Abenteuer im Frisiersalon. Kurzgeschichten aus dem Internet. Edition www.online-roman.de  Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken.  160 Seiten 10 Euro ISBN 3-9809336-0-1
ISBN 3-9809336-0-1

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Ein Beitrag zum Kurzgeschichtenwettbewerb "Im Frisiersalon"

Salon Paula

Eine Kurzgeschichte von Sigrid Wohlgemuth


Paula Herten führt seit Jahren einen Frisiersalon in einem kleinen Dorf, in der Nähe von München. Es sind überwiegend Stammkunden die Paula seit Jahren aufsuchen. Paula erwirbt ein zweistöckiges Haus. Das Haus besteht aus einer Doppelhaushälfte. Sie bezieht den ersten Stock des Hauses und möchte im unteren einen Umbau vornehmen. Das Haus liegt in einer ruhigen Wohngegend. Am Vormittag herrscht ein wenig reger Verkehr, danach liegt die Gegend friedlich da. Die Nachbarschaft ist freundlich, obwohl man nur schwer Kontakt zu den Bewohnern findet. Paula baut die untere Etage in einen Frisiersalon mit Sonnenstudio um, damit sie die Mietzahlungen des derzeitigen Salon einsparen kann. Am wenigsten erfreut der Baulärm die Nachbarn der zweiten Doppelhaushälfte, ein älteres Rentnerehepaar. Über Monate werden Wände rausgeschlagen und verputzt. Decken neu gezogen und Fußböden verlegt. Hin und wieder ruft Herr Wiesenhof, der Rentnernachbar an und bittet, am Anfang noch freundlich die Arbeiten nach 19.00 Uhr einzustellen und wenn möglich auch am Sonntag, dem Tag des Herren. Paula möchte so schnell als möglich ihren neuen Salon eröffnen und den alten schließen, sodass sie der Bitte des Nachbarn nicht nachkommt. Es ereignet sich wiederholt an einem schönen, sonnigen Sonntag. Die Kirchenglocken läuten zur Messe, als ein Streifenwagen der Polizei vorfährt. Die Handwerker fliesen gerade einen Teil des Kachelboden, als es an der Haustüre klingelt. Paula öffnet die Türe und steht einem Polizisten gegenüber.
„Guten Morgen, Frau Herten“, sagt der Polizist.
„Guten Morgen. Ist etwas passiert?“, fragt Paula erschrocken.
„Uns erreichte eine Beschwerde von Ihrem Nachbarn, Herrn Wiesenhof. Sie würden heute lärmende Umbauten in Ihrem Haus vornehmen. Ist es so?“, fragt der Polizist.
„Ja. Wir verlegen den Kachelboden und versuchen so wenig Krach wie möglich zu verursachen, Herr Wachtmeister“, antwortet Paula.
„Sie kennen die Bestimmungen. Wir bitten Sie diese zu befolgen. Schönen Tag noch“, spricht der Polizist und geht zu seinem Auto.
Paula geht zurück ins Haus und beobachtet als sie aus dem Fenster schaut, dass Herr Wiesenhof auf den Polizisten zugeht und mit ihm spricht. Verstehen kann Paula nichts. Nach kurzer Zeit entfernt sich die Polizei und Herr Wiesenhof geht zurück zu seinem Haus.
„Wir müssen uns ruhiger verhalten. Die Polizei war hier. Herr Wiesenhof hat sie angerufen“, spricht Paula zu den Fliesenlegern.
Drei Stunden später klingelt es erneut an ihrer Haustüre und der Polizist steht wieder davor.
„Frau Herten! Ich habe Ihnen vorhin eine Verwarnung erteilt, die Sie wie es aussieht nicht befolgt haben. Ihr Nachbar hat uns nochmals verständigt. Ich war in seiner Wohnung und habe die handwerklichen Geräusche laut und deutlich vernehmen können. Herr Wiesenhof sieht von einer Anzeige ab, wenn Sie die Arbeiten sofort einstellen“, spricht der Polizist.
„Wir werden für heute aufhören. Sie können beruhigt fahren. Ich werde mit Herrn Wiesenhof sprechen. Bitte verstehen Sie! Ich möchte endlich mit dem Umbau fertig werden“, sagt Paula.
„Sie müssen Ihre Nachbarn verstehen, die noch nicht einmal einen Film im Fernsehen mit normaler Lautstärke verfolgen können. Der Umbaulärm ist sehr laut im anderen Haus zu vernehmen. Ich möchte heute nicht nochmals vorfahren müssen. Haben wir uns da verstanden?“, fragt der Polizist.
„Ja! Wiedersehen!“, sagt Paula.
Der Polizist winkt zum Abschied. Wieder spricht er vor der Türe mit Herrn Wiesenhof. Als der Polizeiwagen nicht mehr in Sicht ist und Herr Wiesenhof zurück in sein Haus geht wählt Paula des Nachbarn Telefonnummer und wartet darauf, dass jemand den Anruf entgegen nimmt.
„Wiesenhof“, meldet sich eine männliche Stimme auf der anderen Seite der Leitung.
„Herten. Herr Wiesenhof, haben Sie doch Verständnis. Ich möchte mit dem Umbau fertig werden, um meinen Salon eröffnen zu können. Schicken Sie mir nicht ständig die Polizei ins Haus. Das ist im vergangenen halben Jahr nun schon bestimmt das zehnte Mal“, sagt Paula mit gereiztem Ton.
„Verständnis? Sie rauben uns unseren letzten Nerv. Täglich das Gehämmer. Wir können weder normal einen Film im Fernsehen verfolgen, noch uns Mittags zur Ruhe legen. Soll ich wegen Ihnen hier wegziehen?“, schreit Herr Wiesenhof ins Telefon.
