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Denkwürdige Begegnung der "Dritten Art"???

© Petra Block


Feierabend, in froher Erwartung meiner Bettstatt radle ich die paar Kilometer von der Arbeit bis nach Hause.
Die Spätschicht sitzt mir in den Knochen, es ist dämmrig, draußen erkennt man gerade noch Sträucher und Bäume. Eilig trete ich in die Pedalen und fahre natürlich Schleichwege. Die Strecke kenne ich auswendig. Ich weiß zum Beispiel, dass nach etwa dreißig Metern eine scharfe Linkskurve kommt.
Was ich nicht weiß, hinter dieser Kurve lauert das Grauen.
Urplötzlich tritt eine Gestalt in die Mitte des Weges. Riesig, schwarz und zottelig hebt sie sich gegen den Himmel ab.
Als humorvoller Mensch produziert mein Hirn folgenden obskuren Gedanken: Oh, ein Yeti!
Dieses Etwas rührt sich nicht, ich kann weder Kopf noch Gliedmaßen erkennen, schon gar kein Gesicht. Ungefähr zehn Meter traue ich mich näher ran, dann lässt mein Humor nach. Was nun?
Ich warte, nichts passiert. Das Bündel Fell bewegt sich noch immer nicht.
Siedend heiß fällt mir ein, dass in unserer Kleinstadt ein Zirkus gastiert.
Sollte denen ein Tier entwichen sein? Hörner scheint es jedenfalls nicht zu haben. Ein Bär? Ach du Sch...öner Rhododendron!
Wenn ich mich jetzt auf das Rad schwinge und Fersengeld gebe, hetzt das Viech vielleicht hinter mir her. Außerdem, zwei Kilometer vor meiner Behausung gebe ich doch nicht auf und fahre zurück. Meine angeborene Faulheit macht mir neuen Mut und lässt mich ein paar Schritte vorstoßen.
Das Tier duckt sich plötzlich und grummelt mich an. Gott sei Dank, es ist nur ein Hund! Nur ein Hund? Ja bin ich denn wahnsinnig? Wenn dieses Monster mich zerfleischt, dann schwinden meine Pfunde schneller als mir lieb ist.
Vorsichtig krame ich das Handy, gelobt sei die Erfindung, aus der Tasche und tippe schon mal die Nummer von zu Hause ein. Da mich hier mit Sicherheit niemand hört oder sieht, sollte ich wenigstens noch schnell durchgeben wo meine Knochen zu finden sind.
Also, das Telefon am Ohr, das Fahrrad als lächerliche Waffe vor mich herschiebend schleiche ich auf ihn zu. Pfeifend mache ich mir selber Mut und spreche dieses Ungeheuer sogar an.
Verblüfft sehe ich, wie sich der Riesenköter umdreht und davontrottet.
Horrido, jetzt drehen wir den Spieß einfach um. Mein Jagdtrieb ist erwacht.
Rauf auf das Vehikel und dem Biest hinterher. Wahrscheinlich hat er nun ähnliche Gedanken wie ich zuvor. Von mir verfolgt, fängt der Hund an zu rennen. Mit einer Riesenportion Übermut, viel Klingeling und Geschrei sause ich ihm nach.
Der Weg gabelt sich und der Spuk ist vorbei.
Er hetzt links herum, ich muss recht abbiegen. Geschafft! Wäre ja auch noch schöner, sich den Feierabend vermasseln zu lassen.
Na ja, jetzt kann ich groß rumtönen, inzwischen haben die Kollegen mich aufgeklärt.
Dieses Untier heißt Oskar und ist der harmloseste Köter der ganzen Umgebung.
Er ist ein Ausbruchsspezialist und immer wenn Herrchen nicht zu Hause ist, geht er spazieren.
Trotzdem, wer weiß wem man im Dunkeln alles begegnen kann, Yeti, Alien oder Oskar???


Eingereicht am 28. Januar 2005.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.


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