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Sex mit der Ex und die Konsequenzen

Erzählung von Waldemar Naczmanski


Es war kurz vor Mitternacht und ich wollte mich gerade ins Bett legen, als es plötzlich an meiner Tür klopfte. Ich überlegte erst mal, ob ich aufmachen sollte, denn ich mag so spät abends keinen unangekündigten Besuch mehr, schloss dann aber doch auf. Schließlich konnte jeder sehen, dass das Licht an ist, ich also zu Hause war und ich wollte nicht, dass jemand sich beleidigt fühlte. Ich öffnete also und sah vor mir... Linda, meine ehemalige Lebensabschnittspartnerin. Ich hatte sie schon seit einigen Wochen nicht gesehen und war damit eigentlich recht zufrieden, hatte sie auch schon fast vergessen. Was wollte sie jetzt von mir?
"Kann ich rein?" Sie hatte eine leichte Fahne.
"Ja, klar."
"Also. Ich wollte nur aufs Klo."
Sie kam zu mir, weil sie auf meine Toilette wollte?
"OK, du weißt ja, wo es ist."
"Nein, nein. So meinte ich das nicht. Ich war mit einer Freundin und deren Freund in einer Kneipe. Die hatten so nen Typen dabei. Wollten mich verkuppeln. Ich will aber nicht verkuppelt werden. Der Typ war voll langweilig. Und viel zu klein. Ich habe gesagt, ich muss aufs Klo und bin dann abgehauen."
"Meinst du nicht, dass sich die Leute jetzt Sorgen machen."
"Na und? Die brauchen mich ja nicht zu verkuppeln!"
"Und wer bezahlt für dich?"
"Oh Scheiße! Ich hatte drei Bier. Aber meine Freundin zahlt das bestimmt."
"Und was wolltest du jetzt von mir?"
"Ich wollte dich nur was fragen. Ich wollte fragen: Wo findet man Männer wie dich? Ich finde die Männer sind alle langweilig. Aber mit dir war es toll."
"Mit dir war es auch toll, aber jetzt ist alles vorbei."
"Weißt du, ich habe keine Lust mehr, nachts allein zu schlafen. Darf ich bei dir übernachten?"
"Nein, das darfst du nicht."
"Kann ich dann vielleicht einen Tee bekommen?"
"OK, ich mach dir welchen."
Ich war eigentlich sehr müde und wollte möglichst bald schlafen gehen, aber ich machte ihr den Tee und setzte mich neben sie auf die Couch. Ich konnte mich gar nicht woanders hinsetzen, denn ich habe ein sehr kleines Appartement und nur diese eine Sitzgelegenheit.
"Weißt du, manchmal hasse ich dich, manchmal liebe ich dich aber noch", sagte Linda.
"Du solltest mich nicht lieben."
"Manchmal tue ich es aber doch."
Sie rückte näher. Sie hatte diesmal ein sehr tiefes Décolleté. Ich stellte fest, dass sie diesen Push-Up-BH anhatte, der ihre Brüste ganz prall aussehen ließ und der mich früher immer verrückt gemacht hatte. Es nutzte gar nichts, dass ich wusste dass das eigentlich Beschiss war, es sah trotzdem klasse aus.
"Weißt du, wir sind nicht mehr zusammen, aber wir können doch trotzdem gute Freunde sein."
Sie sprach von Freundschaft, obwohl ihre Hand sich plötzlich an meinem Oberschenkel befand.
"So cool, wie du jetzt bist, wirkst du so richtig männlich."
Ihre Hand war jetzt unter meiner Bluse.
"Ich finde nicht, dass wir so was machen sollten. Wir sind nicht mehr zusammen."
Sie sagte darauf nichts, sondern drückte einfach ihre Lippen auf die meinen.
Ich will das, was nun folgte nicht weiter ausführlich beschreiben. Schließlich gibt es in der Literatur 23.849.712 Schilderungen dessen, was wir nun machten. Für diejenigen, die es noch nicht verstanden und die Überschrift überlesen haben: Ja, wir hatten Sex. Das konnte wohl nur geschehen, weil zwischen uns eine gewisse Vertrautheit herrschte, die auf einer dreijährigen Beziehung beruhte und dazu führte, dass wir uns gegenüber keinerlei Scham empfanden. Das war zumindest meine Theorie. Ich fühlte mich danach, während sie neben mir schlief, trotzdem sehr unwohl. Linda wollte doch wohl nicht wieder mit mir gehen? Was würde am nächsten Tag zwischen uns sein? Der Sex verkomplizierte die ganze Sache. Und dann erschien auch noch der Teufel.