„Es wird nicht mehr lange dauern bis wir fertig sind. Bitte verstehen Sie. Es geht um meine Existenz“, sagt Paula.
„Und um meine Nerven!“, tobt Herr Wiesenhof.
„So kommen wir nicht weiter, Herr Wiesenhof. Geben Sie uns bitte noch einen Monat, dann sind wir soweit“, fordert Paula.
„Wir sind in einem Monat auch so weit und zwar mit den Nerven am Ende! Dann können Sie uns in eine Heilanstalt bringen und für die Kosten aufkommen. Durch Ihre Existenz wird ja einiges an Geld reinkommen“, faucht Herr Wiesenhof ironisch in den Hörer und knallt ihn auf die Gabel.
Paula schickt die Handwerker nach einer nervenberuhigenden Tasse Kaffee, mit einem guten Schuss Rum nach Hause. Einen Monat später wird die Eröffnung von Salon Paula gefeiert. Paula lädt alle Stammkunden und ihre Nachbarschaft ein. Herr Wiesenhof lässt es sich nicht nehmen den Umbau zu begutachten, der ihm und seiner Ehefrau so viele Nerven gekostet hat. Frau Wiesenhof bleibt zu Hause. Versöhnlich trinken Herr Wiesenhof und Paula ein Gläschen Sekt und hoffen auf eine bessere Übereinkunft. Die Einweihung wird zu einem Erfolg. Alle Gäste begutachten die neue Einrichtung. Sie ist in beige und goldenen Farben gehalten. Die Waschbecken weisen goldene Löwenkopfähnliche Armaturen auf. Die Spiegel sind goldverschnörkelt umrandet. Kunstvolle Masken aus Venedig schmücken die Wände. Der Boden ist mit einer beispiellosen Mosaikkachel verziert. Die Frisierstühle sind mit beige-goldenem, barockem Stoff überzogen und lassen das Gefühl aufkommen, man würde sich im 17. Jahrhundert befinden. Palmen ranken bis zur Decke, die eine alte Stuckarbeit aufweist und schmücken die Ecken aus. Im Sonnenstudio kommt das Gefühl auf als liegt man in der sonnig, heißen Sahara. Tapeten bedruckt mit Sanddünen sorgen für diesen Effekt.
Eine Vitrine mit edlem Modeschmuck trennt die Räumlichkeiten voneinander ab. Herr Wiesenhof bleibt zehn Minuten und verabschiedet sich mit den mahnenden Worten: „Feiern Sie mal nicht so laut!“
Die Einweihungsfeier zieht sich bis in die frühen Morgenstunden. Der folgende Tag ist Sonntag. Paula räumt die Überreste der Feier auf. Das Ehepaar Wiesenhof genießt die Ruhe und Stille an einem Sonntag. Zwischen der Doppelhaushälfte scheint alles friedlich zu werden. Doch es kommt ganz anders als erhofft. Paulas Stammkunden bleiben ihr treu und es kommen neue Kunden hinzu. Sie parken ihre Autos in der Einbahnstraße, oder vor dem Haus von Wiesenhofs. Fährt Herr Wiesenhof einkaufen findet er seine Einfahrt zugeparkt vor, wenn er zurück kommt. Er lädt seinen Einkauf aus und muss sein Auto mindestens dreihundert Meter weit entfernt parken. Nach einem Monat, vielen Gesprächen und Hinweisschildern die aufgestellt werden, ruft Herr Wiesenhof, weil alles zu keinem Erfolg führt bei der Stadtverwaltung an und bittet um deren Hilfe. Ihm wird geraten einen Antrag zu stellen, der in ungefähr einem halben Jahr bearbeitet wird. Ein halbes Jahr!
Herr Wiesenhof lässt eine Straßensperre auf seine Kosten anfertigen und jedes Mal, wenn er seine Einfahrt verlässt stellt er sie davor. Sie wird ziemlich oft beim Parken umgefahren, doch die Einfahrt bleibt frei. Wieder tritt Ruhe ein. Im Sommer unternimmt das Ehepaar Wiesenhof viele Ausflüge in die Berge, sodass sie die Geräusche aus dem Nachbarhaus nicht täglich wahrnehmen. Der Herbst naht. Das Wetter ist regnerisch und sie versuchen ihre Zeit im mollig warmen Wohnzimmer zu genießen. Täglich schallen die Geräusche aus dem Frisiersalon zu ihnen herüber. Paulas Stöckelschuhe, die über die Fliessen klacken sind am lautesten zu hören. Das Rauschen der Hauben und die Beredsamkeit der überwiegend weiblichen Kundinnen, das sich wie Herr Wiesenhof es nennt: ’wie Geschnatter anhört’ ist laut zu vernehmen. Herr Wiesenhof der im Herbst nicht viel spazieren geht, oder im Garten arbeitet beobachtet nun täglich aus dem Schlafzimmerfenster, wer im Salon Paula ein und ausgeht. Er notiert sich die Autokennzeichen und die dazugehörigen Wagentypen. Im Schlafzimmer hört er weniger von den nachbarlichen Geräuschen. Erkennt er nicht, wer aus dem gerade geparkten Auto steigt geht er zu seiner Hofeinfahrt und schaut hinüber zur Geschäftstüre von Salon Paula. Ab und zu spricht er die Kunden auf der Straße, wenn sie geparkt haben an und verwickelt sie in ein kurzes Gespräch. Frau Wiesenhof mahnt ihren Ehemann immer wieder die Leute doch einfach in Ruhe zu lassen, doch er findet darin ein neues Hobby und notiert sich zu dem Autotyp und dem Kennzeichen nun auch ob es sich um eine Frau oder um einen Mann handelt. Wie die Person aussieht, welche Kleidung sie trägt und die Gesprächsfetzen die er mit den Personen führt. Quält ihn die Langeweile horcht er an der Wand zum Wohnzimmer und versucht dort einige Gespräche aufzufangen. Er schreibt sie mit Datum und Uhrzeit in sein Notizbuch.
