Das war der Hammer!!
© Gaby Schumacher
Heute um 13.30 im Fernsehen.
Mit Grabesmiene kündigt die Moderatorin den Bericht über die Beerdigung des Papstes an. Mit einem Gesicht, als ob einer ihrer engsten Familienangehörigen gestorben wäre. Sie ist ja verpflichtet, alles so anzusagen, wie es vorher die Redaktion dieses Privatsenders geplant hat.
Also gebührt ihm(!) die Entrüstung vieler Zuschauer.
Denn:
1.
Bericht über den Tod des Papstes. Natürlich in allen Einzelheiten. Leider hatte der Vatikan ja nicht auch noch preisgegeben, wie(!) der Leichnam auf seine Beerdigung vorbereitet wurde. Das muss man ihm zugute halten, denn unter Garantie wäre auch dieses Detail von den Medien noch publikumswirksam ausgeschlachtet worden.
Des Papstes Verdienste um den Frieden in der Welt, seine Bemühungen um Bekämpfung des Kommunismus und Nähe zu den Menschen in aller Welt ist unumstritten. Jedoch war er zu keinerlei Zugeständnissen bereit, ging es um die Grundsatzeinstellung der Kirche zu bestimmten Dingen. Er legte sein Veto ein, was die Gleichstellung der Frau in der Institution Kirche anging. Was weitaus tragischer zu werten ist, erließ er ein striktes Verbot von Pille und Kondom, ungeachtet der Überbevölkerung gerade in den armen Ländern dieser Welt. Diese Entscheidung war nicht zu verantworten. Mit ihr hat sich der Papst indirekt mitschuldig gemacht am Elend ganzer Völker.
Es erfolgte leider keine entsprechend sachliche Berichterstattung, sondern, wie in den letzten Tagen von morgens bis abends üblich, die reinste Seifenoper.
Ich denke immer noch, vor Gott sind alle Menschen gleich. In Afrika und Asien verhungern ganze Völker. Wer schert sich um den jämmerlichen Tod von Hunderttausenden von Kindern??
2.
Kaum war diese Reportage zu Ende, kündigte die Sprecherin mit urplötzlich fröhlichster Miene den Punkt 2 an, der mich dann doch so direkt nach dem Papstbericht unter dem Eindruck des Trauerzeremoniells in Rom wahrlich erstarren ließ. Irgendeine Künstlerin hatte eine Gruppe halbnackter Frauen (ca. 18-65) in ein Schaufenster gestellt und drückte den Zuschauern auch noch fadenscheinige Begründungen unter die Weste, aus welchem Grunde dieses gerechtfertigt sei.
Abgesehen davon, dass ich diese Aktion an sich schon mehr als geschmacklos finde, ist es ein absolutes Unding, solch einen Report direkt nach einem Trauerbericht zu senden. Wo bleibt denn da die angebliche Pietät, die uns in den letzen Tagen unentwegt vorgespielt wurde? Die Verzweiflung vieler Pilger ist unbestritten, aber den Sendern ging es wohl eher doch in höchstem Maße um Einschaltquoten. Der Tod des Papstes wurde zum Medienereignis stilisiert, zum gefundenen Fressen für die Klatschpresse.
Aber damit ja noch nicht genug:
3.
Um die Sendung abzurunden und ja von allem, was das Herz an negativen oder auch positiven Sensationen begehrt, dem Publikum zu präsentieren, hatten sie sich selbstverständlich die zu erwartende Hochzeit von Prinz Charles und Camilla ausgeguckt. Natürlich ließ man nichts aus, wie makaber, um Emotionen hochzuschaukeln. Zum x-ten Male wurde wieder einmal Diana ins Feld geführt. Diana contra Camilla!
Nicht Sympathie oder Antisympathie der Allgemeinheit hat im Vordergrund zu stehen, sondern die Einsicht, dass Adlige denn auch nur Menschen sind und ein Recht auf ihr privates Leben, sprich Glück haben. Gut, dass der Hochadel in den meisten Fällen relativ souverän die Ergüsse der Boulevardpresse ignoriert Von Extremfällen einmal abgesehen. Es bleibt ihm auch kaum etwas anderes übrig, will er noch einigermaßen in Frieden leben.
Solch eine Fernsehsendung zeigt die Skrupellosigkeit des Mediengeschäftes auf. Solange Einschaltquote bzw. Umsatz stimmt, zählt oft noch nicht einmal mehr die Menschenwürde. Erschütternd!
Zum Schluss bliebe noch die Frage:
Der Papst war ein Mann mit Charisma. Hätte er nicht mehr Achtung und auch Respekt verdient??
Eingereicht am 19. Juni 2005.
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