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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Till Eulenspiegel und der Philosoph. 2

© Manfred Schröder


Till Eulenspiegel packte, wie so oft in seinem Leben, seine sieben Sachen zusammen; sagte Lebewohl zu seinen Lieben und ging von dannen. Denn es waren schlimme Zeiten angebrochen. Böse Narren hatten die Macht an sich gerissen und es gab nur wenig zum Lachen im Lande. So zog er, wie so oft, wieder von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt und viel Spass herrschte auf den Marktplätzen, denn man freute sich, ihn wiederzusehen. Nach dem er viele Länder durchquert hatte, kam er in eine Gegend mit hohen Bergen, tiefen Wäldern und grünen Tälern. Die Leute die er dort traf, sagten, dass das Land China hiesse.. Auch hier brachte Till Eulenspiegel die Menschen, wie überall, zum Lachen. Denn zurzeit hatten weise und kluge Männer das Sagen.
Einmal, als er ins Gebirge ging, begegnete er den Philosophen Laotse, der vor seiner Hütte sass und über alles und Nichts sich so seine Gedanken machte.
Nach dem üblichen ,´Wie geht´s, ´Wie steht´s,? lud Laotse Till Eulenspiegel ein, bei ihm über Nacht zu bleiben. Denn es zeichneten sich dunkle Wolken am Himmel ab über den Bergen ab. Dankend nahm dieser die Einladung an.
Als sie am Abend, auf das Dach der Hütte trommelte der Regen, beim heissen Tee zusammensassen, hörte Till, denn er fragte dieses und jenes, dem Philosophen aufmerksam zu. Und es blieb nicht aus, dass dieser bald auf die Unvernunft der Menschen zu sprechen kam. Als er dann, mehr resignierend, als weise bemerkte, dass es viele unter ihnen gäbe, die lieber über Dunkelheit klagten, als sich eine Kerze anzuzünden, lächelte Till Eulenspiegel und sagte: -Vorausgesetzt, man hat eine!-
Einen Augenblick schaute Laotse ihn sinnend an. Dann lächelte auch er.
So hatte Till Eulenspiegel, der kluge Narr, einen weisen Manne zum Nachdenken gebracht. Und am nächsten Morgen schieden sie als gute Freunde.



Eingereicht am 22. März 2006.
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