„Guten Morgen, Resi. Hat dich Herr Wiesenhof wieder vor der Türe abgefangen? Was wollte er den dieses Mal?“, fragt Paula als Resi einer ihrer langjährigen Kundinnen, wie jeden Samstagmorgen in den Salon tritt.
„Er ist wie immer sehr freundlich und drängt sich nicht auf. Habt ihr immer noch so viele Probleme miteinander?“, fragt Resi.
„Es ist ruhiger geworden. Doch irgendwie komme ich mir vor als würde ich ständig unter Beobachtung stehen“, sagt Paula.
„Das bildest du dir nur ein. Er ist nett und höflich. Vergangene Woche hat er mir die Autotüre aufgehalten als ich aus deinem Salon, beladen mit meiner schweren Tasche, voll mit Shampoo, Haarkur, Spray und weiß ich noch alles kam“, sagt Resi.
„Wenn du meinst“, spricht Paula und wäscht Resi ihr Haar.
Gegen zehn Uhr betreten Dagmar, Paulas Aushilfe und zwei Kundinnen zeitgleich den Salon.
„Guten Morgen alle beisammen. Ich schütt uns mal einen richtig starken Kaffee auf und dann geht’s los an die Arbeit“, ruft Dagmar freudig in den Raum.
„Guten Morgen. Frau Meise und Frau Struck, bitte nehmen Sie noch kurz Platz. Ich bin gleich für Sie da. Dagmar bringt Ihnen einen frisch aufgebrühten Kaffee. Die Zeitschriften liegen im Ständer. Sie sind gestern neu eingetroffen“, begrüßt Paula ihre Kundinnen.
„Nein, keine Zeitschriften! Wir unterhalten uns lieber, Frau Herten“, sagt Frau Meise.
Herr Wiesenhof würde nun sagen: ’und das Geschnatter fing an’.
Paula zieht Resi die Trockenhaube über ihr in Lockenwicklern gerolltes Haar.
„Mach sie nicht so tief, sonst kann ich nicht hören was ihr euch erzählt“, ruft Resi.
„Du musst nicht immer alles mitbekommen“, stichelt Paula.
„Ich möchte auf dem laufenden sein, was hier im Dorf abgeht“, ruft Resi noch lauter.
„Das wird ja wieder ein schöner Samstagvormittag werden. Höre dir das nur an, Else. Die schreien sich nebenan wieder ihre Hälse wund. Da ist die Meise, die Struck, Dagmar und die Frau mit dem Ford Taunus, die jeden Samstag kommt. Höre doch mal wie die wieder über die Dorfbewohner tratschen. Als wenn es nichts Wichtigeres zu berichten gibt“, sagt Herr Wiesehof zu seiner Frau.
„Lass sie in Ruhe. Heute geht es nur bis 14.00 Uhr, dann tritt Ruhe ein“, sagt Else zu ihrem Mann.
„Ich gehe ein wenig spazieren“, sagt Herr Wiesenhof.
„Schau bloß nicht wieder in deren Schaufenster!“, mahnt ihn seine Frau.
„Ach lass mich doch! Ich habe nichts besseres zu tun“, antwortet er.
Er tritt auf die Straße und beobachtet in dem Moment, wie eine ihm nicht bekannte Frau Salon Paula betritt.
„Die schaue ich mir genauer an“, sagt er zu sich selbst.
Die Türglocke des Salon erklingt.
„Guten Morgen. Kann ich Ihnen helfen?“, fragt Dagmar die gerade die Haare von Frau Meise wäscht.
„Guten Morgen. Hätten Sie heute noch einen Termin frei? Waschen und legen“, fragt die junge, etwa fünfundzwanzigjährige Frau.
„Ich schaue mal in unseren Terminkalender.“
Paula geht zu ihrem kleinen, antiken Schreibtisch und sieht in ihrem Terminkalender nach.
„Gegen 12.30 Uhr könnte ich Sie zwischenschieben, wenn es Ihnen nichts ausmacht nochmals wiederzukommen, Frau..“, sagt Paula.
„Mein Name ist Tiersten. Ich komme dann gegen 12.30 Uhr. Vielen Dank, bis später.“
Frau Tiersten öffnet die Salontüre und geht zu Fuß die Straße, direkt am Haus von Herrn Wiesenhof entlang.
„Guten Morgen. Keinen Termin bekommen?“, fragt er.
„Guten Morgen. Ich komme später wieder“, antwortet Frau Tiersten und geht etwas verwundert über den neugierigen Nachbarn weiter ihres Weges.
Herr Wiesenhof zückt sogleich sein Notizbuch und schreibt: Frau - Mitte zwanzig - braunes, kurzes Haar - gute Figur - kommt später wieder.
„So, Resi. Gefällst du dir mit deiner neuen Dauerwelle?“, fragt Paula.
„Toll! Ich sehe um Jahre jünger aus“, antwortet Resi.
„Na hören Sie mal, junge Frau! Sie sind doch noch jung“, sagt Frau Struck lächelnd.
„Man kann für den geliebten Gatten nicht jung genug aussehen“, sagt Resi belustigend.
Es bricht ein lautes Gelächter im Salon aus. Die Türglocke erklingt und Herr Metzger erscheint im Türrahmen um seinen Termin wahrzunehmen.
„Das ist aber eine freudige, ausgelassene Begrüßung. Haben die Damen schon Sekt getrunken? Am frühen Morgen?“, sagt er.
