Abenteuer im Frisiersalon. Kurzgeschichten aus dem Internet. Edition www.online-roman.de  Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken.  160 Seiten 10 Euro ISBN 3-9809336-0-1
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haarige Kurzgeschichten Haar Haare Frisur Friseur

Ponyclub

Von Marc-Steffen Riener


Wie kann ich nur erahnen was mein Friseur will, was will ich überhaupt? Ich will weinen! Doch nun geh ich mit meiner Freundin zum Friseur, keine Ahnung wie es wird, ich denke wie immer gut. Es regnet stürmisch in der Innenstadt, als ich aus dem U-Bahn Schacht geklettert bin um frische Luft zu schnappen.
Allerdings schnappt die Luft nach mir, nach Angst wie es wohl werden wird.
Es regnet immer noch, aber das ist ja nach einer Minute Zeitverzögerung zu erwarten dass es nicht aufhört zu regnen. Der Wind lässt nach, es sind noch fünf Schritte zur Eingangstür und neben dem Gehweg zwischen Autos durch Pfützen und Teer durch Scheinwerfergewitter und Dunkelheit. Na ja, wen juckt es? Niemand, oder! Noch drei Schritte bis zur endgültigen Entscheidung, entweder einen Topfschnitt oder einen gestylten "Britpop"-Schnitt hinten kurz vorne lang. Es interessiert mich nicht. "Was machst du morgen?" "Nichts".
"Was machst du Morgen?" Ich denke über mich nach über meine Frisur denke ich nach ob es eine gute Entscheidung ist hierher zu gehen oder nicht weiß ich noch nicht.
"Liebst du mich?"
Eine Minute Schweigen.
"Ja"
"Warum so spät?" ich bin einsam. Sie sagt es als wäre ich alleine mit ihr, doch das Geschehen ist mitten in uns und überall. Ich denk mir du brauchst dich nicht verstecken, du kannst ihr sagen, dass es schwer wird.
Ich fahre mir mit der rechten Hand durch die Haare. Erst nach links dann sofort wieder nach rechts, dass der Wind durchkommt und ein Haarbündel mir durchs Gesicht fällt, bis hin zum Mundwickel der über die Aussage meiner Freundin zuckt.
"Wir" sind da.
Die Dame am Empfang fragt unser "wir", wann wir dran sind?
"Jetzt"! Mein Gehirn schaltet nicht, oder schaltet ihr Gehirn nicht, doch bin ich der erste der sagt: "Na gut, dann ich zuerst"
Als erstes immer die Kopfwäsche, die wohltuenden warmen Hände einer Friseurin die mich berühren, ein himmlisches Gefühl. Ehrlich gesagt einer der besten Gefühle, wenn nicht das beste. Es ist ein kleiner Salon mitten in der Münchner Innstadt, er ist mit Neonfarben eingerichtet, schlicht aber nicht einfach. Mit Kopf eingerichtet, Lichtewege hinter den Spiegeln, Sesseln und wenn man will dann gibt es einen Wodka-bull.
Ich bin allein, ich hätte mehr mit ihr reden sollen, warum hab ich es nicht damals gemacht beim Friseur, als ich fragte: Liebe?
Jetzt ist es zu spät, jetzt hat sie Schluss gemacht, jetzt bin ich einsam.
Ich lange mir durch meine Haare erst nach links dann gleich wieder nach rechts. Auf einmal ein Windstoß, der mir den Regen ins Gesicht, bis hin zu den Augen die vor Freude weinen, wie im Ponyclub.




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Eingereicht am 15. September 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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