Er war plötzlich mitten im Zimmer, direkt vor dem Bett, ich habe ihn gleich an den Ziegenbockhufen und den Hörnern erkannt.
"So, so. Sex mit der Ex", sagte der Teufel. "Damit hast du eine gewisse Grenze überschritten, was dich wiederum direkt in die Hölle führt."
Und dann teleportierte, oder beamte oder was auch immer, er mich direkt in die Hölle, oder besser gesagt in das Vorzimmer der Hölle, das aussah wie eine Anwaltskanzlei.
"Sehr geehrter Luzifer. Hier habe ich Euch wieder einen armseligen Menschen mitgebracht", sagte der Teufel der mich hingebracht hatte.
"Hier habe ich deine Akte", sagte Luzifer, der sich vom anderen Teufel durch seinen Anzug und die längeren Hörner unterschied, nun zu mir. "Das sind ja schwere Vergehen, die dir zu Last gelegt werden. 223 mal unehelicher Geschlechtsverkehr, einmal eine Geldbörse mit viel Geld und Personalausweis des Besitzers gefunden und für sich behalten, die eigene Mutter bereits mit vierzehn Jahren belogen, als sie fragte, ob du geraucht hattest, auf Bernds CD einen Kratzer gemacht. Außerdem hast du dich über die Unfreundlichkeit eines Bediensteten einer Tankstelle bei dessen Vorgesetztem beschwert. Der von dir Angeschwärzte verlor dadurch seinen Job und lebt nun mit seiner achtköpfigen Familie von der Sozialhilfe. Es steht zwar nicht in der Bibel, aber Petzen gehört zu den Todsünden. Und dann hattest du auch noch Geschlechtsverkehr mit deiner Exfreundin. Das hat das Fass natürlich zum Überlaufen gebracht. Hast du was zu deiner Verteidigung zu sagen?"
"Ich glaube nicht an euch. Ihr seid nicht existent. Es ist alles eine Illusion oder ein Traum."
"Nun, das nützt dir wenig. Glaubst du denn an Gott?"
"Nein, das auch nicht."
"Oh, ein Atheist! Und es steht nicht in der Akte! Fügen wir es doch gleich der Liste der Vergehen bei. Da du also nichts Konstruktives zu deiner Verteidigung beizutragen hast, dich sogar noch weiter belastest, erkläre ich dich hiermit in allen Punkten für schuldig und für einen offiziell anerkannten schlechten und moralisch äußerst fragwürdigen Menschen. Sei uns willkommen! Belial wird dich ein bisschen herumführen."
Luzifer berührte einen Knopf und ein anderer Teufel, gekleidet wie ein viktorianischer Butler, trat ein, und führte mich durch die einzige Tür des Raumes hinaus. Belial zeigte mir eine Menge: ein paar Nachtclubs, Casinos und Pferderennbahnen. Zum Schluss zeigte er mir mein Luxusappartement, in dem ich von nun an bis in alle Ewigkeiten wohnen sollte. Als er mich dort wieder allein ließ, ging ich zuerst in den Whirlpool und machte die Champagnerflasche auf, die daneben stand. Am nächsten Tag schlief ich bis zum Mittag, ohne von irgendjemand geweckt worden zu sein. Als ich wach wurde, herrschte absolute Stille, keine streitenden Nachbarn, kein Straßenlärm. Ich war solche Ruhe gar nicht gewöhnt und wollte sie sogleich mit etwas Lärm füllen. Tatsächlich erblickte ich eine Stereoanlage, daneben einen riesigen CD-Ständer mit allen meinen Lieblings-CDs und einigen mehr. Ich entdeckte sogar das nächste The Cure-Album, das eigentlich erst in einem halben Jahr auf den Markt kommen sollte. Dieses legte ich dann auch in den CD-Player rein. Nachdem ich geduscht habe, klopfte es an meiner Tür und eine wunderschöne barbusige Teufelin trat herein, machte das Bett, hängte zwei saubere Anzüge in den Kleiderschrank und fragte: "Möchten Sie nachher eine Massage?"
"Nein, danke. Ich bin etwas verwirrt. Es scheint mir alles hier ganz nett zu sein, ich meine man hört so einiges über die Hölle, aber das kommt doch etwas unerwartet."
"Das liegt nur an der Propaganda der Gegenseite. Eigentlich lässt es sich hier gut aushalten. Wir haben hier eine Million unterschiedlicher Zerstreuungen. Schließlich ist die Ewigkeit eine lange Zeit und die muss man sich doch irgendwie vertreiben. Übrigens, falls Sie mal Lust haben sollten, mich zu vergewaltigen, tun sie sich keinen Zwang an." Daraufhin verließ die ansehnliche Teufelin das Appartement.
