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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Es geht mir schlecht ...? Es geht mir gut!!

© Helmut Linde


Eine Feiertagsstimmung will an diesem "hochheiligen Tag" überhaupt nicht aufkommen. Hocke teilnahmslos im Sessel und habe gerade noch mit letzter Kraft den Weihnachtsbaum zum Stehen gebracht. Der Kopf droht zu zerspringen - Magen und Schultern tun weh. Ich weiß nicht warum, aber sollte ich "den Löffel abgeben" - es wäre mir schnurzegal. Die Weihnachtsmusik und das ganze Fernsehtheater "gehen mir auf den Sender". Meine Frau schmückt den Baum allein. Als ich am späten Nachmittag ins Bett gehe, sagt sie keinen Ton dazu. Gegen 22.00 Uhr geht auch sie schlafen. Langsam lassen die Schmerzen etwas nach, doch die Atemnot, die ich in regelmäßigen Abständen bekomme, bereitet mir langsam Angst. Habe das biblische Alter noch lange nicht erreicht, aber es sieht nicht so aus als ob ich es je erreichen würde. Dennoch, wenn ich vor der Ärztekommission stehe, komme ich mir vor wie ein Simulant. Die Tatsachen aber bleiben und es kann und will mir offensichtlich keiner helfen. Das Leben geht weiter und hat hoffentlich neben den unvermeidlich bösen auch hoffentlich noch ein paar schöne Überraschungen für mich parat.
Es war eine "Schnapsidee" sich beim Wachschutz Arbeit zu suchen. Nun bekomme ich 150,- Euro weniger als mein früheres Arbeitslosengeld und habe aber dazu noch mindestens 160,- Euro Benzingeld zu berappen. Sicher wird der Eine oder Andere denken, dass ich ja selber schuld bin. In meinem Alter gibt es nun mal keine "normalen Jobs", wie Schlosser, Busfahrer mehr - da ist man eben einfach arbeitslos, Frührentner oder geringfügig beschäftigt. Ich denke daran, was ich verändern würde, sollte ich jemals dazu Gelegenheit bekommen. Der erste Gedanke wäre, die so genannten "demokratisch gewählten" Volksvertreter nach Hause schicken, allerdings ohne fette Abfindungen. Einfach so in die Arbeitslosigkeit ... Dann im Stil einer revolutionären Umwandlung Schließung von Börse und Kapitalmarkt, die grenzüberschreitende Konzerne und Monopole auf "Eis" legen und an den Grenzen mit Polizei und Armee den "Kapitalexport" unterbinden.
Was denn, schon wieder ein Polizeistaat? Mitnichten - doch sollten lieber Dachdecker oder Buchbinder, Bauern und Künstler die Macht wieder an sich nehmen. Auf jeden Fall wäre dies besser als ein zweiter Adolf - denn so wie die Sache jetzt läuft, würden ihn Einige freudig begrüßen. Die Alten, also unsere Eltern, sind tot und haben uns nicht so gerne von der Nazizeit erzählt. Mein Vater war in Griechenland auf Partisanenjagd gewesen. Im heutigen Jargon würde man dazu Terroristenjagd sagen ... Wo aber nehmen wir denn nun wirklich echte Volksvertreter her? Es ist uns allen noch gut in Erinnerung, wie schnell aus manchen überzeugten Kommunisten ganz scharfe Kapitalisten wurden. Sollte der Wind allerdings wieder einmal aus anderer Richtung wehen, würde sich die ganze Metamorphose wiederholen ... Die Arbeiterklasse hat ja leider die Blödheit zum Nulltarif "gepachtet". Wer sich für 100,- DM Begrüßungsgeld und "viel bunte Reklame" sein Land und die Macht entreißen lässt, der hat sich in der Geschichte gründlich "disqualifiziert". Etwas mehr traue ich den Studenten zu, die mit den übrigen Bevölkerungsschichten, vor allem dem Riesenheer von Arbeitslosen, Druck auf die Regierung und den Geldadel ausüben könnten. Für solche Fälle hat die Regierung bereits ein "Überdruckventil" geschaffen, wo der Druck gefahrlos abblasen kann - dies nennt man dann Freiheit ... "Teile und herrsche" - eine uralte Taktik der Ausbeuter seit Menschengedenken. Brüllen und schimpfen kann jeder nach Herzenslust - dies tut nicht weh und ändert nichts an den bestehenden Verhältnissen. Eine ernsthafte Änderung könnte man nur durch die Enteignung und Verstaatlichung der Schlüsselindustrien erreichen. Doch damit würde die "Freiheit" sofort an ihre Grenzen stoßen - denn bekannterweise sind die Geldbeutel der Reichen ihre empfindlichste Stelle. Für solche Fälle hält man dann solche Exekutivorgane wie Verfassungsschutz, eine willfährige Justiz, Polizei usw. bereit und würde als letztes Mittel sogar die Armee gegen den unbotmäßigen Pöbel einsetzen. In diesem System dreht sich alles nur um das Geld. Wird aber ein Abgeordneter, Polizist, Offizier, Minister oder Geheimdienstmann nicht bezahlt, hört er auf zu dienen, zu funktionieren. Wo sollen nun die Idealisten herkommen und wovon sollen sie leben? Bader und Meinhoff hatten kein Erfolg, weil Mord nicht Jedem gefällt und die Presse, immer um Sensationen bemüht, gut funktionierte. Wer etwas umgestalten will, muss über ein klares Programm und ein umfassendes Konzept für dessen Umsetzung verfügen. Der Sozialismus