Abenteuer im Frisiersalon. Kurzgeschichten aus dem Internet. Edition www.online-roman.de  Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken.  160 Seiten 10 Euro ISBN 3-9809336-0-1
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Ein Beitrag zum Kurzgeschichtenwettbewerb "Im Frisiersalon"

Einmal Friseur und zurück

Eine Kurzgeschichte von Brigitte Regitz


Kommissar Fischer saß niedergeschlagen an seinem Schreibtisch und starrte durchs Fenster in einen grauen Novemberhimmel. Fünfzehn Wohnungseinbrüche innerhalb von drei Wochen und nicht die entfernteste Spur zu einem Täter. Oder?
Zum wiederholten Mal nahm er die erste Akte, um darin zu lesen, was er schon x-mal gelesen hatte, dann die zweite, die dritte und dann sah er auf, hatte kreisrunde Augen, nahm der Reihe nach die andern Fälle, schaute in die Akten, schließlich pfiff er durch die Zähne, sprang auf und lief ins Nachbarbüro und rief: "Pfeiffer, Kluge - ich hab' was gefunden! Kommt mal rüber!"
Pfeiffer, ein mittelgroßer, blonder junger Mann in Jeans und dunkelblauem Pullover erschien als Erster und setzte sich auf einen der beiden Besucherstühle in Fischers Büro. Dann kam auch Kluge, ein untersetzter, dunkelhaariger Mann, der den Zigarettenrauch, der aus seinem Mund kam, mit wedelnden Handbewegungen wegzutreiben versuchte.
"Rauchen schadet Ihrer Gesundheit", sagte Fischer.
"So, Leute, wisst ihr, was mir aufgefallen ist - alle Opfer sind ältere Damen..." - "Das ist doch nichts Besonderes" fiel ihm Kluge ins Wort. "Stimmt, du musst mich nur zu Ende reden lassen. Also: Alle Opfer sind ältere Frauen, die während des Einbruchs beim Friseur waren." Fischer legte eine Kunstpause ein, bevor er fortfuhr "bei ein - und demselben Friseur."
"Hoho", machten Pfeiffer und Kluge gleichzeitig. "Könnte bedeuten, dass der Friseur oder ein Angestellter beziehungsweise eine Angestellte mit den Einbrüchen zu tun hat", sagte Kluge und Pfeiffer ergänzte: "Und mit einem Komplizen in Verbindung steht, telefonisch vom Friseursalon aus oder über ein privates Handy."
"Wie gehen wir jetzt am geschicktesten vor?", fragte Fischer - mehr sich selbst, denn er fuhr gleich fort: "Zuerst geht ihr nacheinander zum Friseur. Auf Staatskosten, versteht sich. Ihr habt es dringend nötig. Ihr braucht nicht nur einen Haarschnitt, sondern auch eine Volumenwelle und mit solch farblosem Haar wirkt ihr wenig elegant. Mit andern Worten: waschen, schneiden, Dauerwelle, tönen und trocknen. Damit haltet ihr euch so einige Zeit in dem Salon auf und könnt reichlich Beobachtungen machen..."
"Das geht aber zu weit!", protestierte Pfeiffer.
Noch bevor Kluge ebenfalls seiner Verärgerung Luft machen konnte, winkte Fischer mit einer Handbewegung ab, stand auf und sagte mit ernstem Gesicht: "Eine kostenlose Frisur während der Dienstzeit zu bekommen, kann doch wohl so etwas Schlimmes nicht sein. Und jetzt raus hier und keine weiteren Widerworte. Wir müssen doch diese Fälle lösen!"
Die beiden verzogen sich murrend. Um 15.00 Uhr schaute Pfeiffer ins Büro des Kommissars und sagte grinsend "Ich melde mich ab zum Friseur. Heute werde ich wahrscheinlich nicht zum Dienst zurückkehren. Mein Kopf muss ziemlich umfassend bearbeitet werden, schneiden, Dauerwelle, tönen..." - "Nun hau' schon ab", rief Fischer und beide zwinkerten sich zu.
Am nächsten Tag erschien Pfeiffer mit leicht aufgehellten Haaren, die etwas fülliger frisiert waren als sonst. Kluge gefiel die neue Frisur seines Kollegen so gut, dass er gleich zum Friseur gehen wollte, aber Fischer hielt ihn zurück.