„Guten Morgen, Herr Metzger. Nein. Wir lachen ein wenig über einen Witz von Resi. Sie können direkt durchkommen und auf dem Stuhl am Waschbecken Platz nehmen. Sie sind sofort dran“, sagt Paula.
„Nun hör' dir das Gejaule und das hastige Geklapper von Paulas Stöckelschuhen an. Nur weil der Schönling Metzger den Laden betreten hat. Der ist heute mit einem neuen BMW vorgefahren. Junge, Junge, der wechselt seine Autos wie ich meine Unterhemden“, spricht Herr Wiesenhof.
„Lausch nicht immer an der Wand. Das ist ja nicht mehr normal“, mahnt Else ihren Mann.
„Lass mich! Es macht mir Spaß und vertreibt die kühle Jahreszeit“, sagt Herr Wiesenhof.
„Schönes Wochenende“, ruft Resi und verlässt den Salon. Sie geht zu ihrem Auto und winkt Herrn Wiesenhof, der nun wieder auf seiner Einfahrt steht freundlich zu.
Gegen 12.30 Uhr erklingt ein weiteres Mal die Türglocke und Frau Tiersten erscheint zu ihrem Termin.
„Noch ein Weilchen. Sie kommen gleich dran“, sagt Paula.
„Ich schütte frischen Kaffee auf, möchte sonst jemand etwas? Vielleicht einen Saft?“, fragt Dagmar.
„Bringen Sie lieber noch ein paar von den leckeren Plätzchen mit. Heute bleiben Frau Meise und ich ja ziemlich lang, mit unserem Allroundverschönerungsprogramm“, schmunzelt Frau Struck.
„Wird gemacht“, antwortet Dagmar lächelnd.
„Wer schön sein will muss leiden. In einer Stunde haben Sie es geschafft meine Damen. Es dauert eben ein wenig. Schneiden, färben und Dauerwelle in einem“, sagt Paula.
„Sagen Sie mal Frau Paula. Wie lange liegt Herr Metzger schon auf der Sonnenbank? Den werden wir später nicht wiedererkennen“, sagt Frau Meise.
„Er bleibt immer eine Stunde auf der Sonnenbank und danach noch fünfzehn Minuten vor den Gesichtsbräuner“, antwortet Paula.
Dagmar kommt mit den Plätzchen und dem frischen Kaffee zurück.
„Dagmar leg bitte eine CD mit ein wenig Stimmung in den CD-Player“, sagt Paula.
„Mach ich. Die Beatles? Alle einverstanden?“, fragt Dagmar.
„Ja!“, antworten fast alle gleichzeitig.
„Jetzt geht die Party nebenan richtig los. Der Metzger ist auch noch immer nicht raus. Der liegt bestimmt wieder auf der Sonnenbank. Vielleicht fangen die noch an zu tanzen, dann klackern sie alle mit ihren Schuhabsätzen. Ich drehe vor dem Mittagessen noch eine kleine Runde. Bin gleich wieder zurück“, sagt Herr Wiesenhof.
„Komm nicht zu spät. Die Kartoffeln sind in fünf Minuten gar“, sagt Else.
„Lass sie abkühlen, dann kann ich sie schneller essen“, sagt Herr Wiesenhof und begibt sich auf einen kleinen Spaziergang.
„Bitte kommen Sie durch, Frau Tiersten“, sagt Dagmar und nimmt sich einen frischen Frisierumhang und zwei Handtücher aus dem Schrank.
„Frau Meise, das waren noch Zeiten, als die Beatles spielten. Auch wenn ich bis heute nicht verstehe wovon sie singen, aber schön ist es doch“, sagt Frau Struck.
„She loves me yeah, yeah. She loves me..”, singt Frau Meise mit.
„Möchten Sie heute eine Spülung, Frau Struck?“, fragt Paula.
„Machen Sie heute das volle Programm, Frau Paula“, antwortet Frau Struck.
„Dagmar, ich möchte nicht neugierig erscheinen, aber ist da ein neuer Mann in Ihrem Leben?“, fragt Frau Meise.
„Hat sich das schon herumgesprochen. Auf dem Dorf kann man nichts verheimlichen. Peter ist so süß! Und bildschön“, schwärmt Dagmar.
„Was macht er den beruflich?“, fragt Frau Struck.
„Er arbeitet in der Autobranche“, antwortet Dagmar.
„Dagmar wird fast jeden Tag von ihm mit einem neuen schicken Schlitten abgeholt. Jaguar, Mercedes, BMW, Ferrari! Vom Feinsten“, erzählt Paula.
„Eine gute Partie haben Sie sich da geschnappt“, sagt Frau Meise.
„Die Autos gehören nicht ihm!“, sagt Dagmar.
„Aber ist doch schön, oder?“, fragt Paula.
„Na ja. Kommt mir ab und zu ein wenig angeberisch vor, aber ich genieße es“, antwortet Dagmar.
„Sehen Sie Dagmar! Der Liebeskummer von vor ein paar Wochen ist vorüber, so wie ich es Ihnen gesagt habe. Die Zeit heilt alle Wunden“, sagt Frau Meise.
„Drehen Sie die Stereoanlage ein wenig lauter, das ist eines meiner Lieblingslieder von den Beatles. Help, I need somebody help...”.
Frau Meise ist in ihrem Element. Paula tanzt durch den Salon und hebt die Lautstärke an.
„Schön dass du zurück bist. Der Tisch ist gedeckt“, sagt Else.
„Junge, Junge. Höre dir das an! Wie soll da einer in Ruhe zu Mittag essen? Das ist kein Frisiersalon, das ist ein Tanzschuppen. Und die Paula im Takt mit ihren Stöckelschuhen. Reich mir bitte das Fleisch und die Soße, rüber“, sagt Herr Wiesenhof.
