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Die ersten Kochkünste meines Mannes

© Grete Ruile


Wir heirateten sehr jung und mussten noch vieles lernen. Auch Haushaltführen und das Kochen gehörte dazu. Ich muss zwar gestehen, dass mir das als Frau doch ein bisschen leichter fiel. "Mein" Walter hatte noch nicht allzu lange sein Studium als El.-Ing. abgeschlossen und war, wie wir damals glaubten, unschlagbar in allen Lebenslagen. Aber wie sich bald herausstellte, bezog sich das hauptsächlich auf Technisches, beim Kochen jedoch fehlte ihm jede Art von Begriffsbildung.
Nun passierte es, dass meine Mutter erkrankte. "Ich werde mit dem nächsten Zug nach Stuttgart fahren, um sie gesund zu pflegen", teilte ich Walter mit.
Da wir beide ständig an Geldknappheit litten, bat ich meinen Mann vor der Abfahrt selber zu kochen, im Restaurant sei das Essen so teuer. Da er mich sehr liebt, war er sofort einverstanden. "Geb mir halt noch einen guten Tipp für morgen, etwas das leicht zu kochen ist, dann geht es ohne weiteres", meinte er. Dabei sah er mich so treuherzig an, dass mir kein unguter Gedanke kam.
Ich hatte auch sofort eine einfache Idee: "Weißt du was: Du kochst Nüdeli, Fleischkäse und Spiegelei. Nudeln hast du ja schon einmal gekocht. Den Fleischkäse nur in der Pfanne anbraten, ein Spiegelei darauf und fertig ist die Wundermahlzeit!"
"Ja", meinte er," das werde ich fertigbringen. Mach dir bloß keine Sorgen, fahre in aller Ruhe zu deiner Mutter und grüße sie recht herzlich von mir." Das war unser Abschied.
Am nächsten Tag läutete das Telefon bei meiner Mutter. Ich nahm den Hörer ab und vernahm am anderen Ende die aufgeregte Stimme meines Herzallerliebsten.
"Mein Gott, was ist denn passiert?", fragte ich.
"Ich habe Nudeln gekocht, den Fleischkäse angebraten und über dem Fleischkäse das Ei aufgeschlagen. Aber es gab absolut kein Spiegelei!" Ziemlich wütend fügte er hinzu, so einen Blödsinn müsse ich ihm nie mehr angeben.
Mich schüttelte es vor Lachen "Ja, das glaub ich dir aufs Wort." Das Ei müsse selbstverständlich neben dem Fleischkäse gebraten werden. "Du hast das Ganze zu wörtlich genommen."
Nun lachte auch er.
"Das morgige Menü gelingt garantiert besser", murmelte er.
"Kannst du mir sagen, was ich kochen soll?"
Diese zweite Mahlzeit gäbe eine neue Geschichte. Nur so viel sei verraten: Sie endete so kurios, dass mein Mann das Kochen endgültig aufgab.


Eingereicht am 08. Februar 2005.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.


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