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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Nur noch doof!!!

© B. T.


Am Morgen verabschieden wir uns, nach einer braven Nacht, an der Tür, mit den Worten, wir telefonieren.
Schon allein dieses wir telefonieren, sorgte in meinem Kopf, für den reinsten Aufruhr.
Bis zum Abend ist ziemlich lang und er wird sich erst am Abend melden. Da bin ich mir sicher. Können Sie sich in etwa vorstellen, wie lange so ein Tag sein kann, wenn man auf den Abend wartet. Ich glaube nicht.
Tagsüber kommst du auf die dümmsten Ideen, um die Zeit totzuschlagen.
Da werden selbst die Arbeiten, die du sonst verachtest, der beste Zeitvertreib.
Also fing ich an, als ich nach hause kam, erst mal Wäsche zubügeln. Doch im Gegensatz zu sonst, hatte ich diesmal nicht viel zu bügeln. Mist, was mache ich jetzt.
Auto putzen. Das ist immer gut und dauert lang. Aber Arbeiten die man nicht gerne tut, tut man aber leider schnell. Ein Blick auf die Uhr, na ja, drei Stunden hab ich ja schon rumgebracht. Jetzt sind es ja nur noch Acht. Buchhaltung und Steuer, ja das ist es. Das dauert lange. Aber eigentlich will ich das überhaupt nicht machen.
Also gut, leg dich hin und schlaf ein Bisschen, da vergeht die Zeit wie im Traum. Kaum lieg ich auf dem Sofa, klingelt das Telefon. Das kann doch jetzt nicht wirklich wahr sein. Meine Mutter ist am anderen Ende. Ob ich Lust hab mal vorbei zukommen. Lust, ne Lust hab ich keine, aber ich komme. Wenn mir meine Mutter den neusten Tratsch aus der Verwandtschaft erzählt, denk ich wenigstens nicht die ganze Zeit an ihn.
Der Nachmittag vergeht, endlich ist es Abend und ich sitze da und stiere das Telefon an. Eigentlich könnte er sich ja jetzt endlich melden. Ich hypnotisiere das Telefon. Verdammt noch mal, das macht nix. Klingle endlich! Na gut, wenn du es nicht tust, tue ich es eben. Ich nehm den Hörer und ruf an.
Und es geschieht genau das was immer geschieht, die Stimme am anderen Ende, macht mich schier verrückt. Oh Gott, wie ich dies Stimme liebe und erst den Mann, zu dem diese Stimme gehört. Um Himmelswillen, ich bin doch erwachsen und kein Teenager mehr. Ich bin erwachsen, selbstbewusst, ich weis immer was ich will und was ich sagen muss. Nur, um alles auf der Welt, warum vergesse ich das, wenn ich nur die Stimme von diesem Mann höre. Sie können sich vielleicht ungefähr vorstellen, was erst geschieht, wenn er vor mir steht. Nein, darüber will ich jetzt lieber erst gar nicht nachdenken. Nein bitte, sagen sie jetzt nichts! Schlucken sie es einfach runter! Bitte.
Und so nimmt auch dieses Telefongespräch einen eigenartigen Verlauf, bei dem ich das Gefühl nicht loswerde, das ich nicht Herr über das bin, was ich sage. Meine Zunge macht sich selbständig und ich stammle irgendwelchen Blödsinn, für den ich mich, so bald ich ihn gestammelt habe, auch schon wieder in den Hintern beißen könnte.
Er fragt mich, was ich den ganzen Tag heut, denn so gemacht habe.
Die Antwort hätte wahrheitsgemäß lauten müssen: Ich hab die Zeit totgeschlagen und darauf gewartet das du anrufst. Denn mehr hab ich ja nicht getan. Aber ich stammle irgendetwas davon, wie fleißig ich doch gewesen wäre. "Schön" sagt die unglaubliche Stimme am anderen Ende." Ich lass mir gerate Badewasser ein", sag ich zu ihm. "Das werde ich dann auch tun", höre ich ihn sagen." Kannst ja auch in meine Badewanne kommen", antworte ich. Hallo bist du doof. In meine Badewanne kommen. Was Blöderes ist dir jetzt wohl nicht eingefallen. Aus dem Hörer klingt sein zauberhaftes Lachen. Ich weiß, das klingt blöd, ist aber so. Ich bin schon wieder hin und weg. Ich sehe ihn vor mir, wie er da so sitzt und lacht. Diese Vorstellung! Ausblenden, ausblenden sofort ausblenden!! " Nein zu dir in die Badewanne, das las ich lieber sein, ich muss morgen früh bald raus". Sein Lachen klingt durch den Telefonhörer. "Na ja, wenn du bald aufstehen musst, schade". Zu einer anderen Aussage bin ich nun nicht mehr im Stande." Ich lass mir jetzt Badewasser ein und dann ruf ich dich an, wenn ich in der Wanne sitze. Was hellst du davon?"
Nix, möchte ich am liebsten ins Telefon schreien und mein wohlerzogener Mund sagt: " Ja, mach das, bis gleich".
Am anderen Ende ein Klicken, er hat aufgelegt.
Wie ferngesteuert laufe ich ins Badezimmer, zünde Kerzen an und stelle ein Glas Wein parat. Ganz schön beklopft. Aber wenn er nicht persönlich da ist, möchte ich wenigstens das Feeling haben, als ob er es täte.