"Lass' uns erst einmal hören, was Pfeiffer herausgefunden hat" sagte er und Pfeiffer begann zu erzählen.
Der Inhaber des Salons war in Urlaub und wurde erst in zwei Wochen zurück erwartet. Die Friseurin, die stellvertretend das Geschäft leitete, eine weitere Friseurin und ein Auszubildender waren während Pfeiffers Anwesenheit weder am Geschäftstelefon noch hatte einer von ihnen den Salon vorübergehend verlassen. Während der ganzen Zeit war auch niemand von ihnen zur Toilette gegangen.
Kurz nach Pfeiffer war eine ältere Dame gekommen, die dem Typus der Einbruchsgeschädigten entsprach. Als Pfeiffer den Salon verließ, war auch sie fertig frisiert und stand zum Bezahlen an der Kasse. - Pfeiffer war sofort nach Hause gegangen.
"Dann kann ich ja jetzt auch zum Friseur gehen", sagte Kluge, als die Tür aufsprang. Herein kam ein uniformierter Polizist und rief "Schon wieder ein Einbruch bei einer älteren Dame!" Mit diesen Worten legte er dem Kommissar eine Meldung auf den Schreibtisch.
Fischer starrte auf das Blatt. Dann sagte er: "Pfeiffer, du suchst die Dame auf. Dahlienweg 10. Das ist gleich um die Ecke. Hoffentlich ist das nicht ausgerechnet die alte Dame, die gestern zur selben Zeit wie du im Friseursalon war. Der Einbruch hat nämlich in dieser Zeit stattgefunden."
"O.k.", sagte Pfeiffer, nahm seine Jacke vom Garderobenständer, warf sie sich über die Schultern, riss die Tür auf und weg war er.
"Kann ich denn jetzt zum Friseur gehen?", fragte Kluge. "Nein", erwiderte Fischer. "Jetzt warten wir erst einmal ab, mit welchen Ergebnissen Pfeiffer zurück kommt. So lange kann das ja nicht dauern." - Fischer nippte an seiner Tasse mit kaltem Kaffee, Kluge malte Männchen auf einen Block. Da ging die Tür auf. Pfeiffer trat ein.
"Und?" ,rief Fischer.
"Äh, es ist tatsächlich die alte Dame, die gestern zur selben Zeit wie ich beim Friseur war.... Und jetzt kommt's: Sie hat sich von einem Taxi fahren lassen und der Fahrer hat vor dem Salon gewartet, bis sie fertig war und sie dann nach Hause gefahren. - Wir müssten jetzt ermitteln, ob die anderen Frauen auch mit dem Taxi zum Friseur gefahren sind. Dieser Fahrer hat nämlich in der ganzen Gegend Werbezettel verteilt. Für Fahrten zum und vom Friseur nimmt er nur so viel wie die öffentlichen Verkehrsmittel kosten. Bei dem niedrigen Preis lassen sich die Damen gerne mal kutschieren."
"Dann sucht ihr jetzt die anderen Opfer auf. Kluge, der Friseurtermin muss verschoben werden. Tut mir leid. Wir sehen uns um 14.00 Uhr in meinem Büro wieder." - Mit diesen Worten verließ Fischer den Raum und Pfeiffer und Kluge begannen, sich die Namen und Adressen der Einbruchsgeschädigten aufzuschreiben.
Wie alle erwartet oder gehofft hatten, ergaben die Ermittlungen, dass sämtliche Frauen mit demselben Taxi zum Friseur und nach Hause zurück gefahren waren. Das bedeutete, dass der Taxifahrer und ein Komplize die Täter waren. Dass alle Damen denselben Friseur aufgesucht hatten, war reiner Zufall.
Fischer und sein Team stellten dem Taxifahrer eine Falle, in die der tappte, so dass er und sein Komplize überführt werden konnten. Der Kommissar fühlte sich endlich wieder gut, trotz des grauen Wetters. Pfeiffer war zufrieden mit sich und seiner neuen Frisur. Nur Kluge war übellaunig, denn er hätte auch gerne eine kostenlose neue Frisur gehabt. - Vielleicht klappt es ja beim nächsten Friseur-Fall.




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Eingereicht am 11. Oktober 2003.
Herzlichen Dank an die Autorin.
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