Die Musik im Salon ist so laut, dass keiner die Türglocke wahrnimmt, als sie erklingt. Der Mann ist ziemlich erstaunt über die ausgelassene Gesellschaft, die er dort singend, tanzend und Haare frisierend vorfindet. Die Lockenwicklerköpfe wippen im Takt. Er geht zur Stereoanlage und schaltet sie aus. In diesem Moment schauen sich alle zu ihm um und in eine auf sie gerichtete Pistole.
„Die Musik ist aus und die Weiber schreien hysterisch los. Meine Güte, wo soll das noch enden! Wenn wir nicht schon so alt wären, dann würde ich unsere sieben Sachen packen und irgendwo hinziehen, wo ich keinen Nachbarn vorfinde“, sagt Herr Wiesenhof.
„Hör’ doch! Es ist ganz ruhig nebenan“, sagt Else.
„Vielleicht ist denen die Birne durchgebrannt und die haben nun keinen Strom mehr“, sagt Herr Wiesenhof ironisch und nimmt sich ein weiteres Stück Fleisch.
„Du hast aber einen Appetit“, sagt Else.
„Es schmeckt mir besser, wenn es nebenan ruhig ist“, entgegnet ihr Mann.
Nach einem zum Schluss in Ruhe verlaufendem Mittagessen hilft Herr Wiesenhof seiner Frau den Tisch abzuräumen und das Geschirr zu spülen. Er geht ins Schlafzimmer und schaut aus dem Fenster.
„Ist gleich 14.00 Uhr. Komm mal schauen, die sind ja noch alle nebenan. Ob die oben weiterfeiern? Ist wirklich ziemlich ruhig. Kein Geschnatter, kein Geknatter von Paulas Stöckelschuhen, keine Musik. Nichts hört man. Ich gehe nach dem Spülen ein wenig spazieren“, sagt Herr Wiesenhof.
Er geht zurück in die Küche und trocknet den letzten Teller ab, stellt ihn in den Schrank, nimmt sich seine Winterjacke vom Haken und geht nach draußen.
„Lass sie doch in Ruhe, Fritz!“, ruft Else kopfschüttelnd hinter ihm her.
Else legt sich ein wenig zum Ruhen auf die Couch.
„Else! Die Schaufensterrollos sind runtergezogen. Das hat die Paula noch nie gemacht!“, ruft Fritz.
„Lass sie doch machen was sie will. Komm leg dich auch ein wenig hin“, sagt Else.
„Ich geh noch mal raus um zu sehen, wer noch alles drüben ist“, sagt Fritz.
„Dir ist nicht zu helfen!“, ruft Else ihrem Mann hinterher, der ihre Worte nicht mehr hört.
Herr Wiesenhof vergleicht die Autos mit seinen Notizen und geht wieder ins Haus.
„Else! Der Metzger, die Meise, die Struck, Dagmar, Paula und die junge Frau, die müssen sich alle noch im Laden befinden. Die Rollos sind noch immer unten“, sagt Fritz und lauscht nun an der Wohnzimmerwand.
„Leg dich hin und genieße die Ruhe“, sagt Else.
„Ich höre nichts! Keine Haube, kein Fön, keine Stöckelschuhe, keine Musik, kein Geschnatter. Else da stimmt etwas nicht. Ich rufe die Polizei an“, sagt Fritz.
„Lass es sein! Du mischst dich in Dinge ein, die dich nichts angehen!“
Else versucht ihren Mann davon abzuhalten. Ohne Erfolg.
Fritz hat die Nummer der Polizei schon gewählt.
„Hier Wiesenhof. Herrn Wachtmeister Schuster, bitte“, spricht er ins Telefon und schaltet den Lautsprecher ein, damit Else mithören kann.
„Guten Tag, Herr Wachtmeister Schuster. Wiesenhof hier“, sagt Fritz.
„Herr Wiesenhof. Was gibt es diesmal?“, fragt Wachtmeister Schuster.
„Es ist total ruhig nebenan!“, sagt Fritz.
„Schön, dass Sie uns mal etwas erfreuliches mitteilen möchten. Dann ist ja alles in Butter“, sagt Wachtmeister Schuster.
„Nein. Es ist zu ruhig!“, sagt Fritz aufgeregt.
„Herr Wiesenhof, soll das ein Scherz sein?“, fragt Wachtmeister Schuster.
„Nein. Bis vor einer halben Stunde tanzte nebenan noch der Bär. Im wahrsten Sinne des Wortes. Musik, Geschnatter und Geklapper. Dann war hysterisches Schreien zu hören und danach nichts mehr! Verstehen Sie?“, sagt Fritz.
„Herr Wiesenhof, wir haben nicht die Zeit uns ständig um Sie und Ihre Nachbarin zu kümmern. Versuchen Sie sich friedlich zu einigen. Heute rufen Sie an, weil es nebenan ruhig ist. Sind sie noch bei Verstand? Entschuldigung, das ist mir rausgerutscht!“, sagt Wachtmeister Schuster.
„Sie verstehen nicht. Da geht etwas vor sich. Die Rollos sind runtergezogen, das hat die Paula noch nie gemacht!“, sagt Fritz.
„Wollen Sie mir sagen, Sie beobachten Ihre Nachbarin auf Schritt und Tritt?“, fragt Wachtmeister Schuster.
„Also, so genau auch wieder nicht“, antwortet Fritz kleinlaut.
„Herr Wiesenhof, entschuldigen Sie aber ich habe ein Gespräch auf der anderen Leitung. Freuen Sie sich über die Ruhe und einen schönen Samstag wünsche ich Ihnen.“
Wachtmeister Schuster unterbricht die Verbindung.
„Aber Herr Wachtmeister...“, sagt Fritz.
