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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Der schlimmste Schock seines Lebens!! (Das(!) hätte nie passieren dürfen...!)

© Gaby Schumacher


Schon seit Wochen wartete der Papa meiner Kinder auf seinen neuen Wagen. Es gab kein anderes Gesprächsthema mehr. Der Morgen begann mit: "Der sieht wirklich toll aus!" Jeder Tag endete mit der zweifelnden Frage: "Ich bin gespannt, wann er denn kommt!"
Dann war's soweit. Mit angehaltenem Atem spurtete ich gen Garage, um unser neues Familienmitglied gebührend zu bestaunen und dem strahlenden männlichen davor stehenden Wesen zu versichern, dieser Wagen und kein anderer sei auf jeden Fall der schönste in der ganzen Autowelt. Ich sah es Mann an. Meine Worte waren genau die richtigen gewesen. Er kam mir plötzlich noch größer vor als er ohne hin schon war, nämlich statt 1,86m so um die 2,00m Meter. Klasse, ich schwärmte ja für solche Riesen.
Papa fuhr unser neues Kind, das sich später relativ dominant benahm - bloß ... das war mir an diesem Tage noch nicht so ganz klar - also behutsam in sein neues Bettchen. Mehr als zärtlich legte er dabei seine Arme beschützend ums Babyautolenkrad. Schließlich war doch alles fremd und neu für dieses süße Etwas.
Er stieg aus, öffnete bei hoch gefahrener Garagentüre mit stolzem Schwung die Kofferraumklappe, um die Ansicht des enormen Platzangebotes da drinnen tief durchatmend vor Glück noch kurz zu genießen. Der Schwung jedoch war etwas zu schwungvoll, die Klappe knallte deutlich vernehmlich für die ganze Nachbarschaft von unten gegen die Kante der Türe, was das zimperliche Autochen dann doch recht übel nahm. Papa schrie: "Scheiße!" Sofort unterzog er seinen vierrädrigen Liebling einer extrem gründlichen Gesundheitskontrolle.
Zu seinem Entsetzen fand er doch tatsächlich einen Minikratzer (immerhin doch passend zum Alter des ja damit lebensgefährlich Verletzten!) von der Größe eines Stecknadelknopfes. Papa wurde abwechselnd grün und rot im Gesicht und schrumpfte binnen einer Sekunde auf Normalstatur zurück.
Nichts vermochte ihn zu trösten. Den Rest des Abends war er zu nichts mehr zu gebrauchen, kleidete sich dem Anlasse ja wohl mehr als angemessen in Schwarz und blieb dann so.
Er tat mir wirklich leid. Er hatte sich so sehr auf diesen hoch eleganten Wagen gefreut. Mit dieser grauenhaften Schnittwunde war ja wohl in Mann's Augen die ganze Schönheit im Eimer.
Obwohl ich seinen Stimmungsumschwung ja irgendwie verstand, hatte ich beträchtliche Schwierigkeiten damit, mir das Grinsen zu verkneifen.
Ja, ja ... Männer und ihre fahrbaren Untersätze!!



Eingereicht am 19. Oktober 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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