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Sport

Von Ilka Göbel


Ich habe ja schon immer geahnt, dass die im Allgemeinen in Frauenzeitschriften angepriesenen Diättipps nicht wirklich zu gebrauchen sind. Was mir allerdings erst viel später auffiel ist, dass geradezu gänzlich verschwiegen wurde, was es einem tatsächlich bringen würde, für den Fall dass man es tatsächlich schaffen sollte sich von einigen unliebsamen Pfunden zu trennen. Ich kann genau sagen, was es mir gebracht hat: Einen Bauch, der in Falten herunterhängt und tiefere Krähenfüße um den Bauchnabel herum als bei meiner Oma um die Augen. Und sollte ich tatsächlich noch einmal etwas an den Maßen 90-85-90 ändern wollen müsste ich mich wohl doch an den Gedanken gewöhnen, ein bisschen mehr Sport zu treiben als nur das Gaspedal am Auto durchzutreten.
Eines Abends lag ich also auf dem Sofa vor dem Fernseher und versuchte ein bisschen den Kopf oder die Beine anzuheben, in der Hoffnung, es würden sich tatsächlich noch irgendwo Bauchmuskeln versteckt halten, die ich bisher nur übersehen hatte. Und tatsächlich hatte ich das Gefühl, ein gewisses Ziehen im Bauch zu spüren, was wohl im Entferntesten auf das Arbeiten der Muskeln hingedeutet hätte. Mein Mann war allerdings der Meinung, dass das was ich da anstellte sowieso sinnlos war, und zögerte nicht, mir zu zeigen, wie man sinnvoll die Bauchmuskeln trainiert. Er legte sich flach auf den Fußboden, zog die Knie an, und wies mich an, seine Füße am Fußboden festzuhalten. "Und jetzt", fing er an zu erklären, "Hände hinter den Kopf und mit der Nasenspitze die Knie berühren." Und zur weiteren Veranschaulichung seiner Erklärungen vollführte er gleich mehrere dieser Sit-ups hintereinander. OK, dachte ich mir, ich kann es ja mal versuchen, scheint ja so schwer nicht zu sein. Und wenig später lag ich flach auf dem Rücken auf dem Wohnzimmerteppich, schaffte sogar nahezu mühelos, die Knie anzuziehen, und die Hände hinter meinem Kopf zu verschränken. "Und jetzt", fragte ich. "Jetzt hoch", bekam ich lapidar als Antwort. Wie hoch? Wohin hoch? Und wie sollte ich jemals meine Nasenspitze an mein Knie bekommen? Die Strecke zwischen meiner Nasenspitze und den Knien war, während ich dort so auf dem Rücken lag in etwa so leicht zu überwinden wie der Grand Canyon zu Fuß. Ich schaffte es gerade mal, meinen Kopf leicht vom Boden anzuheben und kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass jeder alte Maikäfer auf dem Rücken noch eine weitaus bessere Figur gemacht hätte, als ich. Abgesehen davon brachte mir dieser Versuch nur, dass mir der Rücken wehtat, im Bauch spürte ich überhaupt nichts. Da fand ich meine Turnerei auf dem Sofa schon wesentlich effektiver. Aber wie dem auch sei, ich fing vorsichtshalber an, über eine andere Sportart nachzudenken. Natürlich hätte ich mich auch einfach in einem Fitnessstudio anmelden können, um mich dort professionell und gezielt auf mein Problem hin beraten zu lassen. Diese Einrichtungen haben eben immer nur einen kleinen Haken. Wer aussieht als ob er es bitter nötig hätte, kann sich dort leider nicht blicken lassen. Aufgrund dieser Tatsache und dem zusätzlichen Umstand, dass so etwas auch ein ganze Menge Geld kosten würde, war die Idee also für mich auch wieder gestorben.
Ich hätte mir natürlich auch einen Bauchtrainer aus dem Fernsehen bestellen können, ich war mir nur nicht so ganz sicher, ob der wirklich eine große Wirkung zeigen würde, solange er unter dem Bett steht. Ich kenne das ja bereits von verschiedenen Cremes, Lotions und Spray, die die Haut straffen und die Konturen festigen sollen. Mein Badezimmerschrank quillt fast schon über damit, aber geholfen hat bislang noch keine. Gut, das könnte damit zu tun haben, dass sie bislang eben nur da stehen, aber wenn ich das nächste Mal daran denke, könnte ich ja auch mal versuchen, eins anzuwenden.
Vielleicht hatte ich ja auch nur noch nicht die geeignete Sportart für mich gefunden. Das ist wohl auch deshalb schon ziemlich schwierig, weil ich eben nicht nur nicht sportlich, sondern der Inbegriff von Unsportlichkeit bin. Aber man soll ja nicht so schnell aufgeben, Schwimmen würde mir eventuell ganz gut gefallen, weil es eben nicht so viel mit dem Sport im klassischen Sinn zu tun hat. Bleibt natürlich nur wieder ein Problem, die wenigsten Menschen springen im Wintermantel in die Fluten. Und wenn ich nicht Gefahr laufen will von meinen Mitmenschen gefragt zu werden, warum ich im Hallenbad einen Rettungsring unter meinen Badeanzug trage, sollte ich mir das vielleicht noch einmal gut überlegen.
Womit wir dann wieder bei dem entscheidenden Punkt sind: Wenn man es bitter nötig hat …


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Eingereicht am 18. Oktober 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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