Am Abend ging ich auf Tour und lernte andere menschliche Bewohner der Hölle kennen. Diese erzählten mir von allen möglichen Wunderdingen, die in der Hölle üblich waren. Zum Beispiel konnte man so viel Alkohol trinken, wie man wollte und bekam keine Kopfschmerzen davon, man alterte gar nicht, ja, wenn man alt in die Hölle gelangte, wurde man um Jahrzehnte jünger. Man wurde auch nicht fett, egal wie viele Lebensmittel man in sich aufnahm. Das Essen war allerdings der einzige Knackpunkt dieser Hölle. Es gab keine Restaurants, keine Gillstuben, keine Dönerläden, nichts, nur McDonalds. Anscheinend hatten die da einen Exklusivvertrag. Vielleicht hätte ich noch mehr rausgekriegt, doch vorher wurde ich aus der Hölle, die eigentlich ein Paradies war, verstoßen.
Ich hatte wieder ein bisschen viel getrunken und torkelte in Richtung meines Appartements. War wieder eine tolle Nacht gewesen. Es gab in der Hölle tatsächlich Tag und Nacht, tagsüber schien die Sonne, nachts waren drei Monde am Himmel zu sehen. Also, es hat in dieser Nacht wieder tolle Musik, nette Frauen und guten Alkohol gegeben. Und alles umsonst! Da sah ich wie ein alter Teufel, die Menschen alterten hier zwar nicht, dasselbe galt aber nicht für die Teufel, schwer beladen, unter seiner Last ächzend, auf die Tür des Gebäudes, das ich bewohnte, zuschlurfte. Ich eilte voraus und hielt dem armen Teufel die Tür weit auf und fragte: "Kann ich Ihnen beim Tragen helfen?"
Der Teufel schien mich nicht gehört zu haben, denn statt zu antworten, erkundigte er sich: "Was machst du da?"
"Ich halte Ihnen die Tür auf."
"Ach, um sie mir, wenn ich direkt davor bin, direkt vor der Nase zuzuknallen. Ganz schön gemein, doch nicht besonders neu und originell."
"Nein, ich wollte nur nett sein."
"Wie? Du scherzest wohl?" Der alte Teufel legte seine Last ab. Ich eilte zu ihm und hob die Sachen auf. Ich erinnere daran, dass ich damals stark alkoholisiert war. "Ich trage das für Sie."
"Das ist ja wohl die Höhe!" Der Teufel wurde recht laut. Immer mehr Leute blieben stehen und schauten in unsere Richtung.
"Ich weiß nicht, was Sie meinen. Falls ich Sie irgendwie verletzt haben sollte, so bitte ich vielmals um Entschuldigung."
"Hierher, Leute! Schaut euch diesen Gutmenschen an! Wie höflich er ist! Was hat er hier zu suchen? Wache! Wache!"
Alsdann kamen zwei breitschultrige Teufel mit Abzeichen auf den Schultern auf mich zu und packten mich unter den Armen. Innerhalb kurzer Zeit fand ich mich bei Luzifer wieder.
"Du warst eine richtige Enttäuschung für uns. Da hofften wir auf einen richtigen Antichrist, und dann so was. Du wirst hiermit für immer aus der Hölle verbannt", so sprach Luzifer, woraufhin er mich mit seinem rechten Huf in den Hintern trat, was eine Teleportation auslöste, die mich wieder in mein diesseitiges Heim führte.
Es war gerade Tag. Ich wusste nicht, wie lange ich weggewesen bin. Linda war jedenfalls nicht mehr da. Ich machte den Fernseher an und schaute mir auf dem Videotext Datum und Uhrzeit an. Ich war nur ein paar Stunden fort! Ich wunderte mich, dass Linda schon abgehauen war. Dann fiel mein Blick auf einen Zettel auf dem Schreibtisch. Ich las ihn:
"Du bist ein richtiges Arschloch. Du hast einfach schamlos ausgenutzt, dass ich zuviel Alkohol getrunken hatte. Du musst es ganz schön nötig gehabt haben, dass du es mit deiner Ex gemacht hast. Ich hasse dich. Ich wünsche dir, dass deine nächste Freundin dich genauso scheiße behandelt, wie du mich behandelt hast. Wenn jemand erfährt, was letzte Nacht war, erzähle ich allen, dass du einen winzigen Penis hast! Linda"
Frauen! Sie können einem das Leben echt zur Hölle machen.




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Eingereicht am 10. Januar 2004.
Herzlichen Dank an den Autor.
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