„Gib nun Ruhe Fritz“, sagt Else.
„Ich gehe raus und versuche vom Garten aus in den Salon zu sehen“, sagt Fritz.
„Dafür brauchst du die Leiter!“, sagt Else.
„Das weiß ich selber“, sagt Fritz.
„Du wirst die Leiter doch nicht extra dafür rausholen um bei denen in den Laden schauen zu können? Spinnst du nun völlig?“, ruft Else entsetzt aus.
„Ich werde das schon machen“, sagt Fritz.
„Los, alle in den hinteren Raum setzen. Ruhig verhalten! Sonst knallt das Ding in meiner Hand los. Hey Sie, auf der Sonnenbank! Raus mit Ihnen. Beeilen Sie sich!“, befiehlt der Mann, der einen Helm auf dem Kopf trägt, sodass man nur seine Augen sieht.
„Was wollen Sie von uns?“, fragt Paula vorsichtig.
„Geld! Schmuck! Eben was ich bekommen kann“, antwortet der Mann.
Alle begeben sich in den hinteren Raum. Herr Metzger kommt halb verschlafen aus der Sonnenbankkabine.
„Was ist hier los?“, fragt er und eh er sich versieht wird er von dem Mann in den hinteren Raum gestoßen, sodass er sein Gleichgewicht verliert und zu Boden stürzt. Paula läuft auf ihn zu und hilft ihm auf die Beine.
„Else, Else!“ ruft Fritz aufgebracht.
„Ja, Fritz“, antwortet sie.
„Else, da ist einer mit einem Motorradhelm im Salon und hat eine Pistole auf die dort Anwesenden gerichtet“, ruft Fritz aufgebracht.
„Du spinnst doch. Nicht in unserer Wohngegend!“, sagt Else.
Fritz läuft zum Telefon und wählt die Nummer der Polizei.
„Wachtmeister Schuster. Schnell es ist dringend!“, ruft er aufgeregt in den Hörer.
„Wachtmeister Schuster“, meldet sich eine männliche Stimme.
„Kommen Sie schnell...“, fängt Fritz seinen Satz an und wird vom Wachtmeister unterbrochen.
„Nicht schon wieder Sie, Herr Wiesenhof“, ruft Wachtmeister Schuster in den Hörer.
„Im Salon steht eine Person mit einem Helm auf dem Kopf und einer Pistole in der Hand“, sagt Fritz.
„Aber natürlich, Herr Wiesenhof. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun? Sagten Sie nicht, das Rollo wäre runter? Wie können Sie das denn gesehen haben? Schönen Tag“, sagt Wachtmeister Schuster.
„Nein, nein hängen Sie nicht ein. Ich habe die Leiter, im Garten, über den Zaun, in den Salon“, stammelt Fritz.
„Nun mal langsam, Herr Wiesenhof. Sie sind auf eine Leiter gestiegen und haben über den Zaun, vom Garten aus in den Salon gesehen und dann mitbekommen, dass dort einer mit Helm auf dem Kopf und einer Waffe in der Hand steht. Meinten Sie das?“, fragt Herr Schuster.
„Ja, genau so!“, antwortet Fritz.
„Es gibt viele Leute die ihren Helm nicht abnehmen, wenn sie mal kurz einen Laden betreten. Ich denke nicht, dass er oder sie eine Waffe in der Hand hält. Guten Tag, Herr Wiesenhof!“, sagt Wachtmeister Schuster und hängt ein.
„Ich kann es nicht fassen, Else! Der hat wieder aufgelegt. Meint der ich hätte Fantasievorstellungen?“, fragt Fritz noch aufgebrachter.
„Der glaubt dir nicht mehr. Du hast sie zu oft wegen Nichtigkeiten rauskommen lassen“, sagt Else.
„Es waren nie Nichtigkeiten! Was soll ich denn nun machen? Das Haus nebenan alleine stürmen?“, fragt Fritz.
„Halt dich endlich raus“, mahnt Else.
„Ich gehe auf den Hof und vergleiche nochmals mit meinem Notizblock wer sich nebenan aufhält. Die Person muss den Laden betreten haben als ich spazieren war. Vor unserem Mittagessen“, sagt Fritz mehr zu sich selbst und geht auf den Hof.
Er zückt seinen Notizblock und vergleicht nochmals die Autonummern mit seinen Notizen.
„So“, spricht er vor sich her: „da ist das Auto vom Metzger, von der Struck, der Meise, der Dagmar, der Paula. Also befinden sich noch alle im Laden. Am besten ich steig nochmals auf die Leiter.“
„Los! Her mit dem Geld und dem Schmuck“, sagt der Mann.
„Lassen Sie meine Kundinnen und Dagmar den Salon verlassen, dann gebe ich ihnen die gesamte Wocheneinnahme und den Schmuck aus der Vitrine“, sagt Paula mutig.
„Keiner verlässt den Laden. Denken Sie ich bin verrückt? Das fällt doch auf, wenn die mit den Lockenwicklern auf die Straße treten. Also holen Sie das Geld und den Schmuck und ich bin wieder weg, ohne einen zu verletzen.“
Der Mann dreht für den Bruchteil einer Sekunde Herrn Metzger den Rücken zu und er nimmt den Augenblick wahr um auf ihn loszustürzen.
Ein Schuss fällt.
„Else, ich wäre bald von der Leiter gefallen..“, schreit Fritz, als Else ihn unterbricht.
„Du warst schon wieder auf der Leiter?“, fragt Else.
„Nun höre doch zu. Ein Schuss ist gefallen, hast du das nicht gehört?“, fragt Fritz.
„Da ist nebenan etwas umgefallen“, antwortet Else.
„Else sei nicht so naiv. Ich habe es gesehen! Der Metzger hat sich auf den Helmmenschen gestürzt und ein Schuss löste sich aus der Pistole“, sagt Fritz.
