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Babykacke

© Karin Reddemann


Meine gute Freundin Barbara Elisabeth Kloppek hat Babies auf Lager. Dutzende. Sie wühlt im Blut, küsst und klopft sie wach und schenkt sie ihren dummen kleinen Mammis. Dr. Babs E. Kloppek ist Gynäkologin auf Station F3 im Hedwig-Hospital, hasst Olli Dickdoof, den Chefarzt, der eigentlich Manfred Döbering heißt, und äfft Doddel Oberschlau, die Oberärtzin, nach. "Dann wollen wir mal offen in Fotzen glotzen." Babs glotzt würgend mit und holt sie raus, nennt sie alle Babykacke und würde sie gern wieder reinstecken. Babs, ein burschikoses Frauenliebchen, das gern überall schleckt, aber nicht an mir, prophezeit den kleinen Scheißern ihre Zukunft. Sagte vorgestern beim Wodka-Tonic mit viel Wodka ohne Zitrone und ohne Eis, weil das nach Betrug schreit: "Habe in der Nacht Chantal-Jaqueline Hofferpott-Schimmelkotter entbunden, hätte fast gekotzt. Wird Nutte." Babs sieht in der Beziehung klar. Ein Kind, das so heißt und aus dem Bauch einer kackbraun brabbelnden Mutti mit fettigen Kunstlöckchen und durchgevögeltem Hirn krabbelt, kann kein intellektuelles Morgen haben.

War gestern auf der Suche nach Chantal. Hatte diese hirnlose Sehnsucht, wollte Dumpfbacke in Gucci schlürfen wie eine Auster, in der Du vergeblich nach der Perle pulst. Habe sie gefunden in dieser grell bestrahlten Bar mit Disco-Sound aus den Achtzigern, da war die Lady noch gar nicht gedacht und gemacht. Hatte meinen nachtschwarzen Audi Quattro drei Tage zuvor verloren, exakt mit eingebautem Schiebedach, gegen Leitplanken geprallt nach überflüssigem Hamburger Szene-Trip. Papis gnädige Gabe. Futsch. Hätte jetzt mit Ente oder Fahrrad zur Uni trödeln können, gebatiktes Geknödel um den Hals, bevorzugte es aber, mir die Fingernägel zu polieren.

Da hockte sie. Schantalldschackeline. Ich zog mir den Malz-Whisky durch die Nase, hatte den Strohhalm vergessen, trug Boss am Arsch, der beschissen saß, und ließ meine Ebel die Zeit ansagen. Dachte an Dr. Babs Lesben-Boshaft und leckte den Filter meiner blonden Zigarette. Stellte mir vor, dass die geile Doofe am Tresen genau dieses Baby war. Eine heilige Ewigkeit später. Mit einer Mami, die ihre Hüftrollen kneten lässt und die Monroe fixiert, während sie mit Manni Schlüter um die Wette säuft. Mit einem Papi, der frisst und fickt und zwischendurch mal kurz Manni alle macht, weil der seine Alte will. Mit einem Nirwana als Selbstbewusstsein, das dicke Titten und gebleichtes Straßenköterblond in das hungrige Rudel schmeißt. Ich war ein guter Wolf. Sabberte sie an und verschwendete meinen teuren Speichel in ihrem Mund. Später tiefer. Sie zeigte sich beeindruckt von meinen schwarzen Tussi-Wimpern, die ich so nenne, weil sie so aussehen. Gefärbt. Meterlang. Geschenk von Dolores, meiner bronzenen Mutter, die immer noch "Würzken" sagt, wenn sie von Würstchen spricht. Ihr andalusisches Erbe machte es mir leicht, Chantalalita "Guapa" zu nennen. Guapa de la noche. Schöne der Nacht. Das war ein verdammt guter Witz. Sie war so billig, so fett operiert, so hohl. Ich stellte sie mir mit vierzig vor, hätte sie gern an meiner Brust gespürt und mit ihr gemeinsam geheult. Sie war so Nichts. Ich war leicht besoffen und großartig. Sie schielte verklärt auf meine Brieftasche. Krokodil. Matschgrün und angekaut von Portos, der mir ähnlich ist. Ein Snob, der gern im Müll wühlt. Portos of Wild Rose. Ein großer starker Köter mit blauem Blut, der nach Weibern lechzt, die sich in Kuhfladen wälzen. Ohne Interesse daran, worin sie da baden. Schantalldschackeline hieß Kirsten. Kissi. Schlechte Zähne, aber angepinselt. Persilpampe auf faulen Pflöcken. Ich atmete sie ein, während mein Zippo brannte. Limitierte Edition. Sie trug kurz. Rock, Top. Hirn. Meine Jacke gefiel ihr. Hirschhornknöpfe auf violettem Leder. Butterweich. "Riechst gut", sagte sie. Ich inhalierte und nickte. Spendierte klebrigen Süßen, spielte mit dem geklauten Autoschlüssel. Ein Raubtier, das meinem Vater gehört. Egal. Es brüllte, sie brüllte zurück. Strich die langen Strähnen hinters Ohr, das ein monströser goldener Brocken unnötig in die Länge zog, hockte wie ein Zinnsoldat, der seine Orden trägt, um ungewaschenen Küchenmädchen im Pferdestall den Rock zu zerreißen. Sie reckte ihre Brüste, ließ die Pailletten auf Pink-Seide mit ihren Nippeln um die Wette tanzen und lachte schrill, weil sie teure Beute witterte. Tatsächlich war sie die Maus, die dem fetten Kater aus Langeweile schmeckt. Spielt mit ihr und frisst sie, kackt sie wieder aus und ist immer noch nicht satt. Weil er Kaviar will. Kissi-Chantal war Kicherebsen aus der Dose. Wurde dick, weil sie in meinem Wasser tauchte. Ihre Haut war olivfarben, das reizte, also ließ ich es zu, dass sie meinen Hals saugte mit ihren fettigen roten Lippen. Sie durfte meinen Schwanz berühren, direkt noch nicht, er war verpackt in Edelgarnitur. Ihre Finger schnupperten Kashmir, meine Mutter liebt es, wenn ich kostspielig bin. Vom Studium erzählte ich ihr nichts. Unwichtig. Sie wollte reich gefickt und geheiratet werden. Ich stieß sie auf dem Clo, bohrte mich hinein in ihre Pfütze, trank aus ihren Warzen. Vermied es, sie zu küssen. Warf sie in den Container, nachdem ich meine Milch über ihr ausgeschüttet hatte. Wohin sonst?

Babs Kloppek hat Schantalldschackeline auch weggeschmissen. Mami nahm sie mit. Dorthin, wo es kein Denken gibt. Irgendwo im Nimmerstätter Vorort, wo es gilt, Appetit zu erwecken. Mehr nicht. Klicke mein Hirn aus und bin immer noch hungrig.


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