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Komm mit ins Abenteuerland-Supermarkt

Annette Weimer


Wo lässt sich ein Abenteuer besser erleben als im Supermarkt? Ich stehe in einer Warteschlange und mache mir so meine Gedanken und beobachte die anderen Wartenden. Jeden Freitag der gleiche Mist. Jede Woche stehe ich hier. Wenn ich am Ende meines Lebens mal zusammen rechne wie lange ich in Warteschlangen in Supermärkten verbracht habe, dann komme ich sicher nicht auf ein paar Stunden, sondern auf Monate, die ich vergeudet habe mit Warten.
Himmel, geht es denn nicht endlich vorwärts? Wieso muss die Schnarchnase ganz da vorne auch vergessen seine Tomanten abzuwiegen? Klar rennt der jetzt wieder zur Sonderkasse zum Wiegen, Menschenskind. Blödmann. Ich könnte wetten, dass bis ich dran bin, ist das Papier in der Registrierkasse alle oder etwas ist wieder nicht ausgezeichnet, so dass wieder jemand vom zuständigen Personal aus der Abteilung gerufen werden muss, der dann aber gerade in der Pause ist. Das ist jedes Mal so. Mein Mann weigert sich schon immer mit mir einzukaufen, weil er genau weiß, dass ich auf solche Dinge wirke wie ein Magnet und an der Kasse immer warten muss, weil irgendwas nicht funktioniert. "Annette, die warten im Supermarkt nur auf dich". Recht hat er aber ich nehme ihn gelegentlich nur mit, weil er grundsätzlich einen Parkplatz gleich ganz vorne bekommt!
Wieso gehen die Rentner eigentlich immer zu der besten Feierabendzeit einkaufen? Ich glaube, die sitzen nur zu Hause und sehen auf die Uhr: aaaaaaaah Feierabend, jetzt können wir gehen, damit alle Kassen und Parkplätze endlos verstopft sind, juhu! Wieso gehen die nicht morgens einkaufen, wenn alle anderen arbeiten? Nein, sie gehen nachmittags und stehen gemächlich in den Füßen herum und schauen an die Decke, genau wie der Mann vor mir. Der pfeift auch noch. Was gibt's denn hier zu pfeifen. Ich pfeife dir gleich eine. Unglaublich und das mit einer Wonne als wäre das Warten hier ein Vergnügen. Ich fasse es nicht. Genau der war das doch, der vorhin mit einer Selbstverständlichkeit auf den Frauparkplatz gefahren ist, auf dem ich parken wollte und deswegen stehe ich jetzt am Ende der Welt mit meinem Auto. Soll ich ihm gleich mit meinem Wagen in die Hacken fahren oder warte ich noch etwas? Ich glaube es nicht, jetzt hat der Alte einen stehen lassen und macht zwei Schritte nach vorne, so dass ich nachrücken muss und das Paar hinter mir verzieht das Gesicht und schaut mich wissend und abschätzend an. Wieso stehe ich jetzt da mit einem roten Kopf. So ein alter Stinker. Fehlt nur noch das er sich jetzt umdreht und sagt: "Macht nix, ist mir auch schon passiert". Dann gibt es Platz in der Rentenkasse, ich schwöre es!
Boah, nervt das Kind in der Warteschlange nebenan. Das unterhält echt die ganze Halle mit seinem Geschrei. Waren meine auch so laut? Nie im Leben. Sitzt da fett wie ein König im Wagen, obwohl es dafür eigentlich schon zu groß ist und schreit herum, weil es die Süßigkeiten an der Kasse nicht bekommt. Nicht nur meine Nerven sind angespannt und das junge Paar hinter mir bekommt gerade Streit. Kann ich verstehen, ich hätte den Typen erst gar nicht genommen. Selber schuld, Mädel, würde ich am liebsten sagen.
So, kaum wartet man geschlagene 25 Minuten, schon ist man dran. Hat sich eigentlich schon mal jemand Gedanken gemacht wie oft man die ausgesuchten Artikel in die Hand nehmen muss bis sie zu Hause im Schrank stehen? Aussuchen und einladen, an der Kasse ausladen und wieder in den Wagen einladen, am Auto aus dem Wagen holen und ins Auto einladen, zu Hause aus dem Auto ausladen und in die Schränke einräumen. Das ist doch Wahnsinn. "Nein ich weiß nicht was das kostet, die Flasche stand so im Regal. Wieso geht sie nicht über das Lesegerät?" Ich wusste es. Meine Hintermänner sehen jetzt so aus wie ich vorhin. Genervte Gesichter, denen die Frage im Gesicht steht: wieso geht das bei der Kuh so langsam? Das ist doch ein Komplott oder etwa nicht? Nun kommt es: "Tinaaaaaaaaa was kosten die Kodomeeeeeeeeeee?" So in dieser Art ruft die Kassiererin ihre Kollegin drei Kassen weiter aber die hat die Preise natürlich auch nicht im Kopf. Gott sei's getrommelt und gepfiffen handelt es sich nicht um Kondome sondern um Shampoo, was die Sache nicht gerade einfacher macht, denn die Kondome wären sicher ausgezeichnet gewesen und hängen dazu auch noch an der Kasse. Mir war das klar und jetzt wird die Kollegin in der entsprechenden Abteilung angerufen. Mir bricht der Schweiß aus. Erstaunlicherweise kommt diese schon nach fünf Minuten und meinem Leid wird ein Ende gemacht.
"Wie, das Gerät nimmt meine EC-Karte nicht, kann gar nicht sein?" Sie brauchen mich gar nicht so anzusehen, mein Konto ist gedeckt würde ich sie am liebsten angiften. Kaum hat sie es dreimal probiert geht auch das. Ich lade meine Artikel wieder in den Wagen aber was ist das? Wieso rieselt jetzt Zucker aus der Verpackung? Das war doch vorhin nicht? Och nee. Ich spreche die Kassiererin darauf an und genervt nimmt sie die Packung entgegen. "Holen Sie sich eine neue Tüte" und schon gehe ich quer durch den Supermarkt, der so groß ist wie ein Fußballfeld und am anderen Ende angekommen greife ich mir eine Packung. Zurück bei meinem Wagen schiebe ich ihn zu meinem Auto und lade alles ein und das Beste, es regnet. Das war ja mal wieder ein Abenteuer der besonderen Art und ich bin geschafft.
Der nächste Freitag kommt bestimmt im Abenteuerland Supermarkt ...


Eingereicht am 23. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.


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