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Kurzgeschichten
© Dr. Ronald Henss Verlag
Kurzgeschichten - Erzählungen - Geschichten - Short Stories

Blut und Sex und Borderline

© Moritz Strasser

Die Geschichte liegt nun viele Jahre zurück. Und so kann ich es endlich wagen, mir diese Erlebnisse von der Seele zu schreiben.

Es war einer jener Tage, die der Bezeichnung "goldener Oktober" alle Ehre machen. Den ganzen Tag hatte ich mich auf Susanne gefreut. Ich hatte sie erst vor kurzem kennengelernt und wir hatten uns zwei Tage nicht gesehen. Ehrlich gesagt, hatte ich nur eines im Sinn: Ich wollte so schnell wie möglich mit ihr ins Bett. Ich wusste nur wenig über sie, aber das störte mich nicht. Die Trennung von Annette hatte mich aus der Bahn geworfen. Monatelang war ich Nacht für Nacht ziellos umhergeirrt. Nun war ich froh, dass mein Leben endlich wieder normale Züge annahm.

Als ich bei Susanne ankam, war das Hoftor abgeschlossen. Ich klingelte, ging ein paar Schritte zurück und schaute erwartungsfroh nach oben. Sekunden später erschien Susannes Kopf im Fenster. Sie wirkte anders als sonst. Es blieb keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, schon tauchte hinter ihr eine Frau auf, die ich nicht kannte. Aus der Entfernung erschien sie seltsam. Susanne warf mir den Schlüsselbund zu und ich eilte in den dritten Stock.

Susanne empfing mich an der Wohnungstür. Sie hatte einen eigenartigen Gesichtsausdruck. Sie wirkte abwesend, keine Spur von Freude in ihrem Gesicht. Hinter ihr stand die unbekannte Frau. Aus der Nähe sah sie noch merkwürdiger aus. Sie war wohl Mitte zwanzig, trug kurze schwarze Haare und hatte ein eingefallenes Gesicht. Vermutlich war sie einmal hübsch gewesen, aber nun wirkte sie gespenstisch. Jahrelanger Alkohol- oder Drogenmissbrauch hatte ihren Körper ausgezehrt. Der Kontrast zwischen dem fahlen Gesicht und der pechschwarzen Kleidung verstärkte die Wirkung des Unheimlichen.

Ich war enttäuscht, dass Susanne nicht alleine war. Nun musste ich warten, bis diese unsympathische Person gegangen war. Aber sie machte keinerlei Anstalten sich zu verabschieden.

Das Gespräch verlief sehr merkwürdig. Die beiden redeten miteinander, aber mir erschienen die Sätze zusammenhanglos. Ich grübelte, ob sie Drogen genommen hatten und wusste nicht, wie ich mich an der Unterhaltung beteiligen könnte.

Nach einer Weile meinte Susanne beiläufig: "Ihr kennt euch ja, Carmen war dabei als ich vom Hund gebissen wurde." Ich konnte mir auf diesen Satz keinen Reim machen.

In der vorangegangenen Woche hatte ich am Sonntagmittag einen Anruf von Susanne erhalten. Sie bat mich, sofort zu ihr zu kommen. Was ich dort erlebte, werde ich nie vergessen. Susanne war Samstagnacht auf einem Fest gewesen. In den frühen Morgenstunden wurde sie von einem Hund gebissen. Man brachte sie sofort in die Klinik, wo die Wunde genäht wurde. Ihre Mutter hatte sie abgeholt und nach Hause gefahren. Susanne wollte unbedingt, dass ich mir die Wunde ansehe. Ich weigerte mich. Susanne gab keine Ruhe. Sie wickelte den Verband ab. In ihrer Wade klaffte eine eklige Fleischwunde. Mir wurde sofort schlecht. Ich kann seit jeher kein Blut sehen und so etwas Grässliches hatte ich noch nie gesehen. Ich musste mich eine Weile aufs Bett legen, um mich von dem Schock zu erholen.

Nun hatte ich also erfahren, dass Carmen dabei gewesen war, als Susanne vom Hund gebissen wurde. Aber ich war doch nicht auf dem Fest gewesen! Wieso sollte ich dann Carmen kennen?

Ich war ratlos und konnte auch der weiteren Unterhaltung keinen Sinn abgewinnen. Ich hatte den Verdacht, dass die beiden ein lesbisches Verhältnis haben, aber dafür gab es keine konkreten Anhaltspunkte.

So bizarr die Szenerie auch war, zunächst verlief das Gespräch ruhig.

