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Himmlische Traumreise

Von Helmut Streit


Es war ein schöner, langer Sommertag. Mehrere Stunden fröhliches Arbeiten im Garten hatten sich als Seelenbalsam erwiesen. Ich hatte gut gespeist und getrunken, noch ein wenig in den Fernsehkasten geschaut und nichts Sehenswertes gefunden, also ging ich ins Bett und freute mich auf evtl. bevorstehende schöne Träume. Denn die sind meistens unterhaltsamer und interessanter als jedes Fernsehprogramm.
Und richtig; sehr sanft und schnell war ich in meine Traumwelt entschwunden.
Ich befand mich auf einer großen blumigen Wiese. In einer kleinen Pfütze konnte ich mich spiegeln und bemerkte, dass ich die Gestalt einer Spinne angenommen hatte.
Das freute mich, denn mit meinen langen Beinen konnte ich mich sehr gut auf der Wiese bewegen und alles, worauf ich neugierig war, erkunden. Ich wollte hoch hinaus und erklomm eine große Sonnenblume. Auf der riesigen gelben Blüte angekommen, genoss ich herrliche Rundumsicht. Einen kleinen Schreck bekam ich aber, als ich bemerkte, dass meine Sonnenblume schnell zu wachsen begann.
Also beschloss ich, meine Sonnenblume wieder zu verlassen. Ich krabbelte zum Rand und wurde ein wenig ängstlicher, als ich feststellte, dass meine Blume schon meterweise über die Wiese hinausgewachsen war. Gerade als ich überlegte, vielleicht abzuspringen, bemerkte ich, dass das Wachstum immer schneller wurde.
Meine Sonnenblume war so hoch gewachsen, dass ich auf die ganze Erde herunter blicken konnte und nur noch rote Dächer, Kirchtürme, Meere, Berge und Täler sah. Die Fahrt wurde immer schneller und selbst ich mutige Spinne wurde ängstlich; ich wusste ja nicht, wo das enden könnte.
Höhere Mächte hatten wahrscheinlich ein Einsehen und zeigten mir eine Chance: einige Meter neben mir zeigte sich eine Wolke. Ich nahm all meinen Mut zusammen: Ein kurzer Sprung und ich war auf der Wolke gelandet. Von dort sah ich dann mit Verwunderung, dass sich meine Sonnenblume verkleinerte und weit, weit unter mir immer weiter in Richtung Erde entfernte.
Jetzt stand ich vor der bangen Frage, wie ich wieder zurück kommen sollte; ich war zwar auf einer sicheren Wolke, hatte aber nichts zu nagen und zu beißen.
Heißer Gedankenblitz; als Spinne konnte ich doch einen Faden fabrizieren, der mich wieder nach Hause bringen könnte.
Gesagt, getan; ich drückte einen Faden heraus, befestigte ihn an einem Wolkenzipfel und begann mit dem Abseilen.
Das ging wunderbar und Dank meiner Fadenproduktion entfernte ich mich so schnell von der Wolke weg, dass ich schon bald wieder die Erde erblickte. Die Häuser, Berge und Seen wurden immer größer und größer und bald konnte ich meine schöne Wiese wieder sehen.
Doch plötzlich ein Riesenproblem; nur ein paar Meter über festem Boden hatte ich keine Kraft mehr, Spinnenfaden zu produzieren. Mit letzter Kraft und Anstrengung erzeugte ich Druck und Druck und Druck.
Da erwachte ich abrupt und sah die Bescherung!
Der folgende Tag wird mir unvergesslich bleiben; die Waschmaschine lief den ganzen Tag, um die Spuren meiner Fadenproduktion aus der Bettwäsche zu beseitigen.
Jetzt wünsche ich noch Allen schöne Träume und kein besch...... Erwachen.



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Eingereicht am 13. Juni 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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