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Heiligabend, 11 Uhr 32

Friedhelm Rudolph


1
Der Baum steht schief!
Wie hängt denn das Lametta?!
(Er stürzt ins Stimmungstief
und sinkt in Winterwetter.)

D I E S E Seite hätte nach vorne müssen!

2
Er sagt nichts, kocht im eig'nen Saft,
vergräbt sich in sein'm Sessel.
(Sie fühlt in sich die alte Gegnerschaft,
und in ihr kocht der Kessel.)

Er würgt die Fernbedienung in der Hand.

3
Er leert die dritte Flasche Bier
an diesem Morgen
und stellt sie - denkt bereits an Nummer vier -
zu seinen ander'n Sorgen

4
auf den Quelle-China-Gabeh,
starrt mit dünnen Lippen
in den Sportkanal, wo der F. C.
spielt und kickt. Die Weihnachtskrippen

5
zittern, als die Küchentüre knallt
zum zehnten Mal plus zwölf in diesem Leben.
Und nur der Alkoholgehalt
im Blut kann noch die Zukunft weben.




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Eingereicht am 7. März 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.