„Ruf die Polizei an!“, ruft Else.
„Habe ich doch schon zweimal. Die glauben mir nicht. Was sollen wir machen?“, fragt Fritz.
„Ich weiß nicht!“, antwortet Else.
„Ich gehe mal die Straße ab. Irgendwo muss ja ein Motorrad stehen, dann schreibe ich mir die Nummer auf und fahre runter zur Polizeiwache in die Stadt. Wenn die nicht raufkommen muss ich eben runter um denen zu zeigen, dass ich es ernst meine“, sagt Fritz.
„Pass bloß auf, dass man dich nicht sieht. Sonst schießt man noch auf dich!“, ruft Else Fritz hinterher.
„Sind sie verrückt! Wieso schießen Sie auf meinen Kunden?“, fragt Paula und kniet sich neben Herrn Metzger.
„Sind sie blöd? Was hätte ich machen sollen? Er hat mich angegriffen! Los! Legen Sie sich jetzt alle auf den Bauch. Runter auf den Boden!“, befiehlt der Helmmann.
„Lassen Sie meine Kunden raus!“, bettelt Paula.
„Ich bleibe bei Ihnen“, sagt Dagmar und wischt sich die Tränen von den Augen.
Die anderen verhalten sich ruhig und führen den Befehl des Mannes aus.
„Else! Ich habe kein Motorrad gefunden. Aber ein Auto, das stand als ich spazieren ging noch nicht da. Es ist in der Seitenstraße geparkt. Ein roter Porsche Carrera. Ich fahre jetzt zur Polizei. Ruf mich auf meinem Handy an, wenn du etwas hörst“, sagt Fritz.
„Ja, Fritz“, sagt Else.
„Wir müssen einen Krankenwagen rufen. Es hat ihn am linken Arm erwischt. Er verliert viel Blut!“, sagt Paula.
„Vergessen Sie es. Los her mit dem Geld!“, sagt der Mann.
„Ich muss in meine Wohnung um das Geld zu holen“, sagt Paula.
Der Mann nimmt Frau Meise an den Haaren und hält ihr die Pistole an die Schläfe.
„Wenn Sie in drei Minuten nicht zurück sind erschieße ich diese Frau. Ist das klar?“, sagt der Mann.
Frau Meise schreit kurz auf.
„Fritz! Nebenan hat eine Frau aufgeschrien“, spricht Else ins Telefon, die ihren Mann über sein Handy erreicht hat.
„Pass gut auf! Ich bin gleich auf der Polizeiwache. Ein Glück ist die nicht so weit entfernt. Ich melde mich!“, sagt Fritz und unterbricht die Verbindung.
Fritz parkt sein Auto in der Einfahrt der Polizeiwache und ersteigt schnellen Schrittes die Stufen.
„Wo finde ich Wachtmeister Schuster?“, fragt er am Eingang.
„Zimmer 7“, bekommt er zur Antwort.
Ohne anzuklopfen betritt er den Raum.
„Herr Wiesenhof. Schön Sie zu sehen!“, sagt Wachtmeister Schuster ironisch.
„Ein bisschen freundlicher, wenn ich bitten darf. Nebenan ist geschossen worden. Meine Frau hat vor fünf Minuten eine Frau aufschreien hören. Herr Metzger ist verletzt“, sprudelt es aus Fritz raus.
„Bitte Herr Wiesenhof, nicht solche Spielchen. Haben Sie wieder über den Zaun geschaut?“, fragt Wachtmeister Schuster.
„Glauben Sie mir doch. Rufen Sie meine Frau an, sie wird es Ihnen bestätigen“, sagt Fritz und wählt auf seinem Handy die Nummer von zu Hause.
„Else? Die glauben mir nicht. Sprich du mit ihnen!“, sagt Fritz und überreicht Wachtmeister Schuster sein Handy.
„Hier Wachtmeister Schuster. Guten Tag, Frau Wiesenhof“, sagt er.
„Herr Wachtmeister, mein Mann sagt die Wahrheit. Ich habe den Schuss auch gehört und den Schrei einer Frau. Nebenan ist etwas im Gange!“, sagt Else.
„Danke Frau Wiesenhof“, sagt Wachtmeister Schuster und schließt das Handy.
„Nun mal ganz von vorne Herr Wiesenhof. Erzählen Sie alles der Reihe nach. Aber warten Sie! Ich rufe meinen Kollegen hinzu. Bitte setzen Sie sich“, sagt Wachtmeister Schuster.
„Wir müssen uns beeilen, bevor noch mehr passiert!“, sagt Fritz.
„Das ging ja ziemlich schnell! Los her mit dem Geld. Nun noch den Schmuck und dann haue ich ab“, sagt der Mann.
„Bitte lassen Sie meine Kundinnen gehen und uns einen Krankenwagen rufen“, bettelt Paula wiederholt.
„Wir müssen los! Herr Wachtmeister ich kann Ihnen alles auf der Fahrt erzählen. Ich habe die Autos überprüft. Es sind die Meise, die Struck, die Dagmar, die Paula, der Metzger und eine junge Frau im Salon, in der Gewalt einer Person mit einem Helm auf dem Kopf und einer Pistole in der Hand. Auf Metzger ist geschossen worden“, ruft Fritz, als er hinter Wachtmeister Schuster herläuft.
„Nun gut. Es scheint ja wirklich ernst zu sein“, sagt Wachtmeister Schuster und lässt eine Meldung an alle Streifenwagen durchgeben. Er verlässt mit Fritz die Polizeiwache und gemeinsam fahren Sie im Streifenwagen zum Salon Paula.
