Abenteuer im Frisiersalon. Kurzgeschichten aus dem Internet. Edition www.online-roman.de  Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken.  160 Seiten 10 Euro ISBN 3-9809336-0-1
ISBN 3-9809336-0-1

www.online-roman.de

haarige Kurzgeschichten Haar Haare Frisur Friseur

Hinten kurz

© Conny Claussner


Hinten kurz. Dieses Wort klingt, wie ein böser Fluch in meinem Ohr. Ich bin in jener Zeit aufgewachsen, wo die Röcke kürzer und die Haare länger wurden. Lange Haare liebte ich über alles. Meine Eltern waren da richtige Spießer. Alles, was länger, wie über den Nacken fiel, galt bei ihnen als schlampig. Ich durfte also nie lange Haare tragen, obwohl ich ein Mädchen bin. Sobald sie in den Nacken ragten, holte meine Mutter die verhasste Schere und schnitt meine Haare hinten ab. "Kind, deine Haare sind hinten zu lang", sprach sie und schnitt sie wieder bis zu den Ohren ab. Wie ich das hasste!
Zur Jugendweihe wollte ich eine moderne Frisur. Oben kurz und hinten lang. Mutter zeterte, als ich mit einer neuen Dauerwelle vom Friseur kam. "Aber du hast sie ja hinten nicht schneiden lassen. Das sieht ja furchtbar aus." Meine Haare sahen super aus. Lange braune Locken legten sich elegant in meinen Nacken. Ich war so froh, dass meine Haare wenigstens diese Länge haben durften. Doch meine Mutter gab keine Ruhe. Eine Stunde vor der Jugendweihe musste ich ins Bad und sie schnitt mir hinten die Haare ab. Ich heulte und schrie. Es half nichts. Sie hatte kein Erbarmen. Und meine langen braunen Locken fielen auf den Boden des Bades. Ich habe seitdem ein gestörtes Verhältnis zu Haaren. Liebe Männer mit langen Haaren und gehe nicht mehr zum Friseur.
Später hatte ich einen Freund. Der hatte lange blonde Locken. Meine Mutter fand ihn ja ganz nett und war durchaus geneigt ihn als Schwiegersohn zu akzeptieren. Bedingung: Er soll hinten seine Haare abschneiden. Da kam sie aber bei ihm an den Richtigen. Ralf lies sich da nicht reinreden. Nach unserer Verlobung hatte sich das Problem von selber gelöst, er musste zur Armee und hatte dann ganz kurze Haare.
Heute bin ich selber Mutter, habe eine Tochter, die hat wunderschöne lange Haare. Ich habe sie nie gequält mit Haare schneiden. Meiner Mutter passte das natürlich nie, dass sie so lange Haare hat und immer nörgelte sie rum. Sie sollte doch wenigstens hinten die Haare ein Stück abschneiden. Aber wir blieben da stur und so fallen ihre Haare jetzt fast bis zum Hintern. Wenn wir bei Oma sind bindet sie meine Tochter vorsichtshalber hoch, oder zusammen.
Mein Mann hat nackenlange schwarze Haare. Meine Mutter hat durch endlose Diskussionen versucht mich zu überzeugen, ihm die Haare hinten abzuschneiden. Doch sie blieb erfolglos.
Ich liebe die langen schwarzen Haare meines Mannes, die sich in einem eleganten Schwung in seinen Nacken ringeln. An den Seiten bildet sich eine süße lange Locke. Die liebe ich besonders. In seine Haare kann man richtig mit den Fingern versinken und sich festkrallen. Er geht nie zum Friseur und vertraut auf mich. Denn ich schneide ihm bloß hinten die Spitzen. Meine Mutter hat schon so oft geschimpft, dass die Haare von Bernhard hinten zu lang sind. Doch wir ließen sie meckern.
Ich schneide meine Haare immer noch selber, hasse Friseure außer Udo Walz. Von dem würde ich mir auch mal die Haare schneiden lassen, aber da fehlt mir das nötige Kleingeld. Und ich trage heute meine Haare hinten extrem kurz.



Eingereicht am 27. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.

Wenn Sie einen Kommentar abgeben möchten, benutzen Sie bitte unser Diskussionsforum. Unser Autor / unsere Autorin ist sicherlich genau so gespannt auf Ihre Meinung wie wir und all die anderen Leser.
»»» "Haarige" Kurzgeschichten «««
»»» Kurzgeschichten: Überblick, Gesamtverzeichnis «««

»»» HOME PAGE «««


www.online-roman.de       www.ronald-henss-verlag.de
haarige Kurzgeschichten Haar Haare Frisur Friseur Friseurgeschichte Friseurgeschichten Kurzgeschichte