Abenteuer im Frisiersalon. Kurzgeschichten aus dem Internet. Edition www.online-roman.de  Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken.  160 Seiten 10 Euro ISBN 3-9809336-0-1
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Haarige Erinnerung

© Conny Claussner


Eines Tages erhielt ich ein Päckchen. Wusste nicht so recht, von wem es war. Mit zittriger Schrift war der Absender drauf gekritzelt. Ich öffnete es neugierig und erschrak zutiefst. In weiches Seidenpapier waren lange schwarze Haare eingewickelt. Zärtlich strich ich über die 20cm langen Strähnen. Sie glänzten und fühlten sich so weich an. Tränen schossen aus meinen Augen, denn ich wusste, von wem die Haare waren und was es zu bedeuten hatte. Er hatte also nicht nur sein gesamtes Leben geändert, sondern auch sich. Er wollte mir damit wehtun und sagen: Es ist vorbei. Nichts mehr soll, an diese Liebe erinnern. Ich hielt die langen Haare um meine Hand krampfhaft umschlungen. Sah Bernd vor mir. Jenen Sommer, als wir uns endlich näher kamen. Wie sehr liebte ich diesen Mann und auch seine langen Haare. Ich hatte so oft davon geträumt in das schöne Haar des Mannes zu fassen, es zu zärtlich zu raufen. Und diesen Sommer erfüllten sich meine Träume. Unter einem blühenden duftenden Strauch gestand er mir seine Gefühle. Der Sommerwind zauste dabei seine schwarzen Haare, in die ich voller Zärtlichkeit fasste.
Ich wusste von Bernd, dass er meine schulterlangen Braunen Haare auch sehr liebte. Er hat sie auch voller Leidenschaft zerwühlt. Ich weiß noch genau, dass ich danach, wie ein Besen aussah.
Mir war es so schwer ums Herz. Diese Liebe war gestorben, weil er einfach nicht aus seiner Haut konnte. Er war unerreichbar für mich geworden.
Ich stand nun mit tränenerfüllten Augen im Badezimmer. Bürstete bedächtig meine langen braunen Haare, die dicht und gesund glänzend auf meine Schulter fielen. Ich ergriff die Friseurschere und schnitt meine Haare ab. Lange braune Strähnen fielen in das Waschbecken und bildeten einen dichten Flur. Haare schneiden konnte ich ja selber sehr gut. Ich ging nie zum Friseur, schnitt den Pony mir selber. Heute aber schnitt ich alles ab. Ein knapper Rundschnitt war nun das Ergebnis. Der Nacken fühlte sich auf einmal sehr kalt an.
Ich föhnte nun meine Haare und die Frisur sah der von Mireille Mathieu sehr ähnlich, nur kürzer. Meine abgeschnittenen braunen Haare packte ich in ein Päckchen und schickte sie Bernd.
Eine Woche später trafen wir uns durch Zufall in der Stadt. Ich hatte in meine Haare nun noch kupferfarbenen Strähnchen gemacht. So was konnte Bernd nie leiden. Wir standen uns wie gelähmt gegenüber. Er sah furchtbar mit den kurz geschorenen Haaren aus. Seine weichen Gesichtszüge wirkten sehr kantig. Außerdem sah man nun die grauen Haare deutlich schimmern. Also hatte er seine Haare gefärbt? Er sah mich lauernd an, wollte ausholen und mir eine Ohrfeige geben. Ich war aber schneller und hielt seine Hand fest. "Warum hast du mir nur so wehgetan?" Fragte ich ihn ärgerlich. Lies ihn stehen und ging eilig weiter.



Eingereicht am 20. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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