Beim Piffri
Eine Kurzgeschichte von Ronald Henss
Ehrlich gesagt, ich bin nie gerne zum Friseur gegangen. Auch schon lange vor der Zeit, als ich endlich selbst bestimmen konnte und beschloss, überhaupt nicht mehr zum Friseur zu gehen.
Jetzt, wo ich darüber nachdenke, wird mir klar, dass Erinnerungen an den Friseur zu meinen ältesten Erinnerungen gehören. Wie weit sie genau zurück reichen, weiß ich nicht. Aber einige Vorstellungsbilder stammen sicherlich noch aus der Zeit bevor ich zur Schule ging. Das war in den frühen fünfziger Jahren.
Unser Frisör hieß Pfeifer, Philipp Pfeifer. Aber bei uns hieß er nur "de Peifer Filp" oder "de Piffri". Der Frisörladen war nicht weit von zu Hause entfernt, höchstens zweihundert Meter.
Zuerst musste man ein paar Treppenstufen hoch gehen, vielleicht sechs oder sieben. Links ging es in das Tante-Emma-Lädchen, in dem wir häufig einkauften. Als ich noch klein war, war die Theke riesig hoch; und die großen bauchigen Gläser mit den bunten Bonbons waren unerreichbar. In den Frisörladen ging es rechts.
Eingereicht am 30. Juli 2003.
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