Aber urplötzlich schnellte Susanne hoch, stürzte sich mit einem wütenden Schrei auf Carmen und prügelte auf sie ein. Für einen Moment war ich wie gelähmt. Als ich mich wieder gefangen hatte und eingriff, hämmerte Susanne wahllos auf uns beide ein. Sie schrie wie ein Tier. Es waren keine Worte, nur Laute, verzerrte, entsetzliche Laute.

Mit vereinten Kräften zerrten wir Susanne aufs Bett. Ich warf mich auf sie und hielt die Arme fest, Carmen versuchte die Beine zu bändigen. Dann war Susanne schlagartig still. Ihre Atmung wurde ruhig und gleichmäßig. Jetzt herrschte eine gespenstische Stille. Carmen zitterte am ganzen Körper. Ich spannte alle Muskeln an, um meine Erregung im Zaum zu halten. Niemand sprach ein Wort. Kurz darauf schlief Susanne ein.

Im Flüsterton schlug ich Carmen vor, dass wir uns aufs Sofa setzen sollten. Ich wollte herausfinden, was hier los war. Carmen meinte, dass sie Susanne kaum kennt. Sie hätte sie vor Jahren ein paar Mal in einer Frauengruppe gesehen aber keinen näheren Kontakt gehabt. Auf dem Weinfest hätten sie sich zufällig getroffen. Susanne sei betrunken gewesen und hätte rumgepöbelt. Als die Polizei einschritt, hätte sie auf einen Polizisten eingeprügelt und damit den Hundebiss provoziert. Ich war überzeugt, dass Carmen unter Drogen stand und nahm ihr diese Story nicht ab.

Ich wollte Carmen gerade bitten zu gehen, da sprang Susanne auf und brüllte: "Ihr Dreckschweine! Raus hier! Ich weiß genau, dass ihr nur ficken wollt. Macht, dass ihr rauskommt, ihr perversen Schweine!" Ich versuchte ihr klar zu machen, dass ich Carmen gar nicht kenne. Endlich schien sie sich zu beruhigen. Verwirrt schaute sie mich an. Ihr Blick jagte mir Angst ein. In diesem Moment wusste sie wohl gar nicht, wer ich bin. Dann murmelte sie: "Ach, so. Entschuldigung, das habe ich nicht gewusst. Ich habe gedacht, dass ihr beide euch hier verabredet habt. Entschuldigung. Bitte … Entschuldigung … bitte."

Sie schien nun ganz normal. Ich redete beruhigend auf sie ein. Carmen saß regungslos in der Ecke und sagte kein Wort.

Susanne sprang erneut auf und tobte: "Los, wenn ihr ficken wollt, dann fickt doch! Hier ist das Bett. Los, macht schon! Jetzt fickt doch endlich!" Sie trommelte mit beiden Fäusten auf mich ein. Ein Hieb traf mich voll ins Gesicht. Dann stürzte sie sich auf Carmen. "Los, ihr sollt ficken, du Sau! Da ist das Bett. Jetzt macht schon! Ficken, hab ich gesagt! Ficken!" Ich packte sie von hinten. Sie riss sich los, schrie "Na gut, wenn ich euch im Weg bin, dann geh ich halt. Viel Spaß, ihr Dreckschweine!" und stürmte aus der Wohnung.

Ich rannte hinter ihr her. Auf dem Treppenabsatz blieb sie stehen. Sie ließ sich willenlos zurück in die Wohnung führen. Ich setzte sie aufs Sofa und versuchte sie zu beruhigen.

Ich forderte Carmen auf, endlich zu gehen. Aber sie weigerte sich. Ich schrie sie an. Aber sie machte keinerlei Anstalten zu gehen. Ich packte sie am Arm, zerrte sie zur Tür und stieß sie in den Flur. Carmen brüllte und hämmerte gegen die Tür. Ich riss die Tür auf und schlug ihr mit voller Wucht ins Gesicht, packte ich sie und stieß sie die Treppe hinunter. Aufgeschreckte Nachbarn eilten ihr zu Hilfe.

Ich ging wortlos in die Wohnung zurück. Susanne lag auf dem Bett und hatte ihr Gesicht im Kissen vergraben. Ich legte mich zu ihr und drückte mich fest an sie. Sie schien mich nicht wahrzunehmen.

Ich versuchte die Ereignisse zu verstehen, aber ich konnte keine klaren Gedanken fassen. In mir tobte ein Wirbelsturm unterschiedlichster Gefühle. Angst, Wut, Erleichterung, Hilflosigkeit, Eifersucht … Erst als ich merkte, dass Susanne in einen ruhigen Schlaf gesunken war, ließ meine Anspannung allmählich nach.

[Fortsetzung in Vorbereitung ...]

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