Das Telefon klingelt." Und sitzt du schon in der Wanne?. Ich schon".
"Nein ich sitzt noch nicht drin, aber gleich". Das ich vor lauter schnell schick dich, nicht vergesse mich auszuziehen, ist wahrlich ein Wunder. Das Wasser ist so heiß, das man ohne weiteres Mandeln darin häuten könnte. Ich setz mich in die Pfütze und lasse über den Duschkopf kaltes Wasser ein. Den Brausekopf halt ins Wasser, damit er es ja nicht hört. Meine Güte, so bescheuert kann man doch gar nicht sein.
"Mein Bruder hat mich angerufen und gefragt, ob ich Lust habe mit in Urlaub zu fahren". In Urlaub fahren, nein um Himmelswillen, alles nur das nicht, schreit jetzt mein Kopf. " Warum nicht, machs doch", hör ich mich sagen. Was erzählst du da für einen Scheiß. Halt doch die Lippe. " Wann und wie lange würdest du denn fahren und wohin?" " Für 12 Tage nach Spanien, am 25. Dezember geht es los". Zwölf Tage und an Weihnachten, hallo hast du was falsches zu Abend gegessen oder einen Clown verschluckt! Bist du nur noch wahnsinnig! Und wie in Trance sage ich: " Warum denn nicht, du hast es dir verdient". Jetzt wird mein Kopf rebellisch, er schaltet sich erneut ein und macht mich kurzerhand, zur Sau. Sag mal, kann man noch bescheuerter, dämlicher und geistigumnachteter sein als du. Was erzählst du denn da für einen Schwachsinn, er hat es sich verdient. Bist du jetzt restlos verblödet. Nix hat er sich verdient, außer das er an Weihnachten bei dir ist, ist das klar und das sagst ihm jetzt und zwar gleich. Und ich höre mich sagen: "Überleg es dir halt, es würde dir bestimmt gut tun". Wenn mein Kopf jetzt Hände hätte, er würde mich bestimmt ersäufen. Du kapierst doch wirklich nix, was machst denn, wenn er wirklich fährt, hä? Dann kannst dich untern Christbaum setzen und Kugeln mit der Zwistel abschiessen, mehr wirst dann nicht zu tun haben, du dumme Nuss. Die Vorstellung, Kugeln vom Christbaum zu schiessen, erschreckt mich nun doch etwas. Und als ob er das bemerkt hat sagt er:" Na ja, glaub nicht das ich fahre, der Urlaub käme mir doch etwas teuer". Jiiipppiiii! Jetzt ist mein Kopf zufrieden. Obgleich das noch keine hundertprozentige Absage ist. Aber ein kleine Absage ist in dem Fall besser, als eine große Zusage. Im Geheimen hofft mein Kopf jetzt das sein Buder ein Geizkraken ist und nicht auf die Idee kommt, ihm den Urlaub zu spendieren und er sagt sich, das würde er bestimmt nicht annehmen. Na hoffentlich hat mein Kopf recht. Außerdem bekommt er demnächst eine fette Rechnung vom Zahnarzt. Ich wünsche Niemandem etwas Böses, aber ihm wünsch ich in diesem Moment eine megadicke Rechnung. Sie können jetzt sagen, das ist Böse und egoistisch. Aber hallo, hab ich nicht auch mal das Recht egoistisch zu sein? "Hallo bist du noch dran?" Seine Stimme holt mich aus meinen fiesen Träumen zurück. "Ja logisch, was denkst du denn?" " Bei mir hat es grad geklingelt, ich meld mich gleich nochmal bei dir. Ok?" " Ja klar, ist das ok". Wieder dieses doofe Klicken im Hörer. Er ist weg. Telefongespräch auf Etappen, aber bevor man gar keines hat. Lieber ein Solches. Ich hüpf aus der Wanne und warte. Dieses Mal dauert es ganz schön lange, um genau zu sein, zwei Gläser Rotwein lang, bis er sich wieder meldet. "So, ich wollt mich nur noch mal melden und dir eine gute Nacht wünschen. Ich bin jetzt müde, werde noch die Zeitung lesen und dann ins Bett gehen". Hallooo, war das jetzt alles, gute Nacht und Zeitung lesen. Ich hab das Gefühl ich hör nicht richtig. War das jetzt alles? Dafür hab ich den ganzen Tag nix gemacht?
Das war das Telefongespräch, auf das ich mich den ganzen Tag, mit Zeittotschlagen, vorbereitet habe? "Ich wünsch dir eine gute Nacht, schlaf gut und träum was Schönes", seufze ich ins Telefon. " Du auch ". Und wieder dieses dämliche Klicken im Hörer. Er ist weg. Mein Kopf, durch zwei Gläser Wein leicht umnebelt, registriert das Ende des Gesprächs erst jetzt und meldet sich, wahrscheinlich, deshalb auch mit dieser kleinen Zeitverzögerung. Und er stellt auch nur noch fest, das ich restlos doof bin und endlich mal sagen sollte, was ich wirklich will.
Und das wäre?
Na, dreimal dürfen Sie raten!



Eingereicht am 04. Januar 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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