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Die Frage nach dem Warum?

Eine Glosse von Daniela Patsias


Das Schreiben an sich. Ist ja nicht verkehrt. Sollte man können. Aber sollte man es auch veröffentlichen? Nicht unbedingt. Und was treibt einen überhaupt dazu, etwas niederzuschreiben. Gut, solange man es nicht ausdruckt, entsteht relativ wenig Schaden. Oder ist da nicht doch eine kleine transzendente Energiespur? Warum tut sie das, fragt das Universum, lacht die Welt, erbebt der Kontinent, wundert sich der Staat, das Land, der Kreis, die Gemeinde und gar die Nachbarschaft? Wenn ich die Antwort hätte, wüsste ich nicht, ob ich sie auch gäbe. Vielleicht aus Rache an der Regierung? Vielleicht, um die misanthropischen Gelüste zu stillen? Vielleicht nur aus Spaß?
Nicht wirklich mein Problem, da es nur wenige Menschen gibt, die dazu sanft aus verschiedenen Gründen gezwungen werden könnten, sich damit auseinander zu setzen und mir eventuell auch noch sanft ihre Kritik mitzuteilen. Aber natürlich nur so, dass ich nicht wiederum eine transzendente Enttäuschungsspur im Universum hinterlassen muss. Allein mit der Frage nach dem Warum lässt sich also schon eine halbe Seite füllen, ohne auch nur den Hauch einer Antwort ahnen zu lassen. Das macht dann schon Spaß. Es muss ja auch grausam sein, so eine weiße Seite, die einen provokativ anstarrt, ohne zu kreativen Prozessen zu führen. Na ja, so schwer kann es nicht sein, dann halt einen farbigen Hintergrund und farbiges Papier auszuwählen. Ich schreibe z.B. jetzt gerade auf rotstichigem Gelb, einer Power-Energiefarbe. Und man sieht, es kommt was dabei raus. Die Farbe allein sagt nichts über die Qualität des geistig Erbrochenen aus, nur, dass überhaupt was passieren konnte.
Aber das muss, seien wir doch mal ehrlich, auch schon oft reichen im wahren Leben. Und diese Feststellung konnten wir schon lange vor der leidigen Pisa-Studie treffen, da die Problematik ja nur ein generationsverschlepptes ist, auch wenn die ältere Generation dies selbstverständlich leugnet und gleichzeitig das heutige Wissensspektrum und seine technischen Erfordernisse zum Teil gerne ignoriert. Wie auch immer, mir ist halt danach, ein wenig niederzuschreiben. Aber natürlich nur in begrenztem Umfang, so dass es nicht allzu weh tut. Das geht am besten mit Kurzgeschichten. Und schon taucht die nächste Frage auf, was ist bloß kurz genug? Wo fängt kurz an - ungefähr eine ausführliche Witzlänge - und wo hört es auf - gemäß der Relativitätstheorie vielleicht nie? Und was ist nun eine Geschichte? In die Geschichte eingehen wollen ja viele, auch wenn sie eher in der Geschichte eingehen. Und die Geschichte an sich ist ja auch so ein filigranes, dauernd veränderliches, nur von den Siegern geschriebenes temporäres Zeitdokument.
Wenn man z.B. so an die Anfänge der Menschheit denkt, die ja andauernd noch etwas früher datiert werden, was eigentlich nur zeigt, dass wir noch viel mehr noch viel früher hätten erreichen können, wenn es denn schon an der Zeit gewesen wäre und wir eher darauf achten sollten, all das nicht schon wieder zu verlieren vor lauter menschlicher Destruktivität und Arroganz, könnte man schon ins Zweifeln kommen. Und alle anderen Dokumente, abgesehen von der Welt an sich, sind ja auch nur das Resultat kollektiver Einbildungskraft. Also ist es eigentlich doch nicht so schlimm, wenn ich etwas niederschreibe, so ganz ohne Anspruch auf Verdokumentierung, als Siegerin über die Kraft der Bildung, derer mir trotz Widerstands doch einiges übertragen werden konnte, also ohne destruktiven, höchstens neckenden Anspruch.
Somit stelle ich fest, dass meine persönliche Auffassung von Kurzgeschichte maximal zwei DIN-A4 Seiten umfasst - was täte ich nur ohne diese Norm? - und inhaltlich einfach verschiedene Themen der Welt kurz unter die Taschenlampe hält, nur so, zum Mal drüber Nachdenken oder Schmunzeln oder Nase rümpfen oder doch als Altpapier. Wer sollte mich denn aufhalten? Ein Absturz der Festplatte, vernichtende Kritiken aus allen Reihen, der Verlust der Schreibfähigkeit? - nein, eher Humorverlust und Alzheimer, aber so weit ist es ja noch nicht und deswegen müssen das Universum, die Welt, der Kontinent, der Staat, das Land, der Kreis und die Gemeinde (nicht die Nachbarschaft, die weiß davon noch nichts) mit meinem Schreiben an sich fertig werden. ÄTSCH.



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Eingereicht am 12. Januar 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin.
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