scheiterte nicht zuletzt an den unbeholfenen, unflexiblen Apparatschiks, die bis zuletzt versuchten auf "alten Gleisen" zu fahren, ohne nach neuen Wegen zu suchen. Unvorstellbar, aber doch irgendwie zwangsläufig, wäre im ostdeutschen Teil unseres Landes ein zweites Cuba. Über Nacht würde man -zig Tausende zu Terroristen abstempeln und der "freiheitlich-demokratische Rechtsstaat" mit brutalster Gewalt wiederhergestellt werden. Nicht umsonst hätschelt man für solche Fälle im westlichen Teil des Landes noch die Besatzungstruppen, anstatt sie, wie die Sowjetarmee, zum Teufel zu jagen. Man sollte die Idee des Sozialismus noch nicht ganz begraben, sondern den jetzigen Zustand nur als vorübergehenden Rückschlag in der gesellschaftlichen Entwicklung des Menschen ansehen. Das beinhaltet sogar die Sicht auf ein geeintes Europa, mit der einheitlichen Währung. Es klingt phantastisch - aber nur eine neue Partei, die europaweit agiert und es schafft, nicht verboten zu werden, könnte eine tatsächliche Wende bewirken. Wenn auch für Schulen und andere soziale Einrichtung kein Geld da ist, in diesem Fall darf die Unterwanderung von Parteien und Organisationen, Ländern, Völkern beliebige Summen kosten. Dafür stehen, trotz leerer Kassen, unbegrenzte Mittel zur Verfügung. Der Staat benötigt immer mehr Geld. Er holt es sich jedoch nicht von den Reichen und Superreichen, sondern, wie gewöhnlich, von den finanziell Schwachen. Also kann nur allein von diesen ein Machtwandel ausgehen - so wie dies bereits einmal geschehen ist. Suchen wir nun nach Vordenkern, nach Planern! Ich glaube dies lohnt sich. Zeit ist genügend vorhanden, so lange in das herrschende System noch nicht eingegriffen wurde. Die Situation verschärft sich jedes Jahr. Es muss sich was verändern! Ich stehe auf der untersten Stufe, ich sehe Millionen, die schon vor der Leiter stehen und nichts verlieren können, aber noch zögern. In dieser Regierung findet niemand den Mut zur friedlichen Veränderung. Es werden "Hartzer-Knaller" ohne Ende produziert. Sekten bieten Auswege durch völlige Abhängigkeit, die letztendlich in Ausbeutung und geistigem Notstand münden. Nazis rühren sich und erfreuen sich an der Krise, die ihnen Zulauf bringt. Die Kommunisten erstarren zur "Salzsäule", wenn ihnen nachgesagt wird, sie stehen nicht zur "freiheitlichen Grundordnung", zum Grundgesetz, denn sie wollen demokratisch und nicht "verboten" sein. Dabei kann nur die Diktatur des einfachen Volkes die heutige Diktatur des Geldes beseitigen. Die Menschlichkeit kann nur von einer starken Position aus durchgesetzt werden.
Dieses System, in welchem z.B. den Bauern Geld gezahlt wird, damit sie "nichts" anbauen, aber anderen Ortes Menschen verhungern, nennt sich demokratisch und freiheitlich. Doch es ist alles andere als ein Vorbild für andere, so genannte "unterentwickelte Länder". Wo bleibt die Logik, wenn aufgerufen wird z.B. mit Trinkwasser zu sparen und im Ergebnis dann eine Gebührenerhörung erfolgt um Kosten (und Gewinne!) zu decken? Das ist auf allen Sachgebieten so - Müll, Gas, Strom und Treibstoff - egal worum es geht. "Einsparen ohne etwas zu sparen". Jeder Mensch konsumiert gern, dies liegt in seiner egoistischen Natur. Wir wären aber besser beraten, wenn wir unseren Konsum auf einen wirklichen Bedarf beschränken würden. Wirkliche Freiheit gibt es nicht als "Schnäppchen", sondern sie muss mühsam errungen werden. Wer hindert uns daran, uns ein Beispiel an den "unterentwickelten" Ländern zu nehmen? Wir haben uns schon an einige Dinge gewöhnt und dulden es ohne nennenswerte Gegenwehr, dass man uns weiterhin schamlos in die Tasche fasst.
Ohne Opfer wird die erneute Wende nicht abgehen. Diesmal wäre es keine "friedliche Revolution"! Auch keine Frage, wer die Opfer sein würden und wer die Last tragen wird.
Bereits 1831 stellte schon ein Herr Börne fest, wie verändert wird:
"Die Freiheit wurde von einem Fürsten noch nie verschenkt noch verkauft; ein Volk, das sie haben will, muss sie rauben. Dem Geduldigen gibt man nichts, dem Drohenden wenig, dem Gewalttätigen alles …."
Stimmungen und Gefühle ausnutzen um zu Wenden - das wird nicht einfach. Es ist einfacher mit einem zündenden Schlager im Radio, in "guter Laune" mit 200 km/h gegen eine Autobahnbrücke zu "brettern", als mit einem "trockenen Kommentar" etwas zu bewegen". Leidenschaftliche Ansprachen von glühenden Revolutionären werden von den professionellen Politikern als "wirres Zeug" hingestellt und über alle Veränderer schwebt das Schwert der "Terroristenverfolger".
Na, genug gedacht! Her mit 'ner Flasche Bier …! (... ich ziehe mir gleich mein Che - Hemd an ...!) Jetzt geht's wieder.



Eingereicht am 03. April 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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