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Es war einmal…

Von Daniela Patsias


… ein Tankkonzern, einer von vielen, der hatte eine gute Idee, oder vielleicht auch nicht, das weiß man ja sowieso erst immer hinterher.
Grundsätzlich fängt man mit ja Spucke Fliegen, mit Speck Mäuse, mit Freibier und Geschenken den gemeinen Zweibeiner. Eigentlich einfach. So weit, so gut. Und dass ausgerechnet erfahrene Großkonzerne diese psychologische Spitzfindigkeit und diese nur allzu humane "Schlussverkaufs (Ade du lieber Brauch - wir kämpfen jetzt das ganze Jahr) -Jagdmentalität", gepaart mit kindlicher oder auch schon seniler Ich-auch-Philosophie unterschätzt haben, trägt wirklich zur allgemeinen Belustigung bei.
Wären da nicht die endlosen Punktesammelstrategien und die für Immer-noch-nicht-Beschenkte wie auch Immer-noch-genervte-Angestellte zahllosen Telefonanfragen nach - man glaubt es kaum - ordinären Bällen. Na gut, Markenbällen, aber trotzdem. Was bewegt den Zweibeiner durch alle Gesellschaftsschichten hindurch - außer den notorischen Billig- und Nichtmarkentankern - dazu, sich wegen ein (Basket-/Fuß-) bis zu vier (Golf-/Tennis-) Bällen um den verbliebenen Verstand zu fahren, tanken und telefonieren?
Nur gut, dass man wenigstens nicht alleine ist in dieser suspekten, subordinaten, allerdings auch supranationalen (Dank an dieser Stelle an Italiens Ex-Kultur?-Minister) Krise, die so fein ablenkt von Regierungsproblemen, Steuer- und Versicherungssätzen, ökologischem Firlefanz wie Spritverbrauch, politischer Unkorrektheit, der Maut-Manie (diese Geräte liegen eh bald überall herum, da die Messbrücken anscheinend etwas niedrig geraten sind) und der permanenten Kaum-fahren-möglich-da-eh-überall-Stau-Problematik.
Nein, auch der unifarbene Konzern mit den vier Buchstaben (bis hier könnten es noch mehrere sein), aus denen sich wohl der Satz "Anfangs-Rollte-Alles-Locker" ableiten ließ (Aha, der ist es), wobei er nun eher zu "Achtung-Rasende-Autofahrer-Lamentieren" mutierte, musste es über sich ergehen lassen, ganze Zeitungsseiten mit seiner Unifarbe zieren und den verbalen Kniefall vor dem Kunden zelebrieren zu müssen, egal ob der schöne Name eigentlich von Areal oder Aralie (Pflanze, Efeugewächs) oder sonst woher stammt, da werden wohl einige Arai (Verwünschungsgedichte) zu hören gewesen sein.
AUA. Das tat weh - die Konkurrenz hatte auch ihren Spaß. Aber nicht lange. Denn eins ist gewiss. Das wird seine Konsequenzen haben, irgendwo in den hinteren Konzernreihen und vorderen Kundenreihen, durch so genannte Freisetzungen und Preisschrauben. Also, schnell noch die Aktion zu Ende bringen, Spielgeräte als Siegertrophäe einsammeln und ganz flott zurück zur Billigtanke? Ja, aber wenn es doch etwas geschenkt gibt, wer kann da widerstehen oder gar aufhören? Und so wird fleißig weitergesammelt, egal, ob das Sinn macht, sowieso mitbezahlt wird oder ganze Kundenscharen mobilisiert und manipuliert, dabei sein ist alles. Ach, hier ist er, der olympische Gedanke. Bei den olympischen Spielen ist ja eh schon lange kein Platz mehr für ihn. Er darf nicht mehr dabei sein, Kommerz und Doping haben ihn davon gejagt. Und auch im Sammlerbereich wird es ihm bald so ergehen, wenn die ersten Dopingfälle und Nahkämpfe an den Tank- und Punkteausgabestellen bekannt werden.
Und da haben wir ihn, den eigentlichen Verlierer, den Gedanken - nicht nur den olympischen. Und wieder ist die universelle Gehirnmasse geschrumpft. Und wieder hat das Grauen an Umfang gewonnen. Nein, die Zeitung mit den großen Buchstaben liest ja auch keiner. Ich und sammeln? Ich bitte Sie. Okay, ich gebe zu, einen Versuch, also eher einen Selbstversuch habe ich gestartet. Und wenn man denn mal dran ist, dann ist der Punkt zum Aufhören schnell überschritten. Geht ja nicht nur mir so, sondern den großen Investoren und Managern auch. Aber ich habe ihn! Den Ball, den Sieg und sogar den Gedanken. SYNAPSE.



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Eingereicht am 02. Februar 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin.
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