„Danke, danke für die milden Gaben. Ich verabschiede mich nun, meine Damen und mein Herr“, sagt der Mann und nimmt die Tasche mit dem Schmuck und Geld entgegen. Rückwärts tritt er aus dem Laden. Die Türglocke erklingt. Er dreht sich um und entschwindet.
„Ein Glück! Der ist weg. Los Dagmar rufen Sie einen Krankenwagen und die Polizei. Die sollen sich beeilen!“, ruft Paula ihr zu.
Dagmar steht auf und läuft zum Telefon. Mit zittrigen Händen wählt sie die Nummer vom Krankenhaus.
Frau Meise, Frau Struck und Frau Tiersten erheben sich vom Boden und kümmern sich mit Paula um Herrn Metzger.
„Ziehen Sie die Rollos hoch, damit wir sehen, wenn der Krankenwagen anfährt“, sagt Paula.
Nachdem Dagmar das Krankenhaus und die Polizei verständigt hat, zieht sie die Rollos hoch.
„Fritz?“, fragt Else ins Telefon.
„Ja. Was gibt es Else?“, fragt Fritz.
„Ich habe die Türklocke gehört. Einer ist rein oder rausgegangen. Ich denke eher raus. Vielleicht der Verbrecher, weil ich höre jetzt aufgebrachte Stimmen“, sagt Else.
„Danke. Wir sind gleich da“, sagt Fritz und berichtet dieses dem Wachtmeister.
Der gibt sofort eine Meldung an alle Streifenwagen, sie sollen auf eine Person mit Motorradhelm achten.
Vor ihnen biegt ein Krankenwagen in die Einbahnstraße.
„Sehen Sie, Herr Wachtmeister! Wir kommen zu spät. Nur weil Sie mir nicht geglaubt haben. Das wird Folgen haben!“, droht Fritz.
Er steigt aus und läuft auf den Salon zu. Paula steht vor der Türe.
„Die Polizei kommt zum ersten Mal zu spät“, sagt sie ironisch.
„Die haben mir nicht geglaubt!“, ruft Fritz.
„Kann man es denen verdenken?“, fragt Paula.
Die Sanitäter betreten den Salon und kümmern sich um Herrn Metzger. Fritz steht auf der Straße und beobachtet alles. Else kommt aus dem Haus gelaufen und ist froh ihren Mann wiederzusehen.
„Frau Herten, was hat sich hier zugetragen?“, fragt Wachtmeister Schuster.
Paula erzählt aufgebracht das Geschehen. Alle haben sich nun auf der Straße versammelt und sind froh, als die Sanitäter sagen, dass Herr Metzger bald wieder auf den Beinen sein wird.
Fritz hört Paulas Bericht zu. Er überlegt. Wer könnte der Mann gewesen sein? Er hat kein Motorrad vor der Türe oder in der Seitenstraße stehen sehen. Aber der Porsche! Schnell geht Fritz zur Seitenstraße um nachzusehen, ob der Porsche noch an Ort und Stelle steht. Er ist weg. Fritz geht zu Wachtmeister Schuster.
„Wachtmeister Schuster! Da stand vorhin ein Porsche Carrera in der Seitenstraße. Ich habe das Kennzeichen notiert. M-AZ 2310“, sagt Fritz.
„Ich lasse den Halter über Funk ausfindig machen“, sagt Wachtmeister Schuster.
Nur kurze Zeit später erhält er die Antwort aus der Zentrale und gibt eine Meldung an alle Streifenwagen der Umgebung durch. Er geht auf Herrn Wiesenhof zu und sagt:
„Der Wagen ist als gestohlen gemeldet!“
„Welcher Wagen?“, fragen Dagmar und Paula gleichzeitig.
„Ihr Nachbar hat sich eine Autonummer, von einem Porsche Carrera notiert, der in der Seitenstraße parkte. Ich habe diese Meldung an alle Streifenwagen weitergeleitet“, antwortet Wachtmeister Schuster.
„Sie sind mir ein Nachbar! An Ihnen ist ein Detektiv verloren gegangen. Wenn man Ihnen Glauben geschenkt hätte, Herr Wiesenhof, dann wäre Herr Metzger nur mit einem Schrecken davon gekommen“, sagt Paula versöhnlich.
Es ertönt der Streifenfunk.
„Schuster! Hören Sie?“, fragt eine männliche Stimme.
„Sprechen Sie!“, antwortet Wachtmeister Schuster.
„Wir haben das Auto und einen Mann sichergestellt. Nicht weit vom Tatort entfernt. Ein Motorradhelm, sowie eine Tasche mit Geld und Schmuck liegt im Kofferraum“, sagt der Mann.
„Hat er gestanden?“, fragt Wachtmeister Schuster.
„Er redet nicht. Wir konnten ihn anhand seiner Ausweißpapiere identifizieren. Sie werden es nicht glauben, Schuster!“, sagt der Mann.
„Spannen sie mich nicht auf die Folter. Wer ist es?“, fragt Wachtmeister Schuster.
Frau Meise, Frau Struck, Frau Tiersten, Paula, Dagmar, Herr Wiesenhof und seine Frau stehen versammelt um den Polizeiwagen und verfolgen gespannt das Gespräch. Der Krankenwagen mit Herrn Metzger fährt gerade ab.
„Der Autodieb, denn wir schon seit Monaten suchen“, sagt der Mann.
„Ich kann es nicht glauben. Haben Sie seinen Namen?“, fragt Wachtmeister Schuster.
„Peter Weiler!“, antwortet die männliche Stimme.
„Mein Peter?“ schreit Dagmar erschrocken und bricht in Tränen aus.
„Die Arme“, sagt Frau Meise und zückt ihr Taschentuch.




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Eingereicht am 13. Oktober 2003.
Herzlichen Dank an die Autorin.
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