Karin Reddemann
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Wasserbomben

© Karin Reddemann


Wasserbomben bestimmten lange Zeit mein Leben. Ich hatte die Lust entdeckt, prall gefüllte Luftballons auf Mädchen zu schmeißen, die fett und hässlich sein durften. Hauptsache, sie trugen Bikinioberteile. Ich wusste, darunter müssen Brüste stecken, weiche runde Bälle mit dunkelbraunen Spitzen auf Rosa, die dick werden, wenn man sie einfach nur anstarrt oder kalt macht oder sie reibt oder an ihnen lutscht, alles Sachen, die nur in meinem Kopf stattfanden, denn damals traute ich mich noch nicht, genau hinzusehen. Aber so ganz im Verborgenen hatte ich es natürlich auf die Bälle mit den Spitzen abgesehen, von denen ich zumindest nass träumen durfte. Das genügte vorläufig. In meinem Kopf stöhnten sie unter meinen Fingern und meinen Lippen, und ich bäumte mich auf, um ihren Schweiß lecken zu können. Im Bollinger Strandbad in der Nähe von Rillershausen, zu dem wir radelten, um Mädchen zu gucken, war ich nicht der beste Werfer. Aber ich war schnell und geil und träumte auch tagsüber gut, das war's wohl. Manchmal warf ich die Wasserbomben auf ihre noch platten Ärsche, während sie bäuchlings auf ihren Handtüchern lagen, verfehlte mein Ziel und traf die von der Sonne erhitzten Rücken. Die Mädchen kreischten, und wir waren glücklich. Wir waren natürlich mit den nackten weichen Bäuchen deutlich zufriedener, weil die so herrlich nah bei den Brüsten waren, aber die Mädchen drehten sich meist um, wenn sie uns witterten und brüllten uns an, bloß zu verschwinden. Ich glaube aber nicht, dass sie wirklich in Ruhe gelassen werden wollten, weil wir alle schon zwölf waren und unentwegt ans Knutschen dachten. Das klappte beim Döppen. Erst Arschbombe, Untertauchen, Ranrudern, an den strampelnden Beinen ziehen, Kopf unter Wasser drücken, wieder hochkommen lassen, kurz miteinander rangeln, sich beschimpfen lassen, loslachen, weil wir ja viel stärker waren, wieder von hinten umfassen, runterdrücken, hochziehen. Wir wollten sie ja nicht absaufen lassen, nur mal anpacken. Und Zungen schmecken, die Schokoeis mit Erdbeeren versprachen. Tatsächlich züngelten wir unter Wasser, sah ja keiner, teilten unsere Kaugummis, leckten an Lippen, die wir an der Oberfläche niemals hätten kosten wollen. Wir, das waren Jens Holz, der auch damals schon im Geschäft war, dann Uwe Brüding, den wir alle nicht leiden konnte, aber er hatte immer genug Taschengeld dabei, um uns saure Gummizungen und fettige Pommes zu kaufen. Üble Pommes mit ranziger Majonnaise und viel zu süßem Ketchup, aber im Freibad schmeckt das Schlimmste göttlich gut. Meine Mutter gab mir hartgekochte Eier, Käsebrote und wässrigen Orangensaft in spitzen Dreieckstüten mit, aber Benni Schlüter, unser Vierter und Bester, hatte billiges Dosenbier in seinem Rucksack. Von seinem Vater geklaut, der die ganze Vorratskammer damit zugestopft hatte und wohl so gar nichts mehr merkte. Die leeren Dosen füllten wir mit Eiswasser aus den Duschen und schütteten es über den Mädchen aus. Und freuten uns wie die Mafia, wenn sie in Todesangst kreischten, immer in der Hoffnung, dass solch ein Bikinioberteil mal zufällig verrutschte, abrutschte, es uns wie eine Trophäe in die Hände fallen würde, um es dann mit dem Gebrüll eines Kriegers im Bund der Badehose verschwinden zu lassen. Das klappte nie, aber wir hofften immerhin drei Jahre, bis wir beschlossen, endlich Männer zu werden und uns die Dinger entweder freiwillig geben zu lassen oder eben gar nicht. Diese Wasserbomben, gefüllte Luftballons, später dann Kondome, die Jens Holz besorgte, der sich traute, zum Automaten zu gehen, wobei ich definitiv gestorben wäre, hätte man es von mir verlangt, prägten meine versauten Gedanken, waren harmlos, brachten mich aber dazu, mir Sorgen um meine ganz ungezogene Phantasie zu machen. Ich befürchtete, böse zu enden, dachte an die Couch, unter der ich mich entdeckt hatte, an Isabella, diese Lust aus Stein, an meine Wollhandschuhe in Brockmanns Scheune, die im Nass einer blutjungen Schlampe gewühlt hatten, sah mich immer und immer wieder auf Roswithas Bild spritzen und kam mir manchmal ziemlich krank vor. Nicht immer. Insgeheim fühlte ich mich den Jungs haushoch überlegen, konnte mir nicht vorstellen, dass Jens Holz und Uwe Brüding es wagten, in ihren Hosen zu forschen, wie ich es tat. Rückblickend waren meine Wasserbomben Auslöser für meine ehrlich steifen Schwänze in aller Öffentlichkeit. Die ich abquetschte, indem ich mich bäuchlings auf die verbrannte Liegewiese warf und unauffällig hin her robbte, um sie unbedeutend klein zu machen. Ich stellte mir Simone Wessinghage vor, die bei solchen Gelegenheiten ihre Hand unter meinen Bauch schieben würde, um mir dann, wie zufällig passiert, in den Bund meiner Badehose zu fassen, ihn recht kräftig zu fassen, um ihren Finger in meine weiße Milch zu tunken, um sie anschließend abzulecken. Mir gefiel auch die Vorstellung, dass sie ihr orange geblümtes Oberteil verlieren würde, wenn wir auf der karierten Wolldecke ihrer Mutter herumhangelten und uns gegenseitig auskitzelten. Da kann so was schon mal passieren, ich rechnete immer ganz fest damit, aber das Ding saß, und viel hätte ich eh nicht zu gesehen. Ihre Brüste waren noch sehr klein, aber ich dachte an meine Großmutter: "Mehr als eine Handvoll ist Verschwendung, Junge." Sehr viel später lernte ich auch die Vorzüge entzückend praller Titten kennen, zwischen denen ein Mann ohne Wasserkopf problosem eintauchen kann. Angenehme Abwechslung, trotzdem blieb meine Vorliebe für praktisches Denken erhalten. Habe auch recht große Hände.

