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Hilfe, ich bin 40!

Claudia Wiemer


Vorgestern wurde ich wach und war 40! 40? Ich? NIE! Ich bin schlimmstenfalls 39A und daran wird sich mindestens in den nächsten 10 Jahren auch nichts ändern! Ab einem bestimmten Lebensalter tut man gut daran, sich eine gewisse Amnesie des Zahlengedächtnisses zuzulegen. Das ist irgendwie barmherziger!
Ein wenig ratlos stehe ich noch vor der Frage, wie ich das jetzt mit Kleidungsstücken halte, bei denen ich vor 25 Jahren gesagt habe: "So was kann ich tragen, wenn ich 40 bin!" Für blaue Faltenröcke, weiße Blusen, gedeckte Farben und Schnitte, die kaschieren, fühle ich mich immer noch zu jung. So was werde ich frühestens tragen, wenn ich 60 bin!
Ganz abgesehen davon, dass ich vor 25 Jahren die kaschierenden Schnitte viel nötiger gehabt hätte als heute!
Letztlich kann ich diesem besonderen Geburtstag einige positive Aspekte abgewinnen:
Ich weiß nun sicher, dass es ein Leben nach dem 40. Geburtstag gibt! Und, dass dieser Stichtag nicht mit dem unvermittelt einsetzenden Abbau der körperlichen Kräfte einhergeht, obwohl ... beim Joggen gestern fühlte ich mich schon deutlich kurzatmiger als noch vor 5 Tagen ... HILFE!
Außerdem ist die Midlife(leids)-Crisis, die ich im Prinzip seit dem Abitur empfinde, damit endlich legitimiert! (Lass es einfach zu, Claudia! Es ist ab jetzt dein gutes Recht ... Nun hast du allen Grund, dich besch... zu fühlen und alle werden Mitleid mit dir haben! Jedenfalls alle die, die den Schritt über die 40 noch vor sich haben ... )
Ab 40 darf ich ungeniert mit meinem Alter kokettieren und in jeder Diskussion unantastbare, altersweise Standpunkte für mich reklamieren. Falls das nicht überzeugt, werde ich notfalls mit einem bestimmten "Komm Du erstmal in mein Alter...!" jeden Widerspruch im Keim ersticken!
Leider gehöre ich damit endgültig nicht mehr zu der bald elitären Minderheit junger Menschen, sondern bin in die große (graue) Masse derjenigen eingetaucht, die man zukünftig als Alterslawine vor sich herschieben wird, und besorgten Jungpolitikern ihre Zukunftsperspektiven raubt! Klar, dass ich in meinem reifen Alter akzeptiere, mein Recht auf eine Zukunft verwirkt zu haben, zugunsten derjenigen, die noch in der U40-Liga spielberechtigt sind. (Warum habe ich nur das merkwürdige Gefühl mit meinen 5 Kindern, den Lebensentwurf derjenigen gegenzufinanzieren, die mir im Alter den Saft abdrehen werden?)
Von den Gratulanten hat sich sogar der eine oder die andere erdreistet, mir ein langes Leben zu wünschen. Das kann ich mir gar nicht leisten! Angesichts der Tatsache, dass man uns nun auch die Ausbildungszeiten bei der Rentenberechnung streicht, Kindereziehungszeiten vielleicht auch nicht mehr berücksichtigt werden und der Fiskus sich an meiner Kapitallebensversicherung schadlos halten wird, klang das fast wie eine Drohung.
Die große Party findet, eingedenk der grassierenden Retro-Welle, im Stil der 80ger Jahre statt, mit Musik (über 1000 Titel!) aus der guten alten Zeit, die - nicht ganz stilecht für diese Epoche - im MP3-Format daher kommt und jedem Gast die Gelegenheit gibt, per Mausklick selbst zu bestimmen, bei welchem Song er oder sie sich seinen/ihren Jugenderinnerungen am besten hingeben kann. Wir haben sogar bei ebay eine Spiegelkugel mit Farbwechsler organisiert ... Als Raumdekoration werden ein paar markante Stücke aus meiner Jugendzeit herhalten: Ein orange geblümter Plattenkoffer, ein Hanni-und-Nanni-Buch, eine ABBA-LP, meine alten Barbie-Puppen und nicht zuletzt mein Poesiealbum mit orthographisch wie grammatisch so interessanten Beiträgen wie "Edel sei der Mensch, hilf, reich und gut!" (Das ist k e i n Tippfehler!)
Die Gäste werden - hoffentlich alle - Fotos von sich aus Jugendtagen mitbringen, die dann an einer Wand aufgehängt, zu einem munteren Ratespiel der Reihe "Who was who?" inspirieren sollen!
Doch vor das Fest haben die Götter den Schweiß gesetzt und darum heißt es nun, ganz stilecht einem Hit der frühen 80ger Jahre entnommen: "Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt ..." Mein kleiner Sohn versteht das immer wörtlich!



Eingereicht am 10. Januar 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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