einer der beiden war gerade dabei sich zu waschen, als sie den alten Mann entdeckten der zielstrebig auf sie zukam, die Axt hinter seinem Rücken verschleiert.
John Logan ging ruhig aber schnell und zielbewusst.-He , alter Mann , was wollen sie? Verschwinden sie, rief einer der Diebe.
John Logan ging weiter ohne zu antworten. -Ich mach dir gleich Beine, Opa .
John Logan war nur noch 2 Meter von seinem Ziel entfernt, als er die Axt hinter seinem Rücken zum Vorschein brachte, sie hoch in der Luft schwenkte um sie dann dem erstaunt dreinschauenden Mörder in die Kehle zu schleudern .Als sich Logans Gesicht und Kleidung rot färbten und er mit einem zweiten Hieb seinem Kontrahenten den Kopf endgültig abschlug, traf eine Kugel sein Bein. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wandte er sich seinem zweiten Gegner zu der gerade sein Gewehr nach laden wollte und warf die Axt mit ungeahnter Kraft in Richtung seines Gegners .
Die Axt traf ihn am Kopf und bohrte sich tief ins Hirn des Mörders. Dieser wurde von der Kraft des Wurfgeschosses nach hinten geschleudert und blieb dort leise winselnd liegend, während sein Gehirn auf den Waldboden tropfte und Blut aus seinen Augen lief.
Der alte Mann ging langsam auf ihn zu, zog ihm die Axt aus der Stirn und überließ ihm den Tod.
Logans Leiche wurde eine Woche später von einem Landarbeiter gefunden. Er hatte sich auf dem Grab seiner Familie die Kehle durchgeschnitten



Eingereicht am 01 April 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.


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