Zweieinhalb Jahre später wanderten sie zum ersten Mal unter Simones Pullover. Sie war pummelig geworden, ihr langes Haar war auch nicht mehr da, und sie roch nach Patschuli, wovon mir übel wird, außerdem hatte sie, glaube ich ihre Tage. Amon, Bennos frisch kastrierter Köter, konnte es nicht lassen, im Partykeller mitzumischen, fraß Unmengen an Chips und Chilli und muss von irgendeinem Psycho Tequila in einem fast sauberen Aschenbecher spendiert bekommen haben. Der Hund rülpste unentwegt, es ging ihm wohl nicht so gut, was ihn aber nicht davon abhielt, permanent zwischen Simones Beinen herumzuschnüffeln. "Der riecht da Feines", grinste Benno, währen Simone ihn immer wieder streng und wohl auch leicht pikiert wegschubste. Ich bildete mir dann irgendwann ein, auch was zu wittern. Ließ aber meine Hände, wo sie waren, ihre Nippel waren fest und hart, und ich wünschte mir, mal kurz auf dem Clo mit ihr verschwinden zu können. Traute mich aber nicht, sie zu fragen, denn dann hätte ich wohl auch fragen müssen, ob sie denn nun tatsächlich ihre Periode hatte. Das hätte mir die Lust versaut, so weit war ich noch nicht. Stattdessen dachte ich an das Bollinger Strandbad, während Rod Stewart in unseren Lenden segelte. Simone presste sich an mich, mir gefielen ihre Ohrringe nicht, und ihr Pullover war gelb und übergroß, hing fast bis zu den Knien, und in ihren Mundwinkeln waren Chipskrümel, die wie kleine Popel aussahen. Mir war nicht gut, ich küsste sie nicht, wollte nicht reinkotzen in sie. Stellte mir aber vor, über ihre Brüste Eiswasser zu schütten. Drückte sie fester an mich und leckte über ihre Augenbrauen. Küsste sie dann doch, vergaß den scheußlichen Wollpullover und ertastete das Gute darin. Mehr war nicht. Habe sie neulich gesichtet, mit schreiendem Kind und Plastiktüten. Noch fetter. Grüßte knapp und dachte an den heißen Sand bei Rillershausen. Würde gern mal wieder Wasserbomben schmeißen. Aber nicht auf sie. Bin wählerischer geworden. Mein Hoseninhalt auch. Lassen wir das jetzt. Vorerst.


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