Abenteuer im Frisiersalon. Kurzgeschichten aus dem Internet. Edition www.online-roman.de  Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken.  160 Seiten 10 Euro ISBN 3-9809336-0-1
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Ein Beitrag zum Kurzgeschichtenwettbewerb "Im Frisiersalon"

SAMSON 2003

Eine Kurzgeschichte von Thorsten Bachert


Samstagmorgen - acht Uhr dreißig. Heute geht´s ausnahmsweise früh raus, heute geht´s zum Friseur!! Also nix wie raus aus den Federn und ab unter die Dusche - Zähne putzen und rasieren nicht vergessen! Man muss gut aussehen, wenn man zum Friseur geht - nur dann bekommt man auch eine gut aussehende Frisur! Ehrlich, wenn du im Jogger zum Friseur gehst und willst einen Designer-Haircut - das geht nicht!! Dein Friseur verweigert. Außerdem geht man ja nicht nur zum Friseur - einfach so. Man geht auch auf ein Tässchen Kaffee oder Tee, einen kleinen Small Talk, man trifft sich - kurzum ein gesellschaftliches Ereignis erster Kajüte.
Neun Uhr - Ding Dong, irgendwie dingt dongt´s noch genau so wie zu meiner Kinderzeit, als ich zum ersten Mal alleine zum Friseur an der Ecke gehen durfte. Als Kleinster saß ich dann im Warteraum und habe Mickey Mouse gelesen, dabei ständig meinen Satz gemurmelt: "Alles etwas kürzer, die Ohren halb bedeckt lassen - ansonsten bleibt's so." Als ich dann dran war, hatte ich das Privileg in den Damensalon zu gehen, denn dort waren die Sitzerhöhungen. Aber auf Sitzerhöhung kann ich heute verzichten.
Also, Guten Morgen erst mal, aha ich bin der Erste, wie immer. Kurze Lagebesprechung, Haaranalyse und Farbcheck. Los geht´s zum Waschen. Ja ist gut so - ich habe noch nie was anderes gesagt! Für die paar Minuten braucht er das Wasser nicht kälter oder wärmer zu machen, bitte nicht zu viele Umstände. Angenehme Kopfmassage und ab auf den Stuhl. Erst mal die neue Teesorte und die neuen Kekse probieren. Also Farbwahl und los geht die Prozedur - Folie - Alufolie - Pinsel - drei bis vier Farbtöpfe - Kamm - mehr Tee - noch mehr Kekse. Dann wird erst mal die Society mit Hilfe von Petra und Ihrer Freundin gecheckt. So fünfundvierzig Minuten lang, dann wird mal geprüft was die Kopfhaut so macht bzw. die Farbe. Zugabe oder Verlängerung entscheidet die Frau vom Friseur. Also mehr Tee, mehr Kekse.
Elf Uhr - Farbe stimmt, auswaschen, jetzt kommt der Schnitt. Eigentlich ein Klacks nach der Färberei. Aber muss trotzdem sein. Noch ein bisschen Gespräch - mittlerweile sind auch andere Haarjunkies eingetroffen - und schon gefönt.
Ach ja, Styling!!!!! Jetzt wird die Spreu vom Weizen getrennt. Nochmals kurze Haaranalyse - immer noch kräftig, aber fettig? Oder jetzt doch - durch die Färberei - glänzend griffig trocken, aber irgendwie spröde? Ist nämlich irre wichtig für die korrekte Wahl des friseurexklusiven Stylingprodukts! Also heute muss es die Mattpaste sein, die mit der kurzen Verarbeitungszeit, dem matten, aber doch irgendwie glänzenden Finish - extremer Halt zum extremen Preis. Einzwei erbsengroße Kleckse in die geschulten Hände, verreiben, verteilen, verwuscheln, verziehen, verstylen, fertig. Wow! Wie ich später meine Handgelenke so verdrehe, dass ich aus den gleichen Winkeln von hinten oben an meinen Kopf komme, werden wir noch sehen. Reine Übungssache schätze ich mal.
Karte zücken, ach ja Moment, Gerät steht immer noch woanders wegen der Telefondose - "Komme gleich wieder!", sagt der Friseur. Noch vierfünf Pröbchen eingesteckt und Bonbon aus dem Glas gefischt. Ciao, bis dann.
Ich denke mal zehn bis zwölf Wochen, obwohl ich schon nach drei bis vier Wochen wieder müsste, aber ich lege den Preis auf die Wochen um, um ihn überhaupt zu rechtfertigen!
Auf dem Weg nach Hause geht es mir Super. Immer scheint die Sonne wenn ich vom Friseur heimgehe, alles ist heiter, ich fühle mich prächtig. Klar dass ich die Haare die nächsten Wochen nie wieder so hinkriege, klar dass nicht jeder mit dem neuen Look klarkommt, klar dass jedes Drogeriemarktgel an dieser Designerfrisur versagt, klar dass eigentlich keiner sieht was so was kostet - "ich weiß nicht, mein Krankenhausfriseur kostet schon seit Jahren acht Euro" - klar dass mir das alles scheißegal ist. Denn in den Haaren liegt die Kraft des Mannes!




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Eingereicht am 14. Oktober 2003.
Herzlichen Dank an den Autor.
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