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König Kunde…

Von Gaby Petersen


.....begab sich auf den Weg, sein schwer verdientes Geld unter die Kaufleute zu bringen. Er schlenderte in ein Kaufhaus, den Mitmenschen wohl gesonnen, voller Elan und mit dem festen Vorsatz, aufgrund seiner finanziellen Lage sparsam für sich und seine Familie einzukaufen.
Zunächst wollte der Gute seinen Einkaufswagen mit Hygieneartikeln beladen. Doch zwischen zwei Regalen, befüllt mit Seifen, Zahnbürsten und Deodorants überfiel den Kunden ein erstes, zaghaftes aber existentes Unwohlsein.
Sein seit Jahren favorisiertes Deo war mit einem Preis ausgezeichnet, der den Kunden zweifeln ließ. Irritiert holte er seine Lesebrille aus der Jackentasche - doch seine Weitsichtigkeit war nicht das Problem!
Hatte er noch vor der Einführung des hoch gelobten Euros für seinen Deostick 3,79 DM bezahlt, so sollte er heute 3,29 Euro dafür locker machen!
Was nun? In Anbetracht dessen, dass nur dieses Deo bei ihm eine Anti-Schweiß- Wirkung entfaltete, und alle anderen Deos auch merkwürdige Preissteigerungen zu verzeichnen hatten, blieben ihm zwei Alternativen.
1. - Aufs Deo verzichten, zukünftig stinken und den Kontakt zu seinen ihm lieb gewonnenen Mitmenschen verlieren.
2. - In den sauren Apfel beißen, das überteuerte Deo kaufen und weiterhin soziale Kontakte pflegen können, ohne den Mitmenschen die Tränen in die Augen zu treiben.
Er entschloss sich für Variante Nummer zwo. Vielleicht könnte er ja beim nachher folgenden Staubsaugerkauf vom neuen Rabatt-Handelsgesetz profitieren?? Einige Regale, Kilometer und Preisschocks später suchte sich der Kunde in aller Ruhe einen formschönen, funktionalen aber - nach seiner Ansicht - ziemlich teuren Staubsauger aus. 159,99 Euro sollte er kosten. "Mein Gott!", dachte er altbacken in seiner Denkweise, "Das wären ja früher über 300,- DM gewesen!"
Er suchte zwischen den Regalen einen Angestellten. Einige von diesen, in den Warenhaus-typischen Farben gekleideten (daher auch gut zu erkennenden!) menschlichen Wesen suchten fluchtartig das Weite, sobald sie die suchenden Blicke des "Königs" bemerkten.
Doch der Kunde ließ sich nicht beirren und wusste sich zu helfen. Er schlich sich geschickt an einen Verkäufer heran, der gerade bücklings und stöhnenderweise Waren auspackte. "Der Staubsauger, den ich gerne kaufen möchte, ist mir ein wenig zu teuer. Würden Sie mir ein paar Prozente ablassen?", fragte der Kunde mutig.
"Um Gottes Willen!! Wissen Sie nicht, wie knallhart unsere Preise kalkuliert sind? Da ist nichts drin! Es ist ja eh alles schon so billig hier!" Mit bitterböser Mine schüttelte der Verkäufer sein weises, stressgeplagtes Haupt.
Derartig abgebügelt und desillusioniert verzichtete der Kunde vorerst auf den Staubsaugerkauf, schob gesenkten Hauptes zu den Kassen, stand eine halbe Stunde in der Kundenschlange vor einer der geöffneten "Geldannahmestellen", bezahlte brav mindestens 30 Euro zu viel für seinen wöchentlichen Einkauf und konnte am nächsten Morgen in der Tageszeitung lesen, dass die deutschen Kunden sich aktuelle Preissteigerungen nur einbildeten!
Da ging ihm endlich ein Licht auf! Er hatte sich alles nur eingebildet, er litt unter Wahrnehmungsstörungen - wahrscheinlich sogar unter Paranoia!?
König Kunde fielen nun drei Konsumverhaltensweisen zur Wahl ein (für zukünftige Einkäufe):
1. Preise ignorieren, kaufen, Konto überziehen, Privatinsolvenz anmelden.
2. Preise NICHT ignorieren, nur noch von Haferschleim, Spaghetti/Tomatensoße und Leitungswasser leben.
3. Aussteigen, unter der Brücke schlafen und sich dem Konsumzwang komplett entziehen.
"Haste mal 'ne Mark? - Ach nee,...50 Cent? - Ach nee … 'nen Euro!? - Hey! Ich hab's kapiert!!!"



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Eingereicht am 15. September 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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