Karin Reddemann
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Lancelot lügt

© Karin Reddemann


Mein Herz schimmelt. Tapfer sah ich in ihm den Helden, denke jetzt nur noch daran, wie er Türken häutet, um sie kochen zu lassen. Er war mein Ritter, eine einzige blauäugige Lüge. Habe ihm ein Schneidegerät für die Nasenhaare besorgt, habe ihm die Fußnägel gestutzt, während er mich klug und ruhig nach Pangäa entführte. Dort, wo ich nicht hin wollte. Avalun war ihm zu weit. Ich flüsterte ihm Minne ins Ohr, die ihm nicht einfiel, entdeckte klebrige graue Härchen in der Muschel, die den Zugang wohl versperrten. Also saugte ich sie auf wie das Waschwasser eines Aussätzigen, das in der Kehle prickelt wie das süße Aroma eines gepuderten Babys. Weil es immer nur die dumme kleine Liebe ist, die ohne vernünftigen Kotzreiz Schorf und Sperma schlucken lässt. Dafür durfte ich ihn pinkeln sehen, während ich mir die Zähne bleichte und mir die Augenfalten wegschmierte, um schön für ihn zu sein. Schließe die Augen und höre meinen Körper brüllen nach einem stinkenden Schwanz, der in Urin und Schweiß gebadet hat. Stelle mir vor, an ihm zu lutschen wie an einer verfaulten Kartoffel, spucke ihn voll, um die steinharten Kotkrümel weg zu wischen, um mich allein nur zu schmecken. Könnte ihn zerfleischen mit meinem Gebiss, erinnere mich schaudernd, dass es selbst stumpf und gespickt mit den winzigsten lästigen Resten meiner fetten Mahlzeiten in der rülpsenden, furzenden Runde der feinen Schweine ist. Rieche mich selbst, das besungene Weib in langer schwerer Kleiderschleppe, das Korsett geschnürt, aus dem die weißen Brüste quellen. Lausche fasziniert meiner trunkenen Zunge, die in miefenden Mäulern zuckt, lasse mich drehen und kreiseln beim Tanz mit keuchenden, grölenden Männern, die in mir wühlen wollen mit all dem Dreck, der an ihnen klebt. Warte auf den Meinigen. Stelle ihn mir in seiner schweren Rüstung vor. Er trägt keine Unterwäsche, mein Magen erschnuppert ihn, um ihn in meinen Darm zu schießen. Das verbiete ich mir, will ihn nicht ausscheiden, meinen stolzen Ritter, der für mich das Kreuz getragen hat. Lasse meine Lider flackern, die ihn weicher zeichnen, als er ist. Er stapft auf mich zu und bläst mir den Atem seiner Vorväter ins Gesicht. Ein Geruch, der würgen lässt, eine uralte Komposition aus Schweinefleisch, süßem Wein und Erbrochenem. Das Blut, in dem er sich gesuhlt hat wie das Borstenvieh, das er frisst, um wahr zu sein, schlürfe ich aus ihm heraus, nur für diesen Moment, in dem er mit mir verschmilzt und mir gedankenlos erlaubt, die Luft anzuhalten. Hart und stark thront er in mir, steckt zwischen mir und löscht mit jedem Stoß das Feuer unter den Kesseln, in dem die ungläubige Brut kochen musste. Ihre Schreie sind auch meine. Enden wollen sie nicht, auch nicht, als ich ermattet zurück sinke und ihnen befehle, meinen Kopf zu verlassen. Stelle mir den fremden König vor, der die andere Sprache brüllte, steht vor dem Tribunal der Eitlen, die ihn und seinen Gott nicht dulden, die ihn nackt von duldsamen Sklaven ficken lassen, die ihm die Arme und Beine abhacken, die Wunden mit heißem Bienenwachs schließen, damit der Tod nicht zu früh klopft. Ihm die Augen ausbrennen und ihn wie einen weggeworfenen Fleischbrocken liegen lassen, damit die Hunde für eine Weile vergessen dürfen, ihre Rippen zu zählen. Denke, warum nicht ein König, warum nur die kreischende Meute, die kein Amen über die Lippen kriegt, obgleich sie weiß, dass man ihnen ihre Gedärme nach außen stülpt, sie brät und zerpflückt wie alle, die im Weg stehen. Will das nicht wissen und weiß es doch, lasse mich durchstoßen von dem Tor, den ich Ritter nannte. Wache endlich auf in kariertem Flanell, höre keine Laute mehr, betrachte ihn und weiß, dass die Nachtigall stumm bleiben wird.

Nie wieder werde ich Lancelot küssen. Nie wieder ihn so nennen, den Mann, der an meiner Seite war und den ich ritt, ungestüm und wild, wie er hätte reiten müssen. Er fürchtete sich vor Pferden. Er war nicht echt. Ich lechze danach, ihn im Staub liegend beheulen zu dürfen. Er fällt, bricht sich an der Helmkante das kleine unsinnige Genick. Längst zuvor haben sich Lanzensplitter durch seine Rüstung ins Hirn gebohrt, durchwühlten eifrig seine Zellen und schleckten auf, was ihm eh' nie wichtig war. Er wäre entsetzt, könnte er mich lesen, wie ich da liege und denke, dass sie mir nicht die Wahrheit gesagt haben, als ich noch unschuldig war und den Mond umarmen wollte.

Lancelot ist tot. Besser so. Der bebrillte Philosoph neben mir, der mich mit welken Rosen verzaubert hat und Wolken vertreiben wollte, die ihn gar nicht kannten, sollte ihm folgen. Es ist alles erlogen. Ich sehe mich träumen und möchte Tränen regnen lassen. Vielleicht würde die Nachtigall sie trinken. Und wieder singen, wie sie irgendwann vor Urzeiten einmal gesungen hat.


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