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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Kurze Unterbrechung im Alltag

© Thomas Herzau


In einem Krankenhauszimmer eines normalen Krankenhauses waren ein Besucher und zwei Patienten, die sich lebhaft über das Thema Kunst unterhielten. Mit der Zeit liefen Schwestern aus und ein, und unter anderem kam eine blonde Schwester herein und kündigte dem Kunstprofessor, der einer der Patienten war, eine Visite des Professor med. an. Die Unterhaltung über Kunst wurde nun unterbrochen und der Kunstprofessor wendete sich an die Schwester. "Sagen sie", fragte er, "aus welchem Land kommen sie?" "Warum fragen sie das?", erwiderte die Schwester. "Na, sie haben so eine schöne gebogene Nase, deswegen frage ich." Und das Thema Kunst nahm eine fluxe Wendung. "Ja, ich komme aus Griechenland", sagte stolz die Krankenschwester. "Ah", das habe ich mir gleich gedacht", fühlte sich der Kinstprofessor bestätigt. "Ich bin Jude", sagte er, schauen sie wie meine Nase aussieht. "Nein, sie sind Ungar, rief die griechische Krankenschwester, die sich aus früheren Gesprächen mit dem Kunstprofessor besann. "Ja, Ungar, aber jüdischer Ungar", antwortete der Kunstrofessor sogleich. "Ja, ja die Orientalen, ihr habt doch alle gleiche Nasenformen", warf der Zimmerkollege des Kunstprofessors ein. "Das stimmt nicht, die Griechen haben diese Form, wie ich sie habe, entgegnete die griechische Krankenschwester und darauf bin ich ganz besonders stolz. "und was habe ich für eine Nasenform?", fragte der Zimmerkollege den Kunstprofessor. "Na, auf jeden Fall keine orientalische, sondern eine praegermanische, so wie ich das beurteilen kann", erwiderte der Kunstprofessor mit prüfendem Blick. "Und wie sieht denn so eine praegermanische Nasenform aus?" fragte der Zimmerkolle. "Na, wie sie sie haben, klein, kaum zu sehen, spitz und kantig", brachte der Kunstprofessor hervor. Indessen kam der Professor med. zur Visite herein und nahm einige Brocken der erregten Unterhaltung der Naseninterpretationenauf und um sich gleich in die gesellige Runde der Gesprächspartner zu integrieren, sprach er gleich mit vernehmlich lauter Stimme:"So, was würden denn sie von meiner Nasenform halten?", und schaute in das Gesicht des Kunstprofessors dessen Antwort er gespannt erwartete. "Schwer zu sagen", kam es langsam aus dem Mund des Kunstprofessors, der die grosse Adlernase des Professors begutachtete, aber mit Rücksicht auf seine bevorstehende Operation mit diesem Professor sagte vorsichtig weiter ,"sie hat die Form eines Adlers." "sie wollen doch damit nicht sagen, dass ich eine Adlernase habe, Herr Professor", unterbrach schnell der Professor med. Den Kunstprofessor und betastete gleich irritierend seine Nase. "Der Form schon, obwohl natürlich viel schöner, natürlicher, schmaler und etwas kleiner", entgegnet gleich der Kunstprofessor, der jetzt glaubte den Professor med. beleidigt zu haben."Na und ihre Nase hat die Form eines Schnabeltiers", warf der Professor med. dem Kunstprofessor etwas ärgerlich entgegen, zwar nicht ganz so breit, aber gehörig lang. Wenn sie sie kürzer haben wollen, dann kann ich sie einem meiner Kollegen von der Gesichtschirurgie empfehlen." "Nein, danke, ich bin ganz zufrieden mit meiner Nase", erwiderte der Kunstprofessor."Und sie Herr Assistenzarzt, sie sagen ja gar nichts." drehte sich fragend der Professor med. zu seinem Assistenzarzt um und alle schauten in dessen Gesicht um sie prüfend unter die Lupe zu nehmen. Sie war aber zu ebenmäßig und gleichförmig gebildet, dass keinem irgendein Ansatz einer Kritik einfiel. Dann schnatterten alle Beteiligten weiter über alle möglichen Nasenformen unter anderem Boxernase, Höckernase, lange, kurze, platte und schiefe Nasen, Nasen von Prominenten wie Michael Jackson, Margret Thatcher, Francois Mitterand, Helmut Schön oder Barbara Strysand, als plötzlich ein Signalton den Professor med. aufschreckte und ihn an seine Dienstpflicht erinnerte. Er räusperte sich ein wenig und sagte im kollegialen Ton: "Nun, Herr Kunstprofessor, wollen wir mal schauen wie es ihnen geht", legte prüfend seine Hand auf den Bauch des Kunstprofessors und der Alltag im Krankenhaus nahm wieder seinen Lauf.



Eingereicht am 20. März 2006.
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